The Drachenloch above Vättis in the Tamina Valley
Das Drachenloch ob Vättis im Taminatale, 2445 m ü. M. und seine Bedeutung als paläontologische Fundstätte und prähistorische Niederlassung aus der Altsteinzeit (Paläolithikum) im Schweizerlande.
Von
Dr. Emil Bächler.
Mit 28 Abbildungen.
St. Gallen
Druck der Buchdruckerei Zollikofer & Cie.
1921.
Im Selbstverlag der St. Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft.
I. Einleitung und Geschichte der Entdeckung der prähistorischen Eunde im Drachenloch.
Die Entdeckung der vorgeschichtlichen Niederlassungen im Kesslerloch1 bei Thayngen (1874) und im Schweizersbild2 bei Schaffhausen (1891) waren sowohl für die schweizerische als auch für die europäische Prähistorie von weittragender Bedeutung. Galten sie doch als Beweis dafür, dass eine noch viel frühere, d. h. ältere Besiedelung des Schweizerbodens als diejenige des Pfahlbauers oder des Menschen der Neusteinzeit (Neolithikum) stattgefunden hatte, nämlich durch den Menschen der Altsteinzeit oder des Paläolithikums und zwar der jüngsten Stufe desselben, des sog. Magdalénien, dessen Vorhandensein bereits durch zahlreiche Funde aus Südfrankreich (Dordogne) bekannt war. Zwar lagen auch schon Funde aus früheren Jahren von andern schweizerischen Orten vor, so aus der Nähe von Veyrier am Fusse des Salève (wenige Schritte von der Schweizergrenze entfernt) von 1833, ferner von Villeneuve (Grotte de Scé), 1868, von Liesberg zwischen Delémont und Laufen im Tale der Birs (1874), bei Bellerive sowie im Freudental bei Schaffhausen (1874). Sie alle gehören ungefähr der gleichen vorgeschichtlichen Zeit an, ihre Bedeutung wurde aber durch die Funde vom Kesslerloch und Schweizersbild bei weitem überholt, weil sich an diesen beiden Orten ein vollständiges, klares, gutgegliedertes Bild von Fauna und Flora, klimatischen und diluvialgeologischen Verhältnissen und besonders auch über die prähistorischmenschliche Kulturstufe gewinnen liess.
Bekanntlich bilden Neu- und Altsteinzeit in den eben genannten Verhältnissen eigentliche Gegensätze, und was die Kulturstufen anbelangt, so ist es heute noch nicht gelungen, dieselben lückenlos zu überbrücken. Auch die Anthropologie rechnet mit einer mehr denn nur teilweisen Erneuerung der Bevölkerung zu Beginn der neolitischen Zeit durch Einwanderung,3 ohne uns restlos Aufschluss darüber geben zu können, woher diese Einwanderung und die neuen Zuzügler gekommen sind.
Der Neolithiker4 begegnet uns dann im Pfahlbauer als relativ schon hoch entwickelter Mensch, der ganz bedeutende Schritte auf dem Wege der Beherrschung der Natur angetreten hat durch seine Sesshaftigkeit und den eigenen Wohnhausbau, als Erfinder des geschliffenen Steinbeils, der ersten fernwirkenden Schusswaffe (Pfeil und Bogen), durch die Zähmung und Züchtung von Haustieren (Hund, Rind, Schaf, Ziege) = Viehzucht, durch die Verwertung von Halmfrüchten, Gerste und Weizen zur Nahrung = Ackerbau, als Ersteller von irdenen Geschirren = Töpferei, von Geweben = Weberei, von Kähnen = Schiffahrt usw.
Wie viel ärmer an materiellem Besitze steht der, all der genannten Kulturgüter entbehrende Paläolithiker, der Mensch der Höhlenzeit, als schweifender Jäger da, der so ganz von der Natur und ihren Launen abhängig war; der in natürlichen Höhlen, Wohngruben und primitiven Schutzhütten im Freien Unterkunft suchte, dessen Ernährung vom Jagdglück bedingt war und dessen Werkzeuge aus zugeschlagenen Rohsteinen und Tierknochen bestanden. Während die klimatischen Verhältnisse zur Jungsteinzeit ungefähr den heutigen gleichgeworden waren, stand der jüngste Paläolithiker unter der Herrschaft des Gletscher-, Steppen- und Tundrenklimas. Vorstoss und Rückzug der grossen Eismassen zur Gletscherzeit hatten auch für den Menschen Wanderungen zur Folge. Eine nordische und alpine Tierwelt verbreitete sich in den eisfreien Gebieten der Ebene Mitteleuropas. Rentier, Mammut, Vielfrass, Eisfuchs u. a. Nordländer, aber auch Steinbock, Gemse, Murmeltier, Schneehase sowie Steppennager bildeten die Charaktertiere dieser jüngsten Periode der Altsteinzeit. In den Zwischeneiszeiten fanden wieder gewaltige Verschiebungen statt. Die ganze Altsteinzeit bietet ein ausserordentlich wechselndes Naturbild dar, in dem noch lange nicht alle Züge enträtselt sind. Aber die heutige prähistorische Forschung arbeitet unausgesetzt daran, an Hand von neuen Funden und Fundverhältnissen Licht ins Dunkel zu schaffen.
Die gesamte Altsteinzeit wird nach dem heutigen Stande der Wissenschaft in verschiedene, z. T. schon von Gabriel de Mortillet5 aufgestellte Stufen oder Perioden eingeteilt. Sie sind nach französischen Fundorten benannt (vom Aeltesten zum Jüngsten): Chelléen, Acheuléen, Moustérien, Aurignacien, Solutréen, Magdalénien. An das Magdalénien schliessen sich noch einige kleinere Stufen an, die man z. T. als Uebergänge zum Neolithikum bezeichnet hat. wie das Azilien-Tardénoisien und das Campignien. Dem ältesten Paläolithikum, dem Chelléen vorausgehend, nimmt man heute auch noch eine dasselbe vorbereitende Stufe, das Praechelléen an, das bei manchen Forschern die sog. Eolithische Periode vertritt. Die zeitliche Einteilung dieser „Kulturstufen“ der Altsteinzeit in die verschiedenen Phasen der Eiszeit ist noch sehr schwankend.6 Sie richtet sich teils nach den bestehenden Chronologien über die Vergletscherung (Glaziale und Interglaziale), nach der Einheit oder Mehrteiligkeit derselben (diluvialgeologische Chronologiesysteme von Penck, Geikie, Mühlberg, M. Boule, Deecke, Geinitz, Aigner, Holst) sowie nach den Phänomen der Klimaschwankungen, wobei auch die Bildung der Lehm- und Lössablagerungen eine Rolle der Altersbestimmung spielen.7
Einige weitere prähistorische Stationen, wie jene von Grellingen im Birstal (1885), Büsserach im Jura (1890), Winznau-Käsloch, Kt. Solothurn (1908) bilden den Beweis für die weitere Ausbreitung des jüngsten Paläo-lithikums auch im baslerischen und solothurnischen Jura. Von besonderer Bedeutung sind die neuesten Untersuchungen und Grabungen von Dr. Fritz Sarasin8 im Birstale, namentlich jene am Schlossfelsen der Birsegg (Eremitage bei Arlesheim-Basel) geworden, weil sich hier ausser dem Magdalénien die an dasselbe anschliessende Stufe des Azilien (bemalte Kiesel) in unzweideutiger Weise vorfand.
Was die geologische Altersfrage des Magdalénien aller schweizerischen Fundplätze anbetrifft, so ist es sicher, dass dasselbe in die nacheiszeitliche Periode (Postglazial) und zwar in das Achen- und Bühlstadium nach Prof. A. Penck gehört. Für die früheren und älteren Kulturstufen der Altsteinzeit, von denen bis zum Jahre 1904 im Schweizerlande keine einzige nachgewiesen war, bleibt die chronologische Einteilung in das Eiszeitschema, wie bereits bemerkt, noch schwankend.
An das Vorhandensein von ältern Kulturstufen als jener des Magdalénien in der Schweiz zu denken, wagte man eben aus geologischen Erwägungen heraus überhaupt nicht. Mortillet und Hoernes haben die Gründe für dieses angebliche Fehlen älterer Steinzeitstufen, d. h. des Mittel- und Frühpaläo- thikums, aufzuführen versucht. G. de Mortillet9 sagt noch 1898: „Le paléolithique ancien paraît faire complètement défaut en Suisse. Cela se comprend, ce pays ayant été recouvert presque complètement par la glace pendant la grande extension des glaciers.“ Und M. Hoernes10 (1903): „Man hat öfter gefragt, warum in dem während der Eiszeiten vergletscherten Gebiete keine Spuren interglazialer menschlicher Besiedelung angetroffen würden. Man kennt doch die interglazialen Floren aus dem Innern der Schweiz und Tirols, und sie bezeugen ein Klima, welches auch dem Menschen zuträglich gewesen wäre. Man hat vermutet, dass spätere Eiszeiten die Spuren menschlicher Besiedelung wieder verwischt hätten. Die richtige Antwort auf jene Fragen ist wohl die, dass der Mensch in die alpinen Gebiete, auch wenn sie ihm zugänglich gewesen sind, als paläolithischer Jäger nicht eindrang, weil er ausserhalb derselben reichlich genügendes Jagwild fand.“ Auch A, Penck sagt im ersten Bande seines klassischen Werkes11 (S. 379): „Sehr spät erst ist die Besiedelung des Gebirges durch den Menschen erfolgt. Kein Fund spricht dafür, dass die paläolithischen Bewohner Mitteleuropas Besitz ergriffen haben vom Vorlande des Gebirges ausserhalb der eiszeitlichen Vergletscherung oder im Osten in dessen unvergletscherte Täler eingedrungen sind.“
War man aus rein geologischen Ueberlegungen, besonders aber aus dem Fehlen jeglicher mittel- und frühpaläolithischer Funde im Alpengebirge, zu der Ansicht gelangt, dass paläolithische Niederlassungen daselbst überhaupt nicht zu erwarten seien, so galt die Entdeckung der vorgeschichtlichen Stätte im Wildkirchli (1904) um so mehr als ein Ereignis, mit dem sich die Fachwissenschaft seit Jahren aufs lebhafteste auseinandergesetzt hat.12
Hier zeigten sich zum ersten Male in unzweideutiger Weise die Spuren der primitiven Kulturarbeit des vorgeschichtlichen Menschen der altern Altsteinzeit in einer Hinterlassenschaft, die auf eine noch ältere Stufe als das Aurignacien und eine noch weiter zurückliegende Zeit als jene der Herrschaft des Mammutes und Rentiers schliessen liess. Diese Funde gehören nach den Stein- und Knochenwerkzeugen in das Moustérien.13 Das Haupt- und Charaktertier ist der Höhlenbär (Ursus spelaeus) in einer Unmasse von Knochenresten (99,8 %), die auf über 1000 Exemplare dieses Tieres hinweisen. Zu ihnen gesellen sich Reste des Höhlenlöwen (Felis leo var. spelaea). des Höhlenpanther (Felis pardus var. spelaea), des Alpenwolfes (Cuon alpinus fossilis), ferner vom Wolf, Dachs, Edelmarder, Steinbock, Gemse, Edelhirsch, Murmeltier, Alpendohle und Nagern, also eine typische alpine Waldfauna. Das Steinwerkzeugmaterial besteht aus gemeinen Quarziten, die vom Tale herauf in die Höhle geschleppt wurden ; die Knochenwerkzeuge sind primitivste Fellglätter und Fellablöser.
Das Aufsehen, welches die Entdeckung der prähistorischen Niederlassung im Wildkirchli erregte, war um so berechtigter, als dieselbe sich in einer Meereshöhe von 1477—1500 Meter befindet, während die höchsten derartigen Funde bislang die Höhe von 600 Meter kaum überschritten. Dann war das Wildkirchli die erste sicher beglaubigte altpaläolithische Stätte innerhalb der Jungmoränen der Alpen und zugleich die höchste in ganz Europa. Für die geologische Altersstellung liess sich zudem ihre Zugehörigkeit in die letzte Zwischeneiszeit (Riss-Würm-Interglazial) annehmen. Zur Hochglazialzeit war die Bewohntheit des Wildkirchli unbedingt ausgeschlossen ; gegen das nacheiszeitliche (postglaziale) Alter lassen sich eine Anzahl gewichtiger Gründe ins Feld führen. Für eine ausführlichere Darlegung weiterer Angaben über diese bis anhin höchste und isoliert dastehende älteste menschliche Niederlassung ist hier nicht der Raum. Ich verweise auf die angegebene Literatur. — Die Ausgrabungen im Wildkirchli dauerten während der Wintermonate der Jahre 1904 — 1908. Dieselben sind aber lange noch nicht abgeschlossen. Weitere Nachforschungen dürften eine Ehrensache der schweizerischen prähistorischen Wissenschaft bedeuten !
Bis zum Jahre 1916 blieb das Wildkirchli am Säntis in hochthronender Einsamkeit die einzige derartige vorgeschichtliche Stätte im Osten des Schweizerlandes. Da bekam es eine Schwesterstation im Westen, im neuen- burgischen Jura, in der ebenfalls schon von früher her bekannten Grotte de Cotencher bei Chambrelien, in der Gorges de l’Areuse, am Eingänge ins Traverstal auf einer Höhe von 650 Meter. Bereits im Jahre 1867 fanden daselbst Ausgrabungen statt, wobei sich eine Menge von Ursus spelaeus-Resten vorfanden. Erst im Jahre 1915 trat die Fundstätte aus ihrer Vergessenheit heraus. Im Sommer 1916 hat der neuenburgische Geologe Professor Auguste Dubois in Neuchâtel im Vereine mit Dr. H, G. Stehlin in Basel mit den systematischen Ausgrabungen begonnen, die seither so ausgezeichnete Resultate zutage förderten.14
Die Tierwelt ist jener des Wildkirchli sehr ähnlich. Der tiefem Lage dieser Stätte entspricht natürlich eine bedeutend grössere Zahl der Tierarten. Der Höhlenbär spielt ebenfalls die Hauptrolle (95%); Löwe und Panther sind auch vorhanden, ebenso die alpinen Steinbock, Gemse, Murmeltier und Wolf. Daneben treten auch das Wildpferd, das Rentier, Wildrind und andere grössere Tiere auf. — Die Steinwerkzeuge sind vom Charakter derer des Wildkirchli, es sind auch Quarzite von teils primitiver Gestaltung und nicht örtlicher Herkunft. In diluvialchronologischer Hinsicht dürfte Cotencher höchst wertvollen Aufschluss erteilen,15 da die Grotte volle 400 Meter unter dem höchsten Niveau des einstigen Rhonegletschers und der letzten Vereisung, sowie mehr als einen Kilometer innerhalb der äussersten Grenze ihrer Moränen liegt, während das Wildkirchli zur Zeit aller Vereisungen gegen 300 Meter über dem höchsten Gletscherstande gelegen, also immer Nunatak war.
War also durch die beiden paläolithischen Stationen Wildkirchli und Cotencher der Beweis erbracht, dass auch die Schweiz Anteil besitzt an noch viel ältern Besiedelungen als jenen des Kesslerloch und Schweizersbild, der Mammut- und Rentierzeit16 und damit der Anschluss geschaffen sowohl an die westlichen (französischen) wie an die östlichen (deutschen und österreichischen) ältern altsteinzeitlichen Kulturstätten, so hätte man mit Fug und Recht das Wildkirchli als oberste d. h. höchste Grenze mit Bezug aut die Höhenverbreitung des ältern Paläolithikers bezeichnen können.
Wie im alltäglichen Leben des Menschen, so gibt es auch in der Wissenschaft und auf dem Gebiete der Forschung Ueberraschungen und völlig unerwartete Dinge, die zu ganz andern, neuen Einstellungen unseres Denkens führen. Die Entdeckung des Wildkirchli (1904) bezw. seiner uralten Kulturstätte war der erste Beweis für eine ungeahnt frühe Besiedelung des vom spätem Menschen noch lange gemiedenen Gebietes des hohem Alpengebirges. Zieht man beim Wildkirchli die verhältnismässig grosse Nähe des appenzellischen Hügellandes in Betracht, so war der Aufstieg des altsteinzeitlichen Menschen vom Tale zu der nicht allzuweit entfernten und von Norden und Osten her gar stark in die Augen springenden Ebenalp schliesslich noch leicht zu begreifen.
Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn wir daran denken müssen, dass sogar noch viel höhere und dazu mitten im Herzen des eigentlichen Hochgebirges gelegene Gebiete, fernab von den grossen, breiten Talschaften, die ja stets für die Besiedelung durch den Menschen so richtungsbestimmend sind, schon zur ältern Steinzeit bewohnt gewesen waren.
Durch die Entdeckung der Funde in dem nahezu 1000 Meter höher als das Wildkirchli und mitten in dem mächtigen, weltabgelegenen Felsengewirre der Grauen Hörner-Calanda-Ringelkette auf einer absoluten Höhe von 2445 Meter gelegenen Drachenloch ob Vättis, im Tamina-Calfeisentale, hat nun die Tatsache eine kraftvolle Stütze erhalten, dass der Mensch der Altsteinzeit und gerade der Altpaläolithiker eine bestimmte Vorliebe für die Besiedelung der heute und schon damals hochgelegenen Gebirgsteile des Landes hatte, sofern daselbst die Gelegenheit zum Bewohnen von Höhlen gegeben und dort genügend Wild für seinen Lebensunterhalt vorhanden war.
Zur Zeit der Entdeckung der ersten Höhlenbärenknochen im Drachenloche (1917) und beim Beginne der ersten systematischen Grabungen in dieser an 60 Meter Säntishöhe erreichenden Fundstätte haben wir die Resultate nicht zu ahnen vermocht, die heute, nach 5 mal 6 Sommerwochen vor uns liegen und die nun den Gegenstand unserer folgenden Betrachtungen bilden. Dabei handelt es sich in der allgemeinen Beschreibung der Fundstätte, der sie umgebenden Gebirgswelt und in den Darstellungen der topographischen Lage und der geologischen Verhältnisse um eine auch für den Nichtfachmann verständliche Abhandlung, die eine gewisse Vollständigkeit beansprucht. Die Erörterungen über die Resultate der gesamten Ausgrabungen tragen dagegen den Charakter einer vorläufigen, wenn auch etwas ausführlicheren Mitteilung, da die Grabungen, die im Sommer 1917 begonnen und während der folgenden Sommer 1918—1921 fortgesetzt wurden, heute erst etwas über die Hälfte des vorhandenen Fundareals sich ausgedehnt haben.17
Eine eigentliche wissenschaftliche Monographie der prähistorischen Tierfunde und der Belege für die einstige Anwesenheit des Altsteinzeitmenschen wird nach Abschluss der Forschungen erfolgen. (Verfasser: E, Bächler und Th. Nigg). Das in so reichem Masse vorhandene Fundmaterial von Ursus spelaeus (Höhlenbär) verschafft uns im weitern hinreichende Gelegenheit zu einer osteologischen Monographie über dieses Charaktertier der Höhlen zur Glazial- und Interglazialzeit unserer Alpen.
* * *
Zur Entdeckung der vorgeschichtlichen Funde im Drachenloch ob Vättis soll eingangs das Wichtigste gesagt sein. Wie wir später erfahren, War die Höhle der dortigen alpinen Bevölkerung schon längst bekannt und kürzere Beschreibungen derselben da und dort in der Literatur niedergelegt. Seit meinen botanischen Studien im Calfeisen-Taminatale (1899— 1904) hatte ich ebenfalls Kenntnis vom Vorhandensein dieser Höhle, da ich schon 1899 in ihrer Umgebung (Gelbbergalp, Vättnerkopf) botanisierte. Im Sommer 1901 besuchte ich sie zum ersten Male, wenigstens in ihrem vordersten Teile, als mir der damals auf der Gelbbergalp als Schafhirt dienende Fridolin Kohler von Vättis treue Führerschaft im südlichen Gebiete der Grauen Hörner leistete. Zwei Jahre darauf, am 3. Juli 1903 kam ich mit J. Graf, damals Lehrer an der Oberschule Vättis (jetzt in Kappel, Toggenburg) und Fritz Iklé (St. Gallen) wiederum zum Drachenloche, um diesmal auch die hintersten Höhlenteile zu besichtigen und von dort eine kleine Sammlung von Kalkspatgruppen und -kristallen mitzunehmen. Mittelst Schnüren, Maßstab und Kompass wurde eine provisorische Vermessung der Höhle zur Erstellung eines Grund- und Aufrisses derselben vorgenommen. Gleichzeitig nahm Herr Fritz Iklé mehrere Blitzlichtphotographien aus dem vordem Höhlenteile und beim Einschlupf in die zweite Höhlenkammer auf.
Schon damals fielen uns in der zweiten und besonders in der dritten Abteilung die zahlreichen auf der Bodenoberfläche am Rande der Höhlenwände zerstreuten Röhrenknochen und Kiefer von Tieren auf, die wir aber nicht besonderer Aufmerksamkeit würdigten, da die Zeit für die Untersuchungen zu kurz bemessen war und das allgemeine Urteil im Volke dahin lautete, dass es sich um eingeschleppte Knochen von Weidetieren (Rinder, Schafe, Ziegen) handle, die in der Umgebung verendet seien. Ich beschäftigte mich damals auch noch nicht mit paläontologischen Forschungen und unterliess weitere Nachsuchungen im Bodenschutte. Erst als ich 1904 mit den Forschungen im Wildkirchli einsetzte, kam mir mehrmals der Gedanke wieder an die Oberflächen-Knochenfunde im Drachenloch ; ich glaubte aber nicht an das Vorhandensein von Ursus spelaeus oder gar der Hinterlassenschaft des Urmenschen. Immerhin vermerkte ich 1913 das Drachenloch ob Vättis in die von mir erstellte, 1914 an der Schweiz. Landesausstellung in Bern aufgelegenen Karte der „Naturdenkmäler der Kantone St. Gallen und Appenzell“ (1 : 100,000) als Desideratum für kommende paläontologische Nachgrabungen. Doch geschah vorderhand in der Sache nichts weiteres.
Da wurde ich am 8. Juli 1917 durch eine Postsendung mit Begleitbrief von Herrn Lehrer Theophil Nigg an der Oberschule in Vättis überrascht. Er übermittelte mir in einer Schachtel eine ganze Anzahl zerbrochener Tierknochen zur Begutachtung, die er am 7. Juli, also tags vorher, aus dem zweiten Höhlenteile des Drachenloches in einer Tiefe von etwa 60 Zentimeter dem Bodenschutte entnommen, den er mit einem Spaten geöffnet hatte. — Unter dem Splittermaterial lag auch ein Schneidezahn, den ich sofort als denjenigen eines Höhlenbären (Ursus spelaeus) erkannte. Schon am 10. Juli machte ich Herrn Lehrer Th. Nigg auf die wissenschaftliche Wichtigkeit seiner Entdeckung aufmerksam und ersuchte ihn, dieselbe geheim zu halten, bis die notwendigen Schritte bei den zuständigen kantonalen und den Gemeindebehörden unternommen seien, um das Drachenloch im Sinne der kantonalen Verordnungen und des eidgen. Zivilgesetzbuches zum Naturschutzobjekt zu erheben und nach den vorliegenden Bestimmungen fachmännisch-wissenschaftlich zu untersuchen.
Sowohl der h. Regierungsrat des Kantons St. Gallen, d. h. das Erziehungsdepartement (damaliger Chef: Herr Landammann H. Scherrer †), dem die Naturdenkmäler des Kantons unterstellt sind, sowie der löbl. Gemeinderat der politischen Gemeinde Pfäfers, als auch der Ortsverwaltungsrat der Ortsgemeinde Vättis erklärten einmütig ihre Zustimmung zu der wissenschaftlichen Erforschung des Drachenloches, mit der Bedingung, dass die Funde aus demselben dem Naturhistorischen Museum der Stadt St. Gallen zufallen und ein kleiner Teil von Doubletten der Ortsschule Vättis übergeben werden sollen, weil das Drachenloch wie die Alp Gelbberg Eigentum der Ortsgemeinde Vättis ist. Mit diesem Beschlusse sollte den Bestimmungen des eidgen. Zivilgesetzbuches Art. 702, 723 und 724 über Naturdenkmäler volles Genüge geleistet sein.18 In vorsorglicher Weise erliess der Gemeinderat ein öffentliches Verbot des Betretens der Drachenlochhöhle, um einer allfälligen Entwendung wichtiger Funde vorzubeugen. In zuvorkommenster Weise stellte uns auch der Ortsverwalüingsrat von Vättis die kurze Zeit vor der Entdeckung der Drachenlochfunde auf der Alp Gelbberg neu erstellte Schäflerhütte (2070 m) als Unterkunftsstätte während der Nacht kostenlos zur Verfügung.
Die nicht geringen Kosten für die Ausgrabungen im Drachenloch übernahm, wie im Wildkirchli, die Eigentümerin des Naturhistorischen Museums der Stadt St. Gallen, die Bürgergemeinde, bzw. der ortsbürgerliche Verwaltungsrat (Präsident: Herr W. Gsell), der sich damit ein Recht auf die zutage geförderten Funde erwarb. — Allen den genannten Behörden und den Personen, die sich um das Zustandekommen der Drachenlochforschung verdient gemacht haben, gebührt an dieser Stelle der wärmste Dank. Wir dürfen ihn heute um so freudiger aussprechen, weil sich die Hoffnungen, die wir an diese einzig dastehende Fundstätte knüpften, im Laufe der Ausgrabungen in einer Weise erfüllt haben, wie es nicht geahnt werden durfte, und die noch folgenden Forschungen an dieser höchstgelegenen vorgeschichtlichen Station werden das bis heute gewonnene Bild wesentlich ergänzen und vervollkommnen!
Es war von vorneherein eine gegebene Sache, dass der Entdecker der paläontologischen Schätze im Drachenloch, Herr Lehrer Theophil Nigg in Vättis, zum bevollmächtigten Mitarbeiter an der gesamten Erforschung dès Drachenloches ernannt wurde, um so mehr, als er sich mit wahrem Feuereifer an sie heranmachte und sich rasch in die Methodologie der Höhlenforschung einlebte. Mit freudigem Danke darf ich bekennen, dass dieselbe hier ihre Erfolge in erster Linie Herrn Lehrer Nigg verdankt und sie ohne ihn und seine grosse Treue zur Sache niemals so rasch und zielbewusst hätte durchgeführt werden können. Die Drachenlocharbeiten erfordern schon um der aussergewöhnlich hoch gelegenen Lage des Fundortes willen einen bedeutenden Aufwand an physischer Kraft, und wir fühlen uns glücklich, dass wir in den beiden Gehilfen, Abraham Bonderer und Hermann Kressig, beide von Vättis, so zuverlässige und arbeitsfreudige Förderer unserer Sache gefunden haben, die neben ausdauernder körperlicher Leistungen auch ein richtiges Verständnis für die Ausgrabungen bekunden.
Die Arbeiten im Drachenloch können um der bedeutenden Höhenlage dieses Fundortes willen nur während der günstigsten Jahreszeit, d. h. in den Monaten Juli, August und September, ausgeführt werden, während welcher Zeit in dem Gebirgsdorfe Vättis zugleich Schulferien sind. Die Witterungsverhältnisse lassen aber auch in diesen Monaten gewöhnlich keine konstante Arbeit zu, da selbst in der Höhe des Gelbberges bei schlechtem Wetter nicht selten Schneefall eintritt, der den Aufstieg von der Gelbberghütte (2070 m) bis zur Drachenlochhöhle (2445 m) gefährlich gestaltet, ja verunmöglicht. So waren wir verschiedene Male selbst im Monat August zum Abzug ins Tal gezwungen. Bei anhaltendem Regenwetter ist der Aufenthalt hier oben ebenfalls ausgeschlossen, da wir doch alle Tage den Aufstieg von der Hütte zur Höhle und den Niederstieg zur Gelbberghütte unternehmen müssen. Am Samstagabend erfolgt jeweilen der Abstieg nach Vättis, am Montagmorgen steigt die Forschungskarawanne (4 Mann hoch) mit Proviant für eine Woche wieder zur Höhe. Ein täglicher Auf- und Abstieg wäre zu mühevoll und zu zeitraubend. Der Aufstieg von Vättis zur Gelbberghütte erfordert 2½ bis 3 Stunden, jener von der Hütte zur Höhle 1 Stunde.
II. Allgemeine Situation des Drachenloches.
Die Schilderung des Drachenloches und seiner Umgebung führt uns hinein in das sagenreiche, wildromantische, touristisch wie wissenschaftlich erst in den letzten Jahrzehnten erschlossene Tamina- und Calfeisental.19 Den Ausgang des Taminatales gegen das grosse st. gallische Rheintal hin bildet der seit alters berühmte Bade- und Kurort Ragaz, mit den etwa eine Stunde weiter südlich im Taminatale gelegenen warmen Heilquellen von Pfäfers. Daselbst hat die zum schäumenden, oft wild daherbrausenden Bergstrom gewordene und bei Ragaz sich mit dem Rheine vereinigende Tamina in gewaltiger, nacheiszeitlicher Auskolkung die ebenso berühmte Schlucht geschaffen, „die an Grossartigkeit von keiner andern der Schweizeralpen übertroffen wird“ (Albert Heim). In ihrer immer tiefer grabenden Tätigkeit hat die Tamina endlich jene wunderbaren, aus dem Innern der Erde sprudelnden warmen Wasseradern (mit 37,5° C.) angeschnitten, deren Herkunft heute noch ebensosehr Gegenstand strenger wissenschaftlicher Untersuchung wie phantastischer Auslegungen ist, ohne dass das Rätsel restlos gelöst wäre.20
Die Wanderung durch das etwa 2½ Stunden lange Taminatal gestaltet sich zu einer der abwechslungsreichsten Taltouren im alpinen Gebiete. Die erste Hälfte des Tales kann auf zwei Wegen, der eine zur Rechten, der andere zur Linken hoch über dem Flusse, begangen werden. Die rechtsseitige Talstrasse geht vom Dorf und ehemaligen Kloster Pfäfers ob Ragaz (835 m) über Vadura (960 m) aus, dem einstigen Klosterwege Pfäfers-Kunkelpass nach Mapragg, wo sie sich mit dem linksufrigen Strässchen, das vom Bade Pfäfers nach Valens (915 m), über das schaurige Mühlebachtobel, den sagenumsponnenen Weiler Tschenner und nach Vasön (928 m) führt, vereinigt. Während die genannten Dörfchen noch auf prächtigen, weidebegrünten Tal- terrassen, hoch über dem Flusse liegen, treten wir vom Elektrizitätswerk Mapragg an in das fast schluchtartig verengte Taminatal, das von den immer höher aufstrebenden Felswänden des Nordausläufers des Calanda und den Ausläufern der Grauen Hörner (Zanayhörner und Monte Luna) begrenzt wird und in der kaum 25 Meter breiten Schlucht von St. Peter (876 m) einen scheinbar vollständigen Talabschluss bildet. Einstens, d. h. noch zu Beginn der jetzigen Erdepoche (Alluvium), war hier ein mächtiger Felsriegel, hinter welchem sich ein langer Stausee befand, dessen Abfluss mit seiner schleifenden Kraft endlich die Felsenbarriere durchbrach.
Abermals weitet sich nun das Tal, und in wenig mehr denn einer halben Stunde, nachdem wir die Tamina durch eine alte, gedeckte Holzbrücke („Schüelenbrugg“) überschritten, sind wir in dem in überwältigender Einsamkeit und in einer breitem Talwanne gelegenen Bergdorfe Vättis (951 m) angelangt, das in neuerer Zeit zu einem vielbesuchten Kurörtchen für Luftveränderung geworden ist. Von drei Seiten sind wir hier von mächtigen Gebirgszügen umgeben, die mit ihrem Fusse nahe an das Dorf und an den Taminafluss herantreten. Vor allem ist es der ungeheure Felswall des Calanda, der in gewaltigen, fast senkrecht bis zu seiner Spitze (2808 m) aufstrebenden Wänden den östlichen Ausgang aus dem Tale abschliesst und die aus westlicher Richtung kommende Tamina zu nördlich gerichtetem Laufe zwingt.
Von der Calandaseite bei Vättis eröffnet sich dem Auge ein überraschend schöner kulissenartiger Einblick in das nach Westen sich Öffnende Ursprungsland der Tamina, das von Vättis an den noch unerklärten Namen Calfeisental21 trägt. (Abb. 1.)
Einstens durchquerte hier das noch zusammenhängende mächtige Gebirge in weitem flachgewölbtem Bogen und gleichmässigem Uebereinander den jetzt offenen Raum. In diesen Bogen schnitt sich die Tamina ein Tal, das an Grossartigkeit und romantischer Schönheit seinesgleichen sucht. Das Calfeisental scheidet heute das südliche (im Bilde links) zu den höchsten Erhebungen sich auftürmende Gebirge der Ringelkette mit den dem Dorfe Vättis nahe gelegenen Orgeln und dem Simel und jenes der Grauen Hörner mit dem zunächst sich befindlichen Gelbberg-Drachenberg (rechts im Bilde) und dem weiter hinten hervortretenden Gigerwaldspitz. Zuhinterst zeigt sich bei heller Witterung eben noch der westliche Talabschluss in dem mit Schnee und Eis gekrönten Piz Sardona oder Saurenstock, aus dessen Herzen einer der drei taminabildenden Gletscherflüsse entspringt.
Mit überwältigender Herbheit und Kraft des landschaftlichen Ausdruckes treten die beiden Gebirgsaufbaue der Grauen Hörner und der Ringelkette dem Wanderer im vordem Calfeisental entgegen. In dasselbe führt heute ein recht bequemes Fahrweglein bis zur Sardonaalp. Von Viertelstunde zu Viertelstunde wechseln Bilder und Stimmungen. Zu Beginn unserer Wanderung nimmt uns rasch der lichtdurchflutete Bergwald, meist aus Buchen und wenig Nadelholz (Lärchen) auf. Dann treten wir in den Fichtenwald, dessen ernstere Stimmung noch verstärkt wird durch das dumpfe Donnern der Tamina in der Tiefe. Beinahe verloren fühlen wir uns zwischen den engen, in kühnen Steilmauern immer höher aufstrebenden Talwänden. Auf senkrechte Felsenmassen bauen sich zu beiden Seiten neue Felsgehänge und Abstürze auf, und über ihnen thronen scharfe Spitzen, feingezackte Gräte, domartige Gebilde. Im Gigerwald betreten wir fast mit einem Gefühle der Erlösung einen freundlichen, unter dem wild abstürzenden Gigerwaldspitz gelegenen Wiesengrund, von dem aus es rechts gegen Norden in das schauerliche Steiltobel der Tersolbachschlucht hinaufgeht.
Durch eine erst in neuester Zeit (1904) erbaute Tunnelpartie unter der abschüssigen Gigerwaldplatte hindurch folgen wir taleinwärts stets dem brausenden Bergstrom bis zu dem an grüner Berglehne hingesetzten, nur aus wenigen Alphütten und einem altersgrauen Kapellchen bestehenden Bergweiler St. Martin. In dessen Beinhaus sprechen die ausgebleichten Knochen reste der einstigen „Riesen“ der uralten Walseransiedelung im Calfeisental eine stumme und zugleich ernste Sprache von ehemaliger reichlicherer Bewohntheit desselben (siehe geschichtlicher Abschnitt). — Immer höher trägt uns der Fuss bis zum Eingänge in das nun weiter ausladende hintere Calfeisental mit seinen ausgedehnten Alpweiden, auf denen zur Sommerszeit das Herdengeläute von allen Seiten erklingt. Einsamkeit umgibt den Wanderer, und den Hintergrund schliesst das „grosse Leuchten“ von Schnee und Eis des Sardonagebirges.
Kehren wir wieder nach Vättis zurück! Die strenge Abgeschlossenheit des Ortes wird etwas gemildert, wenn wir den Blick nach Süden wenden zu der fast flachmuldigen Einsenkung, die zu dem anderthalb Stunden von hier entfernten Kunkelspass (1351 m) hinanführt, der einen uralten Völkerweg ahnen lässt. — Doch bevor je eines Menschen Fuss dieses Gelände betreten hatte, bildete das Kunkelsertal, aus dessen Ausschnitt heraus das Dörflein Vättis im Winter seine einzigen Sonnenstrahlen bekommt, das breite Bett des einstigen Westrheins. Später wurde dieser seines nördlichen Laufes beraubt und wandte sich dann nach Osten gegen Chur. Das Kunkelsertal wurde zum Torso, und der dasselbe heute durchfliessende Görbsbach sammelt nur noch die Wasser der seitlichen vom Calanda und der Ringelkette herabfliessenden Bergbäche und führt sie beim Dorfe Vättis der wasserreicheren Tamina zu.
Und zu einer andern Zeit schob sich vom bündnerischen Rheintal her über den nämlichen Kunkelspass ein Arm des mächtigen Rheingletschers zur Tamina und durch ihr enges Tal von Vättis bis nach Ragaz hinaus. Die Spuren der Gletschertätigkeit treten uns an den verschiedensten Stellen, so in der Felsenge von St. Peter, deutlich zu Gesichte. In den Schutthängen beiderseits der Tamina finden wir die Zeugen der Herschaffung ortsfremder (bündnerischer) Gesteine (Erratika), und die Arbeit des verfrachtenden Gletscherwassers enthüllt uns der merkwürdige, beim Dörfchen Vättis sich erhebende Bühl oder „Lärchenhügel“, dessen fluvioglaziale Entstehung ausser Zweifel steht. Die Flussauswaschung des Talgeländes von Vättis bekunden die prachtvollen, ausgedehnten und mit saftigem Weidegrün und Aeckern überkleideten Terrassenbildungen. Trotz ihrer zeitweiligen Wildheit hat die Tamina stets ihr vorgezeichnetes Bett eingehalten, so dass die menschlichen Ansiedelungen an dieser Stelle nicht auf dem Terrassenboden, sondern ungefährdet nur wenige Meter über dem Niveau des Flusses stattfinden konnten.
Wenden wir nun unsere Aufmerksamkeit auf unser eigentliches Ziel, den Drachenberg mit seiner merkwürdigen Höhle, dem Drachenloch! Den aufmerksamen Wanderer hätten wir zwar kaum 5 Minuten vor dem Eintritte in das Dorf Vättis, von der Landstrasse aus zur Rechten oben, die ganze Situation überblicken lassen können. Unsere Abbildung 2, die wir zur Schilderung des Aufstieges zum Drachenloch wiederum benützen, gibt uns da besser als viele Worte einen Begriff von der extremen Höhenlage des Drachenloches (2445 m), dem bedeutenden Höhenabstande von diesem und der Talsohle auf nur 930 m, sowie der Steilheit des zu begehenden Gehänges, da der horizontale Abstand von der untern Talterrasse bis zur Höhle kaum 2 Kilometer misst.
Allein den mächtigsten Eindruck vom Drachenberge gewinnen wir etwas oberhalb Vättis gegen Kunkels, auf der Wiesenterrasse von Mattlina. Unsere Abbildung 3 erspart uns auch da jegliche weitläufige Schilderung. Es ist ein Riesenmassiv von übereinanderfolgenden Felsenmauern, die das breite Grundgestell des Berges bilden, und zuoberst, terrassenförmig aufgebaut, ruht der Drachenkopf, eine majestätische Hochburg der Natur. Die Begehung des Steilwandlabyrinthes ist von hier aus in senkrechter Richtung für gewöhnliche Berggänger ein Ding der Unmöglichkeit, nur der einstige Gemsjäger (das Gebiet ist heute staatliches Wildbanngebiet) mochte sich längs der schmalen Terrassenbänder und durch schauerliche Klüfte hinauf den Zugang zu der Hochterrasse der rechts unterm Drachenkopfe gelegenen Gelbbergalp erzwingen.
Werfen wir von hier aus einen raschen Blick auf die Vegetationsverhältnisse am Drachenberge, soweit sie sich auf den Wald beziehen. Hart beim Dorfe Vättis, anschliessend an das Weideland der Terrasse des Gamsbodens, breitet sich bergwärts der Buchengürtel aus, der als geschlossene Formation bis zur absoluten Höhe von 1300 m und taleinwärts ins Calfeisental nur bis zum Gigerwald sich erstreckt, während er am Kunkelspasse noch in geschlossenen Beständen dominiert. Merkwürdigerweise hat sich auf allen Seiten des untersten Talgehänges bei Vättis die Lärche in prachtvollen Beständen angesiedelt (Abb. 3). Obschon sie im Gebiete des Calfeisentales und am Calanda (in ersterem neben der Arve) der am höchsten reichende Pionier des alpinen Hochwaldes ist und über dem geschlossenen Walde noch weit auf alle höher gelegenen Planken und Terrassen hinaufklimmt, so erfreut sie sich hier unten in der Talsohle eines gesunden und ausdauernden Wachstums. Die Frage, ob hier die Lärche ihr Dasein der natürlichen Versamung oder aber der züchtenden Hand des Menschen verdankt, ist noch ungelöst geblieben.
Die nächsthöhere Regentschaft im Gebiete gehört der Rottanne oder Fichte und zwar von etwa 1300 bis zu 1750 m Höhe. Auf der Ostseite des Gelbberg-Drachenberges und Vättnerberges erreicht sie eben noch die untern Kanten der hohen Terrassen von Gelbberg, Vättnerälpli (Ladils) und Vättnerberg. In unserer Abbildung 3 (rechts oben) haben wir bei 1760 m die letzten Fichten, vergesellschaftet mit einzelnen Lärchen und zwei starkstämmigen Föhren (Pinus silvestris). Am Gelbberg-Drachenberg kommt aber die Lärche nicht zu nennenswerter Ausdehnung. Gleich auf dem oben genannten Felskopfe beginnt der hier wie anderorts durch die Weidewirtschaft arg durchlichtete Legföhrengürtel, dessen oberste Büsche bis 1960 m reichen, im untern Teile da und dort noch bis 1880 m von einzelnen Lärchen der „Kampfzone“ durchsetzt. Von 1900 m an gehört die Alleinherrschaft am Drachenberg der Alpen- und Mager Weidelandschäft. Ihr grüner Mantel bekleidet den grössten Teil des Drachenberghanges (in Abb. 3 mit Schnee bedeckt, Ende Oktober 1917). Eine allerdings schon stark zerrissene Grasnarbe breitet sich stellenweise selbst auf dem Gipfelrücken des Drachenkopfes aus, dessen Scheitel jeden Sommer schneefrei wird.
Haben wir uns im Vorausgehenden, soweit es auch für spätere Auseinandersetzungen nötig war, in dieser anziehenden Talschaft umgesehen, so rüsten wir uns jetzt zur Erreichung unseres Hauptzieles, zum Gange nach dem Drachenloch. Wer hätte es je zu glauben vermocht, dass unter seinem hochgewölbten und weithin sichtbaren Höhlendache urweltliches Leben von Menschen und Tieren sich abgespielt hätte! Die prächtigen, unserer Schrift beigegebenen Bilder entheben uns der Mühe weitläufiger Schilderung des Aufstieges zum Drachenberge. Betrachten wir Abbildung 2, die etwas unterhalb Vättis (gegen Pfäfers hin) die ganze Situation überblicken lässt.
Inmitten des Steilgehänges, das sich zum Drachenberg und Vättnerkopf hinaufzieht, hat sich die Erosion das stellenweise völlig unbegehbare Kreuzbachtobel, eine schaurige Klamm, ausgeschnitten, die bis an die Gelbbergterrasse, d. h. über die Waldgrenze, hinaufreicht. In ihrem Grunde rauscht, über mächtige Felsbarrieren stürzend, der Kreuzbach, der bei heftigen Niederschlägen zum gefahrvollen Wildwasser anschwillt, das vor seiner teilweisen Bannung oftmals tiefe Wunden in das am Fusse des Berges sich ausbreitende Kulturland eingegraben hat. Zur linken Seite des Kreuzbachtobels setzt sich unser gutbeschuhter Fuss ans Steilgehänge, das nun in vielen Zickzackwindungen und Traversen erst durch herrlichen Buchenwald, dann durch tiefernsten Fichtenwald, da und dort mit reizenden Ruhe- und Auslugplätzchen, überwunden wird, bis wir die Kuppe der obern Waldgrenze erreicht haben, wo wir in die freie Landschaft der Alpenweide hinaustreten. Ueber- raschende Bilder vom nahen Gebirge kommen uns hier vor das Auge. Zu Beginn unserer Grabungen im Drachenloche war der Weg bis zu der auf 1500 m hoch gelegenen Waldwiese von Patina ein überaus schlechter und sehr anstrengender. Dank der finanziellen Unterstützung, die die Verwaltungsbehörde der Ortsgemeinde St. Gallen uns auch für die namhafte Wegverbesserung gewährte, kann nun dieser steilste Teil des Aufstieges ohne Gefahr in zwei Stunden bezwungen werden.
Gleich beim ersten Rasenköpfchen über der Waldgrenze, beim sog. „Brunnenhüttli“ (1760 m)22, wo neben freien Weideplätzen ein Gewirre herrlicher Bergföhren und Alpenrosensträucher die flachen Kuppen überdeckt, ist uns der Drachenberg mit seiner von der Morgensonne grell beleuchteten obersten Felswand in greifbare Nähe gerückt.23 Das beschleunigt unsern Gang zur Höhe. In einer schmalen Geländerinne zwischen legföhrenbestandenen Längsrücken, dann auf die freie Weide tretend, sind wir in einer guten halben Stunde auf der wundervollen Terrassenfläche der Gelbbergalp (2070 m) angelangt (Abb. 5 und 6) und befinden uns inmitten einer packenden Gebirgslandschaft. Vor wenigen Jahren stand auf dieser Alp einzig eine uralte, aus Steinplatten aufgesetzte, halb zerfallene, vorWind und Wetterkaum schützende Schäflerhütte. Ein Glückszufall wollte es, dass im Juli 1917, just zur Zeit der Entdeckung der ersten Drachenlochfunde, durch die Ortsgemeinde Vättis, die Eigentümerin der Alp Gelbberg, eine neue, wenn auch kleine, so doch frohmütige Unterkunftstätte für den Schafhirten errichtet wurde, der hier alle Jahre bis 350 Stück Schafe zur Sömmerung hält. Diese, seither noch warm eingeschindelte Hütte ist nun während fünf Sommern auch unsere, der Forscher, Höhenstation geworden, als Schutz und Schirm bei schlimmer Witterung und unser Ruhelager bei Nacht (Abb. 7). Dank der Munifizenz unserer Museumsbehörde konnten wir in der Hütte alle Vorkehrungen treffen, um hier ein trauliches Nest zu schaffen, das natürlich jeglichen Komfort ausschliesst, uns aber um so mehr das „Glück“ des primitiven Menschen ahnen lässt. Ohne diese neue Hütte wäre es gänzlich ausgeschlossen gewesen, dass wir in relativ so kurzer Zeit die wissenschaftlichen Schätze des Drachenloches hätten heben können, weil die alte Hütte zum Aufenthalt von 4—5 Männern zu unwohnlich gewesen wäre.
In früheren Zeiten wurde die Gelbbergalp, die trotz ihrer Höhe (sie ist die höchste benutzte Weide im Tamina-Calfeisentale) noch eine gute Grasnarbe trägt, auch mit Grossvieh (Jung- oder Galtvieh) bestossen.24 Seit der Zeit, da der Alpweg dem Kreuzbachtobel entlang auf den Gelbberg, aber auch jener am steilen Flyschhange des Vättnerkopfes (Aelplikopf) infolge dauernder Verwitterung für Grossvieh unbegehbar geworden ist, haben sich auf der Gelbbergalp nur noch Schafe und Ziegen in das Gebiet bis an die höchsten Hänge hinauf geteilt. Sie tragen während ihres Sommeraufenthaltes sehr viel zur freundlichen Belebung der sonst so grossartigen Einsamkeit und Weltabgeschiedenheit bei.
Hier auf dem wundervollen, Plateau der Gelbbergterrasse sind wir der Gebirge des Vättner- kopfes (2619 m), der in der top. Karte unrichtig als Aelplikopf bezeichnet ist (Abb. 6) und des Drachenberges (2635 m) zur Linken (Abb. 7). Mächtig und eindrucksvoll setzen sich dem breitgestellten Mantel der beiden Berge die burgähnlichen Scheitelköpfe auf. Aus ihrem „Gesichte“ spricht die nimmerruhende Tätigkeit der Verwitterung im Gebirge. Die teils offenen, teils unter Rasengrün verborgenen Schutt- und Geröllhalden zwischen denselben sind die beredten Zeugen für die Vorgänge der Modellierung der Natur im festen Fels. Desgleichen die zahlreichen, von tiefen Rinnen zerfressenen Gesteinssäulen und die vielen Höhlungen am Fusse der Gipfelpartie des Vättnerkopfes. Beide Berge sind nur durch einen schmalen, mulden- artigen Einschnitt, ein typisches Kar, getrennt, aus dem hoch oben der Kreuzbach entspringt, der gleich bei der Gelbbergalp, über steile Felsstufen stürzend, in dem tiefen Tobel gleichen Namens unserm Auge entschwindet. Bei heftigem Regenwetter sind die zahlreichen Rinnen am Vättnerkopf von laut donnernden Bachrüfen durchflossen, die alle dem Kreuzbachtobel zustürmen. Zwischen dem Vättnerkopf und dem höchsten Drachenberge schiebt sich zur Rechten des letztgenannten der sog. hintere oder nördliche Drachenberg ein, und eine nur schmale Scharte trennt ihn vom vordem oder südlichen Drachenberg, in dessen mächtiger, senkrechter Felswand sich das Drachenloch befindet.
Von der Gelbberghütte lohnt sich ein kurzer Ueberblick über das nun in nächster Nähe sich entfaltende Gebirgsbild. Zur Linken des Drachenberges, über dem in schwindelnder Tiefe gelegenen Calfeisental, dessen Grund das Auge nur auf der Südseite der Gelbbergalp zu erreichen vermag, erhebt sich als majestätischer vom Tale bis auf die obersten Kanten prachtvoll gestufter Gebirgsbau die Ringelkette (Abb. 4). Sie ist die höchste Erhebung im Gebiete, wie auch im st. gallisch-appenzellischen Gebirge. Einem breiten, dachartigen Rücken gleich, lehnt sich an den imposanten Doppelgipfelturm der Ringelspitze (3251 m) zu ihrer Rechten der blendend strahlende Ringelgletscher. Erst vom Südhange des Drachenberges aus ist uns auch der Blick auf die westlichen Ausläufer der Ringelkette, das Glaserhorn, den Piz da Sterls, sowie auf das mit Schnee und Eis bedeckte Sardonagebirge mit dem Trinser- horn, dem Piz Segnes, Piz Sardona oder Saurenstock, dem Sardonagletscher, der grossen und kleinen Scheibe vergönnt. Im Osten schliessen sich dem Herrscher in der Runde die wundervoll fein gestuften Panärahörner (hintere und vordere), die zinnengekrönte Felsburg der „Orgeln“, der Riesenstock des „Ofen“ sowie zuletzt der bis zu seinem Gipfel begrünte Simel an, dessen Grat sich langsam gegen das Tal von Vättis und Kunkels senkt.
Selbst hier oben vermag die Berggewalt des Calanda mit seinen beiden Hauptgipfeln (Haldensteiner Calanda = 2808 m und Felsberger Calanda = 2689 m), zwischen denen sich die Einsattelung des sog. „Schaftäli“ mit dem „Teufelskirchli“ (ein breitpyramidaler Felskopf) befindet, den Gegensatz seines grandiosen Westabsturzes und seiner flacheren, bis nahe zum Gipfel mit Weide bekleideten Ostseite gegen das Churer Rheintal aufrecht zu erhalten. Auch wird durch ihn ein grosser Teil der weitern Fernsicht nach Osten abgeschnitten.
Wollten wir von hier aus das gesamte herrliche Rundbild schildern, so müssten wir Dutzende von markanten Berggestalten — alles gute Bekannte — mit Namen nennen. Ihrer wenige aber sind es schon, die uns erkennen lassen, in welch hoher, aussichtsreicher Lage wir uns befinden und welch ausgedehntes Panorama sich schon dem paläolithischen Jägerauge hier oben dargeboten hat.
Gleich über dem Rücken der Alp Salaz auf dem nördlichen Ausläufer des Calanda, zwischen diesem und dem nahen Vättnerkopf, ist uns der volle üeberblick über den ganzen bündnerischen Rhätikon von der hochthronenden Scesaplana über die Kirchlispitzen, Schweizertor, Drusenfluh, Sulzfluh, Scheienfluh, Madrishorn und Schlappinerspitz gegeben. In geheimnisvollem Schimmer leuchten die mächtigen Schutthalden dieser Dolomitgestalten herüber. Den Abschluss zur Rechten bilden bei heller Fernsicht die blinkenden Schnee- und Eisfelder des herrlichen Silvretta-Massives, hoch über der uns näher gelegenen Talschaft des Prätigaus. Als letzte erkennen wir noch die schneebedeckten Häupter des Seehorn, Gross - Litzner, Verstanklahorn und Piz Buin.
Nun aber erst die Fernsicht gegen Süden, im Einschnitte des Kunkelspasses zwischen Calanda und Ringelkette! Am ein druckvollsten gestaltet sie sich jedoch von der Höhe des Drachenloches aus. „Wer zählt die Häupter, nennt die Namen….?“ Kulissenartig reiht sich Kette hinter Kette, eine höher denn die andere. Im Hintergründe vom langgedehnten Domleschg mit dem häuserbesäten Heinzenberg stehen im Mittelpunkte der Piz Beverin, zu seiner Linken die ewigen Schneefelder der Surettahörner und des Piz Grisch, zur Rechten das Bruschghorn und Bärenhorn und im Hintergründe das vereiste Haupt des Tambohorns und das Rheinwaldhoru. Im Südosten aber taucht bei klarer Föhnstimmung zuhinterst, von eitel Licht überstrahlt, der majestätische Monte delle Disgrazia herauf, und in erhabener Feierlichkeit ruhend, durchschimmert den fast unfassbaren Raum das Schnee- und Eisgewand der Bernina (4052 m).
Eine nähere Beschreibung der Aufstiegsroute von unserer Gelbberghütte können wir dem Leser leicht ersparen, da wir sie in unserer Abbildung 7 eingezeichnet haben und zudem während des vergangenen Sommers eine regelrechte alpine Wegmarkierung (rot!) erstellt worden ist. Für schwindelfreie Berggänger bedeutet dieser letzte Aufstieg keine Schwierigkeit, da auch hier eine bedeutende Wegverbesserung stattgefunden hat. In kaum einer halben Stunde haben wir, meist über Weidehang, die Hälfte des Weges bis zu der hoch überm linken Hüttendache sichtbaren weissen Felswand erledigt und wenden uns auf gut gebahntem, wenn auch etwas steilen Weglein zur Linken auf den Südhang des Drachenberges, erklimmen denselben, bis wir uns an der äussersten Felsenecke der Drachenbergwand befinden, von wo uns wenige Schritte nach Norden an das mächtige Höhlentor, den Eingang zu den unterirdischen Gelassen des Berges, führen. Draussen unterm überhängenden Felsdache haben wir unsern primitiven Mittagstisch samt Ruhebänken errichtet und hart daneben steht, an die Urzeit des Hochwildjägers erinnernd, unser aus rohen Felsplatten erbauter Kochherd.
III. Der Name Drachenloch.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Höhle im Drachenberge, das Drachenloch, schon den ältesten geschichtlichen Bewohnern des Calfeisentales bekannt sein musste, da nicht nur der Drachenberg, sondern auch das Eingangstor zur Höhle vom südlichen Teile des Dorfes Vättis und der Talwanne von Kunkels aus zu allen Zeiten gut sichtbar waren. Irgend welche ältere historische Nachrichten über den Berg und die Höhle finden sich aber nicht vor. Erst im Jahre 1836 wird derselben in der Schrift: „Der Kanton St. Gallen, geographisch-statistisch geschildert“ zum ersten Male unter dem Namen Drachenberg Erwähnung getan. Seither findet sich der Name auch in den späteren Karten und in der Literatur.25
Die älteste topographische Karte, in welcher der Drachenberg zum ersten Male mit diesem Namen erscheint, ist die bis heute „in der Art der Gebirgsdarstellung unübertroffene und mustergültige “Eschmann’sche Karte der Kantone St. Gallen und Appenzell, im Maßstabe 1 : 25,000, herausgegeben in den Jahren 1840—1846. Die in derselben angewendete Schraffur mit Vertikalbeleuchtung und Isohypsen von 100 m Abstand kommt gerade im südlichsten Teile des Kantons St. Gallen — also in den höchsten Erhebungen und namentlich im Tamina-Calfeisental zu packendem Ausdrucke in der Verteilung der Lichter und Schatten. Die Höhle selber ist aber nicht ein gezeichnet, und auch der Name Drachenloch fehlt. Leider sind in dieser sonst so herrlichen Karte eine Anzahl Namen nicht am richtigen Orte eingesetzt.26
Prof. Dr. W. Grobli, der das Touristengebiet des Calfeisentales erschloss, hat im Jahrbuch XXV (1889—1890) des S. A. C. („Neue Wanderungen im Klubgebiet“) einen kurzen Besuch im Drachenloch beschrieben. Auch in den ältern Auflagen von Iwan v, Tschudis „Tourist“ ist das Drachenloch als empfehlenswert zum Besuche genannt. Gröbli setzt seine Höhe auf zirka 2430 m an (also wenig unter der Wirklichkeit). Die Breite der Höhle schätzt er auf 3—4 m, die Höhe auf 5—6 m. Nach seinen Angaben soll sie sich ziemlich horizontal 30 m (!) tief in den Berg hinein erstrecken.
F. W. Sprecher27 weist in seinen beiden Arbeiten „lieber Ortsnamen des Taminagebietes“ darauf hin, dass die Namen „Draggaberg“ und „Dragga- loch“ nicht deutschen, sondern romanischen oder noch ältern Ursprunges seien und deshalb in dieser Schreibweise belassen werden sollten. In der etymologischen Ableitung der beiden Wörter lehnt er sich an Carigiet, P, Basil, Rätoromanisches Wörterbuch an, woselbst das Wort dracca starker, anhaltender Regen bedeutet, was auf unsere Höhle angewendet, etwa ein beständiges oder starkes Heruntertropfen, „Draggaloch“ also ein feuchtes oder nasses Loch hiesse.
Wir können aber von der von F. W. Sprecher versuchten Ableitung von „dracca“ füglich Umgang nehmen, da nach Prof, Dr, Pult (St. Gallen), einem tüchtigen Kenner und Beherrscher des Romanischen, das Wort „dracca“ in der romanischen Sprache mit den Drachen gar nichts zu tun hat. Im Romanischen heissen (nach gütiger mündlicher Mitteilung von Herrn Prof. Pult) heute noch die hölzernen Drachenköpfe an den Hausbalken = dracs = draks = draggs. Der Begriff dracs ist aber identisch mit drache = fabelhaftes Ungeheuer. Es wäre ferner auch unrichtig, den Namen „dracca“ = starker, anhaltender Regen, Heruntertropfen auf unser Drachenloch anzuwenden, da ja in Wirklichkeit gerade die innern Höhlenteile (II und III) durchaus keine wasserzügigen Höhlenräume sind, sondern sich eher durch Trockenheit (ausgenommen Luftfeuchtigkeit) auszeichnen. Sonst müsste man fast sämtlichen Höhlen den Namen „Drachenloch“ verleihen.28
Nach Fr. L. K. Weigand: Deutsches Wörterbuch (1909) lautet das Wort Drache im Althochdeutschen = trahho auch traccho, im Mittelhochdeutschen = trache auch tracke, niederländisch = draak, angelsächsisch = draca, schwedisch = drake, neuhochdeutsch = drache (mit d für ursprüngliches t), alle entlehnt aus griechisch-lateinisch draco (daneben dracco), was fabelhafte grosse Schlange bedeutet. Das Wort „Tracken“ ist also schon seit langen Zeiten in die deutsche Sprache aufgenommen. Etterlin und später Stumpff (1548) und Gessner (Tierbuch, 1606) u. a. führen es. Der Vättner aber, der den „k“-Laut nicht kennt, spricht eben einfach „dragge“ oder „tragga“, immer mit dem harten c-Laut für das „gg“. — Dabei denkt er selber nur an die Drachen der Sage, die ja schon in der hl. Schrift, im Griechen- und dem ganzen Morgenlande ältester Geschichte eine hervorragende Rolle spielen.
Im Nachtrag (1916) erwähnt F. W. Sprecher das Fehlen einer örtlichen Drachensage, die sich doch an diesen Ort knüpfen sollte, wenn der Volksmund denselben in die altbekannte Beziehung zu den drachenartigen Geschöpfen der Vorzeit gebracht hätte. Dieser Angabe gegenüber ist aber daran zu erinnern, dass eine Sage vom Drachenloch bei Vättis dem Sammler der Sagen des Taminatales, dem vor wenigen Jahren verstorbenen Lehrer Ludwig Jäger in Vättis, bekannt war. Ich habe sie aus seinem eigenen Munde gehört, und ihr Wortlaut deckt sich mit jenem, den wir in Nr. 232 der „Sagen des Kantons St. Gallen“ von J. Kuoni (1903) wiederfinden. L. Jäger hat einen Teil der Sagen schon früher im „Oberländer Anzeiger“ veröffentlicht, einen andern übergab er Lehrer J. Kuoni in seine Sagensammlung, den Rest, worunter sich einige sehr schöne befinden, hat mir der Autor schriftlich überreicht. Unter dem Titel „Der Drache“ finden wir denn in Kuoni (Nr. 232) nebst einer kurzen Schilderung des Drachenloches ob Vättis folgende Sage:
„In dieser Grotte nun habe vor Zeiten ein grimmiger Drache gewohnt, von woher die Höhle den Namen Drachenloch erhalten hat. Es sei dem Drachen aber nach langer Zeit in seiner Burg zu langweilig geworden, und er habe den kühnen Flug hinüber über die Tamina nach dem Calanda gewagt. Man sieht von Vättis aus in einer jähen, hohen Felswand (am Calanda) das Loch, wo er hineingeflogen. Allein er habe im Innern des Berges keinen Grund und Boden gefunden und sei dann viele tausend Fuss hinuntergestürzt und da elendiglich umgekommen.“
Auch die heutige Bevölkerung von Vättis versteht unter dem Begriff „Drache“ ein ungeheuerliches, fabelhaftes Lebewesen. Wir besitzen übrigens aus dem Sarganserlande noch mehrere „Lindwurmsagen“, wie jene von Gamidaur (Nr. 197 in Kuoni). Die Sage lässt auch den früher mit Dickicht bestandenen Nordhang des bei Berschis gelegenen St. Georgenhügels von Drachen bewohnt sein. Bis ins Dorf hinunter sollen sich, wie Manz sagt, die Ungeheuer gewagt haben, überall Furcht und Schrecken verbreitend. Welch ein Jubel,
als der ritterliche St. Georg die Bewohner von dieser Plage befreite!29 — Erwähnt sei auch der Bergdrache am Wangserberg, den der Chronist Joh, Jak. Wagner30 als leibhaftiges, wirklich gesehenes Ungeheuer, nach Aussagen von Zeugen, beschreibt. Ueberall sind es »ehrenhafte Männer“ die die Drachen wirklich gesehen haben.
Endlich sei besonders auf den bekannten Alpsegen, den Bet-Ruf oder das „Ave Maria“ aufmerksam gemacht. Dieser Alpsegen wird heute noch auf mehreren Alpen des St. Galler Oberlandes allabendlich vom Sennen vor dem zu Bette gehen draussen vor der Hütte über seine Alp gerufen, bzw. gesungen, um den Schutz Gottes, der Jungfrau Maria und der Heiligen auf Mensch und Vieh, auf Hütte und Matte, auf Grund und Grat herniederzuflehen. — Gewöhnlich wird der Bet-Ruf in gleicher Tonhöhe gesprochen, nur an einzelnen Stellen, gegen das Ende der Zeilen, lässt der Rufende die Stimme um eine Terz oder Quart sinken. Auf den Alpen, die einen kath. Besitzer haben, gilt der Alpsegen als Pflicht des Sennen. In diesem Bet-Ruf kommt auch der Drache als „Wurm“ vor. Ich lasse hier den ganzen Alpsegen in der Fassung von Manz (a. a. 0. 90/91) folgen, da er, wenn auch gekannt, von den Wenigsten im Wortlaut wiedergegeben werden kann.
„Ave Maria! Ave Maria! Ave Maria!
B’hüät’s Gott und üser liäb Herr Jesu Christ
Lyber, Hab und Guät und alles, was hier umän-ist !
B’hüät’s Gott un-d’r liäb heilig Sant Jöri (Georg),
Där wohl hier ufwachi und höüri !
B’hüäts Gott un-d’r heilig Sant Marti,
Där wohl hier ufwachi und warti !
B’hüät’s Gott un-d’r liäb heilig Sant Gall !
Mit synä Gottsheiligä-n-all !
B’hüät’s Gott un-d’r liäb heilig Sant Peiter (Peter)
Sant Peiter! Nimm d’y Schlüssel wohl in dy rächti Hand,
Und b’schlüss wohl uf dem Bären syn Gang,
D’m Wolf d’r Zahn,
D’m Luchs d’r Chräuel,
D’m Rappen31 d’r Schnabel,
D’m Wurm d’r Schweif,
D’r Flug d’m Greif,
D’m Stei d’r Sprung!
B’büät-is Gott vor solcher bösen Stund!
Dass solchi Tiärli mögen weder kretzen noch byssen,
So wenig, als die falschen Juden üsern liäben Herrgott b’schyssen !
B’hüät Gott alles hier in üserm Ring,
Un-die liäb Mueter Gottes mit ihrem Chind!
B’hüät Gott alles hier in üserm Tal,
Allhier und überall!
B’hüät’s Gott und das walti Gott, und das tuä d’r lieb Gott!
Ave Maria ! Ave Maria ! Ave Maria ! “ — 32
Dass die Drachen und Lindwürmer auch in den übrigen Teilen des Kantons St. Gallen eine bedeutende Rolle in der Volksphantasie spielten, beweisen uns die vielen diesbezüglichen Sagen in der Sammlung von Kuoni.
Wo wir uns auch umsehen in der Literatur und an den Oertlichkeiten, an die sich Drachensagen knüpfen, finden wir dieselben stets an felsigen Orten mit Höhlen. Dabei ist es interessant, zu erfahren, dass der Volksmund lange nicht alle Höhlen mit den fabelhaften Tiergeschlechtern der Vorzeit, den Drachen, Greifen, Lind- und Tatzelwürmern, die mit glühenden Augen und geiferndem Rachen unermessliche Schätze (das Drachengold) bewachen, verknüpft, sondern dass es sich bei den Drachenlöchern meist um hochgelegene, grosse, geräumige und weithin sichtbare Höhlen handelt, in denen diese fürchterlichen Gestalten auch Platz hatten zum Ein- und Ausfluge und zur Unterkunft.
So gibt es ausser dem Drachenloch bei Vättis ein solches am Giswiler- stock, ferner bei Burgdorf (J. J. Scheuchzer), und das bisher bekannteste ist jenes an der Drachenfluh (Gemeinde Ennetmoos, Kt. Nidwalden, 862 m. ü. M.) am obersten Absturz des Ostabhanges des Muttenschwanderberges. In diesem Drachenloch, einer grossen, geräumigen Höhle, hauste nach der Sage im 13. Jahrhundert ein die Gegend unsicher machender Drache, den der Held Struthahn von Winkelried um den Preis des eigenen Lebens tötete.33
Mit Recht sagt O. Abel in seiner klassischen Paläobiologie (S. 5): „Es darf uns nicht wundern, dass in einer Zeit, die noch an Fabelwesen und Drachen glaubte, Skelettfunde fossiler Säugetiere (Mammute, Rhinozerosse, Höhlenbären), Saurier usw. den Drachensagen immer wieder neue Nahrung boten.“ Und so ist denn in zahlreichen Fällen nachgewiesen, dass gerade dort, wo an bestimmten Höhlen der Name und die Sage von einem Drachen hängt, Knochenreste vorgeschichtlicher Tiere, selbst oberflächlich (infolge der „Schatzgräberei“), gefunden und dieselben ihrer ungewohnten Grösse halber den Drachenwesen zugewiesen wurden, da sie sich mit heute noch lebenden Tieren, auch Haustieren, nicht vergleichen liessen. Es ist auch eine ganz allgemeine Erscheinung, und sie ist mir hunderte Male begegnet, dass das Volk die Grösse von gefundenen Knochen gern ins Fabelhafte vergrössert, ganz ähnlich wie die Angaben über die Tiefe bzw. Länge von Höhlen. Das Ungewohnte erleidet überhaupt rasch eine phantastische Vergrösserung. Sodann ist es mit der Kenntnis der Tierknochen im Volke überhaupt schlecht bestellt.
Es ist übrigens interessant, von J. J. Scheuchzer (a. a. O. II. Bd. S. 232) bezw. schon von J. J. Wagner (Hist. Nat. Helv., p. 213) zu vernehmen, „dass im Jahre 1689, den 9. Juli am Pilatusberg, an der Unterwaldner Seite aus einem Loch das Beingerüst eines Drachen hervorgegraben wurde“, von dem die einzelnen gefundenen Knochen genannt werden. Wagner schreibt dann: „Ich muthmasse, dass diese Ueberbleibsel nicht von einem Drachen, sondern von einem Bären seyen. In dieser Muthmassung bestätiget mich eine Beobachtung von dem 1718 ten Jahr, in welchem in einer Höle eines sehr hohen Berges, die Ober-Urner-Schwendi genannt, einige Knochen gefunden, und vor Ueberbleibsel eines Drachen ausgegeben worden, welche aber meines Urtheils nichts anders sind als die Ueberbleibsel eines Bären, welcher vielleicht in dieser Höle sein Winterquartier gehabt und wegen verfallenem Eingang hat Hungers sterben müssen.“
Die Wildkirchlihöhle verdankt nach einer Sage ihre Entstehung einem Drachen. Daselbst fanden sich z. T. auch oberflächlich gelegene Knochen vor, und zwar zu einer Zeit, als gerade die Drachensagen auch im Innerrhoder Ländchen am meisten florierten (Der Drache am Kamor. Vgl. Wagner, Hist. Nat. Helv., p. 250).
Auch im Drachenloch ob Vättis lagen seit ältesten Zeiten solche aufgedeckte Knochen umher, dazu solche von respektabler Grösse (z. B. Oberarmknochen des Höhlenbären), die wahrscheinlich von „Schatzgräbern“ gehoben wurden.
Sehr oft bilden nun aber solche Knochenhöhlen auch die Fundstätten für die Hinterlassenschaft (Werkzeuge, Waffen, Schmuck, Kohlenherde) des urgeschichtlichen Menschen, des Höhlenbewohners. Es sei hier nur beiläufig auf die in die Tausende gehenden Höhlenfunde hingewiesen, ebenso auf die Höhle des Drachen im Wildkirchli, den Drachen im Hirschensprunge im Rheintal (Neolithikum), auf das Drachenloch am Muttenschwanderberge in Unterwalden.34
Nach diesen Ausführungen über die Drachengeschöpfe im Schweizerlande — die wir mit Sicherheit als Produkte der Volksphantasie aus uralten Ueberlieferungen betrachten können und denen grosse Knochenfunde aus Höhlen immer wieder neue Nahrung boten — lässt sich wohl in ungezwungenster Weise der Name und die Bedeutung unseres höchstgelegenen alpinen Drachenloches ob Vättis herleiten.
IV. Kurzer historischer Ueberblick über das Tamina-Calfeisental.
Unsern vorgeschichtlichen Darstellungen aus ältester Zeit mögen hier die wichtigsten Angaben über die bis jetzt bekannte menschliche Siedelungs- geschichte im Tamina-Calfeisentale vorausgehen. Die Literatur darüber hat bereits einen grossen Umfang erreicht. Sie besteht teils in gedruckten Quellen und Werken, teils in handschriftlichen Urkunden, die sich in den verschiedensten Archiven befinden. Herr Lehrer Theophil Nigg in Vättis, der Entdecker der ersten Drachenlochfunde, beschäftigt sich seit Jahren mit der Zusammenstellung des gesamten in handschriftlichen Urkunden über das Kloster Pfäfers und das Taminatal vorhandenen Materiales; die Sammlung ist bereits zu mehreren stattlichen Foliobänden angewachsen. Diese historischen Arbeiten und die Nachsuche nach allerältesten Zeugen der Besiedelung dieser Gegend bildeten die Veranlassung zur Entdeckung der Drachenlochfunde.
Die älteste Besiedelung des Tamina-Calfeisentales ist bis heute noch in tiefes Dunkel gehüllt geblieben. Funde aus der diluvialen oder Gletscher-Zeit haben bisher gefehlt. Auch die neolithische Periode (Neusteinzeit) konnte nicht nachgewiesen werden, ebenso mangeln Fundobjekte aus der Bronzezeit, die im Kanton Graubünden und im Sarganserlande wenigstens an einzelnen Lokalitäten zum Vorschein kamen. Sind so bis jetzt Zeugen vorrömischer Ansiedelung in diesem Tale ausgeblieben, so ist damit nicht gesagt, dass nicht doch schon vorgeschichtliche Völkerschaften wie etwa die Vennoneter oder Saruneten vom bündnerischen Rheintale her über den Kunkelspass ins Taminatal hätten gelangen können. Ein erster Bronzefund würde uns wenigstens den Menschen als solchen, wenn auch nicht in ständiger grösserer Ansiedelung, so doch als Durchwanderer beglaubigen.
Da römische Funde bei Pfäfers, Ragaz, Vilters, Mels, Sargans, Heiligkreuz, Ragnatsch, Bärschis, Flums, Wallenstadt überall zum Vorschein gelangten, so müsste man sich fast wundern, wenn nicht einzelne Siedelungswellen ins Taminatal eingedrungen wären.35 Doch fehlen jegliche sichere Anhaltspunkte hiefür. Es ist aber nicht ausgeschlossen, was auch W. Manz betont, dass die Route Reichenau-Kunkels-Pfafers dann und wann wegen Rhein- Ueberschwemmungen auf der Linie Chur-Ragaz als Notweg auch zur Römerzeit gedient haben mochte. W. Manz (S. 21) spricht auch von Spuren eines „Römerweges“ zwischen Pfäfers und Vättis, die an einigen Stellen zum Vorschein kommen sollen,36 auch werden alte Wegspuren zwischen Vättis und der Kunkelshöhe als Reste dieses Weges angesprochen. Wie weit diese Vermutungen den Tatsachen entsprechen, lässt sich bis zur Stunde nicht entscheiden ; so viel ist sicher, dass die Kunkelsroute später, im Mittelalter, eine bedeutende Rolle spielte, wie aus verschiedenen Urkunden hervorgeht. Mit Recht sagt W. Manz (S. 21): „Warum sollte sich der Verkehr nicht schon zur Römerzeit dieser Linie bemächtigt haben, und wäre das Kloster Pfäfers um die Jahre 712—731 auch gerade an jener Stelle gegründet worden, wenn es nicht von dort aus sowohl die Linien Zürich-Chur und Bregenz-Chur, als auch die Kunkelsroute hätte beherrschen können, und wenn ihm nicht die Bedeutung eines Hospizes für den des Weges ziehenden Wanderer zugekommen wäre?“ Bavier,37 H. Wartmann,38 Kuoni39 und andere nehmen einen alten Handelsweg durch das Walenseetal nach Ragaz und über den Kunkels nach Reichenau an, der dort zu den alten rätischen Alpenstrassen stiess.
Noch heute führt ein „Römerweg“ etwa eine Viertelstunde südöstlich von Ragaz bis an die Churerstrasse, wo er an einer Felsecke plötzlich umbiegt, um in ziemlich starker Steigung durch die Fluppischlucht40 hinauf in westlicher Richtung, beidseitig von Mauern begrenzt, als kaum 3 m breiter, holperiger und stellenweise bis auf den Felsuntergrund entblösster Hohlweg zur „Porta Romana“ zu führen. Hier soll sich, nach wenigen Ueberresten zu schliessen, eine römische militärische Anlage, als Abwehr gegen von Norden her eindringende Feinde, befunden haben. Droben über der Ruine Wartenstein, nahe beim Fremdenrestaurant gleichen Namens, vereinigt sich heute noch diese Römerstrasse mit der Fahrstrasse Ragaz-Pfäfers-Vättis. Vom topographischen Standpunkte aus lassen sich keine Einwände erheben gegen die Passierbarkeit der Route Pfäfers, Vadura, Vättis, da die Verhältnisse zur Römerzeit kaum andere gewesen sind als heute. Auch die Felsenge im St. Peter war schon nahe auf das heutige Niveau des Taminaflusses durchbrochen und bildete kein Verkehrshindernis.
Das geschichtliche Dunkel im Taminatale hellt sich allmählich auf, wenn wir in die nachrömische Zeit hineinrücken. Mit der Angliederung der „römischen Provinz Rätien“ an das fränkische Reich wurde das ganze Sar- gansergebiet zum Gau Currätien (Raetia Curiensis) geschlagen. Um 916 wurde es dann mit dem Gasterlande, dem Oberrheintal und Vorarlberg als Grafschaft Unterrätien mit dem Herzogtum Schwaben vereinigt. Die wichtigsten weltlichen und geistlichen Aemter Currätiens wurden mehr und mehr mit deutschem Einschläge besetzt, und der deutsche Einfluss machte sich auch im Volke geltend. Doch behielt die romanische Bevölkerung und Kultur ihre angestammte Eigenheit. Noch im 8. Jahrhundert war der Adel romanisch, und nach Campell (1509—1582) war im Kloster Pfäfers noch anfangs des 10. Jahrhunderts neben der deutschen Sprache das Romanische geläufig, ja noch um 1530 bedienten sich ältere Leute in Malans des rätischen Idioms. Noch viel länger erhielt sich aber das Romanische in den abgeschlossenen Tälern, wie gerade im Taminatale. So berichtet Ebel (1810) in seiner „Anleitung, die Schweiz zu bereisen“ (S. 25): „Vättis Einwohner begrüssten noch vor einem Menschenalter die Einwohner von Tamins in Bündten auf rätisch, und verstanden dieses sehr wohl. “
Wenn wir nun auch über die Siedelungen des rätischen Elementes im Taminatale keine näheren geschichtlichen Daten besitzen, so begegnet uns dasselbe doch heute noch in einer grössern Zahl von Orts- und Flurnamen. Dabei ergibt sich denn auch die Tatsache, dass diese romanischen Siedelungen sich vorzugsweise an die tiefem Lagen des Tales, und besonders an die prächtigen Terrassen, die Ueberreste des alten Westrheinbodens halten, da dort grössere Flächen dem Anbau und der Graswirtschaft zur Verfügung standen (Pfäfers, Valens, Vasön), während das Dörfchen Vättis eine typische „Nestlage“ aufweist, ähnlich wie Ragaz, Mels, Plons, Berschis und Flums. Da und dort wurde auch der staffelförmig gebrochene Abfall des linken Taminaufers, wie bei Vasön, wenn selbst nur für ein Stallgebäude, zur Siede- lung benützt. Es ist also in dem fast nordsüdlich verlaufenden Taminatale (wie im Weisstannentale) nicht die sonnigere Ostexposition, welche die Siedelungen an die linke Flussuferseite lockte, sondern einzig die topographische Lage (Terrassenlandschaft).
Den Grossteil der romanischen Orts- und Flurnamen habe ich schon bei früherer Gelegenheit zusammengestellt, z. T. auch nach Angaben von Lehrer Ludwig Jäger (†) und gebe sie unten in Fussnote wieder.41
Um die Mitte oder gegen Ende des 14. Jahrhunderts machte sich in einem Teil Currätiens eine sekundäre Kolonisationsphase, d. h. eine Einwanderung fremder Bestandteile, geltend, die sich erst in neuester Zeit einer sehr eingehenden Erforschung durch Historiker, Ethnographen und Anthropologen erfreuen durfte. Es ist dies die Einwanderung und Besiedelung durch die sogen. freien Walser, Wir können uns hier raumeshalbe.r nicht in die lebhaft gewordene Diskussion der Herkunft dieses merkwürdigen Volksstammes einlassen, und verweisen auf die neuesten Arbeiten von Branger42, Hoppeler43 und Wettstein44. So viel scheint heute richtig zu sein, „dass es sich um Tochterkolonien der im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts durch deutsche, aus dem Oberwallis eingewanderte Bauern alemannischen Stammes gegründeten Mutterkolonien Davos, Rheinwald, Obersaxen handelt.“ Eine Abkunft von rätischem Blute wird heute mehr und mehr bestritten.
Schon 1398 treffen wir im Urbar der Grafschaft Sargans auf die Bezeichnung „Walseler“, „Walleser“, „Walser“, die im Gegensätze zur hörigen ansässigen Bevölkerung als „herkommen lütt“, „frömbde, herkommen lütt, die da fry oder Walser sind“, galten. Das gleiche Sarganser Urbar kennt ihre Wohnsitze: Matug (im Gonzengebiet), Swendi (Schwendi-Weisstannen), Wisstann (Weisstannen), Fölteserberg (Vilterserberg), sodann um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Calfeisen, im Gigerwald, auf den Gütern Vasön, Bläs, Pradon, auf Sampans (St. Margretenberg). Im Calfeisental werden folgende Siedelungen genannt: Die hintere und vordere Sardona, Hensli Tönis vorder Sardona, Cläwi Tonis hof genannt das Riet, Bertschis hof genannt Riet, der Zumppen hof, den dürren Büel, Bandligen hof und die Egg. Vielleicht gehörten auch die Güter und Alpen: Wympsers Berg, Ebni, Sannt Marti (St. Martin), Kugadenstat dazu. Später begegnen uns die Namen Sardonen, Rathausboden, hintere und vordere Ebene, Ammannsboden, Brennhütte, Wiesli, Wetterstoffel, Stegensässli, St. Martin, Gigerwald. Aeltere Walserfamiliennamen sind auch: „Cüni Tontli, Willi ab dem Berg, Peter Arnolz, Jäcli von Sardon, Pantlion, Niclaus, Peter, Johannes und Johanns der Wittwen Söhne von Kalueys“, „Michel im Gigerwald, Pantli und Marti Nufer und Cunraden Nufer, des letzten Brudersohn“, „Walliser usser Galues “ (Calfeisen). Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die jetzt noch im Sommer bis gegen Neujahr bewohnte Alpniederlassung „Vättnerberg“, auf ca. 1600 m Höhe einstens eine Walsersiedelung gewesen ist, wie sie heute noch als Vättnerberg-Genossenschaft ein eigentliches Bergdörfchen in Gruppen- und Einzelhäuschen nebst Ställen bildet.45
Die eigentlichen Ursachen, warum sich die freien Walser erstmals um die Mitte des 14. Jahrhunderts gerade auf die damals wohl fast undurchdringliche Wildnis im hintersten Calfeisentale festlegten, werden uns wohl für alle Zeiten verborgen bleiben. Es lassen sich heute nur Vermutungen aufstellen. Infolge der immer mehr um sich greifenden Feudalherrschaft gelangte der Stand der kleinen freien Grundbesitzer langsam zum Verschwinden ; die Zahl der Hörigen und Zinsleute nahm beständig zu. — Die Wildnis des Calfeisentales, die wohl nur Jagdgründe der Grafen und Aebte war, bildete unproduktives, für die Grundherren nicht einträgliches Gebiet. Dorthin wendeten sich die freiheitsliebenden Walser, und die Grundherren, die Grafen und das Kloster Pfäfers, waren so klug, sie gewähren zu lassen, da das Gebiet durch die Urbarisierung an Wert gewann, besonders als die Walser, die persönliche Freiheiten und Rechte zugestanden und verbrieft („Walserrechte“) und das der Wildnis abgetrotzte Gebiet als ewiges, frei veräusserliches Erblehen erhielten, doch wenigstens zur Entrichtung von jährlichen Naturalgaben an das Kloster Pfäfers, sowie zum Waffendienste verpflichtet werden konnten. — Zwar hatten die Walser in Calfeisen kein selbständiges Gericht, da „Twing und Bann“ wie auch die hohen Gerichte nach Freudenberg zugeteilt waren. Die Gemeindeangelegenheiten aber konnten sie selber besorgen unter dem Vorsitze eines Ammanns. Jetzt noch heisst eine Lokalität hinter St. Martin „Ammannsboden“, und auf der westlichen Sardonaalpseite liegt auf einer Terrasse der „Rathausboden“, wo noch die Fundamentreste der einstigen Walseransiedelung zu sehen sind.46 Ein Friedhof befand sich auch auf „Ammannsboden“.
Die freien Walser des Calfeisentales werden als ein starkes, willenskräftiges Völklein geschildert, dessen einzelne Vertreter an Körpergrösse andere Sterbliche und besonders die Rätoromanen um ein Wesentliches übertroffen haben sollen. Daher so viel gesprochen wird von den Riesen im Calfeisentale, deren Reste z. T. noch in dem kleinen Beinhäuschen bei der Kapelle von St. Martin zu sehen sind. Ich habe schon im Jahre 1900 den grössten Teil der damals noch vorhandenen menschlichen Skelettknochen, namentlich Schädel und Extremitäten, untersucht und anthropologisch vermessen. Dabei stellte es sich heraus, dass die noch vorhandenen Teile durchaus nicht Riesengestalten von Menschen angehörten, sondern dass die Extremitäten (Humeri und Femora) auf Individuen von mittlerer Körpergrösse (bis 168 Zentimeter) schliessen lassen, Es wird zwar behauptet, dass die grössten Knochen längst vor dem Jahre 1900 von „Engländern“ und andern „Kuriositäten-Liebhabern“ s. v. gestohlen worden und auf Nimmerwiedersehen in ihren Rucksäcken verschwunden seien! — An den Hinterhauptbeinen (Occipitales) der Schädel fielen mir schon damals die starken Rauhigkeiten zum Ansätze der Halsmuskeln auf. Sie sind ein Beweis für das Vorhandensein starker Halsmuskeln, die diese Leute besassen, da sie jedenfalls schwere Lasten (Heubürden etc.) zu tragen hatten.
Trotzdem die freien Walser von drückenden Steuern und Abgaben verschont blieben und sie sich also nicht „unter dem Joche nachjagender Vögte“ befanden, so trat doch mit der Zeit eine langsame Abwanderung und eine Entvölkerung des Calfeisentales ein, die schon 1385 begann, von 1477 und 1488, sowie von 1511 und 1513 und auch später bis 1600 urkundenmässig beglaubigt ist.47 Dabei wurden die Besitztümer an Auswärtige (von der March, aus dem Gaster und von Weesen) veräussert. Im beginnenden 17. Jahrhundert mochte das Tal sozusagen ziemlich entvölkert sein. Der letzte Bewohner, Joh. Suter, starb daselbst am 15. Juli 1709, 84 Jahre alt (nach Ebel, Handschriftl. Nachlass im Staatsarchiv Zürich), während L. Jäger als Todesjahr der zuletzt in Calfeisen gestorbenen und dort begrabenen Walserin, Catharina Sutter, das Jahr 1615 nennt. Eine Anzahl Walser zogen nicht weithin ab, sondern verblieben im Taminatale, in Vättis, Valens, Vasön, erwarben sich dort Eigentum und vermischten sich mit den ansässigen Herrschafts- und Klosterleuten. Eine Menge von Sagen (Riesen) deuten auf diese Vermischung hin. (Die Leute im Tschenner bei Vasön.) Nachkommen dieser Walser leben heute noch in den Geschlechtern Jäger, Kohler, Bonderer, Nigg, Riederer usw. Andere, wie Bandlin, Törii, Locher, Bertsch, Lenz, Giger, Suter sind auch heute noch im Sarganserlande vertreten.
Man hat sich vielfach um die Erörterung der Ursachen dieser Auswanderung gestritten und sich heiss bemüht, darin Klarheit zu schaffen. Man hat sie vielfach mit einer Verschlechterung der klimatischen Verhältnisse (Sagen!) in Verbindung gebracht, dann mit der Reformation oder mit einer Pestzeit (1349). Allein es mögen wohl in erster Linie ökonomische und rein wirtschaftliche Gründe gewesen sein, die die freien Walser nach günstigeren und bequemeren Lebensverhältnissen drunten im Tale zog und ihre rauhere Scholle ohne Schmerz und allzu grosse Bedenken mit grösserer Sicherstellung der Existenz vertauschen liess. So ist es denn hinten im Tale still geworden, und wenn auch heute zur Sommerszeit von den dortigen Alpen überall Herdengeläute an unser Ohr erklingt, das den einsamen Wanderer wieder freudig stimmt, so raunt es im Wiederklingen der Sagen geheimnisvoll um das „Walserhüttlein“ in der vordem Ebene von einstigem Leben und Treiben, von Glück und Sorge eines urkräftigen Volksstammes.
So kommt es denn auch, dass, wie heute noch die rätoromanischen Wahrzeichen in Dorf- und Flurnamen im Tale unten weiter leben, droben in den Höhen48 der deutsche Walsername fast überall (mit Ausnahme der höchsten Gipfel, deren Namen älterer Herkunft sind) seine Regentschaft behauptet. Ich habe seinerzeit sämtliche Alp- und die einzelnen Lokalitätennamen der Alpen bei den Sennen erkundet, und in meinen schriftlichen Zusammenstellungen finde ich kaum 1/100 romanische Namen verzeichnet.
Nach der Siedelung sehen wir also die Romanen in Gruppen von Häusern am untern Berghange sich sesshaft machen; ihnen folgen die Walser mit den Einzelhöfen in den Höhen. Wenn sich, wie W. Manz sagt, „in der heutigen Hausform die Wechselwirkung der Landesnatur und der Volkstradition widerspiegelt“, so lässt sich in dieser Hinsicht der rätoromanische Einschlag z. B. in Vättis wohl noch verfolgen, wenn auch die mannigfachsten Abstufungen und Uebergänge zum ostschweizerischen Länderhaus in vorwiegender Weise zum Ausdruck gelangen. Hier ist eben die Volksmischung in ein Stadium getreten, wo sie sich auch in der Art des Hausbaues wesentlich bemerkbar machen musste.
Jahrhunderte hindurch stand die Talschaft von Calfeisen und der Tamina unter der Oberhoheit des Klosters Pfäfers. Mit der 1798 erfolgten Aufhebung der Landvogtei Sargans und der Aufhebung des genannten Klosters (1838) traten auch die Bewohner dieser Gegend49 in die freien Rechte der übrigen Schweizerkantone.
V. Topographie der Höhle.
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Die verschiedenen Abbildungen (vgl. 6 und 8) zeigen uns das Drachen- loch mit seinem hochgewölbten Felsentore am Fusse der über 80 m hohen Ostfelswand des Drachenkopfes, des obersten Teiles des Drach en berges. Die absolute Meereshöhe des Höhleneinganges ist in der topographischen Karte (Blatt Vättis) nicht angegeben. Die dort vorbeiziehende Kurve deutet auf die Ziffer 2340. Ich habe die wirkliche Höhe in zehn zu ganz verschiedenen Zeiten vorgenommenen Messungen mittelst vorzüglichem Aneroidbarometer (0—2500 m) unter Berücksichtigung sämtlicher Korrekturen auf genau 2445 m auf dem Niveau des Einganges zur vordersten Höhle festgelegt. Die Höhe des schmalen Felsstieges, der sich längs des Fusses der Felswand hinzieht, beträgt 2440 m, so dass man von hier bis unter das eigentliche Höhlentor 5 m hinanzusteigen hat (Abb. 10).
Die ganze Gestaltung und Topographie des Drachenloches ist verhältnismässig sehr einfach. Es bildet nicht wie manche andere Höhlen ein reichverzweigtes System von neben-, hinter- und übereinander gelegenen Gängen, Schächten, Röhren, Stollen, Schloten, Stockwerken usw. Vielmehr handelt es sich hier, wie die beifolgenden Grund-, Aufriss- und Durchschnittsskizzen50 zeigen, im ganzen genommen um einen tunnelartigen, unterirdischen Gang mit einer einzigen vordem Öffnung, einem Felsenfenster und einem blind an einer Felswand hinten endigenden Abschlusse. Das Drachenloch ist also nicht eine Durchgangs-, sondern eine sog. Blindhöhle (nach A. Penck, Morphologie der Erdoberfläche, II, 448). Mit Ausnahme des Einganges und des hintern Abschlusses bildet die Basis der Bodenoberfläche nahezu eine Horizontale. Auch in der Längsrichtung hält sich die Höhle fast an ein und dieselbe Achse, die in ziemlich genau uestöstlicher Richtung (280° WNW— OSO 100° geogr.) verläuft. Nur der Eingang und frühere Durchschlupf von der grossen vordem Höhle zur zweiten kleinern Abteilung sowie die hintersten Räume zeigen eine kleine Ablenkung von der angegebenen Richtung.51
Wenden wir uns nun zur kurzen Beschreibung der Höhle. Wenn wir dieselbe zum Zwecke unserer Grabungen und zur Bezeichnung des Fundmateriales in drei grössere Höhlen (I, II, III) und drei kleinere (IV, V, VI) abgeteilt haben, so entspricht dies durchaus auch den topographischen Verhältnissen. Natürlich erleiden dieselben durch unsere Grabungen insofern eine Veränderung, als wir den gesamten durchsuchten Höhlenbodenschutt nach der Bearbeitung aus der Höhle heraus und über den dem Drachenloch vorgelegenen Felshang hinunterbefördern. Die Höhle wird also dadurch an Rauminhalt vergrössert. Wir erhalten damit zugleich ein anschauliches Bild für die einstigen Raumverhältnisse in den einzelnen Höhlenabteilungen zur Zeit ihrer Urbesiedelung durch den Menschen. Es zeigt sich dabei, dass namentlich der Zugang zu den Abteilungen II und III und der Aufenthalt in denselben ein durchaus ungehinderter und wegen des ausgesprochenen Schutzes vor Luftzug, Wasserzufluss, Feuchtigkeit und Kälte für den damaligen Menschen recht angenehm sein musste. Die Lage der Höhle selber in ihrer majestätischen Höhe und Abgeschlossenheit bot neben dem raschen Ueberblick in die Tiefe der vorgelegenen Alpterrasse auch vollen Schutz vor dem Ueberfall durch wilde Tiere.
Ein erster Blick auf das hochgewölbte Felsentor des Drachenloches (Abb. 9) entlockt fast jedem Besucher die Frage, ob diese Eingangspforte nicht durch Menschenhand entstanden sei. Den nämlichen Eindruck erhält er wieder, wenn er die wenigen von uns in den herausbeförderten Schutt gegrabenen Fußstiege überwunden und sich nun mitten in einem fast an den Seitengang einer gothischen Kirche erinnernden, oben spitzbogig überwölbten natürlichen Raume befindet, dessen hinterster Teil in geheimnisvolles Dunkel gehüllt ist und wie zu einer verborgenen Krypta führt (Abb. 11). Wendet er den Blick aber herum gegen den Höhlenausgang, der zugleich Eingang ist, so tritt ihm eines jener Bilder entgegen, wie sie in den scharfen Gegensätzen von Hell und Dunkel, Tag und Nacht nur die Höhlen besitzen (Abb. 12). Zwischen den feingezackten Höhlenwandrändern flutet ein Wall von Licht herein. Bis zu Unterst ins Tal, wo noch ein Silberstreifen der jungen Tamina hell aufblitzt, reicht das Auge. Gerade vor ihm blinkt das helle Grün der hochgelegenen Gelbbergterrasse herauf, und über dem im bläulichen Tagesschleier verschwimmenden Calandaausläufer breitet sich weit in der Ferne im Osten das herrliche Schnee- und Gletscherfeld der Silvretta aus. Ueber 7 m hoch baut sich das stark verwitterte, oben in einen Gesteinsriss spitz mündende Höhlentor. Unsere geologische Betrachtung wird zeigen, dass hier, wie beim Zustandekommen der vordem grossen Höhle, einzig und allein die Natur mit ihren rastlos tätigen Helfern, der Verwitterung und dem Spaltenfrost, am Werke gesessen hat. Dem Menschen blieb es lediglich vorbehalten, sich vor den grössern Deckenabbrüchen, die hier zeitweise stattfanden, dadurch zu schützen, dass er die lose hängenden Teile mit langem Aste oder einem jungen Lärchenstamme herunterstupfte, wir wir es stets vor unsern Höhlengrabungen zur eigenen Sicherung noch tun.
Unter allmählicher Vergrösserung des in der Mitte etwa 4 m breiten Querschnittes weitet sich die erste Höhle zur Rechten etwas gegen N abbiegend zu einem richtigen Kuppelbau von nahezu gleicher Höhe (etwa 5½ m) wie im mittleren Teile. Auch die Bodenfläche nimmt gegen hinten bis auf 8,5 m im Kuppelbau zu. Die Gesamtlänge dieser ersten vordem Höhlenabteilung beträgt rund 27 m. Der in seiner Bodenoberfläche langsam gegen hinten ansteigende Kuppelbau enthält in seinen südlichen und nördlichen Seiten- und Deckenpartien mehrere kesselartige Konkavitäten, die wie strudelartig entstandene Hohlformen in umgekehrter Lage aussehen. Sucht man aber hier den Ort des einst entströmenden Wassers, so entpuppt er sich jeweilen als eine blind endigende rundliche Spalte, durch die sich nie eine grössere Wassermenge bewegen konnte. An der westlichen Hinterwand gewahren wir eine mehr als 2 m tiefe und etwa 1 m hohe Nische, die nahezu den Eindruck macht, als wäre sie von Menschenhand aus dem Gestein herausgebrochen worden (Abb. 11 in der Mitte hinten).
Einen unter bestimmten Beleuchtungsverhältnissen wundervollen Anblick gewähren die Höhlenwände namentlich der Südseite, da sie vom leuchtenden Grün von Höhlenmoosen und -flechten stellenweise dicht überkleidet sind. Selbst noch im fahlen Dämmerlicht des Kuppelbaues erglänzt ein lebhaftes Grün an der von den Strahlen des Aussenlichtes leise getroffenen Abschlusswand. Wie kaum irgendwo in einer Höhle zeigt sich hier im Drachenloche aufs schönste, dass das Blattgrün (Chlorophyll) in seiner Bildung vom Vorhandensein des Lichtes abhängt und dass, wie L. Lämmermayr in seinen bedeutsamen Abhandlungen „Die grüne Pflanzenwelt der Höhlen“52 sagt, „proportional der fortschreitenden Abschwächung des Lichtes sich auch eine Aenderung in der Zusammensetzung der die Höhlenwände besiedelnden Pflanzenarten vollzieht. “ Die Lichtmessungsmethoden des Wiener Botanikers J. Wiesner53 sind von Lämmermayr namentlich in der Drachenhöhle in Steiermark mit dem Wiesnerschen Handisolator mit dem besten Erfolge angewendet worden. Der auffallende Gegensatz der Aussenflora (vor dem Höhlenportal) mit den die schwächsten Lichtstrahlen ausnützenden blütenlosen Pflanzen in den dem Lichte noch erreichbaren Höhlenteilen macht sich auch in unserm Drachenloch bemerkbar.
Draussen am Hange des Drachenberges, kaum ein paar Meter vom Höhleneingange, blühen die farbenfreudigen Kinder der Alpenflora (Dryas octopetala, Gentiana verna, Soldanella alpina, Aster alpinus, Banunculus alpestris, Saxifraga Aizoon und S. oppositifolia, Thlaspi rotundifolium, Viola calcarata, Hutchinsia alpina, Alchemilla alpina, Parnassia palustris usw.). An den zunächst der Höhle gelegenen senkrechten Felswänden des Drachenkopfes hat sich eine typische Felsflora angesiedelt (Primula Auricula, Silene acaulis, Saxifraga Aizoon, S. bryoides, S. muscoides und S. caesia, Campanula pusilla, Cerastium alpinum und Arenaria ciliata, Draba aizoides, Gaya simplex u. a.). Ja sogar die herrlich grüne Polsterpflanze mit den weissen Blütenschutterfüllten Aufstieg zur Höhle überkleidete bis vor kurzem ein förmlicher Hochstaudenwald des Eisenhutes (Aconitum Napellus) sowie der immergrüne Steinbrech (Saxifraga aizoides) vermischt mit Alpenrispengras (Poa alpina und P. alpina var. vivipara). Haarscharf unterm Höhlentore schneidet diese z. T. ruderale Lichtflora ab, und nur das Alpengänsekraut (Arabis alpina) und der Rupprechtsstorchschnabel (Geranium Robertianum) wagen sich noch schüchtern am Schuttfusse der beginnenden Höhlenwand ein paar Meter weit herein. Dann ist die Regentschaft der Blütenpflanzen vorbei. An ihre Stelle treten einzig, in Felsenspalten tief verankert, als leuchtend grüne Büschel der nordische Streifenfarn (Asplenium trichomanes) und der zerbrechliche Blasenfarn (Cystopteris fragilis). Schon nach wenigen Metern werden diese abgelöst durch dichtpolsterige Moose und feingelappte Flechten in allen Farben.54 Die graduellen Lichtbedürfnisse und das individuelle Anpassungsvermögen der einzelnen Arten lassen sich im Wechsel der Lichtauslese von vorn nach hinten im ersten Höhlenraume sehr schon verfolgen. Zuhinterst, wo nur noch Spuren zerstreuten (diffusen) Tageslichtes sich hinzustehlen vermögen, liegt auf den Höhlenwänden noch ein leichter grüner oder weisser Flaum von feinen Möschen oder Flechten, vergesellschaftet wohl auch mit Algen. Messerscharf aber schneidet dieses geheimnisvolle Leben ab, wo der dunkle Schlagschatten der vordem Höhlenwand die am weitesten zurückgelegenen Stellen des Höhlenabschlusses trifft. Nur wenn man näher zusieht, gewahrt das Auge auf dem glanzlosen Felsen noch mattgrüne, feine Fäden, die die Vorsprünge auf der Oberfläche wie mit einem Gewebe überspinnen, die Vorkeime von Leuchtmoosen. Der goldgrüne Glanz, der auf den zarten flächen artigen Moosgebilden ruht, kommt her von den spärlichen vom Hintergründe der Blattgrünkörner zurückgeworfenen Lichtstrahlen. So gehört das allmähliche Ausklingen des organischen Lebens, das mit der Genauigkeit des feinsten Mechanismus sich an die Lebensbedingungen knüpft, zu den Wundern der „Welt unter Tag“. — Ihrer sind noch manche, und es erheischt die Erforschung auch der „Lichtenterbten“ noch ein eingehendes Studium.
Zur Linken des Kuppelbaues gewahren wir im Hintergründe der grossen Höhle nahe dem Boden (in Abb. 11) den früher nur in kriechender Stellung begehbaren dunkeln Einschlupf in die innersten Höhlengemächer. Er mass am vordersten engsten Teile vor der Ausgrabung wenig mehr denn einen Meter in der Breite und etwa einen halben in der Höhe bei einer Länge von 5 Meter. Heute ist derselbe vollständig ausgegraben, so dass man jetzt bequem in aufrechter Stellung in die sich rasch verbreiternde Höhle II eintreten kann. Sie stellt einen domförmig gewölbten Raum mit mehreren bis zu 5 Meter hohen Schloten dar, und ist von verschiedenen klaffenden Rissen in der Decke durchsetzt. Ihre Gesamtlänge beträgt ebenfalls 5 Meter, die grösste Breite in der Mitte der Längsachse fast 5½ Meter. An den Wänden treffen wir bereits flächenartige, weissgelbe Sinterabsätze, auch die feinem Gesteinsfurchen sind von solchen durchsetzt, und nur die tiefsten Risse enthalten grössere Mengen von hart gewordenem Kalksinter. Eigentliche grössere Stalaktitengebilde, auch Stalagmiten fehlen vollständig und fanden sich auch nicht in dem nun ebenfalls völlig ausgeräumten Höhlenbodenschutte vor. Eine merkwürdige und auffallende Erscheinung begegnet uns an der Gesteinsdecke des Einschlupfes zum zweiten unterirdischen Gemache, dort, wo sie sich früher bis auf einen halben Meter der Oberfläche des einstigen vor der Ausgrabung bestehenden Höhlenbodens näherte. Diese Deckenpartie ist völlig eben und sieht vollkommen geglättet aus, so dass sich einem unwillkürlich die Frage aufdrängt, ob hier nicht der Mensch seine Hand im Spiele gehabt habe bei der Glättung der Gesteinsdecke, die er der Höhe nach jedenfalls nahe mit dem Kopfe streifte beim Ein- und Ausgange. Auch finden sich an dieser Decke gerade an den glättesten Stellen ganz eigenartige grubenartige Kritze von sehr regelmässiger Gestalt, die teilweise mit feinem gelblichem Kalksinter ausgekleidet sind. Stellenweise scheint es aber, als ob man es mit feinen linienartigen Ausätzungen (Korrosion) des kohlensäurehaltigen Sinterwassers zu tun hätte. Auffallend ist die Sache immerhin, weil sich bis heute im ganzen Höhlensysteme des Drachenlochs nirgends eine gleichartige Gesteinsfläche auffinden liess. — Zur linken, südlichen Seite dieses Raumes verläuft die Felswand tief schräg nach unten, so dass es immer den Anschein erweckt, als befänden sich weiter unten nochmals grössere Hohlräume. — Ueber die Beschaffenheit der Boden schuttauffüllung werden wir später die nötigen Aufschlüsse erteilen.
Gleich wie in der vordem grössern Höhlenabteilung, so senkt sich die westliche Felswand der zweiten Höhle gegen hinten zu Boden, lässt zwar wiederum einen über 2 Meter breiten, aber auch nur einen halben Meter hohen Durchschlupf frei, der in seiner Länge etwa 2 Meter misst. In kriechender Stellung gelangen wir nun in einen an Flächeninhalt wieder grössern Raum, die Höhle III. Ihre Decke bildet einen flachgespannten Bogen von 2,9 Meter Höhe an der höchsten Stelle. Die Länge des Raumes beträgt etwas über 17 Meter, die Breite im hintern Drittel etwas über 5 Meter. Seine Hauptachse läuft mit jener der 1. Höhle gleichsinnig (280° WNW—OSO 100°). Die Wände sind ebenfalls teilweise mit Sinterablagerungen in geringen Mengen bedeckt. In ganz auffälliger Weise besitzt namentlich das Decken- gestein dieser Höhle eine Menge karriger Furchungen, die sich selbst an horizontalen Partien zu grosser Schönheit ausgebildet haben. Eine grosse Zahl kleinerer und grösserer Konkavitäten im Höhlenfelsen deutet auf eine einstige kräftigere Durchsickerung des Gesteins durch das chemisch korrodierende Wasser hin. Diese Hohlformen nehmen aber nirgends den Umfang an, wie dies im Kuppelbau der Höhle I der Fall ist. Abermals schliesst sich nun auch diese Abteilung gegen hinten ab und lässt einen nur sehr engen Einschlupf in die beiden folgenden kleinen, nur sackförmigen Ausweitungen und schliesslich in die Endhöhle frei. Diese letztere, bloß 5 Meter lange, 2½ Meter breite und 3,6 Meter hohe VI. Abteilung liegt wie die beiden ihr vorausgehenden kleinen Kavernen etwas tiefer als die drei vordersten Höhlen, und ihre Längsachse wendet sich nach NW—SO. Ihre Wände sind mit kugeligen Kalksinterbildungen, kleinen Stalaktiten und spitzen skalenoëdrischen Kalkspatkristallen ausgekleidet. An ihrer Decke befindet sich ein merkwürdiges, scharfgeripptes, skelettartig ausgewittertes Gesteinsgebilde, das ganz die Gestalt eines Knabendrachen hat. Von einer weitern Fortsetzung dieses kleinen Endraumes, der kaum eine rechte Bewegung zulässt, kann man nichts beobachten, so dass wir hier den sichtbaren Abschluss des Drachenloches vor uns haben. Die Gesamtlänge aller 6 Höhlen lässt sich auf rund 65—70 Meter angeben.
Wenn wir vorhin der interessanten Höhlenflora gedacht haben, so lässt sich am Schlüsse der allgemeinen Beschreibung der räumlichen Verhältnisse noch beifügen, dass die Höhlenabteilungen II, III und jene bis zum Abschlussraume jeglicher blattgrünhaltigen Organismen entbehren, da die schon beim Eingänge in die zweite Höhle immer gesteigerte Lichtverminderung schliesslich in völliges Dunkel übergeht, Wie weit etwa noch solche von den neuesten Forschungen Lämmermayers her bekannte Flechten und Algen (Blaualgen u. a) sich auch in unserm Drachenloche angesiedelt haben, das werden unsere weiteren Untersuchungen erzeigen. — Ueber die heutige Tierwelt im Drachenloche und seiner Umgebung kommen wir erst weiter hinten in unserer vorläufigen Abhandlung zu sprechen.
VI. Meteorologische und klimatische Verhältnisse.
Diese sind im allgemeinen bedingt durch die absolute Höhenlage, die Exposition der Höhle und ihre innere Gestaltung. Obschon es bis heute nicht möglich gewesen ist, vom Drachenloche ganze Beobachtungsreihen während eines längern Zeitraumes gewinnen zu können, mögen hier doch wenigstens einige allgemeine Angaben über die meteorologischen Verhältnisse folgen.55
Der absoluten Höhenlage nach gehört das Drachenloch mit 2445 m wie der Säntisgipfel, den es bis an 60 m erreicht, in die Stufe des Höhenklimas des Alpengebirges. — Für den Drachenberg treten daher auch alle Verhältnisse in die Erscheinung, wie sie dem Klima der Höhen überhaupt eigen sind. (Abnahme des Luftdruckes und der Lufttemperatur, Zunahme der Intensität der Sonnenstrahlung und der Wärmeausstrahlung, grössere Wirkung der Insolation, relativ hohe Bodenwärme und Lufttrockenheit, Zunahme der jährlichen Niederschlagsmenge im allgemeinen usw. [nach J. Hann, Handbuch der Klimatologie, I, Höhenklima, S. 194—313]).
Die Höhenerhebung des Drachenloches (2445 m) verweist dasselbe in das Klima der Gipfelstationen unseres schweizerischen meteorologischen Beobachtungsnetzes, vorab in jenes der Säntisstation (2504 m), deren Höhe gerade jener des obern Randes der östlichen Drachenbergwand entspricht. Danach dürfen wir im allgemeinen nach dem Urteile von Herrn Dir. Dr. J. Maurer (gütige schriftl. Mitteilung) ohne grosse Abirrung von der Wahrheit wenigstens die allgemeinen Angaben, wie wir sie in der Tabelle über die „mittlere Jahrestemperatur in den verschiedenen Höhenstufen des Nordhanges der Schweizeralpen“ (Klima der Schweiz,56 Bd. I, S. 154) finden, auch auf das Drachenloch an wenden. Nach J. Maurer, (schriftl. Mitt.) ergibt sich damit für die Höhe von 2400 m eine mittlere Jahrestemperatur von etwa — 1,3 Grad C, im Winter durchschnittlich —8,4, im Frühling —3,1, im Sommer +6,4, im Herbst O,o Grad. Es gelten also für die Drachenlochhöhe sowieso die Gesetze der allgemeinen Wärmeabnahme mit den zunehmenden Höhenstufen wie für das Alpenklima überhaupt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Drachenberg, als einer der südlichen Ausläufer der Grauen Hörner und insbesondere ihres Kulminationspunktes, des Piz Sol, sich in sehr exponierter Lage, namentlich gegen Süden, Westen und Osten befindet, ebenso die unter dem Drachenberg gelegene Alp Gelbberg gegen Osten und Süden. Obschon der Winter schwere Lasten Schnees hinwirft, so dass die Gelbberghütte nahezu völlig eingeschneit wird, findet hier und auf dem Südhang des Drachenberges ein verhältnismässig früheres Ausapern statt als an andern Stellen des benachbarten Gebirges. Infolge der Steilheit der Hänge sind das Calfeisen- und Taminatal bekanntlich ausserordentlich reich an Lawinen.
Einer merkwürdigen meteorologischen Erscheinung begegnen wir in der schon mehrmals erwähnten, eine kurze Stunde unterhalb Vättis, am nördlichen Talausgang befindlichen Felsenenge St. Peter (876 m), wo sich das Vättnertal nach Norden gleichsam hermetisch abschliesst und wo nur ein schmaler Durchlass noch Platz für die Tamina und die etwas über ihr befindliche Landstrasse lässt. — Diese Felsenenge zeichnet sich jahraus, jahrein durch steten Luftzug aus und durch eine viel geringere Temperatur als das Dorf Vättis. An dieser Stelle finden wir namentlich auf der Südostseite den tiefsten Punkt der Legföhre, die sonst ihr Regiment erst bei 1600 m und noch höher gewinnt. Eine ganze Anzahl echter Alpenpflanzen besiedeln dort ebenfalls die naheliegenden Felsen (z. B. Primula Auricula, Potentilla caulescens, Saxifraga Aizoon, S. caesia, Globularia cordifolia). Ohne Zweifel handelt es sich hier um einen Felsenriegel mit konstanter Ansammlung von kalter Luft („Kälte“- oder „Frostsack“). Die Stelle wäre einer genaueren Untersuchung der Temperaturen (mittelst Thermograph) wert.
Wie schon die Talschaft von Vättis57 im Winter sich einer verhältnismässig geringen Bewölkung erfreut, so gilt dies besonders auch für die umliegenden Höhen, wo die Bewölkung eine bedeutend geringere ist als im Sommer. Nach meinen Beobachtungen ist auch zur Sommerszeit der Drachenberg und der ihm benachbarte Vättnerkopf im Vergleiche zu den andern Gipfeln am wenigsten in Wolken gehüllt. Oft sind es nur dünne Nebelkappen, die den obersten Teilen der beiden Berge aufsitzen, während z. B. die Drachenlochhöhle völlig wolkenfrei ist.
Zu alledem sind diese Höhen, wie zeitweise auch das Tal von Vättis, der merkwürdigen Anomalie der vertikalen Temperaturverteilung im Gebirge und in Bergländern, die man als die „Temperaturumkehr“ bezeichnet, unterworfen. Es ist die Erscheinung, „dass während heiterer Nächte, sodann im Winter bei windstiller Witterung die Täler kälter sind als die Abhänge und Kuppen der einschliessenden Berge bis zu einer gewissen Höhe“ (J. Hann, Handbuch der Klimatologie I, S. 221). Diese „Temperaturumkehr“ war, wie Hann sagt, „früher nur wenig bekannt, auch als ein meteorologisches Kuriosum meist nur flüchtig erwähnt, jetzt aber ist diese klimatische Bevorzugung der Höhenlagen fast jedermann geläufig und wird alljährlich für viele Tausende von Städtern zu einer Quelle hohen Naturgenusses und zu einer wahren Kräftigung der durch Luftmangel und schlechte Stadtluft geschädigten Gesundheit. “ — Wir kennen die „Temperaturumkehr“ sehr gut von St. Gallen her. In und über die Stadt breiten sich oft wochenlang finstere Nebel aus. Steigen wir dann im November, Dezember und auch noch im Januar zu den benachbarten Appenzellerhöhen hinan, so herrscht oben „eine sonnige, wundersame Pracht; wir treten in eine glänzende Landschaft, umflossen von einer milden, aber trockenen, wunderbar anregenden Atmosphäre und geniessen in vollen Zügen eine wärmere Himmelsluft, im Vergleich mit jener, die in den Alpenhöhen über 2000 m an heitern, ruhigen Sommertagen anzutreffen ist. “ (J. Maurer, Klima der Schweiz, I, S. 163.)58.
Die Ursache der anormalen vertikalen Temperaturverteilung, wobei die kalten Luftschichten unten im Tale, die warmen oben auf den Höhen liegen, ist nach Hann in der nächtlichen Wärmeausstrahlung des Bodens zu suchen. „Die daraus hervorgehende Erkaltung des Bodens teilt sich auch den demselben auf- und überlagernden Luftschichten mit, und da die kalte Luft schwerer ist als warme, so kommen die kältesten Luftschichten bei Windstille zunächst dem Erdboden zu liegen. Die höheren Schichten erkalten wenig, da die Wärmestrahlung der Luft viel geringer ist als jene des Erdbodens und der ihn etwa bedeckenden Vegetation“ (Hann).
Den Bewohnern von Vättis ist seit langem bekannt, dass ausser der oft wochenlangen Helligkeit des über dem Tale liegenden Gebirges zur Winterszeit auch auf den grossen obern Terrassen und alten Talböden des Gelbberg (2076 m), der Alp Ladils — Vättnerälpli (1896 m), Vättnerberg (1691 m) und Vindels (1650 m), die dem Drachenberg, Vättner- oder Aelplikopf und der Monteluna vorgelagert sind, die Erscheinung der umgekehrten Temperaturen herrscht. Daher kommt es, dass in früheren Zeiten die Gemeinalp Vättnerberg auch im Winter bewohnt war. Noch heute findet der Abzug von der Alp oder „vom Berg“ verhältnismässig sehr spät statt. (Vor Weihnachten.)
Wie der Drachenberg selber, so befindet sich, wie schon ein Blick auf unsere Abbildung zeigt, auch die Höhle nahe seinem Kulminationspunkte in sehr exponierter Lage. Da das Höhlentor genau gegen Osten gerichtet ist, so wird dasselbe vom Aufstiege der Sonne bis zu ihrem Höhepunkte am Mittag von derselben beschienen, ja am Morgen vermögen die Sonnenstrahlen noch einen Teil der vordem Höhle in ihrem Innern zu treffen. Mittags 12 Uhr bis 12.15 streifen sie eben noch die letzten Partien der Ostfelswand des Drachenkopfes. Nach unsern Beobachtungen während der Ausgrabungen in den Monaten Juli, August und September ist bei schönem Wetter die Felswand des Drachenkopfes auch auf der Ostseite während des Vormittages sehr stark erwärmt und der Aufenthalt im vordem Teile der ersten Höhle ein äusserst angenehmer, zumal die Lufttrockenheit eine ansehnliche ist, was sich namentlich auch in der staubartigen Abwitterung des Höhlenwandgesteins kund tut.
Nach der topographischen Beschreibung ist das Drachenloch eine Ganghöhle, eine Art Schlauch mit nur einer Oeffnung. Im fernern liegt die Bodenoberfläche der Höhle mit Ausnahme des Einstieges von aussen in die erste Höhle sowie der Abschlusspartien (IV—VI) nahezu horizontal. Nach dieser Gestaltung richten sich nun auch die meteorologischen Verhältnisse des ganzen Höhlensystems.
Infolge Fehlens einer doppelten Oeffnung im Sinne einer Durchgangshöhle treffen wir keine starke Durchlüftung der einzelnen Höhlen und ihrer Teile an. Die Luftbewegungen sind demgemäss ausserordentlich schwach und nur mittelst feinerer Vorkehrungen (feine Fäden, Papierschnitzel, Kerzenflamme), ja sogar nur durch Tabakrauch oder Feuerqualm nachweisbar. Diese schwächern Luftbewegungen sind im Drachenloch nur bewirkt durch den Austausch der Aussen- und der Innenwärme bzw. = Kälte. In der Höhle I sind darum die Differenzen zwischen Aussen- und Innenluft durchwegs grösser als in den einzelnen Höhlenteilen unter sich. Zeitweise trifft es sich, dass die Temperaturen der Aussenluft und jener der Höhle I sich sehr stark nähern.
Infolge der ungehinderten Verbindung der beiden Lufträume vermag deshalb die Winterkälte vollständig zur Beherrscherin der ersten Höhle zu werden. Somit kann das in ihr und in ihrem Gestein vorhandene Sickerwasser zum Gefrieren gelangen. Wir könnten daher unter gegebenen Verhältnissen, d. h. sofern im Winter noch Wasser durchs Gestein sickert, namentlich aber in der Periode des Auftauens des Schnees auf dem Drachenkopf in der ersten Höhle grössere Eisbildungen antreffen. Bis jetzt sind dieselben allerdings nicht nachgewiesen worden, da der Auf- und Zugang der Höhle zur Winterszeit noch nicht unternommen worden ist. Wir wissen aber mit Sicherheit, dass die Bodenauffüllung während des Winters zum Gefrieren kommt.
Zu Beginn unserer frühesten Grabungen (Anfang Juli 1918) und selbst im Monat August fanden wir bei den Bodenaushebungen im Durchgänge der ersten zur zweiten Höhle und noch etwas in der zweiten Höhle selber in etwa 1,6 m Tiefe typische gefrorene Schichtteile mit Krümeleisbildungen an. Dieses Eis stammte natürlich noch von dem vorhergehenden Jahre oder von einer Reihe von Jahren her. Während die eindringende Sommerwärme je- weilen Eis und Boden bis zu einer bestimmten Tiefe aufzutauen imstande ist, bleiben die tiefem Bodenschutteile während des ganzen Jahres in gefrorenem Zustande. Bei dem noch im Juli und August vorhandenen Eise im Schüttboden handelt es sich also sehr wahrscheinlich wie in den echten Eishöhlen um Dauereis, das gar nie zum Schmelzen gelangte. Schon am Schlüsse der Höhle II (Eingang II zu III) trafen wir bis zum weissen Lehmboden hinunter kein Eis mehr an, so dass es sicher ist, dass der Frost überhaupt nicht so weit vorzudringen vermag. Die tiefem Schichten der ersten und diejenigen des Einganges zur zweiten Höhle zeichnen sich im allgemeinen durch grössere Feuchtigkeit des Sinter- und Erdmateriales aus, weil hier in den Sommermonaten eben der Schmelzprozess des Bodenschutteises zu Ende gekommen ist. Die obern Schichten dagegen sind dann bereits schon trocken geworden.
Am Ende der zweiten und in der ganzen Höhle III treffen wir bereits eine Annäherung an die sogenannte konstante Höhlentemperatur, Dieselbe bewegt sich nach allgemeinen Erfahrungen und auch nach meinen genauen Messungen in einer Reihe von Höhlen im Säntisgebiete (z. B. in der grossen Furgglenhöhle unter den „Häusern“ im Säntisgebirge (1580 m) um 3,0—3,5 Grad Celsius herum. In den innern, am weitesten vom Eingänge entfernten Höhlengemächern bleibt sich also die Temperatur mit ganz geringen Schwankungen von nur 0,2—0,5° C das ganze Jahr hindurch gleich. Die Schwankungen selber sind nur mittelst Zentesimal-Thermometer und unter Ausschaltung der kleinsten Fehlerquellen sicher bestimmbar. — Bei grösserer Tiefenerstreckung von Höhlen, die nicht Durchgangshöhlen sind, entsprechen also die hintersten Teile derselben Lokalitäten mit einem „milderen lokalen Klima“ (Lämmermayr).
Am 3. Juli 1903 notierte ich folgende Temperaturverhältnisse (mittags 2 Uhr, alles Schattentemperaturen, Wetter ganz hell und warm, Windstille).
| Am Felsen vor dem Aufstieg zur Höhle | 13,4° C |
|---|---|
| Am Eingänge zur Höhle I | 7,1° C |
| Im Kuppelbau (21 m hinter dem Eingang) | 6,0° C |
| In Höhe II (Mitte) | 4,1° C |
| In Höhe III | 3,8° C |
| In Höhe IV | 3,5° C |
| In Höhe VI (zuhinterst) | 3,1° C |
Spätere Messungen ergaben aus den Höhlen III—VI nur die genannten kleinen Schwankungen von 0,2 —0,5 Grad.
Zum Vergleiche setze ich hier noch die Temperaturmessungen vom 20. August 1920 bei (vormittags 11 Uhr, Nebel, Regen, dann Hagel):
| Temperatur an der Felswand vor dem Aufstieg | 3,2° C |
|---|---|
| Temperatur unter dem Höhleneingang | 4,9° C |
| Temperatur Mitte der Höhle I | 4,5° C |
| Temperatur im hintern Teile der Kuppel | 4,7° C |
| Temperatur Eingang von Höhle I zu II | 4,2° C |
| Temperatur Mitte von Höhle II | 3,8° C |
| Temperatur Eingang zur Höhle III | 3,6° C |
| Temperatur in Höhle III | 3,5° C |
Von der eben beendigten Ausgrabungskampagne 1921 mögen hier noch nachfolgende, jeweilen bei schönstem Wetter (ruhige Föhnlage) notierte Temperaturen Aufnahme finden (in Graden Celsius):
| 9. August 1921 | 17. August 1921 | 19. August 1921 | |
|---|---|---|---|
| 1. Felswand vor dem Aufstiege: | 1h30 Nm. | 9h15 Vm. | 9h15 Vm. |
| direkte Insolation | 23,2 | 15,5 | 26,4 |
| Schatten | 19,8 | 11,2 | 19,9 |
| 2. Eingang zu Höhle I | 13,5 | 12,2 | 15,2 |
| 3. Mitte Höhle I | 9,1 | 6,0 | 7,0 |
| 4. Kuppelbau Höhle I (hinten oben) | 9,8 | 6,7 | 7,6 |
| 5. In Höhle II | 5,5 | 4,4 | 4,5 |
| 6. In Höhle III | 4,0 | 3,8 | 3,6 |
| 7. In Höhle III (zuhinterst) | 3,2 | 3,0 | 2,8 |
Welche Wärmeverhältnisse die gut temperierte Westseite des Drachenberges geniesst, mag die Angabe beweisen, dass das Thermometer am 14. September 1921, abends 5½ Uhr, bei voller Besonnung 20,2°, am Schatten 11.70 C aufwies.
Daraus ersehen wir, wie die Schwankungen in den vordem Höhlenteilen grösser, jene der hintern Teile nur noch klein sind. Die Konstanz der Temperaturen der innern Höhlenteile II —VI erklärt sich leicht damit, dass dieselben, solange keine Grabungen stattfanden, durch die Deckenwandbarrieren ihrer hintern Abschlüsse verhältnismässig schmale, bzw. wenig hohe Durchschlupfe besassen, die die einzelnen Teile stark isolierten und dadurch das Eindringen der Aussentemperaturen verhinderten. In den Schloten oder Kaminen der Abteilungen II —VI sind die Temperaturen stets um 1,5—3,2 Grad C höher als am Boden, weil sich in denselben die wärmere Luft ansammelt und keinen Abzug findet.
Aus dem Gesagten ergibt sich mit Sicherheit, dass die hintern Höhlenteile des Drachenloches keine Eisbildungen in Form von Eisstalaktiten und -Stalagmiten oder von Flächeneis besitzen können, auch nicht in den strengsten Wintern. Selbst in den zuhinterst gelegenen, sackartig absinkenden Teilen vermag sich infolge der konstant bleibenden Temperatur von 3,0° C kein Eis zu bilden, wie das sonst in Sackhöhlen der Fall ist. Das Drachenloch gehört also trotz seiner bedeutenden Meereshöhe nicht zu den Eishöhlen im Sinne von Kraus59, Fugger60, Lohmann61, Futterer62, Crammer63 u. a. Dagegen ist kein Zweifel, dass Eisbildungen in kälteren Wintern, trotz dem Einflüsse der Temperaturumkehr, in Höhle I in Form von Hänge- und Standeis auftreten. Nach Analogie des „Eispalastes“ im Wildkirchli dürften sich im Kuppelbau des Drachenloches ebenfalls Boden- oder Standeisgebilde vorfinden, während Hängeeis (Stalaktiten) an der Decke der Kuppel nicht zur Ausbildung gelangen kann, da die Temperatur im Kuppelgewölbe über dem Gefrierpunkte bleibt.
Der rascheste Luftaustausch im Drachenloch findet also in der nach vorn geöffneten Höhle I statt. An kühleren Tagen bemerkt man leicht ein teilweises Ausströmen der wärmern Höhlenluft im obern Teile der Höhle I, während am Boden kältere Luft von aussen herein streicht, was sich durch Rauchexperimente leicht nachweisen lässt. Eigenartige Erscheinungen treten namentlich dann auf, wenn vor der Höhle d-raussen starke West-, Südwest- und Südwinde über den Drachenkopf herunterstürzen, die ein förmliches Heraussaugen der Luft aus der vordem grossen Höhle verursachen. Bei anhaltendem stärkerem Föhnwind lässt sich unterm Höhlenportal sehr deutlich dieses plötzliche Niederfallen des Windes über die Ostfelswand des Drachenberges feststellen, wobei dann der Luftzug gegen die Oeffnung der Höhle hin, also in entgegengesetzter Richtung von der ursprünglichen, sich wendet, so dass es den Anschein hat, als bliese ein kräftiger Ostwind in die Höhle. (Vgl. auch: 0. Grashey, Praktisches Handbuch für Jäger, III. Aufl., Seite 45, Abbildung und Text Seite 46.) Sehr interessant ist ferner die bedeutende akustische Verstärkung dieses Windfalles, der noch in den hintern Höhlenteilen als ein mächtiges Brausen und „Stossen“ vernommen wird, das sich zu donnerähnlichem Schalle steigern kann.
Während längern schönen Wetters zeichnet sich die Drachenlochhöhle in ihren vordem grössern Teilen durch relative Trockenheit aus, auch der Bodenschutt enthält dann nirgends grosse Feuchtigkeit. Ganz anders dagegen, wenn starke und anhaltende atmosphärische Niederschläge oder Gewitter erfolgen. Sie machen sich dann nach kurzer Zeit in der vordem Höhle (I) bemerkbar, da dort infolge der Zersplitterung des Gesteins die Wasserzügigkeit desselben am grössten ist. Der von uns in diesem Raume aufgestellte neue hölzerne Wassertrog, der das zur Speisung der Azetylenlampen nötige Tropfwasser auffangt und dessen Inhalt etwa 1/3m3 beträgt, hat sich während der erheblichen Niederschläge im Monat Juli und August 1920 mehrmals vollständig gefüllt. Während der trockenen Zeiten mussten wir das Wasser jeden Tag vom Gelbberg ins Drachenloch herauftragen lassen. — Da der Bodenschutt der ersten Höhle reich an Gesteinstrümmern und diese sehr wasserdurchlässig sind, so fliesst das Wasser verhältnismässig rasch durch dieselben und dem felsigen Höhlenboden entlang nach aussen ab. Das erklärt auch den relativ geringen Gehalt dieser Bodenauffüllung an festen Sinterrückständen.
Vollständig anders gestalten sich die Verhältnisse in den innern Höhlenteilen. In Höhle II und III, den an Inhalt und Umfang nächstgrössten, haben wir während unserer Grabungen von 1917—1920 auch bei längerem Regenwetter sozusagen keinen Sickerwasserzufluss beobachten können; wir konnten diese Höhlenteile als durchaus trockene Räume kennen lernen. Die Höhlenfeuchtigkeit, die sich infolge Eindringens etwa des die Höhle I noch gänzlich erfüllenden Nebels bemerkbar machte, war jeweilen nur von kurzer Dauer. Ein Teil geringer Luftfeuchtigkeit rührt auch von der in jeder Höhle stattfindenden Verdunstung her. Ueber diese merkwürdigen Verhältnisse werden in der Hauptarbeit über das Drachenloch noch genauere Schilderungen erfolgen.
Die nämliche auffallende Trockenheit macht sich auch — was von wesentlicher Bedeutung ist — in den Bodenschuttschichten der Höhle II und III geltend. Die obern derselben bis etwa zur zweituntersten weisen eine grosse Mürbheit und Weichheit auf, die zu dem Schlüsse berechtigen, dass auch zur Zeit ihrer Ablagerung in prähistorischen Zeiten grosse Lufttrockenheit da droben geherrscht haben muss. Einzig die Grundschicht in II und III, die mächtige weisse Lehmablagerung (siehe Abschnitt Bodenauffüllung) zeugt von einer langem Dauer starker chemischer Korrosion und Wasserzufuhr in den etwas tiefer gelegenen innern Höhlenteilen, wo das Wasser und die Lehmbildungen sich in einer Art kleinerem Staubecken ansammelten, weil das Wasser nicht oder nur sehr kärglich abzufliessen vermochte.
Zur Winterszeit ist der ganze West-, Süd- und Osthang des Drachenberges in einen Mantel tiefen Schnees eingehüllt. Gewaltige Gwächten ziehen sich am Steilhang zum Drachenkopf hin. Der letztere ist mit einer riesigen Schneekappe bedeckt, nur die Steilwände desselben werfen auch zur Winterszeit ihren hellgelben Schein in die lichtdurchstrahlte Hochgebirgslandschaft hinaus. In die Höhle selbst vermag der Schnee kaum einige Meter tief hinein zu dringen, etwa vom Treibwind, der die Schneemassen von Westen her über den Drachenkopf hinwegjagt, die dann als feiner Staubschleier auf der Ostseite vor dem Höhleneingange sich niedersenken und vor demselben einen Schneewall aufzubauen vermögen, oder der vom Ostwind hergetriebene Schnee, der zwar nie von grösserer Bedeutung wird. — Die Schneebedeckung des Drachenkopfes bewirkt bald vom Beginne des Winters an eine relative Höhlentrockenheit, weil die atmosphärischen Niederschläge dann nicht mehr durch das Gestein der Höhlenüberdeckung durchzusickern vermögen. Im übrigen zeichnen sich diese Höhen von 2400—2500 m im Winter, wie bereits angedeutet wurde, durch die grössere Helligkeit und relativ stärkere und anhaltendere Besonnung (Insolation) aus als die tiefer gelegenen Gegenden.
Benützen wir diese meteorologischen Erläuterungen zur Beantwortung der Frage, wie sich die Wohnverhältnisse in früheren Zeiten für Menschen und Tiere hinsichtlich der klimatischen Bedingungen gestaltet haben mochten, so lautet die Antwort günstig. Unter Beiseitelegung aller feinern Ansprüche eines heute lebenden Kulturmenschen liesse sich im Drachenloche während der Sommermonate Juli, August und September vom klimatischen Standpunkte aus ganz gut vegetieren. Wir wissen mit Sicherheit, dass z. B. die Schneemaus (Arvicola nivalis) ein ständiger Bewohner des Drachenloches gewesen ist, und dass sie mit Vorliebe die Höhlenteile II und III besiedelt, wo sie genügend Wärme vorfindet.
An eine Bewohnbarkeit des Drachenloches zur Winterszeit unter heutigen Verhältnissen ist natürlich nicht zu denken, selbst wenn man gute Verproviantierung besässe. Auch dem Weltverdrossensten und Menschenscheuesten der Sippe Homo sapiens würde ein dauernder Winteraufenthalt dort droben trotz der zeitweise herrlichsten Naturerscheinungen kaum zum Vorteile gereichen. — Wie wir uns die Dinge zur Urzeit des Menschen auszudenken haben, das werden wir später in dieser Schrift dem Leser einigermassen begreiflich zu machen versuchen.
VII. Zur Geologie des Graue Hörner-Ringelspitz-Calanda-Gebietes.
A. Allgemeine geologische Verhältnisse.
Die Drachenlochhöhle verdankt ihre ausserordentlich hohe Lage einzig den im Gebiete des Calfeisen-Taminatales, d. h. der Gebirgsmassen der Granen Hörner-Ringelspitze und des Calanda herrschenden merkwürdigen geologischen Verhältnissen. Das Verständnis für die Entstehung der Höhle, sowie für die spätere Beleuchtung der Altersfrage der prähistorischen Funde in dieser Höhle ist deshalb an eine Schilderung der Geologie des Drachenberges und seiner Umgebung gebunden. Wir geben hier nur die wichtigsten und notwendigsten Daten.
Das ganze Gebiet der Grauen Hörner, der Ringelspitzkette und des Galan da bilden einen Teil der sogenannten Glarner Verrucanodecken (nach Albert Heim, Geologie der Schweiz, Bd. II, S. 387—395). Kaum irgendwo anders in den Alpen liegen die Tatsachen der „Deckenüberschiebung“ so klar und deutlich vor dem Auge des Nichtvoreingenommenen wie bei dieser Teildecke der helvetischen Decken. Schon vor 120 Jahren sind im Gebiete der Glarneralpen die so merkwürdigen verkehrten Lagerungen der Gesteinsschichtglieder, wobei die jüngsten zu unterst, die ältern und ganz alten zu oberst im Gebirge liegen, durch Hans Conrad Escher v. d. Linth entdeckt und später von seinem Sohne, dem Geologen Professor Arnold Escher v. d. Linth, genauer verfolgt und als Ueberfaltung und Ueberschiebung gedeutet worden. Das eingehendste Studium dieser „Glarner Doppelfalte“, wie sie damals hiess, erfolgte hierauf von Prof. Albert Heim in seinem klassischen Werke: „Mechanismus der Gebirgsbildung“, Bd. II (1879), sowie in des nämlichen Forschers „Hochalpen zwischen Reuss und Rhein“64 Späterhin erschienen die Spezialarbeiten von K, Tolwinsky65 über die Grauen Hörner, von M. Blumenthal66 über die Ringel-Segnes-Gruppe. Der Calanda wurde zuerst von Prof. G. Theobald67, dann von Chr. Piperoff68 und zuletzt von M. Blumenthal69 untersucht. Die spezielle geologische Karte 1: 50,000 über dieses Gebiet befindet sich im Drucke.70
Der westlichen Fortsetzung des Calanda-Graue Hörner-Ringelspitzgebietes im Weisstannen-, Murgtal- und Glarnergebiet sowie der Revision der verschiedenen Manuskriptkarten haben sich Albert Heim und J. Oberholzer gewidmet. Von ihnen stammt auch die Geologische Karte der Glarneralpen 1: 50,000 (Spezialkarte Nr. 50). Ueber das gesamte Gebiet orientierte bis jetzt das schon ältere Blatt XIV der Geologischen Karte der Schweiz (1:100,000).
Die allmähliche Wandlung der „Glarner Doppelfalte“ (Arnold Escher v. d. Linth und Albert Heim) zur Glarner Ueberfaltungsdecke oder Glarner Verrucanodecke und ihren Teildecken hat uns Albert Heim71 selber, sowie auch Arnold Heim72 beschrieben. In den Bereich der Diskussion über dieses Gebiet gehören im weitern die Publikationen von Paul Arbenz und Walther Staub73. — Eine knappe Zusammenfassung der gesamten Verhältnisse und der als neu erkannten Tatsachen hat Albert Heim in seiner „Geologie der Schweiz“, Bd. II (S. 383—395) gegeben, und J. Weber74 bringt in seinen „Geologischen Wanderungen durch die Schweiz“ (Bd. II) auch dem Nichtgeologen ein anschauliches Bild von den Theorien über die Entstehung der Glarner und St. Galler Oberländeralpen.75
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Abb. 13. Geologisches Profil durch das Calfeisental.
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Abb. 14. Geologisches Profil durch den Drachenberg.
Arnold Escher v. d. Linth und Albert Heim erkannten, dass über dem normal gelagerten, an Ort und Stelle gewordenen (autochthonen) Grundgebirge des Grauen Hörner- und Ringelspitzgebietes, die orographisch durch das tiefeingeschnittene Calfeisental von einander getrennt sind, einst eine gewaltige Masse älteren Gesteins — Verrucano — zwischen Linth, Walensee und Rhein über Jüngern und jüngsten Gesteinsgliedern gelegen hatte. Durch Verwitterung und Erosion wurde dann in den höchsten Erhebungen der Grauen Hörner und der Ringelspitzkette ein grosser Teil dieses überliegenden, eine doppelte Falte bildenden, ältern Verrucanos abgetragen, so dass die heutigen Kulminationspunkte der Nordfalte (Piz Sol, Foostock), sowie jene der Südfalte (Ringelspitze, Piz da Sterls, Trinserhorn, Piz Sardona, Piz Segnes, Vorab, Hausstock usw.) nur noch Reste und Ruinen darstellen. Heute sieht man die genannten, inselartig von einander getrennten Verrucanogipfel in messerscharf ausgeprägter Ueberschiebungsfläche über den unter ihnen befindlichen jüngern Gebirgsmassen sich als reichgezackte, einen mächtigen Eindruck machende Gebilde erheben. Am schönsten prägt sich das dem Auge ein, wenn es sich von der Höhe des Sardonagletschers aus im weiten Rundblicke ergeht. Dort stehen wir inmitten dieser grossartigsten Erscheinung im Werdegänge einer herrlichen, vielgegliederten Gebirgslandschaft.76 Was man nun früher, da man sich noch nicht getraute, gewisse Bewegungen in der oberflächlichen Erdrinde auf grosse Räume ausgedehnt zu denken, als eine gewaltige liegende Doppelfalte mit beidseitiger Stirne (Nord- und Südfalte), d. h. als „Glarner Doppelfalte“ betrachtete, das hat sich durch die Erkenntnis von noch viel grössern Bewegungen, den Deckenüberschiebungen (Bertrand-Schardt-Lugeon), als eine einheitliche von Süden nach Norden überschobene Decke entpuppt, die man heute kurzweg als Glarner Decke benennt. Wie ein mächtiger Sattel oder ein in der Mitte leicht aufgebogener Schild erstreckt sich die 25—30 Kilometer breite Verru- canodecke von ihrer Wurzel im bündnerischen Rheintale aus in 20-25 Grad Steigung gegen Norden hinauf zum Piz Segnes, Piz Sardona, Trinserhorn, Ringelspitze (3205 m), wo ihre Unterfläche nahezu die Höhe von 3000 m erreicht. Dann ist sie plötzlich unterbrochen durch das in schauriger Tiefe liegende Calfeisental. Auf dessen gegenüberliegender Nordseite setzt sich die Verrucanodecke77 wieder fort im Satzmartinshorn und Piz Sol (2835 m) der Grauen Hörner, und wendet sich mit 10 — 15 Grad Fallen gegen Norden zum Walensee und gegen Mels hin, wo sie zwischen dem Sernftal und dem Walensee bereits wieder eine volle tektonische Mächtigkeit von 1000-1800 m besitzt. Gegen Ragaz im Nordosten und im Rheintal (bei Reichenau) aber ist der Verrucano teils abgewittert, teils keilt er stratjgraphisch aus. Dort wird er bereits von jüngern Gesteinsgliedern — Trias und Lias — bedeckt.
Schon die ersten geologischen Untersuchungen, namentlich im Glarnerlande, hatten die Erkenntnis gezeitigt, dass das relativ viel ältere Verrucano- gestein auf dem mächtigen überall die Täler bis hoch hinauf beherrschenden Grundgestell der eocänen Flyschmassen, d. h. auf dem allerjüngsten Gebirgs- gliede der Gegend (Tertiär) ruht. Dieser Flysch kennzeichnet sich in den Landschaftsformen teils durch milde Berggestalten, teils durch ausserordentlich tiefe Einschnitte, die Folge ergiebiger Erosion und Verwitterung in dem verhältnismässig viel weicheren Gestein, das sich zudem durch intensivere Faltung und Fältelung, oft bis zur unentzifferbaren Verworrenheit, auszeichnet.
An der nahezu geradlinigen, weithin sich unter den Verrucanogipfeln hinziehenden, scharf ausgeprägten Ueberschiebungsfläche, d. h. an der Berührungsfläche der jüngsten und ältesten Gebirgsgesteinsglieder, war auch schon damals ein merkwürdiges Gesteinszwischenglied, der sog. Lochseitenkalk erkannt worden, der weder dem Verrucano (oben) noch dem Flysch (unten) angehörte. Als ein meist helles, oft fast weisses Band von 0—10 m und noch mehr Mächtigkeit sieht man zwischen dem dunkeln, grünen und roten Verrucano und den grauen, an der Oberfläche oft stark glänzenden Flyschschiefern den Lochseitenkalk zu den höchsten Erhebungen im Gebiete an steigen. Es ist nichts anderes, als ein durch mechanische Kräfte (Druck und Schub) umgewandeltes, metamorphosiertes, faseriges Knet- und Walzprodukt, d. h. ein marmorisierter, mylonitisierter oberer Jura-Kalk (Malm).78
Die Glarnerdecke taucht infolge ihres östlichen Achsenfallens am Walensee unter den Talboden. Gegen Westen keilt sie sichtbar bei Linthtal aus (Heim, Geologie, II., 264). lieber die andern Decken wie Säntis-Drusberg- decke, Räderten-, Mürtschen-, Axen-, Wallenstadter Zwischendecke verschaffen wir uns ebenfalls kurzen und genügenden Aufschluss in Heim, Geologie der Schweiz, II. Band (S. 264—267) und in der Tabelle S. 266, desgleichen über Perm (Verrucano) S. 268 u. ff.
Infolge der Deckenüberschiebungstheorie haben nun die neueren Untersuchungen im Gebiete der Grauen Hörner, der Ringelgruppe und des Calanda durch Tolwinsky, Blumenthal und J. Oberholzer noch mancherlei neue Ergebnisse gezeitigt, die auf einen noch viel verwickelteren Bau der genannten Gebirgsteile hindeuten.
Ausser der grossen, die höchsten Erhebungen einnehmenden Glarner Ueberfaltungsdecke, die den Verrucano als ältestes Sediment der sogenannten Helvetischen Decken beansprucht, findet sich nämlich zwischen dem Verrucano und der eigentlichen Flyschunterlage nicht allein der noch als „verkehrter Mittelschenkel der Glarner Ueberschiebung“ (Heim) geltende Lochseitenkalk, sondern es sind, namentlich in den das Calfeisental südlich und nördlich begrenzenden Gebirgsteilen, noch besondere kleinere Ueberschiebungsdeckfalten als ein geschobene Teile vorhanden. Sie bestehen zum grössten Teile aus Kreide und oberem Jura (Malm) und werden von Blumenthal und Tolwinsky ins Gebiet der parautochthonen Falten79 verwiesen. Wir kennen sie heute als Tschepp-Panära-Orgelfalten im Ringelgebiete und als Drachenüberschiebung (besser Drachenbergüberschiebung!) im Grauen Hörnergebiete. Auch der Calanda, dieser hochinteressante, aber recht verwickelt gebaute und noch nicht völlig enträtselte Gebirgszug, der in seinem autochthonen Grundstöcke das Ostende des Aarmassives bildet, gehört in seinen obern Teilen ebenfalls zu den deckenartig überschobenen Mantelfalten, die bis an den Rhein hinunter durch den Berg hindurchsetzen. — Untere und obere Kaminspitzfalte am Calanda. — Wir können uns hier nicht weiter mit der Glarner Ueber- faltungsdecke sowie mit den einzelnen parautochthonen Falten beschäftigen (ausser der Drachenbergüberschiebung) und verweisen auf das Studium der eingangs genannten Literatur, namentlich jener von Tolwinsky und Blumenthal.
Wenden wir uns nun zur geologischen Betrachtung des Drachenberges und seiner nächsten Umgebung! Wir schicken voraus, dass bereits Arnold Escher v. d. Linth die überraschende Tatsache festlegte, dass der als südöstlicher Ausläufer des Piz Sol gegen den Calanda (Vättis) bekannte Drachenberg sowie der nordöstlich an ihn sich anschliessende Aelplikopf (i. d. topogr. Karte, Blatt Vättis) oder der Vättnerkopf, wie er im Volksmunde richtig heisst, zwei scharfmarkierte, merkwürdige Berggestalten, ebenfalls nicht den jüngsten erdgeschichtlichen Gliedern, dem tertiären Flysch, angehören wie etwa der noch weiter nordöstlich gelegene Monte Luna. Vielmehr bestehen die beiden vorgenannten Berge in ihren obersten Teilen aus Kreidekalk und etwas jüngstem Jura (Malm), die auf dem autochthonen Flysch der Gegend schwimmen. Schon Escher und dann besonders Heim (Mechanismus der Gebirgsbildung) setzten hier eine vereinzelt vorkommende Ueberfaltung voraus, ohne den Hergang derselben und die Herkunft dieses Kalkes näher zu bestimmen, was. damals auch nicht möglich war. — Erst Tolwinsky und Blumenthal vermochten auf Grund eingehendster Durchforschung des Gebietes den Schleier zu lüften, der über diesen merkwürdigen Bergen gelegen hatte. Es ergab sich dabei, dass nicht nur der Drachenberg und Aelplikopf (Vättnerkopf) sondern auch der obere Teil des herrlichen Gigerwaldspitz, der westlich vom Drachenberg und über der tief eingeschnittenen grausigen Tersolschlucht liegt, besondere überschobene Massen von Jura und Kreide darstellen, die mit der Glarnerdecke (Verrucano) in keinerlei direkter Verbindung stehen. Ja, es erwies sich, dass auch der gegenüberliegende riesige Steilabsturz der Ringelkette, sowie jener des Calanda in der obern Hälfte von solchen Jura-Kreideüberschiebungen durchzogen sind, deren Namen wir bereits genannt haben. — Am klarsten liegen nun die Verhältnisse in der Drachenbergüberschiebung.
Bevor wir dieselbe genauer verfolgen, mag hier unser Blick sich dem Grundgestell, der autochthonen Gebirgspartie des Drachenberges und Vättner- kopfes, die auch jener der Ringelkette und des Calanda entspricht, zuwenden. Wir tun das am besten vom Dorfe Vättis oder von einem erhöhten Punkte bei demselben auf der Calandaseite aus. Da sehen wir das autochthone Gebirge in gewaltigen Steilwänden an den Flanken des Calanda, den östlichen Ausläufern der Ringelkette (Orgeln, Simel) und der Grauen Hörner (Drachenberg, Gigerwaldspitz, Vättnerkopf und Monte Luna bis weit über die halbe Höhe hinauf. Es setzt sich einheitlich zusammen aus kristallinen Gebilden und aus sedimentären Gesteinen der Trias, des Jura, der Kreide und des Tertiärs. Mit Ausnahme der tiefstgelegenen, gerade beim Dorf Vättis entblössten zentralmassivischen (vortriasischen) kristallinen Schiefer und ver- rucanoähnlichen Gesteinen bildet das basale Sedimentärgebirge ein mächtiges Gewölbe, das man beim Blicke in das Calfeisental hinein deutlich beobachten kann. Die Streichrichtung des Gewölbes verläuft nordöstlich gegen den Calanda hin, hält in diesem an bis ins gegenüberliegende Rheintal (RagazChur). Es liegt zugleich etwas gegen Nordwesten über. Dadurch, dass die Tamina den einst zwischen den jetzigen Talseiten sich ausspannenden Gewölbescheitel bis auf das Zentralmassiv hinunter herauserodierte, wurde der Aufbau des Gewölbes selber an den heutigen Talflanken ausserordentlich klar zur Schau gestellt. Wir haben im sog. autochthonen Gewölbe von Vättis die einzige Stelle im Kanton St. Gallen, wo die Erosion so tief gegriffen, dass unter den sedimentären Ablagerungen gleich noch der oberste Teil des Zentralmassives, also die ältesten Gesteine, angebohrt und entblösst wurden.
Raumeshalber können wir hier nur eine ganz kurze Uebersicht über die Stratigraphie der einzelnen Gesteinsformationen des basalen, autochthonen Gebirges geben und verweisen auf die Seite 47 aufgeführten Arbeiten von Tolwinsky und Blumenthal. Wir gehen von unten nach oben :
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Der kristallinische, vortriasische Grund besteht ans typischen G Heissen und verrucanoähnlichen Schiefern (nicht echten Verrucanogesteinen, wie man dies früher annahm) in steilstehender Lagerung, also diskordant zu allem Ueberliegenden, sowie aus groben Quarzsandsteinen darüber, in der Lage der überliegenden Sedimente. Ihre Zugehörigkeit zum permischen Verrucano oder zum untern Trias (Buntsandstein) ist noch nicht zu entscheiden.
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Die Trias zerfällt in Rötidolomit und Quartenschiefer. Der Rötidolomit (45—50 m Mächtigkeit) bildet die charakteristischen gelbrötlichen Felsbänke und Köpfe über dem Dorfe Vättis am Gelbberg-Vättnerkopfhang, am Simel und am Calanda (z.B. am Gnapperkopf, einem alten Erzlager). Es ist ein stark marmorisierter, fein kristallinisch-körniger, hellgrauer oder zart rosaroter (Kreuzbachtobel, Weg nach Ladils) Magnesiakalkstein. An seiner untern Grenzfläche beobachtet man oft grüne Serizitschiefer, an der obern grobe Konglomerate. Der Quartenschiefer (bis 10 m Mächtigkeit) ist ein roter, mergeliger, rauher Schiefer mit eigenartigen Dolomitkonkretionen.
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Der alpine Jura mit seiner dreifachen Gliederung:
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Lias (ca. 2 m), früher als fehlend angegeben, 1908 von Tolwinsky in der Kreuzbachschlucht zum erstenmal nachgewiesen: grünliche, kompakte Schiefer und Echinodermenbreccie.
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Dogger, nämlich schwarze, glänzende, weiche, mit feinsten Fältelungen versehene Opalinustone (25 m), eisenschüssiger Sandstein (12 m), massige helle Echinodermenbreccie (5 m) und Eisenoolith (2 m).
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Malm, in reicher Gliederung als Schiltkalk, Quintnerkalk (500 m), korallogener Kalk (140 m), Zementsteinschichten (20 m), bildet in seiner Gesamtmächtigkeit von 650—700 m einen ganz hervorragenden Anteil am Gesamtaufbau des autochthonen Gewölbes von Vättis. Er bildet die grandiosen Steilwände zu beiden Seiten des Calfeisentales bis gegen St. Martin (Simel, unter den Orgeln, Panärahörnern, im Grundgestell des Gigerwaldspitz, Drachenberg, Vättnerkopf) und beiderseits des Taminatales unterhalb Vättis (Gelbberg, Vättnerberg, Findels, St. Peterschlucht (Korallenkalksteinbruch) ; auch die untern und mittlern Partien des Calanda sind aus riesigen Malmkalkwänden aufgebaut.
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Die Kreide, die in unserm Gebiete nur durch Vergleich mit andern alpinen Kreidestufen auseinandergehalten werden kann, ist ebenfalls in allen ihren Stufen vertreten : Oehrlikalk = Berriasien (40—50 m), Valangienkalk mit Echinodermenbreccie (15—20 m), Kieselkalk = Hauterivien (20—23 m), Drusbergschichten = Barrémien (16 m), Schrattenkalk = Oberes Barrémien (18—20 m), Gault + Turrilitenschichten (2—10 m), Seewerschichten = Cenoman-Turon = Seewerkalk und Seewerschiefer (30—40 m).
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Das Tertiär, mit den Bürgenschichten (Assilinengrünsand), mächtige Glaukonitsandsteinschichten mit vielen Nummuliten und besonders Globigerinenschiefer, mit der Flyschgruppe (Globigerinen- und Dachschiefer) und dem Wildflysch, bildet im Autochthonen ein wohlausgeprägtes Glied, das gegen das hintere Calfeisental, Weisstannental und bis zur Linth immer gewaltiger sich entwickelt, namentlich im fossilleeren Wildflysch. Dieser tritt in mächtigen Quarzitbänken, Tonschiefern, Glimmersandsteinen, Breccien, polygenen Konglomeraten in stratigraphisch verworrenen Lagen, die Folge grosser dynamischer Prozesse und tektonischer Störungen, auf. Im Wildflysch treffen wir auch die eigentümlichen, in denselben eingebetteten exotischen Blöcke (Quarzporphyre, saure Granite, Glimmerschiefer, eocäne Oelquarzite usw.), deren Herkunft (ob südlich?) noch nicht aufgeklärt ist.
Vom Dorfe Vättis aus betrachtet, erheben sich an dem dem Tale nahen Hange des Gelb- und Vättnerberges die vortriasischen kristallinen Gesteine kaum 100 m über die Talsohle, während die Trias und besonders der Jura hart bis an den untern Rand der herrlichen Terrassen von Gelbberg, Ladils und Vättnerberg gehen und, wenigstens am Gelbberg, eine Maximalhöhe von 2000 m erreichen. Gerade etwas unter der Schäferhütte Gelbberg (2070 m) beginnt bereits die unterste Kreidestufe, der Oehrlikalk, während das Va- langien (Valangienkalk) mit prachtvollen abgerundeten Karrenbildungen das kleine Plateau bildet, auf dem die Gelbberghütte steht. Diese jeglicher Rauhigkeit und scharfer Kanten entbehrenden Karren machen einen sehr altertümlichen Eindruck, und ihre Bildung gehört bestimmt nicht den jüngsten Zeiten an.
Für den Anfänger in geologischen Dingen würde die Gesamtoberfläche der Gelbbergalpterrasse bis an den Hang des Drachenberges verschiedene Rätsel enthalten, da das Fallen der autochthonen Schichten des obersten Jura (Malm und Zementsteinschichten) samt dem ganzen Kreidekomplexe 18—20° beträgt, so dass auf dem Terrassenrücken nacheinander der Kieselkalk, die Drusbergschichten, der helle Schrattenkalk und der dunkle Gault aus dem Rasen leidlich hervorstechen und bei der geringen Mächtigkeit der Schichten rasch wie kragenartige Bildungen aufeinanderfolgen. Viel verständlicher wird ihm aber die Lagerung, wenn er die deutlich aufgeschlossenen Kreideprofile etwas südlich von der Gelbberghütte am Absturz gegen das Calfeisental oder in der östlich gelegenen Schlucht des Kreuzbachtobels am Fusse des Vättnerkopfes studiert, wo die gewaltige, rückwärtsschreitende Erosion des Kreuzbaches in senkrechtem Profile die Malm- und Kreideschichten so wunderbar entblösst hat, dass man ihre Reihenfolge und Mächtigkeit aus der Entfernung genau zu bestimmen vermag. Unter Berücksichtigung des Fallwinkels der Schichten gewöhnen wir uns rasch an das beständige Ansteigen derselben vom Kreuzbachtobel her an den südlichen und südöstlichen Hang des Drachenberges hinauf.
So sehen wir den autochthonen Seewerkalk am Osthange des Drachenberges beim ersten hellen Felsenkopfe (über dem linksseitigen Hüttendache in Abb. 7) in typischer Schichtung aufgeschlossen (bei 2105 m). Er erreicht dort eine Mächtigkeit von über 60 m und zieht sich links schräg hinauf bis zu etwa 2170 m. In den darauffolgenden höher gelegenen zwei karähnlichen Felsnischen (über dem rechten Hüttendache in Abb. 7) können wir den ganzen Komplex der Tertiärbildungen (der Bürgenschichten, mit zuunterst Assilinengrünsand, dann der eigentlichen Flyschgruppe mit den Globigerinen- schiefern, den Dachschiefern und Taveyannazsandsteinen) verfolgen. Dagegen fehlen sowohl dem Drachenberg wie auch dem Vättnerkopf der im Gebiete des hintern Calfeisentales und in den Grauen Hörnern (von der Tersolalp bis nahe zum Piz Sol) so mächtig entwickelte Wildflysch, mit den Quarzitbänken (in denen oft Oelquarzite eingeschlossen sind), sowie die exotischen Blöcke: eine Tatsache, die besonderer Besprechung bedarf im prähistorischen Kapitel unserer Abhandlung. Wie am Monte Luna und am Vättnerkopf finden wir in den obersten Schichten gegen die parautochthone Ueberschie- bungsmasse des Drachenberges (oberster Jura und Kreide) noch einen zweiten Nummulitenhorizont (mit Assilina mammillata), den auch Tolwinsky bereits erwähnt. Die gesamte eocäne Schichtengruppe ist im übrigen fast ganz unter dem grünen Weidemantel verborgen. Wo sie entblösst ist, wie an der genannten Ostseite, da kennzeichnen sich namentlich die Nummulitenhorizonte, wie auch im Sturzmateriale am Drachenberghang, durch ganze Bänke und Blöcke, vollbesät mit den charakteristischen Versteinerungen (Assilinen).
Hier im Tertiärmantel des Drachenberges treten die gewaltigen tektonischen Störungen in einer oft verworrenen Schichtung zutage, die grösstenteils eine genauere Stratigraphie fast verunmöglichen. Bei ca. 2300 m erreicht der Flysch auf der Ostseite (weiter gegen Süden bei 2390 m) sein oberstes Ende. Fast ebenso hoch erstreckt er sich in seinem dagegen völlig entblössten und nahezu vegetationslosen mächtigen Mantel auf der Südseite des Vättner- kopfes gegen das Kreuzbachtobel hin. Nach Regenwetter erglänzt dieser Flyschmantel hellgräulich bis silberfarbig und deutet hier noch auffälliger als am Drachenberge den scharf sichtbaren Abschluss des jüngsten Sedimentgesteins und damit des ganzen vom Tale von Vättis aus normal aufgebauten autochthonen Gewölbes an. Bis hieher, d. h. bis zur Höhe von 2300 m, musste also normalerweise der vordere Drachenberg in seiner ursprünglichen Kulmination gereicht haben, bevor die so merkwürdigen Gipfelrücken des Drachenberges und Vättnerkopfes (die Drachenbergüberschiebung) hier oben aufgesetzt wurden. Nördlich der beiden reichte der Flyschmantel allerdings noch höher hinauf, da auch der zwischen dem hintern Drachenberg und Vättnerkopf hinziehende Verbindungsgrat noch dem Flysch angehört.
Die Drachenbergüberschiebung.
Besser als viele Worte zeigt uns das Rundbild von der Gelbberg-Terrasse aus (Abb. 5 und 6) die in die Augen springenden Verhältnisse dieser Drachenbergüberschiebung. — Ueber dem weitausladenden sanfteren Gehänge des Vättnerkopfes und Drachenberges erheben sich wie gewaltige Burgruinen die bizarr gestalteten Gipfelpartien der beiden genannten Berge, die dem Geologen den fremden „Klippen“-Charakter verraten. Denn am obern Rande des Tertiärs sollte gesetzmässig das autochthone Grundgebirge seine oberste Grenze erreicht haben, da jüngere Gebilde als der Flysch (samt dem Wildflysch) im ganzen Gebiete der Grauen Hörner, der Ringelkette und des Ca- landa nirgends auftreten.
Schon beim Aufstiege über den Flysch- und Nummulitenmantel des Gelbberges begegnen uns im Rasen hunderte von abgestürzten Gesteinstrümmern eines hellen, weisslichen Kalkes, der sich sofort als Korallenkalk und Zementsteinkalk des obersten Jura oder Malm zu erkennen gibt. Die nächststehende helle Felswand (unter dem in Abb. 7 stehenden vom Drachenköpfe isolierten Felsblocke) erweist sich als das Anstehende der abgestürzten Trümmer. In einer Mächtigkeit von etwa 45 m zieht hier der Malm als ältere Gesteinsdecke über das Tertiär hinweg. Wir können ihre Fortsetzung genau auf gleicher Höhe drüben am Vättnerkopf, in der am obersten Rande des Flysch von zahlreichen Höhlen durchfressenen ersten steil aufstrebenden Gesteinsbank verfolgen.
Ueber dem Malm, der also bereits als unterstes Glied der überschobenen Drachenbergdecke betrachtet werden muss, folgt nun von 2360 m an die ganze Reihe der einzelnen Kreideglieder in normaler Folge als gut charakterisierte Felsbänder abwechselnd mit sanfteren Böschungen : das Valangien (bis 2400 m), der Kieselkalk (von 2400 -2420 m), die Drusbergschichten (bis 2428 m), sodann der Schrattenkalk bis hart an den Fuss der nun senkrecht jäh aufsteigenden obersten Felswand des Drachenberges bei 2440 m. Hier am obern Rande des fast horizontal verlaufenden Schrattenkalkes, der eine zum Teil noch begraste Böschung bildet, stehen wir bereits auch am Fusse des 8 m hohen schrägen Aufstieges zum Eingangstor des Drachenloches. Den Fuss der gewaltigen, an einzelnen Stellen fast überhängenden obersten Felswand des Drachenberges bildet das kaum 5 m mächtige dunkle, weithin sichtbare Gesteinsband von Gault wie eine Art schwärzlicher Halskragen am Berge. Darüber bauen sich in kühnem Wurfe der Seewerkalk und als Dach des Berges die Seewerschiefer in einer Gesamtmächtigkeit von etwa 190 m bis zum Kulminationspunkte der vordem Drachenbergkuppe (2635 m) auf.
Aus der Entfernung von Osten (etwa vom Gelbberg aus) gesehen, gewahren wir unter dem dunkeln Gaultbande das von ihm scharf sich absetzende, wie ein weisser Kragen aussehende, gezackte Band des Schrattenkalkes am vordem südlichen und hintern nördlichen Drachenberg.
Das wundervoll gestufte Schichtenprofil des vordem Drachenberges (mit dem Höhleneingange) lässt sich am schönsten und klarsten überblicken, wenn wir den Vättnerkopf von dem bereits genannten „Täli“ grate aus besteigen und uns auf dessen vordersten, etwas tiefer gelegenen Felskopf begeben, was für Schwindelfreie ohne Gefahr ausgeführt werden kann. Dort sehen wir auch, wie die Schichten gegen den hintern Drachenberg hin unter der Ueberschiebung und Faltung immer stärker gelitten haben. Am heftigsten scheint aber vor allem der hintere (nördliche) Drachenberg bei diesen tektonischen Vorgängen mitgenommen worden zu sein. So ist dort das dunkle Gaultband an einigen Stellen nahezu ausgewalzt und oft kaum erkennbar, namentlich am nördlichen Ende. Es hat auch den Anschein, als ob da der hintere Drachenberg förmlich auf dem Flyschmantel abgerutscht sei. Im ganzen sind hier die tektonischen Verhältnisse etwas verworren und unklar. Man vergleiche daselbst unter den hintern Drachenbergtürmen, die aus Seewerkalk bestehen, die merkwürdige, fladenähnliche Verbreiterung des hellen Schrattenkalkes.80
Auch auf der Südseite der Drachenbergwand und besonders auf der Westseite des Drachenberges gegen das Tersol sind beide Gesteinsbänder von Gault und Schrattenkalk scharf ausgeprägt. Hier auf der Westseite, zu der man leicht um den Berg herum gelangt, sieht man gleich die gesamte Partie der überschobenen Masse des Drachenberges von der Seewerschieferkuppe durch die übrigen Kreideglieder und den Malm in einer einzigen senkrechten Felswand auf dem Flysch aufruhen (Abb. 8), der in steiler Böschung, von vielen Erosionsfurchen durchzogen, zur schaurigen Schlucht des Tersolbaches abfällt. Diese fremde, dem Flysch aufsitzende Masse lässt sich besonders schön von dem gegenüberliegenden Gigerwaldspitz aus betrachten. Sie gibt sich von hier aus auch am übersichtlichsten als ein an den nördlicher gelegenen Flysch angeschobenes Schichtpaket zu erkennen, indem die sonst nahezu horizontal gelegenen Kreide-Juraschichten an der nördlichen Begrenzungsfläche stark rückwärts umgebogen sind.
Wir hätten es an dieser Stelle nach Tolwinsky (a. a. O., S. 41) „mit einer Gewölbeumbiegung, mit der Stirn der Ueberschiebungsfalte zu tun, und auch Vättnerkopf (Aelplikopf), Drachenberg und Gigerwaldspitz bezeichnen den Verlauf der Gewölbestirn dieser Falte.“
Wenden wir den Blick von der Drachenlochhöhle aus nach dem gegenüberliegenden Vättnerkopf, so sehen wir in ihm das getreue geologische Abbild des Drachenberges. Wie die Türme und Tore und andere hervorragende Glieder einer mächtigen Pagode ruht der ganze Oberbau des Vättnerkopfes auf dem weit ausladenden Seiten mantel von glänzendem Flysch. In senkrecht anstrebender Wand erhebt sich vom flacheren Gehänge der mit wundervollen Felsentoren durchsetzte Malm (Zementsteinschichten). Die obern Stockwerke werden nacheinander durch steile Wandpartien und flacher geböschte Terrassen der Kreidestufen : Oehrlikalk, Valangienkalk, Kieselkalk, Drusbergschichten, Schrattenkalk, Gault, Turrilitenschichten, Seewerkalk, bis zum Seewerschiefer des kuppenartig abgerundeten Gipfels gebildet. Wie der Drachenberg, so ist auch der Vättnerkopf an die hinter ihm sich noch höher aufbauenden Flyschmassen angedrückt, und deutlich gewahrt man an der Westseite dieses Berges die Kreideschichten, besonders die beiden Bänder von Schrattenkalk (hell) und Gault (dunkel), an der Berührung mit den Flyschmassen um- und zurückgebogen, wobei es sogar zum Bruche der Kreidebänder gekommen ist.
Sehr schön lassen sich diese Aufschleppungsverhältnisse beobachten, wenn wir durch den langgezogenen, mit Verwitterungsgeröll übersäten Einschnitt, das „Täli“ zwischen Vättnerkopf und Drachenberg zum Verbindungsgrate (2550 m) der beiden genannten Berge hinaufsteigen. Der obere Hang dieses „Täli“ ist eine wahre Fundgrube von gequälten Flyschschiefern aller Art, die hier durch die enorme Pressung eine völlig serizitisierte, sammetartig glänzende Oberfläche erhielten. Hier erst gewahren wir, wie der Vättnerkopf und auch der hintere Drachenberg eigentlich nur am Flysch angeklebte Jura- und Kreide-Paketreste sind. Bei einem Südfallen ihrer Schichten von 31—34° kommt einem unwillkürlich der unheimliche Gedanke an die Möglichkeit eines Abrutschens vom steilen Flyschrücken. — Jetzt verstehen wir auch den merkwürdigen Eindruck, den der groteske Vättnerkopf mit seinen vielen „Berggesichtern“ auf uns macht, ob wir ihn vom Gelbberg oder von der Höhe des Drachenloches aus betrachten. Die An- und Aufpressung an den steilen autochthonen Flyschmantel mag auch die starke Zerknitterung der Kreideschichtenbänder bedingt haben, die sich so sichtbar in der Valangien- und in der Schrattenkalkstufe ausprägt.
Eine eigenartige Wiederholung sämtlicher Kreideschichten in einem kleineren Pakete am Westende des Vättnerkopfes, an den Malm, den Oehrli- und Valangienkalk anlehnend (unterhalb der grossen „Balm“ an der Westseite), hängt aber meines Erachtens nicht mit der sonstigen hier vorhandenen Gewölbeumbiegung, d. h. der Stirne der üeberschiebungsfalte, zusammen, sondern scheint viel eher mit der Aufschleppung des hintern Drachenberges, der durch die Faltung ebenfalls schwer mitgenommen wurde, in kausalem Zusammenhange zu stehen.
Schon ein kurzer Blick auf die Lagerung des bodenständigen (autochthonen) Grundgebirges von Vättnerkopf und Drachenberg und jene der überschobenen (parautochthonen) Massen in den Gipfelpartien der beiden Berge erweist ihr verschiedenes Fallen und Streichen. Am vorderen Drachenberge zwar ist der Unterschied ein nicht sehr beträchtlicher, wiewohl die autochthonen Jura- und Kreideschichten sich sofort unterscheiden durch eine stärkere Neigung, während die überschobenen Jura- und Kreideschichten sich auf der so klar aufgeschlossenen Südseite des Drachenberges mehr der horizontalen Lagerung (bis 20—23° N fallend) nähern. Die Unterschiede werden aber grösser gegen den hintern Drachenberg und vollends am Vättnerkopf, wo Streichen und Fallen der überschobenen Massen völlig widersinnig werden gegenüber dem autochthonen Grundgestell.
So erkennen wir also im Drachenkopf und Vättnerkopf zwei merkwürdige klippenartige ältere Gesteinskappen aus oberem Jura und der gesamten Kreideschichtenserie dem jüngern, autochthonen Eocän aufgesetzt. Zu ihnen gesellt sich auch die dem Drachenberg westlich gegenüberliegende, vom Dorfe Vättis aus zur Rechten im Calfeisentale sichtbare Pyramide des Giger- waldspitz. Ihr oberster Dritteil, in dem das wundervoll gebogene Gaultband ebenfalls weithin erkennbar ist, gehört der gleichen parautochthonen Deckfalte wie jene des Drachenberges und Vättnerkopfes an.
Da nun die nämliche Erscheinung ein- und übergeschobener Gebirgsteile auch am Nordabsturz der Ringelkette in den Orgeln und den Panärahörnern, sowie auf Tschepp, südlich von der Ringelspitze (Orgelfalte, Panärafalte, Tschepptalte) auftritt, die sich alle unter der höchstgelegenen Glarner Verru- canodecke befinden und auch am Calanda zwei solcher eingeschobener Falten (untere und obere Kaminspitzfalte) sich verfolgen lassen, so leuchtet es ein, dass die neueren geologischen Bearbeiter dieser Gebiete dem einstigen Zusammenhange dieser heutigen Teilstücke nachgegangen sind. Tolwinsky und Blumenthal nehmen daher an, dass die Vättnerkopf-Drachenberg-Gigerwald- spitzfalten von der Stirne der oberen Malmplatte des Calanda gebildet werden. J. Oberholzer, der sich der Revision der geologischen Verhältnisse in diesem Gebiete gewidmet hat, verbindet die drei kleinern Deckfalten mit der untern Kaminspitzfalte am Calanda, die sich gegen Südosten in den Orgeln fortsetzt, daher der Orgelfalte angehören, während die Panärafalte (Panärahörner) diese als höhere Falte überlagert. Im Süden des Ringelspitz liegt über der Panärafalte noch die ebenfalls aus Malm und Kreide bestehende Tscheppfalte. Darüber endlich lagert bei 3000—3100 m der Verrucano der grossen helvetischen Schubmassen (Glarner Verrucano-Decke). — (Heim, Geologie der Schweiz, Bd. II, S. 385).
Als parautochthone Ueberschiebungsfalten, wie wir den Drachenberg, Vättnerkopf und andere in unserm Gebiete kennen gelernt haben (vgl. die Definition in Fussnote zu Seite 50), stammen die Schubmassen der genannten Berge nicht aus weiterer Ferne, „also von der Südseite der Aarmassivhülle, sondern aus nächster Nähe, von der Nordseite oder dem Rücken derselben im Gebiete selber (Ringelgruppe) und sind von dort durch die höheren Schubdecken abgeschürft und nach Norden verschleppt worden“ (vgl. Alb. Heim, Geologie der Schweiz, Bd. II, S. 263 ff.). Tolwinsky (a. a. O., S. 55 u. ff.) fasst seine Erkenntnis über den genetischen Zusammenhang dieser tektonischen
Erscheinungen in den Satz zusammen, „dass die Drachenbergüberschiebung sich unter der enormen Last der höher gelegenen Glarner- und vielleicht noch höherer Decken bildete, mit andern Worten, diese Jura-Kreideüberschiebungen sind enstanden, nachdem die Glarnerdecke (mit ihren heutigen Resten im Ringelspitz, Trinserhorn, Piz Segnes, Saurenstock, Piz Sol etc.) schon oben vorhanden war.“ Die Gründe für diese Auffassung gibt Tolwinsky im weitern an und ich möchte hier darauf verweisen (S. 56).
Drachenberg und Vättnerkopf sind heute die isoliert stehen gebliebenen Teilstücke einer der vielen parautochthonen Ueberschiebungsfalten im helvetischen Gebiete. Rings herum sind ihre ehemaligen Verbindungsbrücken mit der Ringelgruppe (Panärahörner, Orgeln) dem Calanda, sowie dem Gigerwald- spitz durch die tiefen Einschnitte des Calfeisen-Tamina- und Tersol-Tales abgebrochen, ja auch jene zwischen den beiden Bergen selber durch das Kreuzbachtobel und das „Täli“.
Als stolze Felsruinen mit fremdartigem „Gesichte“ stehen sie heute vor uns und werden, wie einstens den Paläolithiker, noch tausende von Jahren das Auge des forschenden Menschen fesseln.
Die Drachenlochhöhle befindet sich, wie wir gehört haben, hart an der Grenze der beiden obersten Kreideglieder Gault und Seewerkalk der Drachenbergüberschiebung. Die Höhle selber liegt vollständig in den untersten Schichten des Seewerkalkes. Auch bei unsern Grabungen in den drei vordem Höhlenteilen sind wir nirgends auf die Oberfläche der Gaultschichten, als nativem Boden, gestossen, nirgends haben wir auch irgendwelche natürlich abgelagerte Trümmer dieses Gesteins in den Schuttmassen der Bodenauffüllung der Höhle angetroffen.
Nach diesen allgemeinen geologischen Erörterungen können wir uns mit der Frage der beschäftigen.
B. Entstehung der Drachenlochhöhle.
Es ist eingangs darauf hingedeutet worden, dass sie ihre ausserordentliche Höhe in dieser Gegend einzig und allein der merkwürdigen Ueberlagerung älterer Gesteine auf jüngere verdankt. Denn ohne die Drachenbergüberschiebung würde das autochthone Gebirge an dieser Stelle nur bis 2300 m reichen. Aber auch das oberste Glied desselben, Flysch und Nummu- litenkalk, ist hier zur Höhlenbildung nicht geeignet. Auch die autochthone Kreide umfasst in ihrer gesamten Mächtigkeit nur.etwa 160 m (2000-2160 m); der Seewerkalk reicht bis 2160 m, so dass wir eigentliche Höhlenbildung nur bis zu dieser Höhe erwarten dürften. In Wirklichkeit sind im CalfeisenTaminagebiete eigentliche Höhlen im bodenständigen Grundgebirge bis heute nicht bekannt geworden. Dagegen finden wir eine Menge kleinerer und grösserer Felsschutzdächer und „Balmen“, wie z. B. die „Krummbalm“ im Tersol (auf der Westseite des Drachenberges, etwa bei 1900 m), die „Mieseggbalm“ im Mieseggtobel am Calanda (oberhalb Vättis bei ca. 1250 m). — Stets sind es die hartem Glieder des Kalkgesteins, der Kreide und des Jura (Malm), welche die Bildung solcher „Balmen“ begünstigen.
Das Drachenloch gehört also vollständig dem Horizonte des untern Seewerkalkes an. — Dessen Lagerung kann hier als eine nahezu horizontale bezeichnet werden. Schon ein Blick auf die Aussenwand des Drachenberges zeigt den eigentlichen Charakter des Seewerkalkes als dünnschichtiges, plattiges Kalkgestein von dichtem Gefüge und im Bruche hellgrauer Farbe, das bei der Faltung eine grosse Nachgiebigkeit auf Druck und Pressung bekundete und deshalb stellenweise ein stark verbogenes, gequältes und geschlepptes Aussehen hat, das oft ein nicht leicht entwirrbares Chaos von kleinen Faltungen und Fältelungen darstellt. Am auffälligsten tritt uns diese Erscheinung in den vordersten Höhlenteilen an Wänden und Decken entgegen, wo es oft schwer ist, das Zusammengehörige auseinander zu halten, so dass es sofort den Eindruck macht, dass hier bedeutende mechanische Vorgänge stattgefunden haben müssen, die sich in besonders ausgeprägter Weise in der Höhle geltend gemacht und eine völlige Zerknitterung der dünnen Gesteinsplatten zu wild verbogenen Schalen verursacht haben.
Gleich bei der Betrachtung des Höhlentores von aussen begegnet unser Auge über seinem abgewitterten Gewölbebogen einem ziemlich starken, wenn auch völlig zusammenstossenden, etwas schief nach oben in der Drachenkopffelswand verlaufenden Riss im Gestein, der einer hier vorhandenen und die ganze erste Höhlenabteilung durchsetzenden Bruchspalte entspricht. Solcher Risse gibt es nun im Drachenberge und im gesamten Höhlen System des Drachenloches eine ganze Anzahl, die unregelmässig, oft nicht der Länge nach, sondern schräg zur Längsachse der einzelnen Räume, das Wand- und Deckengestein durchsetzen.
Da wird es uns klar, dass das ganze Drachenloch nicht etwa das Ergebnis künstlicher Eingriffe durch Menschenhand darstellt, so sehr auch der Uneingeweihte, namentlich bei der Betrachtung des prächtigen Spitzgewölbes am Höhlenportal und im ersten grossen Höhlenraume, der Natur solche Bildungen kaum zugestehen möchte. Dass es sich aber allein nur um ihre Arbeit handeln kann, wird ihm erst deutlich in den hintersten Teilen der schlauchartigen kleinern Höhlengemächer, wo die Werktätigkeit der schaffenden Natur sich leicht verfolgen lässt.
Die Zerklüftung und Zerknitterung des Seewerkalkes ist natürlich die Folge der hier stattgefundenen tektonischen Vorgänge, d. h. des Gebirgsdruckes und der Gesteinsfaltung. Wie stark die Schichten bei der Bildung der eingeschobenen Drachenbergfalte mitgenommen wurden, das zeigt sich etwas nordwärts von der Höhle sogar im Verlaufe des stark zerbogenen und zerknitterten Schrattenkalkes, der sich als helles, wellenförmig gekrümmtes Band längs der Ostwand des Drachenberges hinzieht und dort rasch nach
Norden sich absenkt. Die Zerklüftung des Seewerkalkes ist daher auch die erste Ursache der ganzen Höhlenbildung überhaupt. Das Drachenloch ist demnach nicht eine sogenannte ursprüngliche, d. h. mit der Bildung des Gesteins entstandene Höhle, wie wir solche in kristallinischen und vulkanischen Gesteinen (Blasenräume, Lavahöhlen, Kristallkeller usw.) treffen, sondern eine später gebildete, natürliche Höhle, die anfänglich nur aus Spalten und Klüften bestand, dann aber durch die Arbeit des Wassers zur eigentlichen Höhle ausgeweitet wurde. Sie ist, nach den neuern Untersuchungen über Höhlen-Genesis, im allgemeinen nach ihrer ursprünglichen Anlage eine Zerklüftungs- oder tektonische Höhle. Die durch die mechanischen Vorgänge erzeugten grössern und kleinern Risse und Spalten dienten dem atmosphärilischen Sickerwasser in erster Linie als Abzugskanäle durch das Gestein. .
Die lebendige Kraft des Wassers äussert sich bekanntlich in zweierlei Weise, nämlich mechanisch erodierend (ausscheuernd) und chemisch auflösend (korrodierend). Die Erosion wirkt durch den mehr oder weniger heftigen Anprall des Wassers am Gestein; noch viel stärker ist die Wirkung der vom Wasser mitgeführten Gesteinsteilchen, die eine auf die festen Berührungspunkte abschleifende Tätigkeit vollziehen. Je stärker die Kraft des Wassers, je weicher der Untergrund des Bettes, um so einschneidender gestaltet sich die Auskolkung an ihm und an den Seiten wänden. An bestimmten Stellen des Wasserbettes kann es durch die Ein- und Mitwirkung fester, in Bewegung befindlicher Stoffe zur Bildung von Erosionskanälen und -kesseln kommen. Das Wasser gräbt Flussbette aus und erweitert sie einzig schon durch seine mechanische Kraft. Gesteinstrümmer werden weiter transportiert und abgescheuert an Kanten und Ecken und im ganzen Umfange verkleinert, oft bis zur vollständigen Aufreibung. Aber das fliessende Wasser hat in seiner spezifisch mechanischen Kraft eine viel zu kleine Wirkung, um eigentliche grosse Hohlräume zu bilden, vielmehr findet eine Zerstörung bestehender Höhlen und eine Verkleinerung der Räume statt durch die Anschwemmung fester, vom fliessenden Wasser mitgeführter Bestandteile. Zeitweise mag wohl durch die Auskolkung eine Erweiterung und Veränderung der Hohlräume im Gestein vorkommen zu sogenannten Flusswasserhöhlen.
Knebel (Höhlenkunde) weist mit Recht darauf hin, dass bis jetzt der mechanischen Tätigkeit des Wassers bei der Höhlenbildung eine viel zu ausschlaggebende Rolle beigemessen wurde, während die chemische Auflösung des Gesteins, die Korrosion, die den Hauptanteil an der Höhlenbildung besitzt, viel zu sehr unterschätzt wurde. Denn ganz anders vermag die Korrosionskraft des Wassers für die unterirdische Abtragung des Gebirges, also für die eigentliche Höhlenbildung und die*Erweiterung der Hohlsysteme in Tätigkeit zu treten, indem es auch scheinbar undurchlässige Gesteine zu durchsickern vermag und dieselben chemisch aufzulösen und abzutragen imstande ist. Unter diesen Gesteinen sind Kalk und Dolomit am leichtesten angreifbar.
Kein Wunder, dass daher das Kalkgebirge die grösste Zahl aller Höhlen enthält, da dasselbe die grösste Wasserdurchlässigkeit besitzt. Das zeigt sich wohl am auffallendsten in den Karstlandschaften Krains, wo das Höhlenphänomen am verbreitetsten ist.
Untersuchen wir das Drachenloch in seinem Werdegange, so ergibt sich mit Sicherheit, dass es nicht zu den sogenannten Flusswasserhöhlen gehört, die etwa durch ein horizontal fliessendes Gewässer, durch einen Höhlenfluss entstanden sind, obschon seine ganze Richtung sich mehr an die Gerade hält und die hintern Höhlenteile ziemlich Tunnelform besitzen. Die Richtung entspricht vielmehr jener grössten Bruchspalte, die im allgemeinen quer ostwestlich durch den Kopf des Drachenberges verläuft. Auch die verschiedenen kessel- und kuppen artig vertieften Teile in den Höhlenwänden und der Decke sind, so sehr man sie auf den ersten Blick dafür ausprechen möchte, keine Erzeugnisse stark und rasch fliessenden Wassers. Das ganze Drachenlochhöhlensystem ist das Produkt des in die Tiefe rieselnden, chemisch auflösenden Sickerwassers, es ist eine typische Sickericasserhöhle. 1) Dafür spricht schon ihre ganze Lage im Drachenberge drinnen, nahe seinem Gipfelpunkte. Selbst mit Hilfe geologischer Ueberlegungen liesse es sich durchaus nicht denken, woher in dieser ausserordentlichen, isolierten Lage der Höhle ein Flussgrundwasser hätte herfliessen können. Weitere Beweise dafür, dass das Drachenloch seine Ausweitung zur Höhle der chemischen Erosion des kohlensäurehaltigen Wassers verdankt, finden wir besonders auch im Fehlen jeglicher horizontaler Erosionsrinnen, -kanäle, -kessel, wie wir solche in den Flussschluchten, beispielsweise in der Taminaschlucht oder dann wieder in der glazialen Erosionsrinne des Hirschensprungs bei Oberriet im Rheintal, antreffen. — Der native Felsboden des Drachenloches, soweit derselbe durch unsere Grabungen im grössern Teile der Höhle I und in der zweiten entblösst wurde, enthält keinerlei Spuren gerollter, vom fliessenden Wasser gescheuerter Trümmergesteine (Gerölle), die noch vorhanden sein müssten, wenn irgend welcher stärkerer Transport der Verwitterungsprodukte des Höhlengesteins stattgefunden hätte. — Beredtes Zeugnis für den Charakter einer Sickerwasserhöhle, die nirgends Spuren von Einsturzerscheinungen trägt, legt nun noch die gesamte Bodenauffüllungsmasse ab, die der besondere Angriffspunkt unserer Grabungstätigkeit geworden ist. Sie liegt durchwegs auf primärer Grundlage, hat also auch keine nachmalige Veränderung der ursprünglichen Lagerung von Ort und Stelle erlitten. Wir wollen gleich hier die Gelegenheit benützen, um uns näher mit der Bodenauffüllung bekannt zu machen.
C. Die Höhlenboden-Auffüllung.
Unter der Bodenauffüllung verstehen wir die gesamte Masse von Steinen, Erden, Sinter, Lehm, von Tierresten (Knochen, Schneckenschalen), von Pflanzenresten (Wurzeln, Früchten, Hölzern), Tierlosungen (Fäkalien), sowie von Erzeugnissen und Hinterlassenschaften des Menschen (Jagdtierreste, Stein- und Knochenwerkzeuge, Schmuckgegenstände, Kohlenreste von einstigen Feuerstätten, Opferstätten usw.), die den Raum von der jetzigen Bodenoberfläche bis hinunter auf den eigentlichen Felsboden der Höhle (nativer Boden) ausfüllen. Diese Bodenauffüllung trägt die Geschichte ihrer Entstehung, ihres ganzen Werdens in sich selbst. Ist diese Auffüllung in Form von Schichten ausgeprägt mit jeweils verschiedener Beschaffenheit (steinig, erdig, lehmig, sandig, humös), mit wechselnden Farben und verschiedenartigen Tierresten und Kulturinhalten des Menschen, so sind diese Schichten zugleich die „Geschichtsblätter“ der einstigen Geschehnisse, die sich hier durch Natur, Tier und Mensch abgespielt haben.
Das Material der Bodenauffüllung im Drachenloch ist also von verschiedener Zusammensetzung und Herkunft. Im allgemeinen lassen sich unterscheiden:
- Produkte der rein natürlichen anorganischen und organischen Vorgänge in der Höhle, nämlich
- solche des Verwitterungsprozesses : Gesteinsteile, die durch Spaltenfrost81 vom Decken- und Wandgestein abgesprengt wurden, allmählich abbröckelten und zu Boden fielen. Da der Seewerkalk der Höhle bei der Faltung und Ueberschiebung der Gesteinsmassen sowieso stark gelitten hatte, an zahlreichen Stellen gelockert, zersplittert und zerrissen wurde, so war seine Zusammenhangskraft wesentlich geschwächt worden. Die Abbröckelung ging auch um so leichter vonstatten, da das Seewerkalkgestein nicht grossbankig, sondern mehr schalig-dünnplattiger Natur ist und die Platten der Decke z. T. in wagrechter Lage liegen. Infolge der nach und nach immer grösser werdenden Spannweite der Höhlendecke litt auch zeitweise das Gleichgewicht der Spannung. So konnte es zu grössern Deckenabbrüchen kommen, meistens sind es aber nur kleinere Scherben, die allmählich einen beträchtlichen Teil der Bodenauffüllung in Form von Gesteinstrümmern bildeten.
Die Ausgrabung der ersten vordersten Höhle (H 1) hat gezeigt, dass wohl zwei Drittel des gesamten Bodenschuttes aus lauter Steintrümmern, oft ganzen breiten Platten, bestehen. Hier hat die Verwitterung infolge des leicht ein dringenden Spaltenfrostes auch am kräftigsten ansetzen können. Der Einblick in die Schuttprofile hat ergeben, dass zeitweise starke Abbrüche erfolgten, zu andern Zeiten nur leichte Abbröckelung stattfand. — Für einen dauernden Aufenthalt des Menschen wäre dieser Höhlenteil zu allen Zeiten infolge dieser Gesteinsbrüchigkeit gefährlich gewesen. Wir müssen uns daher nicht wundern, wenn die Höhle I trotz ihrer besten Belichtung sowohl an Tierfunden wie an Ueberresten menschlicher Tätigkeit nur ganz wenig Material lieferte.
Wesentlich anders gestalten sich die Verhältnisse in den innern Höhlen- teilen. Wie aus den meteorologischen Angaben erhellt, vermag hier die Winterkälte nur noch in geringer Weise einzudringen, ja in den innersten Teilen herrscht die konstante „milde“ Temperatur von 3 — 4° C. Hier ist die Verwitterung eine viel langsamere, die Abfallstücke sind von viel kleinerem Ausmasse, und grosse Deckenstücke gelangten nur selten (Höhle III) zum Abbruch. An einer Stelle in der Höhle II fanden sich eine Anzahl grösserer Gesteinsschalen im Bodenschutte vo.r, deren Lagerung vermuten liess, dass sie durch Gesteinsbewegungen (Dislokationen) der Höhlenschichten infolge Bergdruckes oder vielleicht durch Erdbeben abgelöst wurden. — Man darf mit Sicherheit annehmen, dass auch das Gestein in Höhlen, das zwar schon seit der Zeit der Höhlenbildung eine bedeutende Entlastung erfahren hat, doch noch nicht ins stabile Gleichgewicht übergetreten ist, so dass auch jetzt noch bei Erdbeben Entspannungen eintreten können. Während meines Besuches des Drachenloches am 3. Juli 1903 vernahm ich im hintersten Teile der Höhle (VI) bei absoluter Ruhe (ich machte Notizen in mein „Höhlenheft“) plötzlich einen donnerähnlichen Knall mit längerem Nachhall, der mich geradezu aufschreckte. Ich merkte mir sofort Minute und Sekunde. Nach Aussage einwandfreier Zeugen, die in der Umgebung des Drachenberges sich befanden, war dort keinerlei Knall ausserhalb der Höhle vernommen worden. Ich vermute, dass es sich um die Erscheinung eines kleinern Erdbebens handelte, da das Tamina Calfeisental, besonders aber Vättis ein kleines Schüttergebiet ist, wo ich während sieben Sommern mehrmals stärkere Erdstösse feststellen konnte.
Die Lagerung der vielen kleinen, scherbigen Deckenabbruchstücke in den innern Höhlenteilen ist wegen ihres nur wenig hohen Falles fast durchwegs eine horizontale, im Gegensätze zu jener meist schrägen Lage grösserer Deckenplatten in der mehr als 5 m hohen vordem Höhle. Wie wir später erfahren werden, traten in der Höhle II bei unsern Ausgrabungen Erscheinungen zutage, die den sichern Beweis erbrachten, dass in der Aufschüttung der Deckenabbruchstücke der prähistorische Mensch seine Hand im Spiele hatte, und dass hier von ihm vorgenommene Verstellungen und Ortsveränderungen von Gesteinsplatten stattfanden. — Gegenüber dem mächtigen Vorwiegen der Abbröckelung in der vordem Höhle, beträgt das Verwitterungsmaterial in den innern Höhlenteilen kaum mehr ein Fünftel der gesamten Bodenauffüllung. - Absatzprodukte aus dem Sickerwasser der Höhle. Vermischt mit den durch die Verwitterung zu Boden gefallenen Gesteinstrümmern, oft auch schichtenweise mit ihnen wechselnd, finden wir kohlensauren Kalk als Absatzprodukt aus dem Höhlensickerwasser sozusagen in jeder Höhlenauffüllung.
Im Drachenloche kann dieser Absatz unbedingt als primärer Herkunft, d. h. aus dem Höhlengestein und seiner nächsten Umgebung im Drachenberge selber herstammend, betrachtet werden. Im Verhältnis zu dem durch das kohlensäurehaltige Wasser aufgelösten und zum Teil mit ihm aus der Höhle weggeführten kohlensauren Kalk bilden die in der Höhle zurückgebliebenen Rückstände nur einen verhältnismässig kleinern Bruchteil, besonders in der vordem grossen Höhle, wo der Wasserabfluss ein günstiger war. Anders steht es in den innern Höhlenteilen schon von der Höhle II an. Dort lag nämlich der native Felsboden nahezu 1 2/3 m tiefer als vorn, so dass daselbst gleich bei der Höhlenkorrosion eine Art Staubecken sich bildete, in dem sich bedeutende Massen von Lehm ablagerten.
Die Absatzprodukte aus dem kohlensaurenkalk-haltigen Wasser treten im Drachenloch in verschiedenen Ausbildungen auf.- Erdiger Sinter, in weicher, mulmiger, oft fast sandig trockener Beschaffenheit. Nur in den tiefern Lagen ist derselbe feucht, wo eine Stauung des Sickerwassers über der Lehmschicht vorhanden ist und der Abfluss des Wassers nur langsam vor sich geht, oder an der Oberfläche der Bodenauffüllung infolge zeitweise starkem Feuchtigkeitsgehaltes der Höhlenluft. Die Farbe dieses erdigen Sinters ist sehr verschieden, bald dunkel-schwärzlich, soweit sich niedere pflanzliche Organismen (Flechten, Moose) oder Tierfäkalien mit dem Sinter vermengt haben, bald rötlich bis braun, wo eine Vermischung mit vermoderten Tierknochen stattgefunden hat oder wo es zur Bildung von eigentlicher Roterde (Terra rossa) gekommen ist. Im frischen Zustande finden wir den Sinter auch graulich bis schneeweiss oder gelblichweiss, namentlich in den obersten Schichtteilen und besonders längs der Berührungsfläche der Bodenschuttauffüllung mit den Höhlenwänden, oft infolge der dort herrschenden Lockerheit bis tief hinunter.
- Eigentliche feste Kalksinterbildungen in flächenartiger Ausbreitung an den Höhlenwänden, in Gesteinsspalten, Höhlenschloten und an der Decke, meist von graulicher oder weisslicher Färbung. Infolge der in der Höhle herrschenden Verdunstung setzen sich von den hängenden Wassertropfen an das Deckengestein feine Kalkhäutchen an, die sogar zu wulstartigen Gebilden heranwachsen. Zu bedeutenderen Tropfsteinbildungen, wie solche in Höhlen mit starker Verdunstung vorherrschend sind, ist es im Drachenloche nicht gekommen. Einzig der hinterste Höhlenteil (VI) weist stärkere buckelartige Ansätze, sowie die Bildung von Kalkspatkristallen zu eigentlichen Mineralgruppen auf.
- Lehmbildungen. Verschiedene Schichten und Schichtteile der Bodenauffüllung in den einzelnen Höhlenteilen nehmen den Charakter eigentlicher Lehmbildung an, namentlich in den tiefern Lagen, während in den obern Schichten diese Auflösungsrückstände nur in sehr geringem Masse und in schwacher Ausbreitung vorkommen. — In ganz auffallender Weise treffen wir in der II. Höhlenabteilung und sich auch durch die III. Höhle ausdehnend, dem Höhlenfelsboden direkt aufliegend, eine ausserordentlich starke bis zu 1,8 m mächtige, fast reinweisse Lehmschicht, in der sozusagen gar keine Verwitterungsprodukte in Form von Seewerkalktrümmern des Höhlengesteins vorkommen, worin aber auch jegliche Spuren von Tierresten gänzlich fehlen. Dieser weisse Lehm, der nur stellenweise etwas durch Eisenoxydhydrat rötlich angehaucht ist, weist eine grosse Homogenität und Feinheit der Struktur auf und fühlt sich fast seifig, kaolinartig an. In getrocknetem Zustande färbt er intensiv weiss ab, und die Oberfläche wittert zuletzt staubartig aus.
Auf den ersten Blick möchte man bei der enormen Mächtigkeit dieser weissen Lehmschicht auf ihre sekundäre Lagerung schliessen, d. h. sie als angeschwemmt betrachten. Die nähere Prüfung ergibt aber mit Sicherheit, dass es sich hier um eine primäre Ablagerung — in loco — handelt, ja sie gibt sich als eine in vollständiger Ruhe abgesetzte Rückstandsmasse in einem vertieften Felsbodenbecken zu erkennen, da der native Felsboden der ersten grossen Höhle um nahezu 2 Meter höher liegt als jener des zweiten und dritten Höhlenteiles. Schon nach den ersten zentimeterdicken Lehmablagerungen auf dem nativen Felsboden vermochte das Wasser dieselben nicht mehr zu durchsickern, es staute sich zum Becken, aus dem das Wasser einzig durch die Höhlen-Verdunstung austrocknete. Dieser weisse Lehm befindet sich zwar auch heute noch wenigstens oberwärts in feuchtem Zustande, während er in tiefern Lagen völlig trocken und blätterig ist. Eine genauere chemische Untersuchung dieser merkwürdigen weissen Lehmschicht wird noch stattfinden. Bei meinen sämtlichen Höhlenforschungen bin ich einer derartigen Schichtbildung noch nie begegnet.
- Humusbildungen. Die humosen Ablagerungen entstehen bekanntlich aus der Verwesung und Zersetzung abgestorbener Reste von Pflanzen- und Tierkörpern. Wir finden sie demnach auch in Höhlen, doch nur so weit als Organismen pflanzlicher und tierischer Art zu reichen vermögen. Im Drachenloch kommen für Humusbildungen nur die drei vordersten Höhlenabteilungen in Betracht, am meisten die vorderste und zwar am Eingänge und längs der Höhlenwände, wo Phanerogamen und Kryptogamen den Boden besiedeln. Viel spärlicher und nur von der Verwesung hier verendeter Tiere herrührend, ist der Humus in Höhle II und III, wobei die prähistorische Tierwelt, die hier massenhaft in Knochenüberresten vorhanden ist, kaum eine grössere Rolle bei der Humusbildung mitgespielt hat, weil dieselbe von Menschen eingeschleppt wurde (siehe den Abschnitt über prähistorische Tierfunde) und Haut, Haare und Fleisch der Jagdtiere des vorgeschichtlichen Menschen von ihm selber benützt wurden, deshalb keine oder nur wenig Verwesungsstoffe lieferten.
Nach den vorgefundenen Tierknochenresten von Fledermäusen, Wühlmäusen (Schneemaus = Arvicola nivalis), sowie von Vögeln (Alpenbraunelle, Alpendohlen) lässt sich schliessen, dass diese Tiere hier in der Höhle ihren Tod gefunden und deshalb zur Humusbildung mitgewirkt haben. Ebenso mögen sich daran die Weichteile von Schnecken (Helix arbustorum var. alpicola), die in bedeutenden Mengen in den drei vordem Höhlen teilen sich vorfinden, beteiligt haben. Ohne Zweifel ist ein Teil dieser Schnecken auch von Vögeln (Alpendohlen) in die Höhle getragen worden.
Einen nicht kleinen Anteil an der Bodenauffüllung haben die AuswurfStoffe (Fäkalien) von Eulen, Alpendohlen, Mäusen. Längs der Höhlenfelswände finden sich stellenweise förmliche Anhäufungen in kleinern Wällen vor, sie verteilen sich aber auch auf die übrige Bodenoberfläche.
- solche des Verwitterungsprozesses : Gesteinsteile, die durch Spaltenfrost81 vom Decken- und Wandgestein abgesprengt wurden, allmählich abbröckelten und zu Boden fielen. Da der Seewerkalk der Höhle bei der Faltung und Ueberschiebung der Gesteinsmassen sowieso stark gelitten hatte, an zahlreichen Stellen gelockert, zersplittert und zerrissen wurde, so war seine Zusammenhangskraft wesentlich geschwächt worden. Die Abbröckelung ging auch um so leichter vonstatten, da das Seewerkalkgestein nicht grossbankig, sondern mehr schalig-dünnplattiger Natur ist und die Platten der Decke z. T. in wagrechter Lage liegen. Infolge der nach und nach immer grösser werdenden Spannweite der Höhlendecke litt auch zeitweise das Gleichgewicht der Spannung. So konnte es zu grössern Deckenabbrüchen kommen, meistens sind es aber nur kleinere Scherben, die allmählich einen beträchtlichen Teil der Bodenauffüllung in Form von Gesteinstrümmern bildeten.
- Produkte der Auffüllung durch Tiere und Menschen. Sehr viele Höhlen bilden den willkommenen Unterschlupf für mancherlei Tierarten. Die Zahl derselben lichtet sich naturgemäss auch nach der absoluten Höhe und der Art des Tierbezirkes. In den höhern alpinen Lagen haben wir eine zusehende Abnahme der Arten- und der Individuenzahl zu verzeichnen. Die grösseren Säugetiere treten vollends zurück in der Jetztzeit, einzig Fledermäuse, Wühl- und Spitzmäuse, Murmeltiere und Schneehasen vermögen hier oben noch ihre Lebenskreise zu beschreiben. Reste von in der Drachenlochhöhle verendeten Tieren finden sich denn auch in ansehnlicher Zahl. Viel grösser aber ist die Menge der vom Menschen der Altsteinzeit, der hier hauste, als Jagdbeute eingeschleppten grossem Tiere.
So sind gewisse Teile der Höhlen II und III förmliche Magazine und bestimmte Schichten ausgesprochene Stapelplätze von Tierknochen. Ihre Menge hat zur Höhlenauffüllung ein Wesentliches beigetragen, ja wir kennen Schichten, die nahezu in ihrer ganzen Mächtigkeit aus lauter Knochenresten, namentlich von Bärenarten zusammengesetzt sind. In diesen Schichten finden sich die untrüglichen Beweise für die Anwesenheit des paläolithischen Jägers, teils in zerschlagenen, zersplitterten Knochen, in Aschen- und Kohlenhaufen mit aufgebauten Feuerherden, in Knochen- und Steinwerkzeugen. Solche Bodenauffüllungen nennen wir deshalb Kulturschichten. Sie sind es, die des Prähistorikers grösste Aufmerksamkeit auf sich ziehen und deren gründliche Untersuchung ihn am meisten beschäftigen. — Die Beschreibung der Schichten im Drachenloch ist Gegenstand des folgenden Abschnittes.
Schon im Vorhergehenden haben wir darauf hingedeutet, dass sich unter den Produkten rein anorganischer Natur im Drachenloche keine von weiterher ein geschwemmten Materialien vorfinden, sondern dass sie alle rein örtlicher Natur sind, d. h. sie stammen aus der Höhle selber und aus dem Drachenberge. Es sei deshalb schon an dieser Stelle bemerkt, dass wir im Drachenloche selber gar keine Spuren glazialer Delikte (erratische Gesteine, fluvioglaziale Kiese, Moränenbildungen, Gletscherlehm usw.) antreffen. Wir werden an anderem Orte noch vernehmen, dass dies auch niemals möglich wäre, da die eiszeitlichen Vergletscherungen im Calfeisen-Taminatale viel tiefer standen, und sie dort die Höhen von über 1900 m Meereshöhe nirgends wesentlich überschritten haben. Schon die Gelbberg-Terrasse blieb von Gletscherbildungen grösserer Art vollständig unbehelligt. Der Drachenberg war zu allen Zeiten der Hochvergletscherung mit samt der Höhle eine hoch über den Gletscher hinausragende Klippe im Eise, ein Nunatak, wie das auch beim Wildkirchli und der Ebenalp der Fall gewesen ist.
Wiederholt ist der Versuch gemacht worden, aus der Mächtigkeit der Höhlenschuttauffüllungen Berechnungen darüber anzustellen, welche Zeit zu ihrer Ablagerung notwendig gewesen sei, um damit Anhaltspunkte zu gewinnen über das Alter von vorgeschichtlichen Stätten nach Jahrtausenden und Jahrhunderten. — Ich habe bereits in meiner allgemeinverständlichen Monographie über das Wildkirchli die absolute Wertlosigkeit derartiger Berechnungen nachgewiesen, da wir durch sie auch nicht einmal Annäherungswerte erhalten, und es ein eitles Bemühen ist, Rechnungen mit überaus variabeln, sogar in einer und derselben Höhle sehr stark wechselnden Faktoren auszuführen. — Die Sicherheit verlässt uns erst recht, wenn wir gewisse Ansätze über Zeitdauern in sog. Kultur schichten aufstellen, deren grössere oder geringere Mächtigkeit durch die An- oder Abwesenheit von Mensch und Tieren bedingt ist. Aus diesem Grunde verzichten wir hier auf jeglichen Versuch einer Altersbestimmung der Höhlenauffüllung im Drachenloche.
VIII. Die Fundschichten und die Ausgrabungen. (Grabungsmethode und Grabungsprofile.)
Die altbekannte „Schatzgräberei“ begnügte sich damit, ziel- und wahllos den Boden nach Funden aller Art aufzuwühlen. Dabei wurde keine Rücksicht auf die Lagerung der Funde und auf alle andern Fundumstände genommen, die in der heutigen prähistorischen Forschung eine der wichtigsten Rollen bei der genauen Bestimmung der Gegenstände und der vorgeschichtlichen Niederlassungen spielen. Zahllose Funde gelangten ohne genauere Ortsangabe (etwa nach der topographischen Karte) als „Antiquitäten“ oder „Kuriositäten“ in Privat- und Museumsbesitz. Ihr Wert ist deshalb heute nur ein geringer.
Ganz andere Anforderungen stellt die neuere urgeschichtliche Wissenschaft an die Bearbeitung von prähistorischen Stätten. Sie hat erkannt, dass der Boden, in dem die altertümlichen Funde geborgen sind, kein regelloses Durcheinander bildet, sondern aus Schichten zusammengesetzt ist. Sie sind etwas Gewordenes. Schicht um Schicht ist im Laufe langer Zeiträume, teils auf natürliche Weise (Verwitterung, Absatz von kohlensaurem Kalk aus dem Höhlentropfwasser usw.), teils durch Tiere (Knochen) und Menschen (Knochen von Jagdtieren, Werkzeuge aus Stein, Knochen, Metallen, Schmuck, Kohlenherde usw.) abgelagert worden. Die ältesten Schichten liegen, wenn keine spätem Störungen (Ausgrabungen) stattgefunden haben, zuunterst, die jüngern und jüngsten oberwärts. Danach kommt auch den in den Schichten enthaltenen Funden ein verschiedenes, älteres oder jüngeres Alter zu.
So werden die Schichten und Schichtteile in ihrer Uebereinanderfolge für den Forscher zu sogenannten „Urgeschichtsblättern“, aus denen heraus er die Geschichte in der Vorzeit der Tier- und Menschenwelt, ja sogar die klimatischen Zustände vergangener Erdperioden zu lesen hat. Die Fundschichten, aber auch die fundleeren Ablagerungen sind die Zeugen für den Werde- und Entwicklungsgang in der anorganischen und organischen Natur. Die Werkzeuge des Menschen und seine sonstige Hinterlassenschaft an prähistorischen Stätten, d. h. der vorgeschichtliche Inhalt der einzelnen Schichten, beweisen ebenfalls ein Vor- und Nacheinander menschlicher Kulturstadien.
Oft gehören die Funde aus den verschiedenen übereinander gelagerten Bodenschichten mehreren Zeitaltern und Stufen der menschlichen Vorgeschichte an (Alt- und Neusteinzeit, Metallzeiten bis und mit der historischen Zeit). Anderseits können Fundstätten nur die Ueberbleibscl menschlicher Anwesenheit aus ein und derselben Epoche bergen. Aus der Uebereinänderlagerung (Superposition) zeitlich und entwicklungsgeschichtlich verschiedener Kulturschichten sind denn auch die prähistorischen Chronologien und Systeme begründet worden, an deren weiterem und feinerm Ausbau die Forschung unausgesetzt tätig ist.
Kommt nach dem Gesagten den Schichtungsverhältnissen in der Bodenauffüllung einer prähistorischen Niederlassung eine grundlegende Bedeutung bei den Ausgrabungen zu, so besteht eine Hauptaufgabe der exakten Forschung darin, den Aufbau, die Lagerung, Beschaffenheit, den Verlauf, die Mächtigkeit und die Abgrenzung der einzelnen Schichten mit grösster Genauigkeit festzustellen. Diese Arbeit, die gewöhnlich erst durch vielfache Uebung und durch mehrjährige Praxis erlernt werden muss, zeitigt die besten Resultate dort, wo eine ganze Reihe von engem und weitern Kulturstufen an einer Fundstätte vorhanden sind.
Von grosser Wichtigkeit ist es, volle Gewissheit darüber zu erhalten, ob die Fundschichten sich wirklich in ungestörter Lagerung befinden, oder ob im Bodenschutte nachträgliche, vielleicht sogar erst in historischer Zeit erfolgte Störungen (durch Ausgrabungen, Aufwühlungen) stattgefunden haben. Eine richtige Deuturig der Fundverhältnisse ist nur in ungestörten, intakten Schichten möglich. Gestörte Profile haben keinen wissenschaftlichen Wert, und deren Inhalt darf höchstens nur mit jenem aus intakten Schichten verglichen werden.
Beim Festlegen und Bestimmen der Schichten ist ihr horizontaler Verlauf, ihre Mächtigkeit und ihr eventuelles Auskeilen und Verschwinden mit Sorgfalt zu verfolgen und zeichnerisch in das für jede Ausgrabung unumgänglich notwendige Profilheft einzutragen. Dabei sind folgende Punkte stetsfort vor Augen zu behalten: Mit mächtigeren und ausgedehnteren Fundschichten können fundleere von oft nur wenig Zentimetern vertikalem Ausmasse und geringerer horizontaler Ausbreitung abwechseln. Den fundleeren Schichten kommt aber unter Umständen eine wesentliche Bedeutung zu. Sie können nämlich die Trennungsschichten zwischen zwei verschiedenen Kulturstufen, einer ältern untern und einer jüngern obern sein. Oder sie deuten die zeitweilige Abwesenheit des Menschen während ein und derselben vorgeschichtlichen Periode an. Wie wir bereits erwähnt haben, unterscheiden sich die einzelnen Bodenschichten ausser durch das Auftreten oder Fehlen von Funden meist sehr deutlich durch die Farbe der erdigen, sinterigen, lehmigen, steinigen Bestandteile oder die einheitliche Färbung der einzelnen Schichten, wie auch durch ihre Härte, Lockerheit, Trockenheit und Feuchtigkeit. — Nach diesen und manchen andern Gesichtspunkten haben sich die Ausgrabungsmethoden der Urgeschichtsforscher zu richten.82 Sie weichen also wesentlich ab von den gewöhnlichen Aushubarbeiten bei der Erstellung von Gräben, Kanälen, Schächten, Stollen und Kellern.
Nach diesen wenigen einleitenden Erörterungen wenden wir uns nun zu den Ausgrabungen im Drachenloche! Bei denselben haben wir uns der heute gebräuchlichen Vorkehrungen und Methoden bedient, wie sie auch im Wildkirchli zur Anwendung gelangt sind. Vor Beginn jeglicher systematischer Grabungen hat in erster Linie eine Vermessung und genaue Einteilung des in Angriff zu nehmenden Höhlenraumes, bzw. seiner Bodenoberfläche zu geschehen. Bei Höhlen, die aus mehreren Abteilungen bestehen, begnügt man sich mit der erstmaligen Einteilung der eben in Arbeit gelangenden Teilfläche. Nach Festlegung der Hauptlängsachse, die man gewöhnlich in der Mitte des Raumes annimmt und auf derselben Strecken von je 1 m Länge abträgt, wird nun der Raum links und rechts je bis zu den Höhlenwänden in numerierte Quadratmeter eingeteilt. Als Querachsen dienen am besten straff gezogene Schnüre, deren beidseitige Endpunkte mit roter Farbe an den Felswänden markiert werden. Diese Oberflächeneinteilung, die auch zeichnerisch in das Profilheft eingetragen wird, ist von besonderem Werte, da sie zur Bezeichnung der horizontalen Verbreitung der Funde verwendet wird.
Jetzt beginnt man mit der Wegräumung des oberflächlich gelegenen Schuttes, der Erde und den Fallsteinen. Dies kann, weil die oberste Schicht gewöhnlich keine vorhistorischen Funde birgt, noch mit Pickel und Schaufel geschehen. Immerhin wird man schon hier sein Augenmerk auf Knochenfunde u. a. lenken, die der jüngsten Zeit angehören und die uns mancherlei Aufschluss erteilen, wenn wir damit die Tierwelt der Jetztzeit vergleichen. Bei den nun folgenden Arbeiten in den tiefern Schichten dürfen diese gröbern Werkzeuge nur noch zur Beseitigung grösserer Gesteinsblöcke dienen, die oft auch mit dem schweren Eisenhammer zerschlagen werden müssen. Sprengmittel (Pulver, Cheddite, Dynamit) sind nur mit grösster Vorsicht zu gebrauchen. In den eigentlichen Fundschichten kommen feinere Werkzeuge (Zieh- und Kratzeisen, Schorrer aus Eisen, sowie Holzinstrumente) zur Verwendung, damit die Funde möglichst geschont werden.
Die erste Durchsuchung der Schichten findet stets an Ort und Stelle statt. In den dunkleren Höhlenteilen ist dies bei genügender künstlicher Beleuchtung möglich. Wie im Wildkirchli benützten wir auch im Drachenloch Azetylenlicht, d. h. die Kaiser-Sturmfackel, hier mit 150 Kerzen Lichtstärke. Sie leistet ausgezeichnete Dienste, da sie so viel Licht spendet, dass man ausser der Erkennung der Funde eine klare Einsicht in die Beschaffenheit der Schichten und in die Fundtatsachen gewinnen kann. Die feinere Prüfung alles Schichtmateriales findet aber im vordersten Teile der vollbelichteten grossen Höhle, nahe beim Eingangstor, auf einem 2 m langen und etwa 1 m breiten Sortiertisch statt. Das Schuttmaterial wird mittelst Schubkarren ans Tageslicht befördert. Alle Funde gelangen in grössere und kleinere Holzkistchen, Tuch- und Papiersäcke, und werden mittelst Etikette gekennzeichnet (Angaben: Datum, Höhlenteil, Profilnummer, Schicht, Tiefenlage usw.). Wichtige und leicht zerbrechliche Gegenstände (Schädel u. a.) werden schon oben in der Höhle gut verpackt. Der Abtransport zur Hütte Gelbberg und nach Vättis geschieht mittelst „Räf“. Um die Transportkosten nicht allzusehr zu erhöhen, lässt man das unvollständige und stark zersplitterte Knochenmaterial in der Höhle oben. Nur wenige Belege desselben aus den einzelnen Schichten gelangen ebenfalls zu Tal. Weil dort jeder Fundgegenstand nach erfolgter Reinigung mit Tusche angeschriebcn wird, so kann seine genaue Herkunft aus dem Höhlenschutte für alle Zeiten bestimmt und seine einstige Lage in den Grabungsprofilen rekonstruiert werden.
Ausgrabungsmethoden.
Dieselben müssen stets den örtlichen Verhältnissen und den Umständen angepasst werden. Allgemein verbindliche Vorschriften gibt es nicht. Doch hat der praktische Höhlenforscher die Methode je- weilen so zu richten, dass er der Lösung der gestellten Fragen so nahe als möglich kommt. — Man unterscheidet allgemein zwei Arten der Ausgrabungen. Die eine wendet sich nach der Tiefe (Vertikalmethode), d. h. man gräbt nach unten durch die einzelnen Schichten hindurch bis zum nativen Boden oder einem sonstigen auffälligen Tiefenhorizont. So erhalten wir einen Einblick in die vertikale Gestaltung, den Verlauf, die Mächtigkeit der einzelnen Schichten, in die Trennung voneinander und das geordnete Uebereinanderliegen derselben. Die andere Grabungsweise geht in horizontaler Richtung (Horizontalmethode), d. h. es wird Schicht um Schicht auf vorbestimmten horizontalen Flächen abgehoben. Wir lernen dabei das Wesen jeder einzelnen Schicht in grösserer horizontaler Ausdehnung, die Lagerung der Funde in ein und derselben Schicht und ihre örtliche Verteilung kennen.
Selbstverständlich tut man gut, die beiden Hauptmethoden bei den Ausgrabungen wechselweise in Anwendung zu bringen. Man erstellt auch treppenförmige Grabungsdurchschnitte oder = Profile von je 1 m Länge in der Richtung der Längsachse der Höhle am Boden. Auf diese Weise können bei genügender Breitenausdehnung der Höhle mehrere Personen in den ihnen zugewiesenen Schichten arbeiten. Stets hat man strenge darauf zu achten, dass nicht Fundmaterial aus verschiedenen Schichten mit einander vermengt wird, da Fehler dieser Art nicht mehr gut gemacht werden können.
Von Meter zu Meter der Längsachse, oft selbst in kleineren Abständen und je nach den Fundverhältnissen, erstellt man nun auch die zeichnerischen Querprofile und Längsprofile, die im Profilbuche zusammengestellt werden. Auf diese Quer- und Längsschnitte beziehen sich die im Tagebuche niedergelegten textlichen Angaben, sowie die Bezeichnungen der einzelnen Fundobjekte. Nach Beendigung der Grabungen und auch späterhin sind wir imstande, alle Fundumstände genau wiederzugeben. Aus der Aneinanderreihung der Profile in allen bearbeiteten Höhlenteilen gewinnen wir zuletzt eine Uebersicht über die gesamten Fundverhältnisse.
Fundareal im Drachenloch.
Da die ersten paläontologischen Gegenstände (Knochen von Höhlenbären) im zweiten Höhlenteile aufgedeckt wurden, so war der Beginn der systematisch angeordneten Grabungen an dieser Stelle gegeben. Eine einfache Ueberlegung verbietet es, aufs Geratewohl hin beliebige Teile des Höhlenschuttbodens anzuschneiden, bevor man genügende Anhaltspunkte für eine „fruchtbare“ Grabung besitzt. Denn der anfängliche Erfolg wird eben nach Funden beurteilt. Ein längeres Ausbleiben derselben entmutigt Arbeiter und Leiter von Ausgrabungen. Die Leiter selber haben auch eine gewisse Verantwortung zu übernehmen für weise Ausnützung der von Behörden und wissenschaftlichen Institutionen für die Ausgrabungen bewilligten finanziellen Mittel.
Eine schlimme Ueberraschung hätte unser gewartet, wenn wir die Grabungen, wie es sonst Brauch und Vorschrift ist, im vordersten Höhlenteile des Drachenloches begonnen hätten; denn derselbe erwies sich gegen alle vorläufigen Annahmen als sehr fundarm. Es kamen nur sogenannte „Streufunde“ zum Vorschein, als wir im dritten Grabungsjahre in dieser ersten Höhle (I) einen etwa 20 m langen und 1 1/2—2 m breiten Längsgraben bis auf den nativen Höhlenboden hinunter erstellten. Dieser Höhlenteil ergab auch infolge Mangels jeglicher strati- graphischer Horizonte in der Bodenauffüllung keine sichern Anhaltspunkte für die Bewohntheit des Drachenloches durch den prähistorischen Menschen. Es fehlte jegliche scharfe Trennung einzelner Schichten, die zum grössten Teile aus Verwitterungsschutt des anstehenden Höhlengesteins (namentlich von der Decke der Höhle stammend) und aus erdigem Sinter bestanden.
Die Gründe für die Abwesenheit grösserer Funde in dem scheinbar so günstigen, vom vollen Tageslichte getroffenen ersten grossen Höhlenteile, beziehungsweise die Nichtberücksichtigung desselben als Aufenthaltsort des Urmenschen haben wir bereits in den Abschnitten über die meteorologischen Verhältnisse und die allgemeine Situation wenigstens angedeutet. Sie sind, in Kürze wiederholt: starke Verwitterungserscheinungen in diesem Teile, zeitweise bedeutende Deckenabbrüche mit Gefährdung des Menschen, grössere Wasserzügigkeit infolge stärkerer Zerklüftung des Höhlengesteins, fühlbarere Temperaturschwankungen und Luftzugsverhältnisse.
Die Ausgrabungen in dieser ersten Höhle haben überdies erwiesen, dass der Höhlenraum unter der Bodenschuttbedeckung infolge Zusammenschliessens desselben nach unten, w odurch eine schmale Längsrinne gegen den nativen Boden hin entstand, gar kein geeigneter Aufenthaltsplatz für den urgeschichtlichen Menschen gewesen wäre, da er in dieser natürlichen Rinne zu wenig seitliche Bewegungsfreiheit gefunden hätte. — Wir begreifen es, dass schon der Paläolithiker gewisse Vorsichtsmassregeln und Bequemlichkeiten im Sinne des Schutzes gegen Deckenabbruch, Nässe, Kälte und stärkern Luftzug gekannt hat und sich daher in der Mehrzahl der Fälle — auch im Wildkirchli — in einer Höhle stets die günstigsten Plätzchen als Ruhe- und Arbeitsort auswählte. So kommen wir zum Schlüsse, dass die erste Höhle dem Menschen hauptsächlich als Durchgangsweg zu den innern Höhlengemächern gedient hat.
Für eine Besiedelung der Höhle I käme einzig und allein der in der allgemeinen Situation genannte Kuppelbau im hintersten rechten Teile derselben in Betracht, da seine seitliche Bodenflächenausdehnung grösser ist als die der vordem und mittleren Partien dieser Höhle. Es lässt sich darüber heute noch nichts Bestimmtes sagen, weil wir dort erst oberflächliche Grabungen gemacht haben, bei denselben aber bis heute noch keine Funde zum Vorschein kamen.
Wesentlich anders gestalten sich nun die Verhältnisse gleich beim Uebergange der ersten Höhle durch den früheren Durchschlupf in die Höhle II, in dieser selbst und in der darauffolgenden Höhle III. Hier haben wir mehr ausgeglichene Temperaturen, die, wenn sie auch niedrig sind (vgl. den meteorologischen Abschnitt), nicht als unangenehm empfunden werden, was auch wir bei unsern Arbeiten spürten. Da treffen wir auch grössere relative Trockenheit und Luftruhe. Das waren die von Natur aus vorbestimmten Ruhe-, Arbeits- und sonstigen Aufenthaltsplätze für den Urwildjäger, wie dies die daselbst vorgenommenen Ausgrabungen sicher bewiesen haben. — Der Mangel an natürlicher Beleuchtung wurde damals ausgeglichen durch die künstliche Lichtquelle des Höhlen- oder Herdfeuers. Bei unsern Tiefergrabungen in der zweiten Höhle hat es sich überdies gezeigt, dass in ältesten Zeiten, als die Bodenauffüllung bedeutend tiefer gestanden hatte, noch ein Gutteil Tageslicht auch in diesen Höhlenraum vorzudringen vermochte. Somit waren die damaligen Lichtverhältnisse günstiger als heute.
Wo nun durch erste Versuchsgrabungen der Nachweis von Funden geleistet wurde, da hält es mit dem Beginn der systematischen Weiterforschungen nicht schwer, weil sich von dort aus gewöhnlich Fund an Fund reiht. Sonst geschieht das Suchen nach „fruchtbarem“ (fertilem) Boden mittelst Ueberlegungen und „Ideenassoziationen“, die sich erst durch vielfache Praxis in der prähistorischen Forschung einstellen. Ich habe dieselben in meiner „Methodologie“ genauer geschildert. Der Forscher muss, um es kurz zu sagen, sich in die Wohn- und Existenzverhältnisse des urgeschichtlichen Menschen ein fühlen können, um die günstigen Fundplätze gleichsam zu erraten. Doch selbst dem bcstgeschulten Praktiker können Ueberraschungen zuteil werden.
Gehen wir nun zur kurzen Beschreibung der Grabungsprofile und der einzelnen Fundschichten in den Höhlenteilen II und III über, die das eigentliche Fundareal darstellen, da voraussichtlich die hintern Höhlenabschnitte (IV—VI) infolge der allzu engen Raumverhältnisse kaum wichtigere Funde ans Tageslicht fördern lassen werden.
Die Grabungsprofile und die Fundschichten.
Die grosse Zahl der in den Höhlen II und III des Drachenloches erstellten Grabungsprofile, teils Längs-, teils Quer- und Schrägprofile, hat mit Sicherheit eine durchgehende Uebereinstimmung im Aufbau der Bode nauffüllungsschichten ergeben, da sich die einzelnen Schichten hinsichtlich ihrer Beschaffenheit, ihrer Bestandteile, ihrer Farbe und der in ihnen enthaltenen Funde sehr scharf kennzeichnen. — An diesem Orte erinnern wir nochmals daran, dass wir bei unsern Grabungen mehrfach Schichtenstörungen durch den „schatzgrabenden“ Menschen begegnet sind. Doch erreichen sic nirgends einen grössern Umfang und erstrecken sich in keinem Falle in grössere Tiefen der Profile. Von diesen Schichtstörungen stammt sicher ein grösserer Teil der früher und noch zu Beginn unserer Ausgrabungen auf der Bodenoberfläche zerstreut herumgelegenen Tierknochen her.
Wenn im allgemeinen die Schichtung in den einzelnen Grabungsprofilen als eine der horizontalen Ebene entsprechende befunden wurde, so weicht die Lagerung der Schichten doch stellenweise merklich von ihr ab. Sie „steigen auf und nieder“, nehmen an Mächtigkeit zu oder ab und können sogar verschwinden („auskeilen“), um an andern Stellen wieder aufzutreten. Es sind da mancherlei Ursachen, die diesen Wechsel bedingen: Unebenheiten des Bodens, auf dem weitere Ablagerungen erfolgten, grössere Deckensturzblöcke, natürliche oder künstliche Anhäufung von Tierknochen, Kohlenherde, Zusammenpressen des Bodens durch überlagernde Gesteinstrümmer oder durch den Tritt des Menschen, Aufwühlungen des Bodens usw.
Als gemeinsames Merkmal sämtlicher Quer- und Längsprofile ergibt sich das durchgehende Vorhandensein von 6 verschiedenen Schichten im Höhlenauffüllungsboden auf einer Strecke der Längsachsen von etwa 25 m. Ihre Trennung von einander lässt sich fast überall scharf nachweisen, doch gibt es Stellen mit langsamen üebergängen von einer Schicht zu der andern. Am undeutlichsten ist die Abgrenzung jeweilen an den beiden seitlichen Höhlenwänden. Daselbst sind die Schichten meist sehr locker, was sich bei den Grabungen oft durch ein plötzliches Zusammenstürzen der Erd- und Sintermassen kund gibt. Beim „Setzen“ der Schichten sind an den Höhlenwänden dann und wann klaffende Abstände zwischen diesen und dem Höhlenschuttboden entstanden, durch die Material von obern Schichten, ja sogar von der jetzigen Oberfläche (Schneckenschalen) in die Tiefe gedrungen ist. Aus dem paläontologischen Teile dieser Abhandlung erfahren wir auch, dass längs den Felswänden der Höhle durch den vorgeschichtlichen Menschen Massenanhäufungen der Knochenreste erbeuteter Jagdtiere stattgefunden haben. Durch dieselben war das Schichten- und Profilbild bei unsern anfänglichen Grabungsarbeiten etwas unklar; es schälte sich dann aber durch die fortgesetzten Untersuchungen in den vollen, einheitlich gebauten Profilen immer deutlicher und schärfer heraus.
Eine Aenderung erfährt das stratigraphische Bild in bezug auf die Mächtigkeit des gesamten Schichtenkomplexes durch eine von der zweiten zur dritten Höhle und gegen die Mitte der letzteren sich einstellende Abnahme der Tiefe der Bodenauffüllung und durch das allmähliche Ansteigen der Schichten nach hinten. Hier, wie in der zweiten Höhle bekommt man den Eindruck, dass der Mensch der Urzeit die beiden Räume gerade so lange als Unterkunftstätte benützte, als er sich in denselben ihrer Höhe gemäss noch aufrecht bewegen konnte.
Das tiefste Profil konnten wir bis jetzt im Durchpasse von der ersten zur zweiten Höhlenabteilung feststellen, wo sich eine Gesamtmächtigkeit aller sechs Schichten von etwa 3½ Meter und eine Tiefe der eigentlichen Fundschichten von ungefähr 2 Meter ergab.
Eine auffallende, mir bis jetzt bei Höhlenforschungen noch nie begegnete Erscheinung ist die relativ grosse Lockerheit der Fundschichten und ihre ausgeprägte relative Trockenheit. In dieser Hinsicht steht das Drachenloch in einem vollständigen Gegensätze zum Wildkirchli. Hier trafen wir auf Schichten und Schichtenteile, namentlich gegen den nativen Felsboden hin, die so hart gepresst waren, dass man sie samt den zu eigentlichen Knochenbreccien verkitteten Bärenüberresten nur noch mit Pickel und Sprengeisen bearbeiten konnte. Auch fanden sich im Wildkirchli viel mehr Schichten mit hohem Feuchtigkeitsgehalt. Im Drachenloch dagegen trafen wir feuchtere Schichtteile erst gegen die unterste sedimentäre weisse LehmSchicht an.
Wenn wir die heute noch so grosse Lockerheit und die ausgesprochene relative Trockenheit der Fundschichten im Drachenloche näher betrachten, so kommen wir auf den Gedanken, dass zur Zeit der Bildung der Schichten, d. h. nach der Ablagerung der untersten weissen Lehmschicht, auf alle Fälle hier oben ein trockeneres Klima als heute geherrscht haben muss. Diese Annahme wird besonders gestützt durch die Tatsache der auffallend guten Erhaltung der Tierknochen, namentlich in den mittleren Schichten. In hoher Feuchtigkeit hätten sie niemals diese Härte beibehalten können. Freilich ist ja auch heute die Wasserzügigkeit in den Höhlenkammern II und III nur eine ganz minimale; aber es ist kaum anzunehmen, dass die Austrocknung und Mürbheit der Schichten erst aus jüngern und jüngsten Zeiten stammt.
Eine Folge der lockern und trockenen Beschaffenheit der mittleren und obern Bodenschichten und ihres nachträglichen Einsinkens („Setzen“) war es wohl auch, dass an verschiedenen Stellen, besonders den Höhlenwänden entlang, ein Teil der Knochen aus der zweiten Schicht form- lieh an die Oberfläche aufgestossen wurde, und sie mit ihren Enden sogar aus dem Boden heraufstachen.
Ohne Zweifel haben wir schon während unserer ersten Grabungen im Drachenloch den eigentlichen oder nativen Höhlenfelsboden durch die weisse untere Lehmschicht erreicht. Wir schnitten sie später nicht mehr tiefer an als bis auf ihre Oberfläche, um unsere Zeit mit nützlicheren Arbeiten auszufüllen, als jedesmal auf den Grund der sich als fundleer erwiesenen untersten Bodenschicht vorzudringen. Es ist nicht vorauszusehen, dass unter ihr noch irgendwelche Forschungen von Bedeutung auszuführen sind, so dass wir die Sechszahl der aufeinanderliegenden Höhlenbodenschichten beibehalten können.
Es mag hier noch beigefügt werden, dass die einzelnen Schichten aus dem Drachenloche, besonders was ihr Sinter- und Erdmaterial anbetrifft, einer noch genaueren Prüfung auf ihre chemische Beschaffenheit hin unterworfen werden sollen, wie dies seinerzeit mit den Schichten aus dem Wildkirchli geschehen ist. (Chemische Bodenanalysen.)
Unterziehen wir nun die einzelnen Bodenschichten des Drachenloches in der chronologischen Reihenfolge ihrer Ablagerung, d. h. in umgekehrter Folge, wie wir sie in unserem graphischen Querprofil vom Durchgänge der zweiten zur dritten Höhle (Abb. 15) numeriert haben, einer kurzen Beschreibung. Dabei ist noch zu bemerken, dass wir in allen Profilen der Drachenlochausgrabungen nur die Schichten II, III, IV und V als sogenannte Kulturschichten bezeichnen dürfen, da nur in ihnen die Anwesenheit und Tätigkeit des urgeschichtlichen Menschen nachgewiesen werden kann. Schicht VI ist fundleer; Schicht I gehört nicht mehr der vorgeschichtlichen Zeit an.
VI. Weisse bis weisslichgraue Höhlenlehmschicht.
Dieselbe ist bereits in der Beschreibung der Höhlenauffüllung eingehender behandelt worden. Sie liegt hart dem nativen Felsboden auf, breitet sich, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, nur in den Höhlenteilen II und III und zwar durchgehends von Höhlenwand zu Höhlenwand aus und schmiegt sich denselben, jede feinste Ritze ausfüllend, sehr fest an. Weil sie gar keine gröbern Schuttbestandteile in sich enthält, sondern nur aus feinstem, reinem, weisslichem Höhlenlehm besteht, so ist sie keine gewöhnliche, aus Verwitterungsbestandteilen zusammengesetzte Ablagerung. Sie besteht aber auch nicht aus ortsfremdem, in die Höhle von weiterher eingeschwemmtem Material. Sie ist also auch nicht fluviatiler Herkunft, sondern ist entstanden aus den Absätzen des Sickerwassers der Höhle selber. Dies geschah zu einer Zeit, als der grösste Teil der Höhle schon fertig gebildet war, aber vor ihrer Bewohnheit durch den Urmenschen, der bald nachher auf ihrer Oberfläche lebte.
Die Tiefe (Mächtigkeit) dieser weissen Lehmschicht ist an einer Stelle bis auf 1,8 m gemessen worden; sie mag unter Umständen bis 2 m mächtig sein. Die untersten Teile sind durchwegs trocken, stellenweise blätterig, an andern Orten aber hart gepresst, oft mit Einschluss von steinharten, würfeligen oder prismatischen Absonderungen. Trotz dem Gehalte an Eisenoxydhydrat ist dieser Lehm keine eigentliche „Terra rossa“ des Karstes.
V. Hellbraune bis wenig rötlichbraune Schicht.
Messerscharf und ohne irgend welche Andeutung eines allmählichen Ueberganges trennt sich die weisse Lehmschicht von der nun über ihr folgenden farbigen Schicht, die rasch ihre Natur als Kulturschicht verrät. Treten doch gleich auf ihrer untersten Fläche sofort Knochen vom Höhlenbären (Ursus spelaeus Blum.) in ziemlicher Anzahl auf, die nun überall durch die ganze Schicht verbreitet sind, so dass man dieselbe als den ersten paläontologischen Horizont in der Drachenlochhöhle bezeichnen kann. Wir haben aber auch die Beweise für die einstige Anwesenheit des Menschen in dieser Schicht, da sich hier zahlreiche Knochenwerkzeuge desselben in akkumulativer Lagerung und absichtliche Massenanhäufungen von Höhlenbärenknochen vorfanden.
Da die Schiebt in ihren untersten Teilen stellenweise feucht, lehmig und ziemlich kompakt ist, so ist es begreiflich, wenn das Knochenmaterial hier zum grössten Teile stark durchfeuchtet und sehr leicht zerbrechlich ist. Von verschiedenen in ihr gelegenen Höhlenbärenschädeln konnte kein einziger als Ganzes gerettet werden. Auch die grossen Gliedmassenknochen sind mürbe und zerfallen bei geringster Berührung in Stücke, die kaum oder nur schwer wieder zusammengesetzt werden können. Die Verhältnisse werden etwas günstiger, je weiter wir in die obern Teile dieser Schicht gelangen. Dort ist sie lockerer, zerfällt oft in feine Blättchen und wird stellenweise fast sandig, von lauter zersetzten Seewerkalkstücken herrührend. Eine den Nichteingeweihten überraschende Erscheinung ist die enorme Veränderung, welche die Gesteinsschuttstücke, die von den Höhlenwänden auf den Boden fielen, in grössern Tiefen der Profile und besonders in dieser Schicht erlitten haben. Sie sehen aus wie weisse abgekantete Kreidesteine, die, wenn sie etwas trocken geworden sind, stark abfärben, später bei völliger Austrocknung staubartig auswittern. Durchschlägt man solche Schuttstücke, so gewahrt man im Innersten kaum mehr den kleinen noch seewerkalkartigen Kern, während er von einer dicken, krustigen, weissen Mantelschicht umhüllt ist.
Wir kennen diese gleichen Erscheinungen auch aus den tiefern Fundschichten des Wildkirchli, wo sie seinerzeit zu der völlig unrichtigen Annahme führten, es handle sich um interglaziale Tuffgesteine, ähnlich jenen von Flurlingen im Kt. Schaffhausen. Eine einfache Untersuchung brachte aber den Beweis, dass diese Schuttgesteine „unter der Erde“ eine Zersetzung durchgemacht haben, die man auch als „subterrane Verwitterung“ bezeichnete. Je tiefer sie liegen, um so dicker ist die weisse Zersetzungsrinde. Dass man ihnen ein interglaziales Alter zuweisen darf, hat sich im Wildkirchli unzweideutig erwiesen, indem sie dort in ein und demselben Horizonte sich sicher trennen lassen von den in der nächstobern Schicht plötzlich als scharfkantige Schuttstücke auftretenden Abwitterungsprodukten des Höhlengesteins. — Für das Wildkirchli haben diese Zersetzungsprodukte eine hohe Bedeutung erlangt. In unserer spätem Veröffentlichung werden wir nachweisen, dass dieselben auch für das Drachenloch ein wichtiges Beweismittel für die Altersbestimmung desselben bilden. Die Mächtigkeit der Schicht V wechselt von 25—40 cm, sie besitzt nach oben einen ziemlich scharf gezogenen Horizont.
IV. Hellrötliche bis rotbraune Erdschicht.
In ihrer bereits lockeren Beschaffenheit und in der Farbe sticht sie von der unter ihr gelegenen Schicht ziemlich scharf ab und gleicht mehr der über ihr liegenden Schicht. Dagegen besitzt sie in ihren untern Teilen noch feuchte und lehmige Partien, ist aber in der Farbe wesentlich heller. In Uebereinstimmung damit besitzt auch das in ihr enthaltene reichliche Knochenmaterial eine bleichere, mehr gelbliche Farbe, so dass es sich sehr rasch als dieser Schicht angehörig erkennen lässt. Beim Eingange zur zweiten Höhle und noch in diese hineinreichend fanden wir in der Tiefe dieser Schicht noch in den Monaten Juli und August richtiges Krümeleis. Dasselbe stammte vom vorigen Winter her und hatte noch nicht aufzutauen vermocht.
Eine scharfe Unterscheidung dieser vierten Schicht von der unter und über ihr gelegenen Schicht besteht zum Teil in einer merkwürdigen Anhäufung von kleineren Gesteinsplatten, die schichtenweise horizontal übereinander gelagert sind. In einem der Grabungsprofile stiessen wir auf eine Aufeinanderlagerung solcher Plättchen bis auf 50 cm Mächtigkeit. Nirgends liess sich ein Beweis dafür finden, dass dies ein Werk der Natur sei, vielmehr gewann es mehr und mehr den Anschein, als ob hier genau über einer ständig feuchten Bodenstelle von Schicht V eine beabsichtigte regelmässige Anhäufung von Plattenschichten stattgefunden hätte, um der Feuchtigkeit des Untergrundes auszuweichen. Im Querprofil II der Höhle III bestanden die Unterlagen sogar aus lauter gelblichen, reinen Calcitstücken, deren Herkunft nur aus den hintersten Teilen der Höhle III sein kann, weil am Orte selber im Deckengestein derartige Calcite nicht anstehend sind. Mit Sicherheit konnte hier auf menschliche Tätigkeit geschlossen werden. Des Rätsels vollständige Lösung brachte dann aber die Entdeckung eines Knochenlagers (besonders Höhlenbärenschädel) in einem aufgesetzten Steinbau hart bei diesen Calcitbrocken. (Siehe Abschnitt X.)
Das Gesteinsmaterial dieser vierten Schicht ist ebenfalls noch mit einer mürben Zersetzungsrinde versehen; kein einziges scharfkantiges Stück ist hier zu finden. Das Knochenmaterial ist bereits bedeutend besser erhalten als in der vorhergehenden fünften Schicht, besonders aber jenes, das in hermetisch abgeschlossenen Steinmäuerchen (siehe prähistorischer Abschnitt) geborgen lag.
Nach ihrer Mächtigkeit (60—98 cm) stellt diese Schicht einen Haupthorizont dar, in dem bedeutende Ablagerungen, namentlich in faunistischer Hinsicht, stattgefunden haben. Hier treffen wir auf die ersten, auch dem Nichteingeweihten sofort in die Augen fallenden Beweise für die einstige Anwesenheit des Menschen, der hier eine förmliche Magazinierung der schönsten Jagdtrophäen betrieben hat. Die Tierwelt ist ganz vom Höhlenbären in seiner Blütezeit beherrscht.
III. Rotbraune bis dunkelrötliche erdige Schicht.
Dieselbe hebt sich im ganzen Schichtprofil ungemein scharf und deutlich ab, namentlich durch ihre intensive Färbung und die ausserordentliche Lockerheit. Stellenweise treffen wir auf mulmig weiche, mit der blossen Hand leicht zerreibbare Partien, die sich durch grosse Trockenheit auszeichnen. Das sinterig-erdige Material überwiegt bei weitem die Einschlüsse an Verwitterungsgestein. Noch hier ist das letztere mit einer ansehnlichen Zersetzungsrinde versehen, daher stark an den Kanten abgerundet. Diesem Zustande des steinigen Schuttes begegnen wir genau bis an die oberste Grenze dieser charakteristischen Ablagerung.
Trotz der geringen Mächtigkeit (35—55 cm) enthält sie eine ganz bedeutende Menge von Resten der diluvialen Fauna, mit dem Hauptregenten, dem Höhlenbären. Seine Skeletteile sind hier im besten Erhaltungszustände vorhanden, machen aber stets noch den Eindruck von regelrechten subfossilen Funden. Mit der obern Grenze dieser Schicht beschliesst der Höhlenbär seine Existenz im Drachenloch, d. h. von oben betrachtet, begegnen wir ihm bei den Grabungen stets zuerst in dieser III. Schicht. Auch hier finden wir bereits absichtliche Anhäufungen von Tierknochen, die die Anwesenheit des Menschen bezeugen.83
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Abb. 15. Grabungsprofil vom Durchgang II—III.
II. Grauliche und weisslichgraue Sintererde.
Auch diese Schicht ist deutlich ausgeprägt durch den Gegensatz, den sie mit der ihr unterliegenden Schicht bildet. Oft treffen wir in ihr auf grössere Strecken 0,5 —1,5 dm breite fast schneeweisse bis weisslichgelbliche Calcitsinterablagerungen in krümeliger Form. Die ganze Schicht ist durchwegs sehr weich, den Höhlenwänden nach trocken staubig. Stellenweise erscheint sie aber auch gepresst, nimmt aber nirgends lehmigen Charakter an. Das in ihr enthaltene Gesteinsmaterial weist sozusagen keine oder nur sehr geringe Kantenzersetzung auf; es sieht verhältnismässig frisch aus und steht damit in starkem Gegensätze zu den zersetzten Rindenteilen der in den tiefern Schichten gelegenen Schuttstücke.
Alle in dieser zweitobersten Schicht gelegenen Knochen sind tadellos frisch erhalten und vielfach mit schneeweissem Calcitsinter überzogen. Das wichtigste Ergebnis ist das vollständige Fehlen des Höhlenbären sowohl in seiner hochstirnigen Form des männlichen Geschlechtes als in den typischen weiblichen Gestalten mit dem flacheren Stirnabfall. Im paläontologischen Abschnitte unserer Abhandlung werden wir vernehmen, dass wir es bei den Bärenfunden der II. Schicht mit einer besondern Ursus-Art zu tun haben. — Die Mächtigkeit dieser Schicht ist eine sehr wechselnde. Ihr feines Mehl ist oft den Höhlenwänden nach bis tief hinunter gedrungen. Sie übersteigt in ihrer vertikalen Ausdehnung 40 cm nicht, meist bleibt sie zwischen 15—25 cm. Sie darf immerhin noch als prähistorische Ablagerung betrachtet werden.
I. Schwärzliche Mulmschicht der Oberfläche.
Wo der Boden nicht infolge Begehung desselben durch den Menschen festgetreten wurde, ist diese Schicht mit der geringsten Mächtigkeit (20—25 cm) von sehr lockerer, mulmiger Beschaffenheit. Ausser dem nie fehlenden Sinterabsatz enthält dieselbe viel Fäkalien von Vögeln (Alpendohlen), auch von Schneemäusen, ferner Reste von Moosen und Pflanzenfasern, die von diesen Nagern eingeschleppt wurden. Massen von gebleichten Schneckenschalen, Nagetierknochen und solche von Vögeln bedecken die Bodenoberfläche und stecken auch in dieser Mulmschicht.
Die Untersuchungen während der Sommer 1920 und 1921 haben ergeben, dass zwischen den Schichten I und II noch eine schmale, nur wenige Zentimeter messende, mehr grauliche, lehmige Schicht sich einschiebt, die sozusagen keine Funde einer ältern Tierwelt, sicher aber nicht solche von Ursus spelaeus, enthält. — Eine ähnliche, ebenfalls lehmige und nur wenig ausgedehnte Zwischenschicht, die sich aber stellenweise verliert, haben wir auch zwischen der IV. und V. Schicht festzustellen vermocht. Es lässt sich aber nicht entscheiden, ob dieselbe als zeitlicher Horizont verwendet werden darf, oder ob es sich hier nur um eine lokale Ablagerung von sekundärem Charakter handelt. Eine vergleichende Parallele mit der Schichtenreihe im Wild- kirchli wird unsere wissenschaftliche Abhandlung über das Drachenloch bringen. In Abbildung 15 (Grabungsprofil) habe ich diese beiden Zwischenschichten eingezeichnet.
Ich konnte diese Angabe über das Vorhandensein zweier Zwischenschichten im Drachenloche, wenn sie auch noch so wenig kräftig ausgebildet sind, nicht unterdrücken, weil wir im Wildkirchli der nämlichen Erscheinung begegnet sind. Dort stellt die obere Trennungsschicht einen scharfen Horizont dar, der zu einer Ausscheidung der untern interglazialen und der obern postglazialen Schichten geführt hat. Die schmale trennende Lehmschicht selber stellt die Zeit der letzten Vergletscherung (Würm-Glazial) dar. Weitere Feststellungen werden wohl dazu führen, auch im Drachenloche die Schichtenfolge für zeitlichgeologische Abgrenzungen verwenden zu können.
IX. Die paläontologischen Funde im Drachenloch.
Das massenhafte Vorkommen von Knochenüberresten des Höhlenbären (Ursus spelaeus Blum.) in der prähistorischen Stätte des Wildkirchli hatte mit einem Male die bisher bekannte Höhengrenze dieses mächtigen, eine ganze vorgeschichtliche Epoche charakterisierenden Riesenraubtieres um nahezu tausend Meter nach oben verschoben. Im Wildkirchli handelte es sich um einwandfreie Beweise dafür, dass sich eine ganze Anzahl altersschwacher Höhlenbären ohne irgendwelche Einmischung des altsteinzeitlichen Menschen zum letzten Schlafe niedergelegt hatten, zu Zeiten, wo der Höhlenmensch nicht anwesend war. Daneben, d. h. in andern Höhlenteilen des Wildkirchli, fanden sich aber Reste des Höhlenbären vor, die nicht von Tieren stammen konnten, welche hier eines natürlichen Todes gestorben, sondern als Beutereste des paläolithischen Jägers gedeutet werden müssen durch ihre enorme Zerstreuung und Zersplitterung, namentlich der grossen Röhrenknochen. Das gleichzeitige Vorhandensein von unzweideutigen Werkzeugen (aus Stein und Knochen) des Wildkirchliurmenschen, der sie hier bearbeitet und benützt hatte, bildete den endgültigen Beweis für die einstige Anwesenheit des Höhlenmenschen in diesem von Natur aus so vorzüglich geeigneten Refugium für Menschen und Tiere.
Nach unseren Kenntnissen über die Höhenverbreitung des gemeinen braunen, jetzt noch lebenden Bären (Ursus arctos L.), von dem bekannt ist, dass er die obere Waldgrenze um ein Wesentliches zu übersteigen vermag (er wandert selbst über Schnee und Eis!), ist es durchaus begreiflich, dass auch sein gewaltiger Vorfahre Ursus spelaeus einstens die nämlichen Lebensbezirke wählte. Dessen Vorkommen auf der Höhe des Wildkirchli und der Ebenalp ist daher kein besonderes Ereignis. Tatsächlich haben wir Funde des fossilen Ursus arctos in der Höhle Alpeel in der Furgglenfirst - Hohe Häuser-Hohen Kastenkette im Säntisgebirge auf einer Höhe von genau 1800 m.
Eine wirkliche Ueberraschung aber bereiteten mir die ersten zu Gesichte gekommenen Funde vom Höhlenbär, welche mir Herr Lehrer Theophil Nigg in Vättis vom Drachenloch im Juli 1917 zur Begutachtung übersandte. Die ersten danach im August des nämlichen Jahres vorgenommenen systematischen Grabungen an dieser Stätte enthielten alle Anzeichen für eine ausserordentlich reiche Fundstätte des diluvialen Höhlenbären und einer Begleitfauna, die sich mit jener des Wildkirchli als identisch erwies. Die in den Jahren 1918—1921 fortgesetzten Grabungen haben die 1917 gewonnenen Resultate bestätigt und das Bild der Drachenlochfauna so weit vervollständigt, dass es auch durch die noch kommenden Schlussgrabungen in den hintersten Höhlenteilen des Drachenloches keine wesentlichen Veränderungen mehr erleiden dürfte, zumal die zuletzt in der Höhle III durchgeführten Grabungen den Höhepunkt der Ausgiebigkeit an Funden erreicht haben mögen.
Wie bereits in der Einleitung hervorgehoben wurde, konnten wir nach unsern ersten Voraussetzungen die Drachlochhöhle kaum anders einschätzen als eine rein paläontologische Fundstätte, d. h. also nur mit Ueberresten von Tieren aus der diluvialen Epoche (der Gletscherzeit) bzw. aus einer Zwischeneiszeit und zwar der letzten (Riss-WürmInterglazial). Der Gedanke an irgend eine Bewohntheit durch den gleichzeitig mit dem Höhlenbären lebenden Menschen im Flach- und Hügellande oder im Wildkirchli blieb uns um der extrem hohen Lage des Drachenloches willen gänzlich fern. Allein schon gegen das Ende der ersten Grabungskampagne des Jahres 1917 gewann die Vermutung immer mehr Raum, dass die Knochenüberreste der Höhlenbären im Drachenloche die Ueberbleibsel der Jagdbetätigung des einstigen Höhlenmenschen gewesen sein müssen.
Vier Tatsachen drängten sich bei den Ausgrabungen von Tag zu Tag immer wieder in den Vordergrund unserer Ueberlegungen:
- Ein enormes Zerstreutsein der Knochenreste und eine Zersplitterung derselben, deren Ursache weder der schaffenden Natur in der Höhle noch den allenfalls in derselben anwesenden Tieren (Verschleppung der Knochen) zugeschrieben werden konnte. Es war mit einem Worte das genaue Fundbild der Verhältnisse, wie wir sie seinerzeit im Wildkirchli in jenen Höhlenteilen angetroffen hatten, wo nachweisbar der Höhlenmensch des Paläolithikums sich seinen Aufenthalt wählte (Stein- und Knochenwerkzeuge in der Altar-, Keller- und Bruderhaushöhle).
- Das gänzliche Fehlen zusammengehöriger, von gleichen Individuen stammenden Skeletteilen oder gar vollständiger Skelette des Höhlenbären. Ein wirres Durcheinander der Knochenfunde zeigt sich allerorts im Drachenloch.
- Das konstante Auftreten von nur jüngern Individuen angehörigen Knochenresten, das merkwürdige Ausbleiben von ältern und ganz alten Höhlenbären.
- Eine ganz eigenartige Massenanhäufung von Knochenresten, namentlich Schädeln und grossen Extremitätenknochen den Höhlenwänden entlang, während die Mittelgänge fast nur Splittermaterial, nur ganz selten vollkommen erhaltene Knochen (Hand- und Fussglieder usw.) aufwiesen. Das alles waren Bilder, wie wir sie z. T. vom Wildkirchli her gut genug kannten.
Mit einem Male wurden unsere von aller Vorsicht begleiteten Vermutungen zur Gewissheit, als beim Eingänge in den zweiten, linksseitigen Höhlenteil (II) in völlig ungestörter Schichtlage und in der zweifellosen Schicht des Höhlenbären ein ausgedehnter Kohlenherd von charakteristischer Gestalt und Anordnung zum Vorschein gelangte. Seine nähere Beschreibung wird uns später beschäftigen.
Gänzliche Klarheit brachten dann die Arbeiten in den Jahren 1918—1921. Nach denselben lässt sich in einwandfreier Weise der Nachweis leisten, dass wir es im Drachenloch mit einer wirklichen Ansiedelung des altsteinzeitlichen Höhlenmenschen zu tun haben. Die Belege geben wir teils in diesem Abschnitte über die paläontologischen Funde, besonders aber im eigentlichen prähistorischen Kapitel. Was die Gesamtmasse der Höhlen- bärcnknochenfunde anbelangt, so können wir heute zum voraus die Tatsache feststellen, dass diese Tierknochenrestc samt und sonders der Jagdbeute des altsteinzeitlichen Höhlenbärenjägers entstammen.
Unter diesem wichtigen Gesichtspunkte haben wir die ganze Tierwelt des Drachenloches, namentlich soweit es sich um grössere Arten handelt und die tieferen Schichthorizonte betrifft, zu betrachten. Wir können bis heute keine einzige Stelle in dieser Höhle nennen, wo wir den sichern Beleg für den Wohn-, Zufluchts- und Sterbeort eines altern Höhlenbären finden. Damit steht das Drachenloch teilweise in einem Gegensatze zum Wildkirchli, das neben Höhlenteilen, in denen der Bär als Jagdbeute des Menschen erscheint, auch andere Fundplätze besass, an denen die alten Höhlenbären sich zum letzten Schlafe niederliessen. Von diesen Stellen stammen die mehr oder weniger vollständig erhaltenen Skelette des Höhlenbären, deren grösstes heute die Wildkirchli- sammlung im Heimatmuseum der Stadt St. Gallen ziert, als erster und bis heute einziger Beleg dieser Riesenraubtiergestalt aus schweizerischen Landen. Die Fundstätte dieses Skelettes bildete ein förmliches Grab von auf natürliche Weise zu Tode gekommenen Höhlenbären (Bärengrab). Freilich dürfen wir, wie ich das an einem anderen Orte ausgeführt habe, auch im Wildkirchli keine gleichzeitige Bewohnt- heit der Höhle durch den Bär und den Menschen annehmen, da diese beiden schon damals auf recht gespanntem Fusse gestanden hatten und keinerlei Freundschafts-Symbiose kannten. Vielmehr bandelt es sich um ein zeitliches Nacheinander der Höhlenbesiedelung der beiden. Jedesmal, wenn der eine kam, wich ihm der andere klugerweise aus und überliess ihm die Herrschaft über die Höhle. — Im Drachenloche fehlt diese Doppelbesetzung der Höhle durch Bär und Mensch. Dadurch wird das Fundbild aus dem Drachenloche viel einfacher und klarer.
Ein überraschend einheitliches Resultat hat sich aber in den beiden Höhlen darin ergeben, dass dort, wo der Mensch seine Ruhelager, Arbeits- und Beutezerlegungsplätze hatte, durchwegs nur die Knochenüberreste von jüngeren Altersstufen des Höhlenbären sich vorfanden. W. Soergel84 hebt in der Vergleichung einer Anzahl „Bärenhöhlen“ mit Recht den Gegensatz hervor, den Höhlen mit ausschliesslicher Bewohntheit durch den Höhlenbären mit jenen bilden, wo der Bär die Jagdbeute des Urjägers war. Er nennt als besonderes Kriterium der altpaläolithischen Jagd das Vorhandensein einer überwiegenden Prozentzahl jüngerer Individuen und betrachtet dasselbe als sichern Beweis für die Anwesenheit des primitiven Jägers. Zum Vergleiche zieht Soergel z. B. die Bärenreste von Mosbach und Mauer herbei, die ausschliesslich alten (70—80%), ja z. T. sehr alten Individuen angehören. Daselbst fanden sich gar keine Spuren menschlicher Hinterlassenschaft. Ganz anders in der berühmten alten prähistorischen Niederlassung von Taubach bei Weimar, wo mindestens 6O°/o jüngerer Tiere zum Vorschein kamen, die sich bei der Beschaffenheit des Knochenmateriales und dem gleichzeitigen Vorhandensein von menschlichen Werkzeugen (aus dem Acheuléen-Moustérien) als Jagdbeutetiberreste des gleichzeitig lebenden Menschen nachweisen liessen. Aehnliche Verhältnisse sind aus der Höhle Certo vadira (Mähren), in Krapina (Kroatien) und besonders in der Schipkahöhle wie auch aus dem Primitivmoustérien vom Sirgenstein (R. R. Schmidt, Tübingen) bekannt. An letzterem Orte sind alle Bärenreste „kulinarische Abfälle des Paläolithen, dessen Nachstellungen der Höhlenbär in der halberleuchteten Sackgasse dieser Höhle zum Opfer fiel“.
Wohl gibt es auch Höhlen, in denen der höhere Prozentsatz von jüngeren Tieren nicht durch die Jagd des Menschen zu erklären, sondern den Raubzügen der Höhlenhyänen zuzuschreiben ist, die dort zahlreich lebten und die jungen Höhlenbären verschleppten (nach Soergel a. a. O., S. 52 und Eberhard Fraas: Die Höhlen der schwäbischen Alb, 1901). So auch in der Irpfelhöhle. Aber weder im Wildkirchli noch im Drachenloch haben wir mit solchen Verschleppungen zu rechnen, weil an beiden Orten keine Spuren der Höhlenhyäne nachgewiesen w erden konnten.
Nun ist die Zahl der Höhlen, in denen Knochen von Höhlenbären vorkommen, daneben aber Nachweise von der gleichzeitigen Anwesenheit des Menschen fehlen, viel grösser als jene, in denen der Höhlenbär als Jagdtier des Menschen erscheint. Nach Soergel soll das Verhältnis mit 10:90 nicht zu hoch gegriffen sein. Besonders ergiebige Bärenhöhlen waren die Charlottenhöhle bei Hürben, Hohlenstein im Lohnetal, Libellenloch an der Teck, dann die Tischoferhöhle bei Kufstein und das ausgedehnte Höhlensystem von Sloup in Mähren, woher so viele Funde mit Skeletten in den europäischen Museen vorhanden sind.
Diese sind aber durchwegs aus einer grössern Zahl von Einzelindividuen zusammengesetzt. An allen diesen Orten fand man in den Höhlenbärenschichten keine menschlichen Werkzeuge, wenn auch in den obern jüngern Schichten da und dort neolithische Funde zum Vorschein kamen.
In reinen Bärenhöhlen (ohne prähistorischen Inhalt) ergibt sich also meist sehr bald ein klares Bild durch das Vorhandensein ganzer Skelette und zusammengehöriger Skeletteile. Begreiflicherweise lassen sich auch Zerstreuungen feststellen, die durch später in die Höhle eingedrungene Tiere (Bären, Wölfe, Hyänen usw.) bewirkt wurden, die die Knochen benagten. — Max Schlosser (Die Bären- oder Tischoferhöhle im Kaisertal bei Kufstein85 sagt : „Bei der Ausgrabung konnte man wenigstens im mittleren Teile der Höhle fast immer sicher sein, eine Anzahl zusammengehöriger Knochen zu finden, sobald man auf einen Schädel oder auf ein Becken gestossen war. Dann und wann findet man auch hier gebrochene Knochen, namentlich Röhrenknochen der Extremitäten, Schädel u. a., deren Zertrümmerung auf Schlag durch herabfallendes Höhlengestein zurückzuführen ist.“
Das sozusagen ausschliessliche Vorkommen von jungem Altersstadien des Höhlenbären im Drachcnloch (wir haben bis jetzt einen einzigen Eckzahn und ein ganz verdächtiges Bruchstück vom rechten Unterkiefer eines alten Ursus spelaeus gefunden) ist also ein sicherer Hinweis auf die Anwesenheit des Urwildjägers. Hier war, wie andernorts (Wildkirchli), der jüngere Höhlenbär das bevorzugte Jagdobjekt des Menschen. Das ist sehr begreiflich. Die Jagd auf alte Individuen dieses riesenstarken Räubers war eben mit zu grossen Gefahren für den Menschen verbunden, namentlich wenn man die armselige Bewaffnung des damaligen Jägers in Betracht zieht. Trotz den feinen Sinnen, die er zur Beobachtung und Aufspürung des Bären hatte, blieb eben die Jagd auf ihn wie jene auf den heutigen Bären (trotz hoher Vervollkommnung der Schusswaffe) ein furchtbar gefährliches Weidwerk. Viel leichter gestaltete sich aber der Fang der jungen, noch nicht gewitzigten Bären, namentlich in den geschickt angelegten Fallgruben, wie sie heute noch bei Naturvölkern verwendet werden.
Die Forschungen im Drachenloche haben nun in verschiedenen Beziehungen ein interessantes Bild ergeben, das sich weder mit jenem der reinen Bärenhöhlen noch mit denen vollkommen deckt, wo das Knochenmaterial in sehr stark zersplittertem Zustande sich befindet. Wohl haben wir Fundstellen mit einer bis ins kleinste gehenden Zertrümmerung der Knochen, wie in den Mittelpartien der Höhlen II und III, anderseits aber treffen wir an bestimmten Orten auf grosse Massenanhäufungen von Knochen, namentlich Schädeln und Extremitätenknochen im besten Erhaltungszustände, besonders längs den Höhlen wänden und unter den einzelnen Höhlen durchgängen von I zu II und von II zu III.
Mit aller nur wünschbaren Deutlichkeit und Sicherheit liess sich der Nachweis führen, dass wir es hier mit künstlichen, durch den Menschen vorgenommenen Anhäufungen meist ganz erhaltener Tierknochen zu tun haben. Anstatt die Knochen aus der Höhle zu entfernen, hat sie der paläolithische Jäger mit Absicht in derselben magaziniert, wie die Lagerung der Knochen und ihre äussere Umrahmung genügend zeigt. Dabei ist es interessant, festzustellen, wie auf diesen Knochenhaufen meistens unzusammengehörige Skeletteile aufgestapelt wurden. Weiteres werden wir im prähistorischen Abschnitte erfahren.
Während der vorderste Höhlenteil sich als ein relativ sehr fundarmes Areal (aus den schon angeführten Gründen) erwies, fand sich in den beiden ihm folgenden Höhlenteilen nicht ein einziger Bodenquadratmeter vor, der nicht einzelne bis sehr viele Knochenfunde und solche in akkumulativer Lagerung enthielt. Sämtliche Hauptschichten, mit Ausnahme der untersten weissen Lehmschicht, sind Träger teils diluvialer, teils rezenter Fauna. — Letztere beschränkt sich ganz auf die oberste, schwärzliche Mulmschicht, während die eiszeitliche Tierwelt die ganze Mächtigkeit der Schichten II bis V in Beschlag nimmt. Lassen wir nun die Reihe der bis jetzt aufgefundenen und sicher bestimmten Tierarten kurz an unserem Auge vorbeigehen.
Die Tierarten des Drachenloches und seiner Umgebung.
In dieser mehr zusammenfassenden vorläufigen Arbeit über die Ergebnisse der Drachenlochforschung kann es sich selbstredend nicht um eine osteologische Kleinbeschreibung handeln. Es ist das die Aufgabe der rein wissenschaftlich angelegten Hauptarbeit, die erst dann in Bearbeitung genommen werden kann, wenn das gesamte Fundmaterial aus dem Drachenloch vorliegt und dasselbe bis in alle Details studiert ist. Den Hauptteil sowohl in faunistischer wie in prähistorischer Hinsicht haben übrigens gerade die Ausgrabungen des eben verflossenen Sommers (1921) geliefert. Dieses Material harrt noch der eingehenden Registrierung und genauem Beschreibung. — Wir beschränken uns daher auf die Darstellung des Hauptsächlichsten für eine allgemeine Orientierung.
I. Die heutige Tierwelt im Drachenloch und in seiner Umgebung.
Bevor wir auf die Liste der im Drachenloche aufgefundenen Tierarten eintreten, erwähnen wir zum Vergleiche rasch diejenigen grösseren Tierarten, die heute noch die Umgebung des Drachenloches und die Höhle selber beleben. Natürlich handelt es sich um eine ausgesprochen alpine Fauna,
Von den grösseren Säugetieren, die einst auch das Tamina- Calfeisental besiedelten, sind der braune Bär (Ursus arctos)86, der Wolf, das Wildschwein der Luchs, die Wildkatze, der Steinbock, und von den grösseren Vögeln der Lämmergeier87 schon seit mehr denn einem Jahrhundert dank der Verfolgung durch den Menschen ausgestorben. Das gleiche gilt auch vom Edelhirsch, der aber neuerdings durch seine Wiedereinbürgerung im Kanton Graubünden dann und wann, selbst in den letzten Jahren, sich in das Tal von Kunkels und in das Calfeisental verirrt hat. Im Jahre 1911 fand in dem westlich vom Calfeisental gelegenen Weisstannental (Lavtina-Marchstein-Hühnerspitz) die Einsetzung von blutreinem Steinwild aus dem Wildpark Peter und Paul bei St. Gallen statt. Diese Kolonie hat sich seither in natürlicher Weise auf die Zahl von zirka 40 Stück vermehrt und gedeiht vortrefflich.88 Einer der Steinböcke hat sich im Jahre 1915 in die auf der nördlichen Seite des Vättnerkopfes gelegene Alp Calvina begeben, ist aber im gleichen Herbste wieder ins Aussetzungsgebiet übergewechselt.
Zu den heute noch im Gebiete lebenden Grosstieren gehören in erster Linie die in den Grauen Hörnern durch Wildbann staatlich geschützte Gemse, deren Vermehrung von Jahr zu Jahr in erfreulicher Weise zunimmt, sodann das Reh, das mehr der Talsohle angehört. Fuchs, Dachs, Edelmarder, Baummarder, Iltis, Eichhörnchen und Feldhase sind immer noch wohlverbreitet. Hermelin, Schneewiesel,89 Siebenschläfer vertreten die Kleinsäugetierwelt.
Murmeltier und Schneehase halten sich ausschliesslich an die alpine Region, desgleichen die Schneemaus und die Alpenspitsmaus.
Von den alpinen Vögeln behauptet sein Reich noch unbestritten der herrliche Steinadler, dessen nähere Bekanntschaft wir bei unsern Bergfahrten fast alle Tage zu machen Gelegenheit bekamen, da er in der Nähe von Vättis noch Horstvogel ist und sein scharfes Auge auf die Schafherden des Gelbberges gerichtet hält. Im Bereiche der alpinen Höhenluft treffen wir: Alpendohle (die Alpenkrähe ist ausgestorben), Alpenmauerläufer, Alpenbraunelle, Schneefink, Schneehuhn, die unsere ständigen Besucher am Drachenberge sind. Kolkrabe, Rakenkrähe, Habicht, Turm- und Lerchenfalke, Sperber und Hühnerhabicht sowie der Mäusebussard erheben sich ebenfalls bis zur Höhe des Drachenberges. Im nahen Alpenwalde hausen Birkhuhn, Haselhuhn, Ringeltaube und tiefer unten das Auerhuhn.
Als vierfüssiger Höhlenbewohner90 unserer Zeit kommt einzig die Schneemaus (Arvicola = Microtus nivalis Mart.)91 in Betracht. Zu Beginn unserer Grabungen war sie in einer ganzen Anzahl in den innern Höhlenteilen vorhanden, benahm sich anfangs sehr zutraulich, benagte und verschleppte Zeitungspapier, Papiersäcke u. a., fand es dann aber für sicherer, aus dem Bereiche des Homo sapiens zu verschwinden, tauchte dann und wann wieder auf, wie diesen Sommer, doch nur auf kurze Zeit. Lange habe ich mich gewundert, was denn eigentlich dieses niedliche Tierchen, das wir sonst als guten Freund bei unsern Arbeiten betrachteten, in der Höhle zu schaffen habe. Eines Tages klärte sich das Geheimnis auf, da es sich herausstellte, dass dieser Nager eine spezifische Vorliebe für unsere prähistorischen Knochen hatte. Das kluge Wesen suchte mittelst tiefer Röhren, das es in den Bodenschutt grub, die Massenanhäufungen von Knochen in den Höhlenbärenschichten auf und benagte sic ausgiebig. So haben wir einen Bärenunterkiefer, dessen rechter Gelenkfortsatz vollkommen von diesem Tierchen weggenagt ist, und der Jochbogen eines Höhlenbärenschädels zeigt unverkennbare Spuren der Ziseliertätigkeit durch Nagc- tierzähnc. — Ja diese Schneemaus ist uns sogar zum Kompass geworden beim Aufsuchen von Massenknochenlagern in der Tiefe, die sie uns jedesmal durch die im Profil sichtbaren Wühlgänge erraten liess, denen wir dann einfach nachzugraben hatten. — Die Schneemaus — eine getreue Gehilfin und Wegleiterin der prähistorischen Forscher!
Wie kaum anders zu erwarten ist, halten sich selbst in dieser Höhle auch Fledermäuse (Chiroptera) auf. Das erweist sich namentlich aus den Ablagerungen ihrer „Losung“ auf verborgenen Gesteins- gesimsen. Nach Exemplaren, die ich flattern sah, handelt cs sich wahrscheinlich nur um eine Art, die Alpenfledermaus (Vcsperugo maurus L.). Ich beobachtete stets deutlich die goldglänzenden Haare ihrer Körperoberfläche.
Dass Alpenbraunellen oder Flühvögel, sowie Alpendohlen die Höhlen gerne als Nist- und Aufenthaltsort bei schlimmem Wetter oder zur Nachtzeit benützen, ist eine bekannte Tatsache. Ja für die letzteren war es geradezu eine grosse Beleidigung, dass wir von ihrem Wohnsitze während des Tages Beschlag nahmen. Vielfach erschienen sie mit lautem Gezeter vor dem Höhlentore, um uns auf unsere Unbo.t- mässigkeit aufmerksam zu machen. Ausgerupfte Federn und Fäkalien dieser Tiere belehrten uns aber jeweilen, dass sie über Nacht von ihrem angestammten Rechte der Behausung der Höhle wieder Gebrauch gemacht hatten. — Oefters vernahmen wir nachts von der Gelbberghütte aus den Spektakel der Alpendohlen in der Höhle, die sich um die Ruheplätze zankten. — Welch herrliches Bild aber bot sich uns, wenn bei den Mittagsrasten draussen auf den sonnigen Rasenplätzchen vor der Höhle der wundervoll gefiederte, fast wie ein farbiges Märchen erscheinende Alpenmauerläufer an der gelblich-rötlichen Drachenbergfelswand sein schmetterlingartiges Flugspiel entfaltete und immer emsig in alle Ritzen den langen feinen Schnabel nach Insekten und Larven gleiten liess. — Mit ihm im Fluge wetteiferten stets drei Pärchen einer Schmetterlingsart, des Kleinen Fuchses (Vanessa urticae). Das vollständige Verzeichnis der in der Drachenhöhle wohnenden Klein- tiere wird unsere Monographie bringen. Von Schmetterlingen nenne ich einzig um der hohen Verbreitungslage willen den auch im Wild- kirchli vorhandenen düstergefärbten, aber glänzend bronzefarbigen Wegdornspanner (Triphosa dubitata L.). Beim Fang dieses an der etwas feuchten Felswand der Höhle III ruhenden Tieres waren seine Flügel mit feinsten Wasserperlen besetzt und glitzerten im Azetylenlichte aufs wundervollste. Nach J. Müller-Rutz (in K. Vorbrodt und J. Müller-Rutz, Schmetterlinge der Schweiz, II., 47) kommt dieser Spanner wie sein nächster Verwandter Triphosa sabaudiata bis in Höhen von 1800 m vor. Beide Arten sind zeitweise Höhlenbewohner, namentlich für die Ueberwinterung. Hier überschreitet T. dubitata die bis jetzt bekannte obere Grenze um nahezu 700 in. Das Tier wurde am 14. August 1921 gefangen.92
Eine grosse Ueberraschung bereitete mir diesen Sommer die Entdeckung der von mir zum ersten Male in alpinen Höhlen (Wildkirchli) nachgewiesenen Rhizopodenkolonien, welche hauptsächlich den Gattungen Difflugia und Arcella angehören. An der etwas feuchten Nordfelswand der Höhle III befinden sich, wie in der Kellerhöhle des Wildkirchli, Massen jener merkwürdigen, halbkugeligen, grauen bis dunkelbraunen, 1—1,5 cm grossen, weichen Tupfen, die wie Warzen auf dem Gestein aussehen und mit dem Finger leicht zerrieben werden können. — Bei genügender Feuchtigkeit vereinigen sich diese winzigen mikroskopischen Geschöpfe zu den halbkugeligen Riesenkolonien, zu einer sozialen Vereinigung grössten Stiles auf kleinem Raume. Wird der Höhlenfelsen trocken, so verändern sich die halbkugeligen Gebilde. Sie werden halbmondförmig, wurmartig, mäandrisch, verästelt, weil die Tierchen auf die Suche nach Feuchtigkeit ausgehen. Längere Zeit können sie in halbvertrocknetem Zustande aushalten, vereinigen sich aber rasch wieder, wenn die Felswand feucht wird. Beim Aufbau der Halbkugelgestalt ihrer Kolonien verwenden sie den kohlensauren Kalk des Höhlenwandgesteins, das sie wahrscheinlich chemisch aufzulösen vermögen.
Wenden wir uns nun zu den durch unsere Ausgrabungen im Drachenloche zutage geförderten Tierarten, soweit dieselben bis jetzt bestimmt worden sind.
II. Die Höhlenfauna der obersten schwärzlichen Mulmschicht.
Da diese Schicht nicht in die Reihe der eigentlichen paläontologischen Fundschichten gehört und daher als Trägerin einer rezenten Tierwelt auftritt, mag sie hier besonders behandelt werden. — Wie schon erwähnt wurde, ist sie in historischer Zeit mehrfach durch Aufwühlungen gestört worden, so dass auf und in ihr auch Reste der vorhistorischen Zeit liegen. Ausser den Massen von Fäkalien der Alpendohlen, eingeschleppten Moos- und andern Pflanzenresten finden wir Knochen von Fledermäusen, Alpendohlen, Flühlerchen, Schneemäusen überall und namentlich längs den Höhlenwänden zerstreut in wirrem Durcheinander. Ganz besonders auffallend sind die an den Höhlenwandrändern in Unmenge angehäuften leeren Schneckenschalen von Helix (Arianta) arbustorum L. var. alpicola, einer unserer bekannten gelben und braun gebänderten Gartenschnirkelschnecke verwandten Art. Ich habe aber bis heute kein einziges lebendes Exemplar derselben in der Höhle angetroffen, so dass es sich hier sicher um eine Einschleppung durch Vögel handelt. Tatsächlich haben wir den Urheber derselben nicht weit zu suchen. Denn die geschwätzige Alpendohle verrät sich selber. Von ihr ist bekannt,93 dass sie neben Insekten, Würmern, Beeren aller Art, ja selbst kleinen Vögeln (denen sic das Gehirn anpickt), eine besondere Vorliebe für kleinere Schneckenarten, geschalte und ungeschälte, hat. Mit ihrem Schnabel versteht sie die Weichtiere aus dem Gehäuse herauszukriegen, wobei sie oftmals selbst die Schale mitverschluckt. Ein grosser Teil dieser im Drachenloche vorkommenden Schneckengehäuse sind denn auch durchlöchert. — Neben dieser Helixschnecke finden wir ferner Vertreter der Tönnchenschnecken (Pupa), von Balea und Clausilia, deren Arten noch zu bestimmen sind. Sie sind jedenfalls Bewohner der Höhle, da auch lebende Individuen anzutreffen sind. Lebend fand sich zudem eine kaum 3 cm lange bleiche Nacktschnecke (Limax arborum?).
Merkwürdigerweise kommen im Höhlenschutte der obersten wie auch der andern Schichten sozusagen keine Würmer (Lumbriciden) vor; bis jetzt ist uns nur ein einziges Stück begegnet. — Auf der Oberfläche der ersten Schicht in der zweiten Höhle lagen mehrere Unterkiefer der Hausziege und des Hausschafes. Diese müssen durch den Menschen (Besucher des Drachenloches) eingeschleppt worden sein, da ein Eindringen dieser Tiere durch den ehemaligen Engpass von Höhle I zu II kaum anzunehmen ist.
Als sehr auffallende Tatsache ist das gänzliche Fehlen vom Bär und Wolf und andern jetzt noch im Gebiete lebenden Tieren zu verzeichnen, ein Beweis dafür, dass die Drachenlochhöhle in historischer Zeit grösseren Tieren, wie namentlich etwa dem braunen Bären, nicht zum letzten Schlafe diente.
III. Die Höhlenfauna der prähistorischen Fundschichten.
Da dieselbe erst nach Abschluss der Grabungen im Drachenloche eine eingehende wissenschaftliche Beschreibung erfährt, beschränken wir uns hier auf die kurze Aufzählung der bis jetzt sicher bestimmten Tierarten, nebst den wichtigsten Fundangaben, sowie auf einige allgemeine Betrachtungen.
1. Der Höhlenbär (Ursus spelaeus Blum).
Er behält die Hauptregentschaft innerhalb sämtlicher prähistorischer Horizonte von der III. bis und mit der V. Schicht, denn 99,5 % sämtlicher Knochenfunde, ausgenommen in der Schicht II, stammen von ihm. Es ist das nämliche Bild, wie es das Wildkirchli darbietet. Dabei übertrifft aber das Drachenloch die genannte prähistorische Stätte mit Bezug auf die Reichhaltigkeit vollständiger und sehr gut erhaltener Fundobjekte. Der Grund hiefür liegt einerseits in der durch den Höhlenmenschen absichtlich vorgenommenen Massenanhäufung an gut geschützten Höhlenstellen und innerhalb besonders errichteter, aus Steinplatten aufgesetzten Mäuerchen und Einfassungen (Jagdbeutekultus!), anderseits in der relativen Trockenheit und Lockerheit der Bodenauffüllungsschichten, die aber doch einen hermetischen Abschluss des Knochenmateriales nach der Aussenluft hin bildeten.
Wie schon erwähnt, wurden äusser zwei einzigen Funden (Einschleppung!) durchwegs nur Skeletteile von jüngern Altersstufen des Höhlenbären aufgefunden; es sind bis jetzt kein einziger Schädel oder Kieferteile und Extremitätenknochen von ganz alten Individuen zum Vorschein gekommen; es fehlen auch stark abgekaute Backenzähne oder „abgelutschte“ Eckzähne, wie deren so viele vom Wildkirchli her bekannt sind. — Ueberall an Schädeln, Kiefern und Einzelstücken von Zähnen verschiedenster Art sind die Kauflächen der Backenzähne noch mit den bekannten Höckern versehen.
Was die gesamte Ausbeute an Ueberresten des Höhlenbären besonders wertvoll macht, ist der Umstand, dass wir im Drachenloche sozusagen eine vollständige Serie der Entwicklungsstufen und Wachstumsstadien des Höhlenbären, vom Neugeborenen bis zum zweijährigen „Pestunen“94 und bis zum ausgewachsenen, etwa 7—8 jährigen „Vollbär“, der schon fortpflanzungsfähig war, haben. Einige Funde weisen auf ungeborene, embryonale Tiere hin, die mit der erbeuteten Mutter in die Höhle gekommen sind. Das jugendliche Alter ergibt sich ausser in einer Reihe von über 100 Kieferstücken mit vollkommener Bezahnung namentlich auch aus den Extremitätenknochen, deren Epiphysen noch nicht verwachsen sind und bei den Ausgrabungen sich stets abtrennen, ebenso aus den Wirbeln der Rückensäule, bei denen die einzelnen, später verwachsenden Bestandteile stets auseinanderfallen. Die grosse Fundreihe der Kiefer, namentlich Unterkiefer, lässt einen genauen Einblick in die ganze Entwickelung des Höhlenbären-Gebisses zu. Die Schädel der jüngsten Altersstadien zeichnen sich namentlich durch ihre starke Rundung und das mächtige Ueberwiegen des eigentlichen Schädelteils gegenüber der Gesichtspartie aus; es sind ausserordentlich zierliche Formen. Bei der Vergleichung der Schädelformen der etwas älteren und z. T. erwachsenen Höhlenbären tritt uns eine grosse Variationsfähigkeit dieses Skelettteiles entgegen, wie sie bei kaum einem andern Tiere so ausgeprägt erscheint. In meiner speziellen osteologischen Bearbeitung der Drachenlochtierfunde wird uns diese Erscheinung zahlenmässig beschäftigen.
Ausser den bekannten Unterschieden in der Beschaffenheit und Form des Schädels, namentlich des Stirnteiles im männlichen und weiblichen Geschlechte (das Männchen mit hochgewölbter, das Weibchen mit flacherer Stirne), beobachten wir eine ganze Anzahl der verschiedensten „Physiognomien“, besonders auch solche mit tiefeingesenkter Stirne (Mitte). Diese ungemein reiche Variation der Schädelformen, aber auch der übrigen Skelettknochen des Höhlenbären hat bekanntlich einige Forscher dazu geführt, eine ganze Anzahl von Ursus spelaeus Rassen und Abarten, ja sogar verschiedene Arten aufzustellen. Max Schlosser (Die Tischoferhöhle) hat mit Recht auf das Unzulässige dieser zu extremen Artzerteilung hingewiesen und gezeigt, innerhalb welch grosser Dimensionen die Variationsgrenzen von Ursus spelaeus sich bewegen. Nach Schlosser kann der Unterschied bei einer Reduktion des Maximums der Grössen in ein und derselben Dimension bei ein und derselben Spezies bis auf mehr denn ein Viertel betragen. — Es hätte also keinen Sinn, unsere Drachenloch-Höhlenbären weiter zu zerspalten, da fast jeder Schädel einen eigenen „Ausdruck“ besitzt. Diese Variationsfähigkeit ist übrigens auch von Ursus arctos, dem gemeinen braunen Bären, den Zoologen bekannt, was manche verleitet hat, auch bei dieser Spezies viele Unterarten zu „konstruieren“.95
Auf eine statistische Aufzählung der vom Höhlenbären im Drachen- loch gefundenen Einzelstücke aller Knochenarten darf hier füglich verzichtet werden, da dies Sache der Spezialpublikation ist. Es sei einzig darauf hingewiesen, dass die Zahl der Schädel bis heute 50 übersteigt, wovon etwa 10 in tadellosem Zustande sich befinden und ein prächtiges Messmaterial für die Spezialuntersuchungen liefern. Einen der Schädel haben wir in Abbildung 17 wiedergegeben. Derselbe fiel uns gleichsam nur in die Hände aus einem sehr lockeren Massengrab von Bären, das der Höhlenmensch angelegt hatte. Er bedurfte keiner besondern Präparation, sondern wurde einfach kurz abgewaschen mit kaltem Wasser und danach am Schatten getrocknet. Seine Hauptmasse sind folgende:
| Gesamtlänge des Schädels (in gerader Strecke gemessen) | = 45,3 cm |
|---|---|
| Grösste Breite des Schädels (in gerader Strecke gemessen) | = 27,5 cm |
| Höchste Höhe des Schädels (samt Unterkiefer) | = 29,0 cm |
| Länge des Unterkiefers | = 32,8 cm |
Da dieser Schädel der grösste ist von allen im Drachenloch gefundenen, so ergibt sich bei seiner Vergleichung mit dem grössten aus dem Wildkirchli (ein ganz altes Individuum mit total abgekauten Backenzähnen), dessen Totallänge = 53, die Schädelbreite (äusserer Jochbogenabstand) = 30 cm ist, ein bedeutender Unterschied. Der Schädel vom Drachenloch gehört einem eben erwachsenen Höhlenbären an; seine Backenzähne besitzen noch die vollkommenen Höcker und unebenen Kauflächen. Er hat eine überaus schöne, grazile Form und trägt das unverkennbare Merkzeichen des Männchens. (Hohe gewölbte Stirne, „front bombé“.) Gegenüber den Ursus spelaeus- Schädeln vom Wildkirchli fällt eine charakteristische Kurzschnauzig- keit jener vom Drachenloche sofort in die Augen (örtliche Variation?, wie dies auch vom Steinbock bekannt ist).
Neben den vollständig erhaltenen Drachenloch-Höhlenbärenschädeln gibt es eine ganze Anzahl von solchen, die teilweise in der Schuttauffüllung der Höhle der Zersetzung anheimgefallen sind, besonders in den tiefer gelegenen Schichten (V). Wieder andere haben ein geschlagene Schädelknochen, Löcher, abgehobene Oberteile usw., deren Verursachung nicht oder nur zum Teil der Natur, sondern eher der Hand des Menschen zugeschrieben werden müssen.
Zu den Seltenheiten unserer Funde dürfen wir das nahezu vollständige Skelett eines vielleicht nur mehrere Monate alten kleinen Höhlenbären rechnen, das in der III. Höhle in der III. Schicht zum Vorschein kam und zwar in wunderbarer Erhaltung der Einzelknochen. Das ist der einzige mehr oder weniger zusammenhängende Skelettfund, da, wie schon erwähnt, das übrige Material nur ganz selten Stücke von gleichen Individuen aufweist. Wie dieses Bärchen da hereingekommen ist und dorthin zu liegen kam, bleibt natürlich ein ewiges Rätsel. Das Skelett zeigt keinerlei Zeichen der Verletzung, alles lag in gehöriger Ordnung beisammen. Ob es sich um eine Beute des Höhlenbärenjägers handelt, die er hineinschleppte und sie dann zu verspeisen vergass? Ein natürlicher Tod dieses Jungen lässt sich wohl kaum annehmen.
Äusser der grossen Reihe von Kieferstücken, unter denen sich viele befinden, die auch den Zahnwechsel verfolgen lassen, und das Milchgebiss in seiner Vollendung aufweisen, ist die enorme Zahl der Extremitätenknochen, die ebenfalls in allen Altersstadien, vom jüngsten bis zum ausgewachsenen Bären, vorhanden sind, für die Variationsstatistik von Ursus spelaeus von hohem Werte. Der grösste Teil dieser Gliedmassenknochen lässt überall die beginnende Verwachsung der Gelenkenden (Epiphysen) oder deren noch vorhandene Trennung erkennen.
Trotz dem Mangel an zusammengehörigen Skeletteilen und ganzen Skeletten finden sich im Drachenloche doch alle dem Bärenknochengerüste angehörigen Einzelteile, also auch Rippen, Wirbel, Fuss- und Fingerknochen, Hüftbeine, Schulterblätter, Kniescheiben, Wadenbeine. Namentlich die letzteren kommen in auffallender Zahl vor. Neben den ganz erhaltenen Knochen gibt es auch viele gebrochene, wobei aber wiederum zum grössten Teil nicht die Natur oder Tiere deren Bruch oder Zersplitterung bewirkten, sondern der Mensch der Höhlenzeit. Wir haben eine grosse Zahl namentlich von Oberschenkel- und Oberarmknochen, an denen der künstliche Bruch nachweisbar ist. Desgleichen an Wadenbeinen. Eine ganze Sammlung gebrochener Unterkieferstücke, wobei nur der vordere Teil erhalten blieb, ebenso gebrochener Hüftbeine, an denen nur der die Gelenkpfanne für den Kopf des Oberschenkels aufnehmende Teil sich vorfand, legt den Beweis für menschliche Tätigkeit ab.
Wir hatten unser besonderes Augenmerk auch auf Beweise für Knochenfrass von Tieren, d. h. eine postmortale Benagung von Knochen durch später in die Höhle gelangte Raubtiere, gelegt. Während das Wildkirchli eine Menge solcher Belege zeitigte, kennen wir im Drachenloche bis heute nicht einen einzigen Knochen, der etwa Bissspuren von Bären aufweist. Nur solche von Nagetieren, also der Schneemaus, deren knochenzerstörende Tätigkeit wir kennen lernten.
Nach vorgenommenen Zählungen an dem bis heute im Drachenloche ausgehobenen Knochenmaterial des Höhlenbären, das ausser den Schädeln schon mehr denn 100 Schubladen von 60X60 cm und 20 cm Höhe anfüllt, kann die Zahl der bis jetzt nachgewiesenen Ursus spelaeus-Individuen auf gut 600 Stück angesetzt werden. Sie wird sich nach Abschluss der Grabungen noch wesentlich vermehren.
Den Erhaltungszustand der Knochen haben wir bereits in der Schilderung der Fundprofile und Fundschichten berührt. Je tiefer wir in die untern Schichten gelangen, desto brüchiger, morscher wird das Material. Gänzlich versinterte oder zu harten Breccien gedrückte Knochen sind uns bis jetzt nicht begegnet, wie das im Wildkirchli der Fall war. Immerhin haben die Knochen der untern Schichten stellenweise kohlensauren Kalk in sich aufgenommen oder sind mit einer leichten Sinterschicht bedeckt, die für die Knochen im ganzen konservierend wirkt. Stellenweise aber ist das Knochenmaterial so weich und brüchig, dass es bei der geringsten Berührung in sich selbst zerfällt. In den höher gelegenen Horizonten (Schicht III und II) dagegen ist dasselbe in so vorzüglichem Zustande, dass man es ohne Mühe und Gefahr für die Funde, selbst grosse Röhrenknochen, mit der Hand herausheben kann. Sie sind oft von so grosser Frische, dass man glauben könnte, sie wären erst vor wenigen Jahren hier abgelegt worden.
Eigentliche Fundgruben des Höhlenbären sind nun aber die schon mehrfach erwähnten absichtlichen Massenanhäufungen von Knochen durch den prähistorischen Menschen, deren Bedeutung wir im nächsten Abschnitt kennen lernen werden. Es handelt sich hier aber nicht um Ablagerung ganzer Knochengerüste, sondern durchwegs nur um einzelne vom Menschen besonders bevorzugte und ausgelesene Skelettteile, die zum grössten Teile verschiedenen Bären angehören. Eben an diesen Magazinierungsplätzen finden sich denn infolge des guten Abschlusses der Knochen durch besondere Steinbauten des Menschen die über Erwarten gut erhaltenen üeberreste des Höhlenbären. Für diese Tatsache können wir wohl keinen schönem und schlagenderen Beweis erbringen als durch die Vorführung eines Höhlenbärenschädels, der in solcher Lage gefunden wurde und den wir, gereizt durch den tadellosen Zustand seiner Knochensubstanz, mitten durchgesägt haben (Sagittalschnitt), um die Struktur des Schädelinneren kennen zu lernen. Die Länge des Schädels misst 44,3, die Breite 25,8, die Höhe (ohne Unterkiefer) 17,5 cm. — Da bot sich uns ein geradezu überraschend schönes und lehrreiches Bild, das seither die allgemeine Bewunderung der Zoologen erregt. In unserer Abbildung 18 haben wir zwei solcher sagittal durchgesägter Schädel dargestellt, der eine, kleinere vom gemeinen braunen Bären (ürsus arctos L.) rezent aus Russland, der andere von dem eben erwähnten Funde im Drachenloch. Obschon diese Stücke tausende von Jahren zeitlich auseinanderliegen, sehen wir in der Erhaltung selbst der kleinsten Strukturteile keinen Unterschied, ja es scheint als ob die Einzelheiten derselben beim Höhlenbärenschädel noch viel klarer und deutlicher zum Ausdruck gelangen. Es ist ein Prachtstück für eine genauere gehirnanatomische Untersuchung von Ursus spelaeus. In wunderbarem Erhaltungszustande tritt uns besonders der ganze mächtige Riechapparat dieses Tieres entgegen. Unser Staunen erregen namentlich die Nasenmuscheln (Conchae), deren Bau bis in die allerfeinsten Details noch erkennbar ist. — Besser als in langen Beschreibungen verstehen wir da, dass der Höhlenbär, wie übrigens sein Verwandter, der gemeine Bär, ein ausgesprochenes „Nasentier“, mit feinstem Geruchsinn („Witterung“) ausgerüstet, war. — Eine Vergleichung der beiden Arten mit Bezug auf Gross- und Kleinhirn Umfang und Gestalt kann uns vielleicht weitere Anhaltspunkte über die seelische Beschaffenheit derselben liefern.
Wie in den künstlich aufgestapelten Knochenlagern von Ursus spelaeus, so ergibt sich auch an den übrigen Fundplätzen die Tatsache, dass in überwiegender Zahl stets nur Teilstücke von Bärenskeletten auftreten. So gewinnt es ganz den Anschein, dass, wie in andern Bärenhöhlen, wo der Mensch die Beute einschleppte, derselbe auch hier selten die ganze Bärenbeute zu der hoch gelegenen Höhle hinauftrug, sondern dieselbe am Fangorte bzw. an einer tiefer gelegenen sicheren Stelle zerteilte und nur ausgelesene Stücke in seine Felsenwohnung brachte.
Auf einen besondern Umstand ist an dieser Stelle noch aufmerksam zu machen. Sehr viele Bärenhöhlen, so besonders die württembergischen, besitzen ein hervorstechendes Charakteristikum im Auftreten sehr vieler krankhafter Skeletteile des Höhlenbären. Sie werden als eine Folge der Höhlenfeuchtigkeit gedeutet, die bei den Höhlentieren die bekannte „Höhlengicht“ erzeugte und damit die krankhafte Ausbildung der Knochen (Arthritis deformans, Exostosen usw.). Im Wildkirchli haben wir nur ganz wenige Belege derartiger Knochenerkrankungen und Missbildungen infolge „Höhlengicht“ gefunden (etwa 10 Stück unter dem riesigen Knochenmaterial). Unter den noch viel reicheren Knochenschätzen des Drachenloches konnten wir bis heute einen einzigen krankhaften Knochen (Mittelhandknochen) feststellen.
2. Ursus arctos subfossilis Midd.
Der Zoologe Goldfuss (1821) hat von Ursus spelaeus (Höhlenbär) eine Form abgetrennt, die er wegen der Ausbildung des Gebisses und des Schädels und des Vorhandenseins eines Lückenzahnes hinter dem Eckzahn Ursus priscus G. Cuv. benannte. Owen machte dann zuerst auf die Verwandtschaft dieses Ursus priscus mit dem gemeinen braunen Bären (Ursus arctos L.) aufmerksam, und Middendorf erklärte Ursus priscus als identisch mit Ursus arctos und nannte ihn Ursus arctos subfossilis, zum Unterschiede von Ursus arctos fossilis, der in den obersten Schichten von Bärenhöhlen an einigen Orten gefunden wurde.96
Auch die schwäbischen Natur- und Höhlenforscher Oskar und Eberhard Fraas97 führen diese besondere vom Höhlenbär sich unterscheidende Art Ursus arctos subfossilis aus den von ihnen erforschten Bärenhöhlen: Hohlenstein, Hohlenfels, Beilsteinhöhle, Sibyllenhöhle usw. auf. G. Hagmann98 erwähnt dieselbe für Vöklinshofen im Elsass, wobei er als Hauptmerkmal gegenüber dem Höhlenbär die geringe Höhe des Unterkieferastes bezeichnet.
Haben wir in den untern und mittlern Schichten (V—III) des Drachenloches die grosse Formenmannigfaltigkeit und die verschiedensten Stirnabstufungen des Höhlenbären kennen gelernt und dadurch ein reizvolles und wechselndes Bild von seiner Gestaltung bekommen, so war es überraschend, in den obersten Teilen der Schicht III und in der ganzen II. Schicht einer Bärenform zu begegnen, die ganz an jene des gemeinen Bären (Ursus arctos L.) erinnerte. Im ersten Momente hätte man sie leicht mit dem letztgenannten verwechseln können. Die genaue Untersuchung hat nun ergeben, dass es sich hier um die eingangs genannte Art: Ursus arctos subfossilis Midd. handelt, also nicht um eine Jugendform des Höhlenbären oder gar um eine Zwergform desselben. Der Fund eines vollständigen Schädels, der einem erwachsenen Individuum (mit abgekauten Backenzähnen!) angehört, (Länge des Schädels = 34,5, Breite = 18,7, Höhe (ohne Unterkiefer) = 13,2 cm), den wir in Abbildung 19 wiedergeben, weist denselben dieser besonderén Bärenart zu. — Die Fundverhältnisse beweisen auch, dass Ursus arctos subfossilis in der III. Fundschicht noch gleichzeitig mit dem Höhlenbären gelebt haben muss, dass aber, nachdem Ursus spelaeus bereits ausgestorben war, Ursus arctos subfossilis die ganze Schicht II beherrschte, dann ebenfalls vor der Ablagerung der obersten Schicht (I) verschwand.
Mit anderen Forschern halte ich dafür, dass Ursus spelaeus eine eigene Art darstellt, die aber nicht der Vorfahre des Ursus arctos subfossilis in der Abstammungsreihe ist, sondern dass der letztere als direkter Vorgänger und Stammvater des gemeinen braunen Bären (Ursus arctos) betrachtet werden muss. — Ueber die Ursache des Aussterbens des Höhlenbären sind bekanntlich die Akten nicht geschlossen. Einige Autoren, wie Soergel,99 nehmen an, dass der Höhlenbär einzig und allein nur infolge zu hoher Spezialisierung und Höchstausbildung der Art ausgestorben sei, während Steinmann100 das Verschwinden dieses Tieres vielmehr einer Verkleinerung und Verkümmerung des Lebensbezirkes und einer zunehmenden Reduktion der Lebensbedingungen zuschreibt und zudem für das Zurückgehen und Aussterben der grösseren nacheiszeitlichen Säugetiere den Menschen und seine Jagd auf diese Tiere haftbar macht. Gestützt auf meine Erfahrungen im Wildkirchli und im Drachenloche schliesse ich mich Steinmann an. Ein Massenlager von nur durch den Menschen erbeuteter Jagdtiere wie gerade im Drachenloch deutet doch mit aller Klarheit auf einen einschneidenden Eingriff des Menschen in die lebende Tierwelt, eine gewaltige Verminderung derselben durch die menschliche Jagd. Und dies schon zu einer Zeit, wo der Mensch noch die primitivsten Waffen und sogar nur die Jagdmethode der Wildtierfallen besass.
Das vollständige Fehlen von Ueberresten des gemeinen oder braunen Bären (Ursus arctos fossilis) im Drachenloch deckt sich mit den Ergebnissen im Wildkirchli. Dieses Tier lebte während der Zeit der Bildung der Schichten V—II im Drachenloch wahrscheinlich noch nicht oder kam wenigstens sicher nicht in diese Höhle. Aber auch aus noch späteren Zeiten und solchen der eigentlichen menschlichen Historie sind uns keine Belege für den gemeinen Bären weder aus dem Wildkirchli, noch aus dem Drachenloch bekannt geworden.
3. Der gemeine Wolf (Canis lupus L.).
Von dieser Raubtierart erschien bis jetzt ein einziges kleineres Kieferfragment, das aber, sicher erkennbar, auf den Wolf stimmt. Daneben mehrere Wirbel und Extremitätenknochen sowie einzelne Hand- und Fusswurzelknochen. Die Funde lagen in den Schichten III und IV.
4. Der gemeine Fuchs (Canis vulpes L.).
Auch hier nur mehrere Unterkieferfragmente von ausgewachsenen Tieren, ebenfalls mit Zähnen versehen. In Schicht III gelegen.
5. Gemse (Antilope rupicapra L.).
Von diesem auch im Wildkirehli schon vor unsern dortigen Ausgrabungen aufgefundenen und heute hoch in beiden Gebieten lebenden Wiederkäuer besitzen wir aus dem Drachenloche eine ganze Anzahl Knochenreste verschiedenster Art [Unterkiefer. Stücke von Oberkiefern, Extremitätenknochen : Oberschenkelknochen (Femur), Schienbein (Tibia), Ellenbogenbein (Ulna), Speiche (Radius), Oberarmknochen (Humerus), Wirbel, Hand- und Fussknochen, Rippen usw.]. Neben dem Höhlenbären und seinem Verwandten, Ursus arctos subfossilis, ist die Gemse das am meisten vorkommende Säugetier im Drachenloch. Das vollständige Fehlen ganzer Skelette und zusammengehöriger Teile deutet ebenfalls darauf hin, dass die Antilope der Berge schon damals auch Jagdtier des Menschen gewesen ist. In den Schichten V—II vorhanden.
6. Steinbock (Capra ibex L.).
Sein Vorkommen im Drachenloch hat uns kaum gewundert, nachdem er schon in unzweifelhaften Resten auch vom Wildkirehli her bekannt war. Dieselben sind aber im Drachenloch weitaus spärlicher, immerhin besitzen wir guterbaltene Kieferstücke, Wirbel (Epistropheus) und Extremitätenknochen, ebenfalls in unzusammenhängenden Funden aus den Schichten V—II. Das stolzgehörnte Tier muss also im Gebiete längst verschwunden sein, trotzdem dasselbe für den Aufenthalt in demselben wie geschaffen war, wie die Erfahrungen mit dem heute nicht weit vom Drachenloch ausgesetzten Steinwild in den Grauen Hörnern es deutlich beweisen. Funde von Hornschalen wurden in der Höhle nicht gemacht, wahrscheinlich hätten sich dieselben in Anbetracht des Alters dieser Fundstation auch nicht zu erhalten vermocht.
7. Edelmarder (Mustela martes L.).
Ein prächtiger, vollkommener Schädel mit den beiden Unterkiefern aus der II. Schicht, sowie einzelne Extremitätenknochen. Das zweifellose Vorkommen dieses kleinen Räubers hat uns besonders gefreut, weil dessen heutige Höhenverbreitung in den Schweizerbergen nur bis 1800 m angegeben ist.
8. Hermelin (Mustela = Ictis = Putorius erminea) = Grosses Wiesel.
In einem einzigen vollständigen Kiefer (rechter Unterkiefer) und wenigen Extremitätenknochen vorhanden, und zwar in der II. Schicht, also wie der Edelmarder verhältnismässig jung und oberflächlich. Beide Raubtiere sind jedenfalls ohne Zutun des Menschen in die Höhle gekommen. Bei der bekannten Höhenverbreitung bis zu 3000 m, welche das Hermelin zu behaupten vermag, ist sein Vorkommen hier oben gut verständlich.
9. Murmeltier (Arctomys marmotta L.).
Nur in einigen wenigen vereinzelten Nagezähnen und in einem gebrochenen linken Unterkiefer vorgefunden. Dazu gehören wahrscheinlich auch Skelettknochen, die noch unbestimmt sind. In Schicht IV, III und II.
10. Schneehase (Lepus timidus L. = variabilis Pall.).
Auch von diesem Nager mehrere Schneidezähne und Kieferstücke, sowie Körperknochen. In den Schichten III und II geborgen gelegen.
11. Schneemaus (Arvicola nivalis L.).
Hier sind ganze Serien feinster Knöchelchen von ehemals komplett dagelegenen Skeletten samt Schädelchen vorhanden. Sehr interessant ist das Vorkommen dieser Nagerspezies nicht nur etwa in der obersten und zweitobersten Schicht, sondern sogar bis in die vierte hinunter. Die Schneemaus ist demnach ein sehr alter und konstanter Bewohner des Drachenloches, der die Eiszeiten hier oben sehr wahrscheinlich isoliert überdauert hat (Gipfelfauna der Glazialzeit?), ohne zur Abwanderung während der Hochvereisungen in die tiefer gelegenen, unvereisten Gebiete genötigt worden zu sein.101
Eine ganze Menge kleiner Nagetierknochen aus dem Drachenloche harrt noch der fachmännischen Bestimmung. Ich glaube aber kaum, dass es sich um eine andere Art Wühlmaus handeln wird als die Schneemaus.
12. Alpendohle (Pyrrhocorax alpinus L.) und 13. Alpenflühlerche (Accentor alpinus L.).
In einer Unmenge von kleinen und kleinsten Knöchelchen sind diese beiden Vogelarten im Drachenloch vertreten und zwar von der Oberfläche bis in die obern Teile der IV. Schicht.
Ueberblicken wir die hier gegebene Tierliste aus den prähistorischen Horizonten des Drachenloches, so erhalten wir das genaue Abbild einer typischen alpinen Fauna, wie sie angesichts der so ausserordentlichen Höhenlage der Fundstätte zu erwarten war. In der Zahl der Ayten steht sie jener des Wildkirchli ungefähr gleich. Mit Ausnahme der beiden Bärenarten, dem Wolf und dem Steinbock besteht die Tierwelt des Drachenloches aus den nämlichen Arten wie die heutige alpine Fauna. Das spricht selbstverständlich nicht etwa für ein jüngeres Alter dieser höchstgelegenen vorgeschichtlichen Fundstätte.
Da wir uns an den obersten Grenzen der Höhenverbreitung der Tierwelt überhaupt befinden, so ist es einleuchtend, dass die sonst für die Altersbestimmungen von prähistorischen Stationen so wichtigen gewaltigen Vielhufer und Dickhäuter: Mammute (Elephas meridionalis, E. antiquus, E. primigenius), Nashörner (Rhinozeros antiquitatis und Rh. Merckii), Flusspferde (Hippopotamus spez.), dann auch die Pferde (Equidae), die Rinder (Bovidae), ja selbst das Rentier und die grossen Hirsche (Riesenhirsch und Elch) hier oben gänzlich fehlen. Das darum, weil das Verbreitungsgebiet dieser Tiere zu allen Zeiten an tiefer gelegene Gegenden gebunden war.
Im Wildkirchli sind bekanntlich zur grossen Ueberraschung der Forscher auch die Beweise für die Anwesenheit des Höhlenlöwen und des Höhlenpanthers unwiderleglich erbracht worden, deren Reste als seltenste Funde dieser Arten im Heimatmuseum St. Gallen heute noch Staunen erregen. Ich habe bei früherer Gelegenheit darauf hingedeutet, dass diese beiden grossen Katzen, die ja auch kältere Temperaturen zu ertragen vermögen, einfach als Räuber ihren Beutetieren ins Wildkirchli nachgezogen sind und dass daher ihr Auftreten bis in Höhen von 1500—1600 m ü. M. noch vollständig begreiflich ist. — Dass nun aber die genannten beiden Feliden die Höhen des Drachenloches oder nur des Gelbberges (bis 2100 m) zu ersteigen vermochten, hielten wir von vorneherein für ausgeschlossen. Tatsächlich fehlen denn auch jegliche Spuren vom Vorhandensein derselben im Drachenloch.
Selbst wenn wir die Waldgrenze für die prähistorische Zeit des Drachenloches um ein wesentliches höher annehmen, so bleibt eben die vorgeschichtliche Fauna desselben immer eine alpine Waldfauna, in der das Fehlen einer grossen Zahl von Tierspezies das getreue Abbild der natürlichen Artenarmut im Hochgebirge ist, auch wenn die klimatischen Verhältnisse viel günstiger als heute gewesen wären.
Wie im Wildkirchli, so tritt uns in der Drachenlochtierwelt die ausgesprochene Höhlenbärenzeit („l’époque de l’ours de caverne“ nach Lartet) in ihrer vollen Entfaltung entgegen. Wohl präsentieren die Höhlenfunde nie die gesamte Tierwelt (Fauna), die zu irgend welchen Zeiten die Umgebung einer Höhle besiedelt hatte, da manche Tiere weder als Jagdbeute des Menschen noch als Bewohner in dieselbe hineingekommen sind. Was wir aber heute vom Drachenloch kennen, deutet darauf hin, dass zur Zeit seiner Besiedelung durch den Menschen eine an Individuen reiche Tierwelt in der Gegend gehaust hat. In dieser alpinen Fauna haben der Höhlenbär und sein jüngerer Verwandter, der Vorläufer des gemeinen braunen Bären, die Herrschaft behauptet. Gerade darum sind sie auch das gesuchteste Jagdwild des vorzeitlichen Menschen geworden, in dessen Fang und Erlegung er eine grosse Geschicklichkeit bekundete. Nur so können wir uns die Massenfunde, die hier oben gemacht wurden, erklären.
X. Die prähistorischen Funde im Drachenloch als Beweis für die Bewohntheit der Höhle durch den altsteinzeitlichen Menschen.
In verschiedenen Abschnitten dieser Schrift über das Drachenloch sind Andeutungen dafür gemacht worden, dass diese Höhle und ihre Umgebung in die Reihe der ältesten vorgeschichtlichen Siedelungen des Schweizerlandes getreten sei. Unter Berücksichtigung vorzeitlicher Verhältnisse, ja sogar jener, wie sie in der alpinen Tierwelt noch vor wenigen Jahrhunderten im Gebiete des Drachenloches bestanden haben, war es den Vertretern der zoologischen Wissenschaft begreiflich, dass selbst diese so hoch gelegene Höhle schon wegen ihres Zuganges und der leichten Wegsamkeit für Tiere, besonders für höhlenliebende Arten, ein geeigneter Zufluchtsort auch vor dem Erscheinen des geschichtlichen Menschen im Calfeisentale hätte sein können. Obschon die Höhle schon lange bekannt war, dachte freilich niemand im Ernste daran, mit wissenschaftlicher Wissbegier an die systematische Erforschung derselben zu gehen. Erst die intuitive Art, wie Herr Lehrer Theophil Nigg in Vättis zur Entdeckung der Höhlenbärenknochen gelangte, gab den Anstoss zu den Untersuchungen, deren Ergebnisse heute nach 4 Jahren für die schweizerische und die allgemeine Urgeschichte so ungeahnte Folgerungen in sich bergen.
War für dieselbe schon der Nachweis, dass der Mensch der Altsteinzeit lange vor der Besiedelung des Kesslerloches und Schweizersbildes während einer Zwischeneiszeit das alpine Gebiet unseres Vaterlandes im Wildkirchli in Beschlag genommen hatte, eine volle Neuerkenntnis, so musste die Tatsache einer gleichzeitigen Bewohntheit noch viel höherer und weitab in alpiner Einsamkeit gelegener Gebiete einer noch grösseren Umgestaltung unserer bisherigen Begriffe von den allerältesten Siedelungen unseres Landes rufen. — Im Grunde genommen und im Lichte der Tatsachen betrachtet, bedeutet aber die Entdeckung des Drachenloches nur eine sprunghafte Erweiterung der Ergebnisse vom Wildkirchli. Gleich wie bei den früheren Auffassungen über die einstigen Gebirgsbewegungen, so müssen wir auch in der Vorgeschichte mit grösseren Distanzen und Bewegungen zu rechnen beginnen. Das Drachenloch wird den Anstoss geben, dass in Zukunft unsern alpinen Höhlen grössere Aufmerksamkeit gewidmet wird, da es nun erwiesen ist, dass der Urwildjäger auch im Gebirge vor keinen Entfernungen zurückgeschreckt ist, wenn ihm durch die Natur die Lebensbedingungen gegeben waren.
Es darf hier mit aller Offenheit gesagt werden, dass der Verfasser dieser Schrift, als Leiter der Ausgrabungen, mit der nämlichen von der Wissenschaft geforderten Vorsicht, wie sie bei der Wildkirchli-
forschung gehandhabt wurde, an die Deutung der Fundtatsachen im Drachenloch herangetreten ist. Aus den schon angeführten Gründen wurde der bald nach Beginn der Arbeiten immer mehr sich aufdrängende Gedanke, unter Umständen doch noch auf die unzweifelhafte Hinterlassenschaft des Höhlenmenschen zu stossen, zurückgedrängt, trotzdem es eine Erfahrungstatsache ist, dass der Höhlenbär, wo er als Fund in Höhlen auftritt, oftmals eine Art Wegleitung zur Auffindung menschlicher Spuren ist. — Wider alle negativen Voraussetzungen, bestimmte „Verwahrungen“ und „Vorsichtspostulate“, die auch in unsere Tagebücher aufgenommen wurden, gestalteten sich die Beweisgründe für eine mit dem Höhlenbären gleichzeitige menschliche Besiedelung dieser Gegend immer stärker und eindringlicher. Einem Erkennen der Tatsachen hatten wir uns schliesslich zu fügen.
Es ist nun unsere Aufgabe, im folgenden der Funde und Fundumstände Erwähnung zu tun, die den Beweis für die prähistorische Besiedelung des Drachenloches bilden. Dabei handelt es sich heute nicht um die der Spezialpublikation angehörigen Einzelbeschreibungen der Fundobjekte wissenschaftlicher Art, sondern einzig um eine kürzere Darlegung der allgemeinen Befunde innert dem Rahmen der Allgemeinverständlichkeit.
Beweise für die vorgeschichtliche Besiedelung des Drachenloches.
Wir haben deren einzelne bereits im Abschnitte über die Fundschichten und die paläontologischen Funde genannt.
1. Art der Tierfunde.
Alle Knochenfunde von grösseren Säugetieren, besonders von Bären in den vorhistorischen Schichten II—V gehören jüngsten, jungern und solchen bis zu eben erwachsenen und fortpflanzungsfähigen Altersstufen dieser Tiere an. Ihr Vorhandensein deutet mit Sicherheit auf die Anwesenheit des diluvialen Jägers hin, der die Tiere als Jagdbeute, zum Teil aber auch nur auserlesene Stücke derselben, in seine Höhle trug. — Ein natürlicher Tod solcher jüngerer Bärentiere durch ein kontinuierliches zwei Meter mächtiges Fundprofil hindurch liesse sich durch keinerlei Argumente beweisen. — Alte, zum letzten Schlafe hieher geflüchtete Individuen fehlen im Drachenloch vollständig. Wir stehen hier vor der nämlichen Erscheinung, wie sie alle jene Höhlen darbieten, in denen der urgeschichtliche Mensch durch seine eigene Hinterlassenschaft (Werkzeuge, Schmuck usw.) nachgewiesen worden ist.
2. Verteilung der Knochenfunde.
Die Verteilung der Knochenfunde ist derartig, dass sie sich nur durch menschliche Absicht und Anordnung erklären lässt. Wenn nur Tiere die Höhle bewohnt hätten, so müssten Reste ihrer Nahrung bzw. auch Knochen ihrer Beutetiere in viel grösserer Zahl hier vorhanden und namentlich auf denselben Spuren der Zahntätigkeit vorzufinden sein. Solche Knochen müssten unter allen Umständen auch den grössten Höhlenraum I erfüllen, da derselbe dem Bären Raum genug darbot zur Zerkleinerung seiner Beute. Wie wir wissen, war dieser Höhlenraum fast fundleer, während dagegen eine auffällige Konzentration der Knochen in den beiden folgenden, innern Höhlen II und III vorherrschte, die einzig und allein dadurch erklärt werden kann, dass dies die zur Bewohnung durch den Menschen günstigsten, d. h. sichersten und der Gesundheit am zuträglichsten Stellen im ganzen Höhlensystem gewesen sind.
3. Massenanhäufungen und absichtliche Magazinierung von Höhlenbärenknochen
In den Höhlenteilen II und III und zwar fast ausschliesslich den Höhlenfelswänden nach, während der Mittelgang in Höhle II nur Splittermaterial, sehr viele Fuss- und Handwurzelknochen, enthielt. Der sicherste Beweis für die gewollte Anhäufung ergab sich aber daraus, dass längs den Höhlenwänden in einem Abstande von 40—60 cm von denselben eigentliche Steinmäuerchen bis zu 80 cm Höhe aufgebaut waren. Dieselben bestanden aus Seewerkalkplatten aus der Höhle selber und waren zum Zwecke des Rohmauerbaues fast völlig horizontal aufeinandergelegt. Sogar unsere Arbeiter erkannten augenblicklich den absichtlichen Aufbau dieser Mäuerchen, der so primitiv war wie jener bei den ältesten Steinplatten-Alphütten auf der Alp Gelbberg und im Tersoltale. An irgend einen Deckenabsturz in der Höhle II, dessen Einzelplatten in diese horizontale Lage gekommen wären, liess sich gar nicht denken angesichts des dem Absturze nicht entsprechenden Ausbruches an der Höhlendecke (Negativ). Die Erklärung des Ganzen wurde aber vollständig, als jedesmal in dem Zwischenräume zwischen künstlicher Mauer und Höhlenfelswand förmliche Lager von Skeletteilen des Höhlenbären sich befanden, die ebenfalls das Bild des absichtlich Zusammengetragenen und Aufgestapelten erkennen liessen. Wo aber solche Steinmäuerchen fehlten, da blieben auch die Knochenanhäufungen aus.
Untersuchte man das in den „Magazinen“ vorhandene Material noch näher, so zeigte sich ein ganz merkwürdiger Anblick. Da waren es zum grössten Teile Schädel des Höhlenbären, teils vollständige, teils zerschlagene und mit Löchern versehene, oft 3—4 und noch mehr Stück über- und nebeneinander, sogar in gleicher Orientierung der Schädellage. Als Fortsetzung dieser Schädel, insbesondere der vollständig erhaltenen, liessen sich meist die zu den nämlichen Kopfstücken gehörigen beiden ersten Halswirbel (Atlas und Epistropheus) finden, während die übrigen Hals-, Rücken- und Lendenwirbel sozusagen nie als Ganzes vorhanden waren, auch nicht in den benachbarten Profilteilen.102
Mit diesen Schädeln vergesellschaftet fanden sich hauptsächlich grosse Extremitätenknochen (Oberschenkel, Schienbein, Oberarm, Ellenbogenbein und Speichen), wobei sich zeigte, dass ganz selten auch nur zwei oder drei dem nämlichen Skelette angehörten, sondern verschiedene Alter und Geschlechter vertreten waren. Eine derartige Mengung verschiedenster Bestandteile würde auch durch das stärkste Untereinanderwühlen von Knochen durch Tiere (jüngere und ältere Bären) nie möglich gewesen sein. Die Grosszahl dieser Gliedmassen Röhrenknochen ist vollständig, doch zeigten sich auch solche, ganz besonders Oberarmknochen,103 die nachweisbar durch Menschenhand zerbrochen wurden. Von fallendem Deckengestein eingeschlagene Schädel oder Röhrenknochen, ebenso durch Schichtendruck umgeformte oder eingedrückte Knochen fanden sich nirgends, dagegen liegt ein Bärenschädel vor, dessen ganze obere Hälfte bis zum hintersten Teile des Knochenkammes (Crista) vollständig entfernt ist. Da von Bruchstücken weit und breit nichts zu finden war, so kann es nur der Mensch gewesen sein, der diese „Enthauptung“ des Bären in horizontaler Richtung vorgenommen hat. Nicht minder beweisführend sind Schädel, die seitliche Einschläge besitzen, die ganz alten Ursprunges sind. Desgleichen haben wir zwei Schädel mit je einem kleinern Loche links und rechts auf der Stirne. Es sind alles Schädel, die nicht unter Steindruck gelitten hatten. Die Form der Durchlöcherung weist als Ursache auf ein eckiges Schlaginstrument hin.
Geradezu vollgültige Beweise für die merkwürdige Knochenan- häufung durch den Menschen brachten aber die Fund Verhältnisse am Eingänge in die dritte Höhle und im vordem Teile derselben. Anstatt der Knochenlager längs der Höhlenwände überraschten hier eine Art Steinkisten, rechteckige Gemäuer aus rohen, flachen Steinplatten, die vom Verwitterungsschutte der Höhle stammen, aufgebaut, auf allen Seiten mehr oder weniger geschlossen und mit einer grossen Deckplatte zugedeckt. Es haben sich im ganzen etwa sechs solcher Steinkisten vorgefunden. Jedesmal, wenn im Grabungsprofil eine flach gelegene grössere Steinplatte zum Vorschein kam, konnte man sicher sein, dass man es mit einem absichtlichen Bau zu tun hatte. Die eigentliche Ueberraschung folgte aber erst, wenn zwei unserer starken Männer die erwähnte Platte abhoben. Da lagen in den Steinkisten, meist gut orientiert, Schädel von Höhlenbären aufeinander und daneben eine Anzahl grosser Gliedmassenknochen, ganz gleich wie in der II. Höhle hinter den Steinmäuerchen. Auch hier immer wieder un zusammengehörige Skeletteile, deren Lagerung niemals ohne Zutun des Menschen erklärt werden konnte. Das waren die reinsten osteologischen Museen : bald 2—3, bald 5 und mehr Schädel, nebst übrigen Extremitäten- knochen. Alle Stücke in wunderbarster Erhaltung (vgl. die beiden Abbildungen von Ursus spelaeus-Schädeln, die einem dieser Knochenmagazine entstammen). Einem derselben wurde ein Höhlenbärenschädel entnommen, durch dessen linken Jochbogen (Oeffnung zwischen Schädel und Jochbogen) ein grosser Oberschenkelknochen (Femur) durchgezogen war, den man erst aus seiner Lage befreien konnte, als man ibn gut ein Viertel um seine Längsachse drehte. Wir haben das Experiment auch nach der Hebung dieses Schatzes wohl dutzende Mal wiederholt mit immer gleichem Ergebnis. Das konnte nur der Mensch gemacht haben! Selbst wenn man keine einzige der bis jetzt für den prähistorischen Menschen im Drachenloch aufgeführten Tatsachen anerkennen wollte: diese eine, eben genannte, ist keiner andern Deutung zugänglich als der einzigen, die für den Menschen spricht, der eine solche Lage des Oberschenkelknochens durch die Jochbogenöffnung erzielen konnte. Alle andern diesem Schädel noch weiter beigegebenen Knochen gehören samt und sonders verschiedenen Individuen an.104 Charakteristisch ist für sämtliche Schädelmagazine, dass immer einige grosse Röhrenknochen, intakte und an den Enden abgebrochene, beigegeben sind.
Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass wir es hier mit einer absichtlichen Auf Speicherung von Jagdtrophäen durch den urgeschichtlichen Menschen zu tun haben, die ganz innerhalb den Rahmen des primitiven Jagd- und Opferkultus gehört, wie wir ihm in urgeschichtlichen Perioden, ja sogar noch bei heutigen primitiven Naturvölkern,105 die der Jagd obliegen, begegnen.
Zu dieser Annahme berechtigen vor allem die absichtliche Einrahmung durch den altarähnlichen Steinbau mit Deckplattenabschluss, die Auswahl der wichtigsten Skeletteile, Schädel und die grössten Gliedmassenknochen, während die weniger auffallenden Knochen, die sonst in den Ueberresten vom Höhlenbären in andern Schichtteilen eine so dominierende Rolle spielen, sozusagen fast ausbleiben. Bezeichnend ist es auch, dass auf solchen Kultusstätten stets die grössten, schönsten Schädel und Extremitätenknochen vorkommen, also das Wertvollste der ganzen Jagdbeute. Das entspricht einer Art Uropferkult, wo noch der wertvollste Gegenstand Opferobjekt war (keine stellvertretende oder symbolische Opfer, keine Opfermahlzeit). „Kultus“, sagt Schürtz in seiner Urgeschichte der Kultur, nennen wir alle Versuche, die Götter und Geister durch bestimmte Handlungen zu beeinflussen; sie sollen das Gleichgewicht des Gemütes herstellen und eine zuversichtliche Stimmung im Menschen schaffen.106
Sollten wir vom Drachenlochjäger denken, dass er die Anhäufung seiner Jagdbeuteknochen ohne Sinn und Absicht betrieben hätte? Wie viel einfacher wäre es doch gewesen, dieselben zur Höhle hinaus zu werfen und damit den Raum für sich zu behalten! — Ohne hier auf die weitere Bedeutung dieser Kultstätten einzugehen — die Sache einer eingehenderen Behandlung ist —- kann gesagt werden, dass im Drachenloch zum ersten Male für eine derartige älteste Kulturstätte der Nachweis für primitiven Kultus des Menschen geführt werden kann und damit auch die Tatsache sichergestellt ist vom bereits erwachten höhern Seelenleben des Menschen, das schon in den Bereich der geistigen Kultur gehört.
Der Vergleich der Knochenmagazinierung in den beiden Höhlenteilen II und III, d. h. das Vorhandensein gewisser Unterschiede in der Anordnung, lassen die Annahme auf die Bewohnung der Höhle durch verschiedene und zeitlich auseinanderstebende (d. h. frühere und spätere) Jägerhorden als gerechtfertigt erscheinen. Beiden aber war der Jagdtrophäenkult bekannt; in der III. (später besiedelten Höhle) deutet er auf höhere Entwicklung hin.
4. Prähistorische Kohlenherde.
Das Vorhandensein von Feuerstätten, Ueberresten von verbranntem Holz, Asche, gebrannten Erden und Steinen bildet, sofern sie in ungestörten Fundschichten mit den Vertretern einer alten Tierwelt, mit menschlichen Werkzeugen aus Stein, Knochen usw., überhaupt mit prähistorischen Ueberbleibseln vorkommen, stets einen der sichersten Beweise für die einstige Anwesenheit des Menschen. Seit ältesten urgeschichtlichen Zeiten spielt das Feuer die Rolle „des treuesten Gesellen des Menschen und nur des Menschen“. „Die Geschichte des künstlich erzeugten und gehegten Feuers ist die der menschlichen Kultur. Das Feuer war Jagdgehilfe, Ackerknecht (beim Roden und Düngen des Neulandes) und Küchensklave; es diente zum Härten und Höhlen des Holzes und zur Ueberwindung der Metalle, sowie zur Leichenverbrennung. Vor allem aber wärmt das Feuer die erstarrten oder ermüdeten Glieder; es erhellt die Nacht der Höhle und des Waldes; es scheucht im Dickicht feindseliges Getier von den Lagerstätten.“ (M. Hoernes, „Natur- und Urgeschichte des Menschen“, II. Bd., S. 4: Das Feuer). Kein Wunder, dass das Feuer schon in der urgeschichtlichen Menschheit wie auch in historischen Zeitläuften eine hohe Verehrung genoss (heilige Feuer, ewige Feuer usw.), wie keine andere Errungenschaft menschlicher Entdeckung.
Man kann die Ueberraschung und Freude mitempfinden, die uns eines Tages (am 20. August 1917) zuteil wurde, als wir in einem der Querprofile unterm Eingänge der ersten zur zweiten Höhle des Drachenloches am Grunde der IV. Schicht (1,5 m Tiefe) plötzlich auf eine typische Brandschicht von kohlschwarzer Farbe stiessen, die aus Asche und total verbrannten Holzresten bestand. Sie besass eine Ausdehnung von 1,4 m in der Breite des Querprofils, eine Länge (der Höhlenachse nach) von 85—95 cm und war in schöner horizontaler Lage ausgebreitet. Die äusserst sorgsam vorgenommene Abhebung und Untersuchung dieser Kohlenschicht ergab, dass sie in durchaus ungestörter Lagerung in bezug auf die übrigen Fundschichten, also auf primärer Grundlage ruhte und der vierten Schicht mit den typischen Resten des Höhlenbären angehörte. Alle Zweifel waren ausgeschlossen, dass es sich etwa um eine nachträglich eingegrabene, vielleicht noch in historische Zeit reichende Holzfeuerung handle. Sie lag wie eine Art mächtiger schwarzer Kuchen mit aufgewölbter Mitte, in einer Dicke von 12—15 cm Ausmass, da, der überall gegen seine Aussenränder hin sich verflachte, und jeweilen bis auf 2—3 cm sich verschmälerte und schliesslich gänzlich auskeilte. Eine Menge kleinerer Knochen (von Hand- und Fusswurzeln, Mittelhand- und Mittelfussgliedern) und zersplitterte Röhrenknochen lagen mitten im Kohlenherde und waren, wie eine grosse Zahl kleinerer Gesteinsscherben (Seewerkalke), teils völlig gebrannt, teils nur oberflächlich geröstet. Auch die unter dem Herdfeuer gelegene Erde zeigte typische Brand- und Austrocknungsspuren, ja dieselbe war durch die über ihr waltende Hitze förmlich rot und pulverig geworden wie die staubartige Asche der eigentlichen Brandschicht. Bei der ziemlich starken Ausdehnung dieses Kohlenherdes (offenes Feuer!) kann man denselben als Feuerstättenschicht oder Brandschicht bezeichnen. Die genaue Untersuchung der z. T. noch sehr gut erhaltenen und die Holzstruktur vollkommen zeigenden Holzkohlenreste ergab, dass es solche von Legföhren sind. Natürlich liessen sich überall in der Nähe in der rotbraunen Schicht Spuren dieser Brandschicht auffinden, die vom Herde zerstreut worden waren. Konnte man in dieser unzweifelhaft künstlichen Ablagerung einen sogenannten offenen Feuerherd feststellen, so ergaben die Grabungen unterm Eingangsportal der Höhle II zu Höhle III ein noch überzeugenderes Tatsachenbild. Dort kam, ebenfalls in der IV. Schicht, die wiederum keinerlei Anzeichen von Schichtenstörungen erkennen liess, eine richtige Feuergrube zum Vorschein. Sie war von einer Doppellage von Seewerkalkstücken völlig eingerahmt, und über ihr breitete sich eine etwa ½ m2 grosse, flache Deckplatte aus. Die seitlichen Steine waren teilweise angebrannt, die Deckplatte auf der untern Seite stark geschwärzt. Innerhalb der Feuergrube, an deren Grunde, lag ein Haufe typischer Asche, Holzkohlenreste mit Legföhrenstruktur in kleinen Brocken, gebrannte Knochen, besonders die Knochenglieder von „Höhlenbärentatzen“ (!).
Das waren bis jetzt die beiden grössten Herdfeuerstätten; andere kleinere Anlagen solcher Art zeigten sich noch an einigen Stellen, unter Umständen sind es auch verschleppte Reste der beiden Hauptfeuer. — Recht auffallend ist die Lagerung derselben jeweilen unter den Eingängen. Sehr wahrscheinlich hing dies mit den Rauchabzugsverhältnissen zusammen, da der Rauch von den engen Höhlendurchgängen aus sich rascher in die Höhlenkamine (Schlote) hinaufzog und von dort aus längs der Decke nach aussen abfloss. Experimente mit unserer dann und wann auch einmal „russenden“ Azetylenmaschine ergaben, dass der Rauch sich stets in kurzer Zeit aus den beiden innern Höhlenteilen ins Freie hinaus verzog. Wenn die erste grosse Höhle keinen Kohlenherd entdecken liess, so ist das erklärlich, weil dieselbe zur Regenzeit viel Feuchtigkeit enthält, in den innern Teilen dagegen relative Trockenheit herrschte und das Feuer viel besser „gehütet“ werden konnte. Denn die ständige Erhaltung des Glimmfeuers war für den urgeschichtlichen Jäger und Höhlenmenschen eine hochwichtige Sache und eine ständige Sorge.
Es ist nun kaum befremdend, wenn wir noch der Tatsache Erwähnung tun, dass sich hart neben und etwas unter der erwähnten Feuergrube der ebenfalls schon erwähnte Knochenaltar befand, auf welchem der Höhlenbärenschädel mit dem durch seine Jochbogenöffnung gezogenen Oberschenkelknochen lag. Ohne Zweifel hängen diese beiden Dinge aufs engste mit einander zusammen, da sie auch der nämlichen Fundschicht angehören: die Feuergrube zur Linken, die Opferstätte zur Rechten! (Abb. 15).
5. Funde von benützten Knochen und Knochenwerkzeugen.
Unter den Beweismitteln für das Vorhandensein einer vorgeschichtlichen Niederlassung haben von jeher in der prähistorischen Forschung die am Fundorte zutage geförderten Werkzeuge des Menschen (aus Stein, Knochen, Holz, Metallen), die ausschlaggebende Rolle gespielt. Ihre Formgebung, namentlich jene der Steinwerkzeuge, hat nebst andern Funden und Fundtatsachen (auch der dieselben begleitenden Fauna), zur Begründung der chronologischen Systeme, der prähistorischen Zeitabschnitte geführt, von denen wir im ersten Abschnitte wenigstens jene der Altsteinzeit nannten. — Wenn es auch richtig ist, dass erst eine Mehrheit von menschlichen Werkzeugfunden in typischer Formengebung die Berechtigung zum Aufbau einer Typologie der vorgeschichtlichen Industriedokumente gibt und diese wiederum nach der Aufeinanderfolge der Fundschichten zu einer Art Kulturstufenbestimmung wesentliche Dienste leistet, so darf doch nicht übersehen werden, dass wir es bei der Einteilung der Werkzeuge vielmehr mit einem technischen System zu tun haben, das eben nur einen Teil des Kulturbildes eines vorgeschichtlichen Zeitabschnittes oder verschiedener Perioden darstellt. Auch besitzen die heutigen Systeme noch gähnende Lücken, die der Ausfüllung bedürfen. Jede Schablonisierung aber ist für den Fortschritt der noch jungen prähistorischen Wissenschaft vom Uebel. Jede urgeschichtliche Einzelforschung stellt einen Komplex von Verhältnissen107 dar, in dem geologisch-petrographische, geographisch-ethnographische, anatomisch-anthropologische, zoologisch-botanisch-paläontologische, meteorologisch-klimatische Fragen der Beantwortung harren. — Von dieser Erkenntnis aus haben wir aber gerade die Forschungsergebnisse vom Wildkirchli und in noch erhöhtem Masse jene des Drachenloches zu betrachten, da sie sich den heute konventionellen Systemen nicht mit absoluter Uebereinstimmung unterordnen lassen.
Schon bei Beginn der Grabungen im Drachenloche trat uns eine Tatsache vor Augen, die ganz an das Wildkirchli erinnerte und zwar an jene Plätze in den Schichten, wo sich orts- d. h. höhlenfremde Gesteine (Quarzite) als sicher bestimmte Werkzeuge (Schaber, Kratzer, Spitzen) des Urjägers vorfanden. In Gesellschaft mit diesen typischen Steinwerkzeugen, die stes an wichtige Arbeitsplätze des vorgeschichtlichen Menschen gebunden waren, lagen immer Massen von zerbrochenen Knochen, deren Bruchränder trotz ihrem prähistorischen Alter sich noch vollständig scharfkantig erhalten hatten. Die Zertrümmerung dieser Knochen, die zum grossen Teile den stärksten Gliedmassenknochen angehörten, war das Werk des Menschen. — Nun fanden sich aber neben diesen scharfkantigen Knochenstücken einzeln und in geringer Anzahl auch Knochenfragmente mit vollständig abgerundeten Bruchrändern vor. Gestalt und Abrundung deuteten unbestritten als primitivste Knochenwerkzeuge des Wildkirchli- menschen anerkannt worden. Bei der Zusammenstellung der einzelnen Formen ergaben sich zudem wichtige Serien von Typen, deren Hand- passlichkeit und Gebrauchsfähigkeit einzig dem Menschen zugeschrieben werden kann.108 Vor allem kann die ihnen eigentümliche Politur nur durch den Gebrauch entstanden sein.
Freilich stehen diese artefiziellen Knochenstücke und die auf ihre Zweckdienlichkeit nachgeprüften Knochenwerkzeuge, die seither ihre Beglaubigung als solche auch durch den Vergleich mit den einfachsten Knocheninstrumenten von heutigen Naturvölkern gefunden haben, auf der primitivsten Stufe der Knochentechnik.109 Die in der altsteinzeitlichen Stufe des Aurignacien überall anerkannten Knocheninstrumente besitzen bereits einen hohen Grad der Vervollkommnung (pointe à base fendue); bedeutend weiter fortgeschritten sind die z. T. schon kunstvoll gearbeiteten Spitzen, Nadeln usw. des Solutréen, ganz besonders aber das hochentwickelte Knocheninstrumentarium des Magdalénien. Im Wildkirchli stehen wir an der untersten Grenze der erstmaligen Benützung des Knochens als Werkzeug, wo es vielfach schwierig hält, die Formen der schaffenden Natur von den durch den Menschen absichtlich (intentionell) gewollten scharf unterscheiden zu können. Eine einfache Ueberlegung lässt uns aber zu dem sichern Schlüsse kommen, dass das Knochenwerkzeug niemals zuerst in der Form hat auftreten können, wie z. B. im Aurignacien, welche Stufe bisher immer als unterster und erster Horizont für typische Knochenwerkzeuge gegolten hat. Naturgemäss musste es noch primitivere Formen geben, die die Vorläufer sowohl von gutgeformten Stein- als Knochenwerkzeugen sind.
Zieht man alle diese Tatsachen in Erwägung und vergleicht man die bis jetzt für den Menschen im Drachenloch zeugenden Funde, so wird es kaum überraschen, wenn bei der grossen Uebereinstimmung mit der prähistorischen Stätte des Wildkirchli auch im Drachenloche der vom Menschen beabsichtigte Gebrauch des Knochens einwandfrei nachgewiesen werden konnte, dazu in einer Formenreihe, die mit jener im Wildkirchli vollkommen übereinstimmt (Wildkirchli-Typus). Es handelt sich hier ebenfalls um die einfachste Art der Benützung des Knochens, die aber das getreue Abbild der damals für den Menschen notwendigen Werktätigkeit ist, nämlich das Abhäuten der Jagdtiere (Bären), die Zubereitung und Glättung der Tierfelle, die dem Menschen als Kleidung, Unterlage und Decke auf der Schlafstätte dienten.
Ohne uns in Einzelheiten zu verlieren, die wiederum der monographischen Beschreibung vorbehalten bleiben, seien hier kurz die wichtigsten Typen der Knocheninstrumente vorgeführt und in den Abbildungen 20—25 zur Schau gebracht. Unter dem bedeutenden Fundmaterial wählen wir aus:
a) Gerundete, abgenutzte und polierte Knochenfragmente,
namentlich von grössern Röhrenknochen, die teils als Fellablöser, teils als Fellglätter dienen konnten (Abb. 20). Es ist auffallend, dass bei diesen Stücken, von denen über 80 vorhanden sind, der spongiöse Teil der innern Knochenwand meist noch vollkommen scharf erhalten ist, während nur die Knochenbruchränder typische Abnützung durch Gebrauch aufweisen. Nur bei Fig. 1 in dieser Tafel sehen wir ein total gerundetes Stück, in dem auch die substantia spongiosa ausgeebnet, bzw. durch vielen Gebrauch des Instrumentes oder durch absichtliche Entfernung fast verschwunden ist. Zahlreiche Knochenbruchstücke weisen erst die Anfänge der Benützung auf, noch andere, die mit gänzlich gerundeten vergesellschaftet aufgefunden wurden, sind im Stadium des zum Gebrauche vorbereiteten Instrumentes.
b) Bruchstücke von Wadenbeinen (Fibulae) des Höhlenbären.
In völlig übereinstimmender Weise mit den Knochenwerkzeugtypen des Wildkirchli fand sich im Drachenloch eine ganz auffallende Menge von Wadenbeinbruchstücken, die, wenn sie alle bloss natürliche Stücke wären, ihrer Zahl nach in gar keinem Verhältnis stünden zu den übrigen Skelettknochen, z. B. den dem Wadenbein zunächst liegenden Schienbein (Tibia). Dabei ist es bezeichnend, dass die Zahl der in allen Grabungsprofilen auf gedeckten ganz erhaltenen Wadenbeine eine äusserst beschränkte ist, indem das Verhältnis zu den gebrochenen Wadenbeinen mit 1: 10 nicht zu hoch gegriffen ist. Das Wadenbein (nebst Rippen und einigen andern Knochen) ist nun am Bärenskelette der am leichtesten brechbare Knochen. Mittelst einer einfachen Vorkehrung lässt er sich künstlich so mitten durchbrechen, dass die Bruchflächen beiderseits eine schiefe Ebene, und die Teilstücke an den Bruchenden regelrechte stumpfe Spitzen bilden. Es ist das der „Flötenschnabelbruch“ an dünnen Knochen, wie ihn die Chirurgie auch beim gebrochenen menschlichen Wadenbein kennt. Bekanntlich besitzt das Wadenbein zwei dickknopfige Gelenkenden (Epiphysen), welche, wenn der Knochen in zwei Teile zerschlagen wird, sich durch ihre grosse Handpasslichkeit auszeichnen. Nimmt man das knopfige Ende in die Hand, so erweist sich das eine oder andere Teilstück des Wadenbeins als ein sehr gebrauchsfähiges Instrument. Kein Wunder, dass es bereits der Urwildjäger gekannt und benützt hat, da wir wissen, dass es heute noch Jägerstämme gibt, die sich desselben zum Entfernen des Felles von Jagdbeutetieren bedienen, um Haut und Haare nicht zu verletzen, die als Ganzes zur Bekleidung des menschlichen Körpers verwendet werden.
Diese Wadenbeinstücke dürfen wir um so unbedenklicher als Fellablöser, überhaupt als Werkzeuge betrachten, da sich an ihren Bruchflächen die sichern Zeichen der Abnutzung vorfinden, die oft so weit vorgeschritten ist, dass die Bruchfläche völlig poliert und glänzend aussieht, was bei natürlichen Brüchen nie vorkommt. Bei vielen Stücken hat man den Eindruck, dass die nach dem Bruche zuerst noch kantige und rauhe Bruchfläche mittelst eines Steininstrumentes geebnet und geschabt wurde, um das Knocheninstrument an der Gebrauchsfläche möglichst glatt zu gestalten.
Vergleicht man diese Fellablöser aus Wadenbeinbruchstücken mit den gleichen Instrumenten aus dem Wildkirchli, so ergibt sich die vollkommene Uebereinstimmung hinsichtlich ihrer Grösse, der Gestalt des Bruches, der Abnützungsfläche und des Winkels, den dieselbe mit dem Schafte des Knochens bildet (32—36° = „Arbeitswinkel“).110 An beiden Fundorten wurde zudem das proximale Gelenkende mit einem Teile des Knochenschaftes als Werkzeug benützt, da dieses die geeignetere Handhabe besitzt. In Abbildung 21 sind solche Knocheninstrumente dargestellt, während die folgende Tafel 22 eine Anzahl Wadenbeinbruchstücke wiedergibt, die wohl bereits absichtlich gebrochen, aber noch unbenützt geblieben sind, was sich an den noch scharfen Bruchrändern und -flächen nachweisen lässt.
Den sichersten Aufschluss über das Verhältnis der gebrauchten zu den noch unbenützten Wadenbeinbruchstücken erteilt uns besonders der Fundumstand der beiden. Es hat sich mit überraschender Sicherheit feststellen lassen, dass beide Arten miteinander magaziniert auftreten. Es fanden sich u. a. an ein und derselben Fundstelle, über einer grössern Steinplatte nahe der südlichen Höhlenfelswand in der zweiten Abteilung, 31 Stück derartige gebrochene Wadenbeine, teils mit gerundeter, abgebrauchter Bruchfläche, teils aber auch mit scharfgebliebenen Bruchrändern. Das üeberzeugendste dabei war ihre Lage in der nämlichen Orientierung neben- und übereinander, wobei das gleiche (proximale) Gelenkende nach einer, die Bruchenden nach der entgegengesetzten Seite gerichtet waren. Das die Bruchstücke ergänzende andere Ende war aber am Orte nirgends vorhanden. Ein unzweideutigerer Beweis für absichtliche, einzig nur durch den Menschen mögliche Anordnung lässt sich kaum erbringen, denn wie liesse sich eine solche Orientierung vieler gleicher Knochen- stücke etwa durch Mithilfe des Bären oder anderer Tiere denken? — Immer begegneten wir wieder solchen Häufungen von Wadenbeinen, deren Auftreten in dieser Art durch keine natürliche Beeinflussung zu erklären war.
c) Knochenbruchstücke in typischer Spitzenform.
Vereint mit den kantengerundeten Knochenfragmenten und den Wadenbeinbruchstücken fanden sich unter der grossen Zahl von zerbrochenen Knochen auch Knochensplitter vor, deren absichtliche Zuspitzung und der darauf folgende Gebrauch sich namentlich durch die Abnützung und die Politur an den Knochenrändern und an der Spitze einwandfrei nach weisen lässt. Unsere Abbildung 23 zeigt uns eine Reihe solcher Knochenspitzen. Unter denselben befinden sich auch lamellenförmige Absplitterungen von Eckzähnen des Höhlenbären, deren Abnutzung rasch erkannt werden kann (Fig. 2 in der untern Reihe). Keineswegs handelt es sich bei diesen Zahnsplittern um natürliche Absprenglinge oder bei den ausgeebneten Zahnflächen um die bekannten ebenen Abschliffacetten, welche man häufig bei Eckzähnen des Höhlenbären trifft, wo die Emailsubstanz durch die gegenseitige Reibung der beiden Eckzähne im Ober- und Unterkiefer abgenützt wird. Diese Schlifflächen täuschen sehr oft eine künstliche Abschleifung vor, wie man sie übrigens auch an Zahnspitzen vorfindet.
Ein prachtvolles Beweisstück für menschliche Arbeit, das der strengsten Kritik stand hält, ist der in unserer Abbildung 23 in der Mitte der obern Reihe dargestellte Knochensplitter. Dieser ist gegen oben am linken Rande dreifach angeschliffen. Bei der genauen Untersuchung mittelst scharfer Lupe gewahrt man am Objekte deutlich die durch Arbeit (Reibung) entstandenen parallelen feinen Kritze.
Natürlicherweise gibt es unter den Knochenspitzen eine Anzahl solcher, die erst Spuren von begonnener Arbeit mit denselben aufweisen. Bei vielen Splittern lässt es sich nicht entscheiden, ob die Natur oder der Mensch bei ihrer Formgebung tätig gewesen sind. Ausschlaggebend erweisen sich eben immer nur Gebrauchsflächen.
Haben wir es bei den unter a—c genannten Knochenfragmenten mit unzweifelhaft gebrauchten Knochen (Os utilisés) und Knochenwerkzeugen zu tun, so soll nachfolgend noch einer Anzahl Knochenfunde Erwähnung geschehen, die man ohne Vorbehalt auch zu den von Menschenhand berührten Gegenständen zählen muss. Es sind dies:
d) Hüftgelenkpfannen,
Hüftgelenkpfannen, deren Verbindungen mit dem Hüftbein (Os coxae), nämlich die Fortsätze zum Darmbein (Os ilium), Sitzbein (Os ischii) und Schambein (Os pubis) fehlen, d. h. abgeschlagen worden sind. Dem praktischen Höhlenforscher ist es wohl bekannt, dass das Hüftbein von ganz jungen Höhlenbären beim Herausnehmen aus dem Bodenschutte sofort in seine oben genannten Einzelteile zerfällt, dass aber auch Hüftbeine von 1—3 jährigen und selbst von ältern Tieren dieser Art unter dem Drucke der über ihnen gelegenen Erdschichten und Gesteinsblöcke oder durch Tritt des Menschen sehr leicht brechen. Daher hält es meist schwer, vollständig erhaltene Hüftbeine zur Zusammensetzung eines ganzen Skelettes zu gewinnen. Sie müssen stets aus den an Ort und Stelle vorhandenen Bruchstücken zum ganzen Knochen vereinigt werden.
Unter den im Drachenloch aufgefundenen Hüftbeinen des Höhlenbären waren einzig vier Stück vollständig erhalten. Alle übrigen dagegen, auch jene von erwachsenen Individuen, waren zerschlagen, doch stets so, dass die Hüftgelenkpfannen intakt blieben, während die Fortsätze nur stumpfartig vorhanden sind, so dass die Pfanne (das Acetabulum) an zwei der Fortsätze mit den beiden Händen gefasst werden kann. Eine genügende Erklärung dieser Erscheinung hatten wir schon im Wildkirchli gefunden. Im Drachenloch trat dieselbe noch viel überzeugender ans Tageslicht, indem daselbst förmliche Anhäufungen solcher Hüftgelenkpfannen, meist in isolierter Lagerung, vorhanden waren. Und zwar ebenfalls an jenen Stellen, wo die bereits beschriebenen „Knochenmagazine“ sich befanden.
Von über 200 solcher Gelenkpfannenstücke gibt es eine Anzahl, deren oberer Rand der Pfanne sichtbare Spuren der kürzern oder längern Abnützung durch Reiben aufweist, oft bis zur gänzlichen Abplattung des Pfannenrandes. Die Lagerung der genannten Objekte in den Fundprofilen, die auch hier wieder ein entscheidendes Wort zur Erklärung mitspricht, hat in allen Fällen bewiesen, dass keinerlei natürliche Beeinflussung (Abwitterung oder chemische Zersetzung des Pfannenrandes, Reibung durch aufliegende Steine usw.) diesen Zustand bewirkt haben konnte (siehe Abbildung 24).
Dr. med. L. Pfeiffer in Weimar,111 der sich jahrelang mit dem Studium der Stein- und Knochenwerkzeuge, begleitet von praktischen Versuchen über die Herstellung und die Gebrauchsweise derselben beschäftigt hat, nennt solche auch in andern prähistorischen Stätten zum Vorschein gekommenen Hüftgelenkpfannen der verschiedensten Wildtiere Glocken schab er. Er rechnet sie ohne weiteres zu den menschlichen Knochenwerkzeugen, da deren kreisförmiger Napfrand infolge Gebrauchs abgeplattet ist. Nach Vergleichung mit den nämlichen Werkzeugen bei primitiven Naturvölkern können dieselben wie bei Indianer- und Eskimostämmen als Fellschaber gedient haben. Oft trifft man sie auch als Trinkbecher, Blutschalen und Lampen- (Oel-) schalen, zu welchen Zwecken sie sich vortrefflich eigneten. — Wie bei primitiven Stein- und Knochenwerkzeugen Einzelfunde nur ausnahmsweise als vollgültiger Beweis angesehen werden dürfen, so entscheidet auch hier nur eine grosse Zahl gleichartiger Gegenstände zugunsten ihrer beabsichtigten Benützung durch Menschenhand. Von wuchtiger Beweiskraft sind aber im Drachenloch die Anhäufungen von 25—30 Stück derartiger Gelenkpfannen an ein und demselben Orte, abseits von den Fortsätzen derselben und von den Oberschenkelknochen, die zu ihnen gehört haben.
e) Zerbrochene Bärenunterkiefer.
Neben der überreichen Menge von vollständig erhaltenen Bärenunterkieferhälften (über 300 Stück), die teilweise ebenfalls gehäuft zutage traten, stiessen wir auf eine Anzahl fast in der Mitte abgebrochener Unterkiefer, bei denen der ganze hintere Teil mit den Gelenkfortsätzen fehlte, während nur der vordere Teil mit dem oft zersplitterten Eckzahn vorhanden war. Oefters fehlte auch dieser, sowie ein Teil oder alle Backenzähne. Da kein einziges der Kieferbruchstücke nachweisbar unter herabgefallenen Deckplatten gelegen war, wo sich der zugehörige Teil doch hätte befinden müssen, der Kiefer aber selber ein sehr harter Knochen ist, der namentlich im frischen Zustande nicht leicht entzwei bricht, so lässt sich nur die auch von Dr. L. Pfeiffer gegebene Erklärung anwenden, dass diese Kiefer in der Hand des Menschen gebrochen sind. Bißspuren von grössern Raubtieren fehlen an diesen Kieferstücken vollständig. Ob sie als Schlagwaffe oder als Hackinstrument gebraucht wurden, lässt sich natürlich heute nicht mehr bestimmen. Merkwürdig ist es, wie manche Unterkiefer die Bruchstelle weit vorn gegen den Eckzahn hin besitzen, merkwürdig auch, wie bis jetzt nie zwei zusammengehörige, d. h. vom gleichen Unterkiefer stammende Stücke (links und rechts) aufgefunden wurden. — In Abbildung 25 sind einige dieser Kieferbruchstücke (darunter auch des alten, eingeschleppten Kiefers) vorgeführt.
f) Schädelknochenstücke von jüngern Bären.
Die nämliche Erscheinung wie im Wildkirchli überraschte uns auch im Drachenloch. Hier wie dort befanden sich meist in akku- mulativer Lagerung, aber stets isoliert, einzelne Schädelstücke von Höhlenbären, die noch keine völlige Verwachsung der Knochenränder mit den andern Schädelknochen besassen. Sie gehörten also stets jungen Individuen an. Ihre genaue Vergleichung hat gezeigt, dass von den mehreren hundert Stück fast durchwegs nur die Scheitelbeine (Os parietale) vorhanden sind und von diesen nicht zwei Stück zusammengehören, also von lauter verschiedenen Schädeln herrühren. Ihre absichtliche Magazinierung steht nach den Fundumständen ausser Zweifel. Auch waren diese Knochenschalen stellenweise förmlich „nestartig“ beisammen und aufeinandergelegt. Sehr auffallend ist die teilweise glänzende, wie abgerieben aussehende konvexe Aussenfläche der Schädelschalen, besonders aber bei einzelnen Stücken die sichtbare Abrundung der Schalenränder. Man gewinnt den Eindruck, dass diese Knochenschalen viel in Menschenhand gewesen sein müssen (Trinkschalen? Blutschalen?).
Eine Haupteigenschaft aller hier aufgeführten Funde von gerundeten und vom Menschen benützten Knochenbruchstücken und sonstigen Knochenteilen ist ihre Lage in direkter Nähe der Knochenherde, der Massenanhäufungen von Knochen (Schädel usw.). In sehr vielen Fällen konnte auch festgestellt werden, dass sich diese gebrauchten Knochen hart auf der Oberfläche von grössern Steinplatten und auf Steinbänken längs den Höhlenwänden befanden, nur ganz selten inmitten erdiger Schichtteile.
Eine natürliche Rollung (Abrundung, Abschleifung) neben den in der Höhle doch zu 99% auftretenden scharfkantigen alten Knochenbruchstticken ist im Drachenloch infolge Fehlens einer namhafteren Wasserströmung zu allen Zeiten völlig ausgeschlossen gewesen. Es wäre auch durchaus unerklärlich, wie nur verhältnismässig so wenige gebrochene Knochenstücke eine Abrundung erfahren hätten, während der Grossteil aller andern Bruchstücke selbst aus den ältesten Fundschichten des Drachenloches ihre Scharfkantigkeit beibehalten haben. Eine besondere Beachtung verdient auch der Umstand, dass kantige und abgerundete Stücke beisammen in den nämlichen Schichten liegen. Ebenso wichtig ist die Tatsache, dass die vordere grosse Höhle (I), die im Bodenschutte auch heute noch wasserzügig ist, keine gerundeten Knochenbruchstücke, sondern nur scharfkantige enthält.
6. Funde von Steinwerkzeugen.
Der Nachweis vom Vorhandensein von Steinwerkzeugen in der Höhle des Wildkirchli bildete den endgültigen und einwandfreiesten Beweis für ihre einstige Bewohntheit durch den vorgeschichtlichen Menschen. Das um so mehr, als sich herausstellte, dass das Gesteinsmaterial, aus dem die Werkzeuge geschaffen wurden, nicht gleicher Natur war wie das anstehende Höhlengestein (Schrattenkalk) oder wie irgend eine andere Stufe des Säntis-Kreide-Kalksteins. Die Rohsteine für die Werkzeuge stammen also nicht aus der Höhle, sie sind alle „ortsfremder“ Natur und wurden vom Menschen in die Höhle hinaufgetragen und hier zu Werkzeugen zu geschlagen, geformt, geschärft und nach stärkerem Gebrauche wiederum zugescbärft („retuschiert“). Mit Ausnahme von drei Stücken bestehen sämtliche Wild- kirchliwerkzeuge aus Quarzitgestein, das gleich wie der Feuerstein von andern prähistorischen Stätten wegen seiner Härte sich am besten zum schneidenden Werkzeuge eignete. Freilich liessen sich aus den rohen Quarziten nicht so feine Formen schlagen, wie dies beim echten Feuerstein der Fall ist, weshalb wir im Wildkirchli manchen Stücken begegnen, die recht rohe, ungeformte Werkzeuge darstellen, nichtsdestoweniger ihren Dienst doch taten.
Eine genaue Untersuchung des Wildkirchli-Steinwerkzeugmaterials hat ergeben, dass diese Quarzite aus dem nächstgelegenen nördlichen Vorlande des Säntisgebirges herstammen. In erster Linie handelt es sich um sogenannte Oelquarzite, wie sie heute noch im Eocaen-Flysch des Weissbachtales und an der Fähnern als exotische Blöcke im Flysch angetroffen werden.112 Sie sind meist von olivengrünlicher Färbung. Diese Oelquarzite lieferten das am ehesten brauchbare Material zu den Steinwerkzeugen, weil es sich in dünne, scheibenartige und scharfkantige Stücke schlagen liess. Der andere Teil der Quarzite wurde in der Nagelfluh113 des Tertiärs im Weissbachtal und am Kronberg gesammelt und besteht aus verschiedenfarbigen Radiolarienhornsteinen [schwarze Phtanite, Lydite, rote und grüne Radiolarienhornsteine, von welch letzteren die eigentliche Herkunft (Rhaetikondecke?) noch nicht sicher bestimmt ist].
Die Wildkirchli-Steinwerkzeuge, die aus solchen Quarziten bestehen, besitzen zum grössten Teil die sichern Spuren der Randbearbeitung (Retuschierung), die aber oft infolge des weniger günstigen Gesteinsmaterials roh, grob und teilweise verwischt ist. Äusser den Formen, die sich im allgemeinen an das Dreieck (Spitze mit dickerer Basis) oder Rechteck (Schaber, Kratzer) halten und deshalb als „Typen“ gelten, gibt es eine Menge formlose, sogenannte atypische Stücke, wie sie aus vielen prähistorischen Niederlassungen bekannt sind. Sodann fehlen auch rohe Zuschlagstücke, Absprenglinge, unfertige Werkzeuge und Kernstücke (Nuclei) nicht. Gerade die letztgenannten sind der Beweis dafür, dass diese Roh- oder Kernstücke als Ganzes in die Höhle hinaufgeschleppt und von denselben dann die Werkzeugsplitter abgeschlagen wurden.
Trotz sorgfältigster Vergleichung der Wildkirchli-Steinwerkzeuge mit einer Anzahl ausserschweizerischer Stätten ist es nicht möglich gewesen, sie mit dem Horizonte des ausgeprägten klassischen Moustérien der Altsteinzeit in Einklang zu bringen, da sich die Wildkirchlifunde zu einem grossen Teil in Form, Zuschlag und Randbearbeitung abweichend verhalten. Dagegen sind die Fachmänner darin einig, dass es sich im Wildkirchli um eine Unterstufe des Moustérien, das sog. Altmoustèrien oder Primitiv-Moustérien handelt (Obermaier, Penck, Boule u. a.).114 Meine eigene Auffassung werde ich am Schlüsse dieses Abschnittes kundgeben. So viel ist sicher, dass das Wildkirchli keiner paläolithischen Stufe vor oder nach dem Moustérien einverleibt werden kann.115
Für die nun folgenden Auseinandersetzungen mag der Hinweis darauf interessant sein, dass im Wildkirchli auch mehrere durchaus typische Steinwerkzeuge gefunden wurden, die nicht aus Quarzit, sondern aus Kreide-(Seewerkalk-) gestein des Säntis hergestellt worden waren. Zwei derselben zeigen keine, ein anderes dagegen sehr regelmässige Randbearbeitung. Wir haben hier einen sichern Anhaltspunkt für die Benützung von Kalkgestein, wenn das Quarzitmaterial selten wurde. Interessant ist, zu wissen, dass diese Seewerkalkstücke vom obersten Teile der Ebenalp oder dann von der 300 m tiefer gelegenen Bommenalp herstammen müssen, da sie nur dort anstehend waren wie noch heute. Der Seewerkalk dieser beiden Orte zeichnet sich besonders durch seine leichte Spaltbarkeit in dünnplattige Scherben aus, die beim Bruche sehr scharfkantige Werkzeuge ergeben.
Bald nachdem wir den ersten Fundbeweisen für die Anwesenheit des Urmenschen in der Drachenlochhöhle begegnet waren (Kohlenherde, gebrauchte Knochenfragmente, Massenanhäufungen von Knochen etc.), beschäftigte uns lebhaft die Hoffnung, auch hier auf unzweideutige Steinwerkzeuge zu stossen, die gewissermassen das Bild der prähistorischen Station im Drachenloch vervollständigen sollten. — Auf unserm „Wunschzettel“ standen, wie leicht zu begreifen ist, ortsfremde Gesteine, Quarzite, die wie im Wildkirchli nicht in der Höhle selber anstehend sind.
Es war uns bekannt, dass quarzitische Gesteine im sog. Wildflysch der Grauen Hörner116 und zwar in der direkten nördlichen Fortsetzung des Drachenberges über die Furggla nach dem Piz Sol, und östlich in den Zanayhörnern, der Vogelegg und dem Seeligrat vorkommen. Ausser mächtigen Quarzitbänken, Glimmersandsteinen, Breccien, polygenen Konglomeraten, findet man auch die fremdartigen exotischen Blöcke117 im Wildflysch eingebettet. Im Wildflysch treffen wir auch eoeäne Oelquarzite, ganz von der Natur jener an der Fähnern, die der Wildkirchli-Mensch als Material zu seinen Werkzeugen benützte. Wir konnten uns aber im Drachenloch kaum mit dem Gedanken vertraut machen, dass der vorgeschichtliche Mensch bereits die Gratwanderung ausführte, um sich daselbst sein Werkzeugmaterial zu verschaffen.
Allein schon im ersten Sommer unserer Ausgrabungen im Drachenloch entdeckten wir noch viel näher gelegene Vorkommen quarzitischer Gesteine, ja es zeigte sich sogar, dass solches Material in der Drachenbergwand selber anstehend ist und zwar auf der Ost- und Westseite derselben, ganz besonders aber an der Südwestecke in dem mächtigen isolierten Gesteinspfeiler. Schon lange waren uns an der Ostfelswand, nur wenige Meter links und rechts vom Höhlentore entfernt, die bis ein Dezimeter breiten, weisslichen bis gelben und selbst rötlichen, mit Eisenoxydhydrat überzogenen Kalkspatschnüre aufgefallen, die sich als Ausfüllungsadern in schmalen senkrecht und schiefgestellten Klüften durch alle Kreidestufen des Drachenkopfes (vom Kieselkalk bis zum Seewerkalk) hinauf, verbreiten. Erst bei näherer Untersuchung dieser Calcitadern gewahrten wir, dass die mittlere Partie dieser Adern nicht aus Kalkspat, sondern aus weissem Quarzit besteht. Eine bessere Gelegenheit zur Benützung quarzitischen Gesteins für die Herstellung von Werkzeugen hätte sich also dem Drachenlochbevvohner kaum bieten können !
Doch schon die ersten Prüfungen dieses Quarzitgesteins belehrten uns eines andern. Schlägt man dasselbe mit dem Eisenhammer oder mit Kalksteinen, so zerspringt es in tausend kleine, spitzige Splitter, die trotz ihrer Gesteinshärte sich so mürbe erweisen, dass sie z. T. mittelst Druck der Hände sich förmlich pulverisieren lassen. Eine wirkliche längere Schneidekante aber lässt sich selbst mit grösster Vorsicht im Zuschläge nicht erstellen. So kann man es verstehen, dass in dem ganzen bis heute durchgegrabenen Höhlenschutte mit Ausnahme weniger formloser weisser Quarzitbrocken, die aber sicher vom Menschen eingeschleppt wurden wie eine Anzahl Gaultkalkgesteine von der Aussenfelswand,118 keine eigentlichen Werkzeuge aus diesem weissen Quarz der Kalkspatadern vorgefunden wurden.
Sollte am Ende der Drachenlochbewohner ohne den Gebrauch von Steinwerkzeugen ausgekommen sein? War es nicht nachgewiesen, dass er vielfach nur Teilstücke des Höhlenbären in die Höhle hinaufgetragen hatte? Mochte das Ausweiden und Zerschneiden der Jagdbeute nicht schon ausserhalb seines eigentlichen Wohnsitzes stattgefunden haben?
Eines Tages fand sich des Rätsels Lösung! Um den Feuerherd herum und nahe bei einem der Massenknochenlager zeigten sich auf einer verdächtig gelagerten Steinplatte, die an die nahe gelegene Höhlenfelswand anstiess, richtige Anhäufungen kleinerer Gesteinsscherben aus Seewerkalk. Man konnte sie unmöglich als blosse Deckenabwitterungsstücke oder als Reste einer beim Niederstürzen zersplitterten Gesteinsplatte erklären. Neben solchen mit noch vollständig scharf erhaltenen Kanten lagen auch Stücke, deren Ränder total abgerundet und z. T. unterirdisch verwittert bzw. zersetzt waren. Ganz auffällig aber waren sie in ihrer Form, die vollständig an die Steinartefakte des Wildkirchli erinnerte: teils regelrechte Spitzen mit breiterer Basis, teils Splitter, die eine Schneidekante und einen stumpfen, auf der entgegengesetzten Seite befindlichen Anpassungsrücken an die das Werkzeug haltende Hand besitzen (Abbildung 26). Ein einziges solches Vorkommen konnte uns selbstverständlich noch nicht als Vollbeweis für die Verwendung dieser Gesteinsstücke zu Schneidewerkzeugen genügen. Allein das Fundbild wiederholte sich, immer dort, wo auch grössere Ansammlungen von Knochenwerkzeugen vorhanden waren, wo der Mensch durch die schon genannten Kultstätten nachgewiesen war, dort, wo in der Nähe Feuerherd und Feuergrube standen. Ferner fanden sich diese „Werkzeugscherben“ nur in den Schichten II—V, während die Oberflächenschicht und auch die grosse Höhle keine derartigen Ansammlungen von Gesteinsbruchstücken enthielten. Merkwürdigerweise lassen sich an keinem derselben wirkliche Nachschärfungskerben (Retuschen) an den Schneiderändern nachweisen. Doch besitzen mehrere der Wildkirchliartefakte aus Seewerkalk ebenfalls keine Randkerben.
Lagerung, Form und Vorkommen der Seewerkalkscherben lassen, nachdem sich eine Reihe von Typen zusammengestellt vorfinden, keine andere Deutung zu als jene für wirkliche Steinwerkzeuge des Drachenlochmenschen.
Wir haben eine Reihe von Experimenten vorgenommen, die uns die Gewissheit verschaffen sollten, ob solche Seewerkalkstücke in handpasslicher Form auch geeignet seien als Schneideinstrumente für frisches Fleisch und namentlich für Haut und Leder von Tieren. Da hat es sich einwandfrei erwiesen, dass frisch zugeschlagener Seewerkalk in erster Linie grosse, scharfe Schneidekanten bildet, die imstande sind, das weiche, nachgiebige Fleisch wie auch ganz getrocknete Tierhäute ohne grosse Mühe beliebig durchzuschneiden. Dabei fällt einzig der Umstand in Betracht, dass der erste Ansatz, der erste Druck mit dem Kalksteinmesser möglichst kräftig und rasch geschieht. Sonst erzielt man nur einen nicht tief reichenden Eindruck in Fleisch und Haut. — Ich verweise hier besonders auf die Untersuchungen und Experimente von Dr. med. L. Pfeiffer in Weimar,119 der bei seinem Besuche unserer Wildkirchlisammlung im Heimatmuseum St. Gallen seine besondere Freude über die Seewerkalkartefakte vom Wildkirchli ausserte.
Da der Drachenlochbewohner ältester Zeiten den Oelquarzit aus dem Wildflysch der Grauen Hörner sicher nicht gekannt hat, da er auch mit dem feinbrüchigen weissen Quarzit in den Kalkspatadern der Drachenkopf-Felswände nichts anzufangen wusste: was blieb ihm schliesslich anders übrig, als den vortrefflich brechenden, mit scharfen Bruchkanten versehenen Seewerkalk der Höhle selbst zum Schneidewerkzeug auszuwählen? Zum Schaben und Reinigen der Häute war dieses Gestein schon um der grossen, gleichgerichteten Bruchkanten willen tadellos geeignet, wie dies unsere Experimente selbst wieder in einwandfreier Weise bewiesen haben.
Warum hat der Drachenloch-Jäger seine Steinwerkzeuge, die ihm die gütige Mutter Natur gleich an der nächsten Höhlenwand bereit hielt, nicht nachgeschärft (retuschiert), wenn der Schneiderand abgebraucht, abgearbeitet, abgestumpft wurde durch die Arbeit? Diese Tatsache lässt sich gut begründen. Wo das Grundmaterial für die Schneidewerkzeuge, die Schaber und Kratzer, so nahe und in so grosser Menge gelegen war, da hätte für den primitiven Jäger jegliche Nachbesserung seines Werkzeuges gar keinen Sinn und Wert gehabt, weil das durch Arbeit am Rande abgebrauchte Gesteinsstück ja sofort durch ein frisches scharfes Bruchstück von der Höhlenwand ersetzt werden konnte.
Wir stehen hier in der Urgeschichte vor einer gänzlich neuen Tatsache! Wo wir bis anhin Umschau gehalten haben in den paläolithischen Niederlassungen Europas, da sind wir uns daran gewöhnt gewesen, in Kalksteinhöhlen als unwiderleglichen Beweis für die einstige Anwesenheit des Höhlenmenschen Steinwerkzeuge aus quarzitischem Material anzutreffen. Nur solche sind denn auch bis anhin restlos als Werkzeuge des Urmenschen anerkannt worden. Das alles versteht sich leicht, wenn wir jeweilen auch in der Nähe von prähistorischen Niederlassungen jene Gesteinsschichten nachweisen können, in denen (selbst im Kalkgestein) Lager von Feuersteinknollen oder sonstiges quarzitisches Gestein, oft als Zwischenschichten, auftreten. Ganz anders stehen die Dinge, wenn die Gelegenheit zur Erlangung brauchbaren Werkzeugmaterials, wie Quarzit, fehlt, dem Menschen aber dennoch alle notwendigen Bedingungen für erfolgreiche Jagd auf Wildtiere, für seine eigene Unterkunft und den Schutz vor Wind und Wetter erfüllt waren, wie in unserem Drachenloch! Wir kennen zwar ausser dem Wildkirchli noch andere vorgeschichtliche Stätten, wo ebenfalls das Höhlengestein — und da ist es ausschliesslich Kalkgestein — neben quarzitischem Material vom Menschen als Werkzeug benützt wurde. Dagegen ist mir keine einzige paläolithische Niederlassung bekannt, in welcher nur das Höhlengestein allein das Material zur Erstellung des Steinwerkzeuges lieferte. Ich zweifle gar nicht daran, dass vielfach in paläolithischen Höhlen, wo die Anwesenheit des einstigen Menschen durch andere Fundbelege sicher nachgewiesen ist, Erzeugnisse aus Menschenhand vom Höhlengestein übersehen worden sind, weil sie nicht zum Artefakteninventar des Menschen gezählt wurden. Mit Rücksicht auf das Gesagte möchte ich mir die Anregung nicht entgehen lassen, allen künftigen Erforschern alpiner Höhlen zu empfehlen, bei den Ausgrabungen einen scharfen Blick auf Vorkommnisse zu werfen, wie wir sie im Drachenloche angetroffen haben. Nur so werden wir zur endgültigen Abklärung wichtiger wissenschaftlicher Fragen gelangen!
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Eine der ersten Fragen, die vom Laien an den Höhlenforscher gestellt werden, ist stets jene: „Sind auch Menschenknochen zum Vorschein gekommen?“ Dabei erinnert sich der Fragende an die vielen Gräberfunde aus späteren und meistens historischen Zeiten, besonders auf dem Freilande, oder aber an die wenigen Reste, die die Forschungen der beiden letzten Jahrzehnte in wirklich alten paläolithischen und neolithischen Ansiedelungen zutage gefördert haben.
Hinsichtlich der Zahl ältester Menschenskelettfunde, d. h. aus der Altsteinzeit, ist zu bemerken, dass sie im Verhältnis zu der grossen Zahl der bekannten Siedelungen aus dieser Periode (mehr denn 300) eine äusserst geringe ist. Sehr oft hat es sich auch gezeigt, dass Funde von menschlichen Knochen in altsteinzeitlichen Schichten gar nicht denselben angehörten, weil erst in viel späterer Zeit ein jüngerer Besiedler hier bestattet wurde und derselbe in die aufgegrabenen alten Kulturschichten zu liegen kam. So traf man auch im Schweizersbild bei Schaffhausen in den altsteinzeitlichen Kulturschichten neusteinzeitliche (neolithische) Ueberreste von Menschen (Pygmäen). Bei der wissenschaftlich-genauen Hebung menschlicher Skelette ist daher stets mit grösster Vorsicht vorzugehen und in erster Linie die üngestörtheit oder Gestörtheit der Fundschicht einwandfrei festzustellen.
Von altsteinzeitlichen Menschenfunden in Höhlen, unter Felsschutzdächern usw. sind, wie gesagt, bis jetzt nur wenig mehr als ein Dutzend bekannt geworden. Wir erinnern an die Funde von Neandertal, von Spy (Belgien), Krapina (Kroatien), Heidelberg, Le Moustier, La Cha- pelle-aux-Saints, La Ferrassie, La Quina (letztere vier in der Dordogne in Südwestfrankreich, Gibraltar, Ehringsdorf bei Weimar; Combe capelle (Dordogne), Galley-Hill (England), Brünn (Mähren), Chancelade, Cro Magnon (beide in der Dordogne), Predmost (Mähren), Mentone. Man hat sich schon oft gewundert, warum die grosse Mehrzahl der Höhlensiedelungen keine menschlichen Ueberreste birgt, da sich doch das Knochenmaterial des Menschen so gut zu erhalten vermag wie enes der Jagdtiere. Die Sache lässt sich aber leicht erklären.
Wenn eine Höhle lange Zeit Wohnplatz des Menschen war, so mochte dieselbe kaum als Begräbnisort gedient haben. Krankheit und Tod gehören von alters her zu den geheimnisvollsten Rätseln für den Menschen. Die Furcht vor dem Tode, dem Toten und vor bösen Geistern finden wir noch in ausgeprägter Form bei heutigen Naturvölkern.120 Die sog. „Hockerstellung“ bei bestatteten Toten hat, wie Richard Andrée mit Recht betont, keinen andern Grund, als die freie Bewegung und die „Wiederkehr“ des Toten zu verhindern. Manche eigenartige Gebräuche, wie die uralte Fesselung des Körpers des Toten, das Binden der Arme und Beine des Verstorbenen haben sich noch bis in die Jetztzeit hinein erhalten (Sächsisches Vogtland). Auch die Hügel und Grabsteine über dem bestatteten Toten gehören in diesen alten Ideenkreis.121
Rücksichten auf die eigene Gesundheit und die Furcht vor dem Toten (die ja auch heute unter Kulturvölkern noch eine mächtige Rolle spielt), haben den Bewohner der Höhle davon abgehalten, den Toten in der eigenen Wohnung zu bestatten. Vielmehr wurden zu diesem Zwecke entferntere Plätze (Grabhöblen!) ausersehen, oder der Tote wurde im Freilande beigesetzt, wo die Zersetzung des Körpers rascher vor sich ging. Bei einigen Höhlenfunden von altsteinzeitlichen Menschen will man beobachtet haben, dass über der Fundschicht des Skelettes eine an menschlichen Werkzeugen leere („sterile“) Schicht lag. Das würde darauf schliessen lassen, dass die Höhle rasch nach der Bestattung des Stammesangehörigen für lange Zeit verlassen wurde. Eine später einrückende Menschensippe hatte aber keine Ahnung von dem, was unter dem Höhlenboden geborgen lag und machte sich daselbst sesshaft.
Wenn wir mit Rücksicht auf das eben Gesagte die beiden altsteinzeitlichen Wohnstätten des Wildkirchli und des Drachenloches auf ihre Eignung als Grabhöhlen betrachten, so ergibt sich von selbst die Erklärung dafür, dass sich bis heute weder von der einen noch von der andern vorgeschichtlichen Niederlassung irgendwelche Funde von menschlichen Knochen oder Skeletten auffinden liessen. Beide tragen den Charakter ausgesprochener Wohnhöhlen, in denen die Besiedler aus guten Gründen keine Begräbnisstätten anlegen wollten. Einzig ein ünglücksfall (Deckenabbruch) oder dann sofortiger Wegzug des lebenden Menschen nach einer an einem Stammesgenossen vorgenommenen Bestattung könnten uns unter Umständen an beiden Orten Skeletteile des Menschen aufbewahrt haben. Ein abschliessendes Urteil ist heute noch nicht erlaubt, da noch grössere Komplexe der Höhlenauffüllungen nicht bearbeitet sind. Wir begnügen uns also für einmal mit dem, was uns der Paläolithiker an sonstigen sichern Zeugen seiner einstigen Tätigkeit im Wildkirchli und im Drachenloch zurückgelassen hat!
Stellt man endlich die Frage, welcher ältern Menschenrasse der Besiedler des Drachenloches angehört haben mochte, so lautet die Antwort wie im Wildkirchli nach Analogie ähnlicher Fundstätten, dass es sich kaum um einen andern Typus gehandelt haben kann als um die bekannte primitive Neandertal rasse. Absolut sichere Beweise gibt es dafür nicht, da eben jegliche wirkliche Knochenfunde des Menschen bis heute fehlen. Ein einziger Fund eines Schädels — der sehnlichste Wunsch meines treuen Mitarbeiters im Drachenloch — würde die wichtige Frage sofort beantworten.
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Werfen wir am Schlüsse dieses Abschnittes die Frage auf, welcher paläolithischen Kulturstufe wir das Drachenloch zuzuweisen berechtigt sind. Da lässt sich in erster Linie die Uebereinstimmung mit den Ergebnissen aus dem Wildkirchli nennen, mit der einzigen Ausnahme des Fehlens von quarzitischem Steinwerkzeuginventar. Doch findet das letztere seinen Ersatz in den gleichartigen primitiven Formen der Seewerkalkartefakte. Fauna und Knochenwerkzeuge zeigen deutliche Parallelen, wenn auch im Drachenloch neben Ursus spelaeus noch sein späterer Vetter Ursus arctos subfossilis auftritt und im Wildkirchli dafür Höhlenlöwe und Höhlenpanther erscheinen. Charakteristisch ist für beide Höhlen das Ausbleiben des gemeinen braunen Bären.
Wir stehen aber im Drachenloch wie im Wildkirchli vor der nämlichen Tatsache einer primitiven Kulturstufe, die wir mit aller Anstrengung weder in eine Vor- noch in eine Nach-Moustérienzeit hineinverlegen können. — Von einem sogenannten klassischen Moustérien kann aber hier keine Rede sein. Noch viel weniger werden Versuche gelingen, beim Drachenloche eine Retardierung von Fauna und Kulturstufen anzunehmen, um demselben ein möglichst junges Alter zu verleihen.122
Dass wir es im Drachenloche mit einer evident paläolithischen Niederlassung des Menschen zu tun haben, wird im Ernste keine Widersacher finden.
Nach den im Wildkirchli wie im Drachenloche gemachten Erfahrungen und nach Durchprüfung eines grossen Fundmateriales möchte ich an dieser Stelle einem Gedanken Ausdruck geben, der mir immer wieder kommt, wenn ich die beiden alpinen prähistorischen Siedelungen mit jenen des Tieflandes vergleiche. Gibt es, so frage ich, nicht gleich wie bei den Sedimenten des Gebirges auch Facies in den Kulturhorizonten der Vorgeschichte? Können wir von einer urgeschichtlichen Bevölkerung, einer kleinen Jägerhorde, die vielleicht Jahrhunderte in weltabgelegener Gebirgseinsamkeit gehaust hat, voraussetzen, dass sie in strengem Konservativismus den konventionellen Formen der Werkzeuge und der Gebräuche treu blieb, oder wird sie sich nicht viel eher an die Notwendigkeit gehalten haben, die die Natur und die Lebensumstände ihr boten? Können sich nicht bei langer Dauer von geschlossenen Kulturkreisen Werte derselben abschleifen, Dinge in Vergessenheit geraten, die sonst Eigentum einer ausgedehnten Epoche in der Menschheitsgeschichte gewesen sind? Gewichtige Gründe führen mich immer mehr zu der Ueberzeugung, dass wir im Wildkirchli wie im Drachenloch mit einer eigenartigen Kultur-Abweichung (Kultur-Facies) zu rechnen haben, die weder mit dem Aurignacien noch mit dem Micoque-Kösten-Sondertypus in irgend welchen Beziehungen steht, die sich aber auch nicht restlos in das übrige bis heute bekannte paläolithische System einordnen lassen will. Kommen wir am Ende dazu, ein besonderes alpines Paläolitbikum als besondere Stufe (Sonderkultur) der Altsteinzeit mit der Annäherung an die Moustérienperiode anerkennen zu müssen? Indem ich diese Frage hier erstmals öffentlich aufwerfe und sie in ernsthaft-wissenschaftliche Diskussion bringe, überlasse ich es den weitern Forschungen in alpinen Höhlen, auch über diese wichtige Sache allmählich volles Licht zu bringen.123
Oder finden wir schliesslich in einer gründlichen Revision und Neuordnung der sogenannten Moustérien-Stufe der Altsteinzeit des Rätsels Lösung? Auf die letztere Frage näher einzugehen ist Aufgabe einer besondern Abhandlung, die ich später veröffentlichen werde. Ich begnüge mich hier mit dem Hinweis darauf, dass die MoustérienStufe, wie auch das ihr vorausgehende Jung- Acheuléen und das sog. Primitiv-Moustérien noch manche offenen Lücken aufweisen, die aber niemals mit dem Hauserschen Micoqueien ausgefüllt werden können.
So viel ergibt sich aus den ges childerten Tatsachen, denen wir im Drachenloche begegneten, dass wir durch dieselben vor ganz neue, bisher nicht geahnte Fragen gestellt sind, und aus denselben neue, wichtige Erkenntnisse für die ganze vorgeschichtliche Wissenschaft gewonnen werden. Sie beziehen sich auch auf eine bedeutende Weitung des prähistorischen Horizontes, dessen Grenzen sich niemals durch schablonenhafte „Systeme“ abstecken lassen. Unendlich mannigfaltig sind die Auswirkungen des menschlichen Geistes, wenn es sich um die Erhaltung des Lebens und um den Erfolg im Kampf ums Dasein handelt. Die Notwendigkeit und die Nötigung, in demselben zu bestehen, sind die ewig treibenden, schaffenden Faktoren, die den Auftrieb von Kulturphase zu Kulturphase besorgen.
Es mag der zukünftigen Forschung, besonders jener in alpinen Höhlen beschieden bleiben, weitere Bausteine herzuzutragen zu dem eigenartigen Fundamente neuer Erkenntnisse aus dem Wildkirchli und dem Drachenloch. Es wäre mehr als voreilig, phantasievolle Gebäude zu errichten, wie solche auch in der jungen Wissenschaft der Urgeschichte schon erstanden sind. — Ich wiederhole hier, was ich an einem andern Orte124 gesagt habe: „Für den Prähistoriker des jetzigen Momentes besteht m. E. die Hauptaufgabe darin, seine Fundstätten nach allen Regeln heutiger Grabungstechnik und -methodik zu bearbeiten. In dem Sinne, dass auch eine spätere Zeit mit vorgerückterer Erkenntnis sich ein völlig klares Bild von den einstigen Fundtatsachen wiederherzustellen vermag. An Hand einer ganzen Reihe von Lokalarbeiten solcher Art wird es möglich werden, die leitenden Fäden zu einem gefestigten Ganzen zu verweben. Wir arbeiten ja wohl „nur für unsere Zeit“ ; in einer bestimmten Richtung aber — eben in der genauen Tatsachenschilderung — sollten unsere Forschungen unter allen Umständen eine gewisse Reife besitzen.“
Man kann, wenn man will, heute das Drachenloch wie das Wildkirchli als „ein ungelöstes Rätsel“ bezeichnen. Freuen wir uns dessen, wenn immer mehr solcher Rätsel dem suchenden Menschengeiste erstehen, da sie stets den mächtigen Anstoss geben zu unaufhaltsamer, ernster, vom Geiste der Wahrheit geleiteter Forschung!
XI. Das geologische Alter der Drachenloch-Niederlassung.
Weitaus schwieriger als die Frage der Zugehörigkeit der Drachcn- lochkulturstätte zu einer der verschiedenen „klassischen“ Stufen des Paläolithikums gestaltet sich jene nach dem geologischen Alter derselben. Wenn schon das Wildkirchli der genauen Einreihung in das Eiszeitschema nicht geringe Schwierigkeiten verursachte, so werden die Verhältnisse im Drachenloche noch verwickelter. Vergessen wir nicht, dass der Kampf um die Zahl der Eiszeiten noch immer wogt und daher eine absolute Sicherheit in der Einstellung einer ältern paläolitischen Niederlassung nicht gegeben ist. Auch da ist noch recht viel Erkenntnis notwendig. Sie wird um so gefestigter und geklärter, je mehr Forschungstatsachen hinzukommen. Denn Wissenschaft und Forschung kennen keinen Stillstand.
Nach Tierwelt und primitiver Werkzeugtechnik können wir das Drachenloch unmöglich zeitlich weder in die Hallstatt- oder Bronzezeit oder ins jüngere oder ältere Neolithikum versetzen. Wie schon betont wurde, hat es auch keinen Platz in den jungem paläolithischen Stufen, etwa im Magdalénien, Solutréen oder Aurignacien. Das Drachenloch gehört tiefer hinunter. Freilich ist es auch jünger als die ersten paläolithischen Stufen, das Chelléen und Acheuléen. Wir haben ihm also die Stelle angewiesen, wo im internationalen Schema das Moustérien steht, behalten uns hier aber Korrekturen vor im Sinne des im vorigen Abschnitte Gesagten.
Da danach das Drachenloch (wie das Wildkirchli) nur mit den eiszeitlichen Erscheinungen in Verbindung gebracht werden kann, so kommen einzig die drei Fragen in Betracht: Ist das Drachenloch, d. h. seine Niederlassung nacheiszeitlich (postglacial), eiszeitlich (glacial), d. h. in eine Hocheiszeit fallend, oder zwischeneiszeitlich (interglacial)?125
Verfolgen wir erst den Gedanken, ob eine Besiedelung dieser Höhle während einer der Eiszeiten (am ehesten kommt die letzte — die Würmeiszeit in Betracht) möglich gewesen wäre! Während der Drachenlochforschungen habe ich den eiszeitlichen Erscheinungen im Gebiete so viel Aufmerksamkeit geschenkt, als mir für eine vorläufige Orientierung notwendig erschien. Namentlich suchte ich die Höhengrenzen der einstigen Hochvergletscherungen festzustellen, was bei unsern Aufstiegen zur Gelbbergalp möglich war. Es sind da vornehmlich die Spuren des ehemaligen Rheingletschers, der sich in einem Nebenarme über den Kunkelspass durch das Tal von Kunkels- Vättis und das Taminatal bis Pfäfers-Ragaz bewegte. Da die Talgehänge von Vättis nordwärts beiderseits sehr steil sind (Gelbberg, Vättnerälpli, Vättnerberg, Vindels bis zur Talsohle) so sind die Ablagerungen von Moränen und erratischen Blöcken den Hängen nach äusserst spärlich, weil dieselben beim Abschmelzen des Gletschers, dem sich ja auch noch jener aus dem Calfeisentale (Taminagletscher) zugesellte, in die Tiefe glitten.
Nun finden wir aber beiderseits der genannten Talgehänge bald kleinere, bald grössere Talböden, die schon Albert Heim126 und Piperoff127 näher bestimmt haben. Ich verweise hier der Kürze halber ausdrücklich auf die dort vorhandenen Darlegungen und beschränke mich auf die Beobachtungen, die ich beim Aufstiege zur Gelbberghütte (südlich des Kreuzbachtobels) gemacht habe.
Auf der sog. Patina, einer kleinen Waldwiese auf 1500 m, treffen wir eine bedeutende Blockstreuung von Bündnergesteinen, von denen einzelne (namentlich Verrucano) über einen Kubikmeter messen. Der nämlichen Erscheinung begegnen wir wieder auf dem sog. „Chrächerli“, ebenfalls einer lichten Waldstelle, etwas unter der geschlossenen Waldgrenze, bei 1720 m und an der letztem selbst. Beim „Brunnenhüttli“, wo wir in die offene Legföhrenregion hinaustreten, sind noch eine ganze Anzahl, aber meist nur kleinere (bis 30 cm Durchmesser) Bündner Erratika zu finden. Die schmale Geländerinne bis zur Gelbberghütte hinauf gibt uns nun Gelegenheit, die oberste Grenze des erratischen Phänomens bis rund 1900 m Höhe128 festzustellen, d. h. etwa 60 m tiefer als die heutige obere Legföhrengrenze, oder 20 m höher als die letzten Einzelstämme der Lärche. — Auf dem südlich gelegenen Kreuzboden (1940) verschwinden alle Spuren ortsfremder Gesteine. Daraus ergibt sich, dass die eigentliche Gelbbergterrasse (Hütte bei 2070 m) während sämtlicher Gletscherhochstände von denselben unberührt geblieben ist. — Die von Piperoff (a. a. 0. S. 42) aufgeführte Blockstreuung erratischer Gesteine auf der Alp Salaz (1790 m) am Calanda bleibt also volle 110 m unter den von mir am Gelbberg beobachteten Erratika zurück. Nach den Höhenlagen der nordostwärts von der Gelbbergterrasse gelegenen Terrassen des Vättnerälpli (am äussersten Ende 1800 m), des Vättnerberg (1614—1500 m) und Vindels (1650—1540 m) müssen also auch dort erratische Gletscherrelikte nachzuweisen sein.
Bei einer Hochvergletscherung im Gebiete bis auf 1900 m lagen der Drachenberg mit dem Drachenloche, ebenso der Vättnerkopf hoch über dem Eise. Wohl zog sich auch aus dem „Täli“ zwischen letzterem und dem Drachenberge ein kleinerer Hängegletscher, der sich auf die Gelbbergterrasse verbreitete und beim langsamen Abschmelzen wahrscheinlich die prächtigen Karrenbildungen im Valangien bei der Hütte Gelbberg erzeugte.
Nach den aufgeführten Tatsachen ist an eine Be- wohntheit des Drachenloches zu irgend einer Hocheiszeit nicht zu denken — so wenig als im Wildkirchli — da es nicht zu verstehen wäre, wie eine so reiche Fauna sich auf dieser Klippe im Eise (Nunatak) hätte erhalten können. Es ist im weitern auch anzunehmen, dass während einer Hocheiszeit der Drachenberg eine richtige Firnkappe trug und die Höhle selber wahrscheinlich mit Eis angefüllt war.
Versuchen wir nun, ein nacheiszeitliches (postglaziales) Alter der Drachenloch-Niederlassung ins Auge zu fassen. Hier stossen wir erst recht auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Wir wissen, dass die beiden schaffhausischen Kulturstätten Kesslerloch und Schweizersbild wie das ganze Magdalénien unter allen Umständen nacheiszeitlichen Alters sind, d. h. ins Achen- und Bühlstadium (nach. Prof. A. Penck) gehören. Somit kann das viel ältere Drachenloch, das ja gar keine Anklänge an die jüngste Stufe der Altsteinzeit (Magdalénien) und keine arkto-alpine Fauna kennt, nicht diesen postglazialen Stadien der Vereisungen angehören. Das Drachenloch aber noch jünger als das Paläolithikum zu machen, das würde jeglichen Rahmen der bisherigen Einordnungen überwerfen. — Denn zur Zeit des Bühlstadiums, d. h. des letzten grössern Gletschervorstosses in der Nacheiszeit, das wir im sog. „Bühl“ bei Vättis (970 m) vor uns haben, lag die Schneegrenze nach A. Penck immer noch auf 1450—1500 m, also fast bis zur Patina hinunter. Ueber derselben wäre die Entfaltung einer Flora und Fauna wie zur Zeit der Drachenlochbesiedelung ganz unmöglich gewesen, desgleichen auch in der von A. Penck vor das Achenstadium gestellten Laufenschwankung.
Wenn wir alle Fundumstände im Drachenloche, sowie die eiszeitlichen Verhältnisse im Tamina-Calfeisental zusammen betrachten, so bleibt für das geologische Alter der Drachenloch-Niederlassung keine andere Deutung möglich, als dass sie in eine Zwischeneiszeit und zwar zunächst in die Riss-Würm-Zwischeneiszeit,129 d. h. den eisfreien Abschnitt zwischen den beiden letzten Eiszeiten hineingehört. Während dieser Zwischeneiszeit hatte der Eisrückzug des grossen Riss-Gletschers im Calfeisentale bis in seine hintersten Winkel stattgefunden. Ja, nach A. Penck mochten die Eismassen noch bedeutend höher zurückgegangen sein als bei der heutigen Schneegrenze im Sardonagebiete (ca. 2400 m), bei welcher der Drachenberg mit 2635 m und seine Nachbarn, ja selbst der Piz Sol mit 2847 m und des Calanda mit 2808 m im Sommer schneefrei werden. Wir dürfen demnach, ohne weit fehlzugehen, den Schluss ziehen, dass die Schneegrenze während der Zwischeneiszeiten wesentlich höher lag als heute, so gut wie die Waldgrenze, die nachgewiesenermassen am Gelbberge selbst noch in historischer Zeit nahe bis zur Höhe der Hütte reichte. Die Funde von Holzkohlenresten in den Feuerstätten des Drachenlochbewohners sind übrigens auch ein Hinweis auf die einstige Nähe der Holzgrenze. Nach allem Gesagten müssen wir auch die damaligen klimatischen Verhältnisse zum mindesten als solche annehmen wie sie heute im Gebiete sind. Sehr wahrscheinlich waren sie aber noch bedeutend angenehmer und günstiger als die jetzigen.
Soviel ergibt sich aus dem Reichtum an faunistischen Ueberresten im Drachenloche, dass die Wohn- und Lebensverhältnisse für den Menschen vorteilhafte, ja sehr günstige gewesen sein mussten. Aus den Fundschichten lässt sich auf eine längere Bewohntheit dieser Stätte durch den Menschen schliessen, die zwar wohl nur Sommer-Jagdstation war und auch sonst zeitweise vom Menschen unbesucht blieb. Ja, es mögen allem Anscheine nach sogar verschiedene Horden von ihr in weiten zeitlichen Abständen Besitz genommen haben, doch gehört ihre Werkzeugstufe ein und derselben einheitlichen Primitivkulturstufe an. Das Ganze schliesst sich zu einem Bilde, dem keine spätem Kulturstufen hier oben mehr folgen.
XII. Allgemeine Betrachtungen.
Ueberblickt man die heutige topographische Situation der Gegend von Vättis und des Drachenberges, so tritt für jedermann die Frage in den Vordergrund: Wie ist der damalige Mensch überhaupt da hinauf und bis zur Höhle gekommen? War nicht schon ihm, der zwar streifender Jäger gewesen ist, und den weder Höhen noch weite Distanzen schreckten, der Aufstieg zum Drachenloch zu mühsam? — Betrachten wir aber einen Augenblick vom Flugzeuge aus, wie das unsere Abb. 27 zeigt, die Talschaft des Taminatales von Norden nach Süden samt den im Neuschnee glänzenden Terrassen (Vindels, Vättnerberg am Fusse des Monte Luna [rechts], Vättnerälpli [am Vättnerkopf], Gelbberg [am Drachenberg, von dem oben noch der gerippte Kamm sichtbar ist, direkt hinter der Spitze des Vättnerkopfes]). Versetzen wir uns einen Moment in die letzte Zwischeneiszeit zurück: Der Talgrund der Tamina einige hundert Meter höher gelegen,130 die tiefen Einschnitte an den Bergflanken des Monte Luna, am Vättnerkopf und Drachenberg (Mühletobel, Radeintobel, Kreuzbachtobel), ausgefüllt, ausgeebnet und die genannten Terrassen zusammenhängend. Da war es ein leichtes, vom Dorfe Pfäfers131 oder von Valens über die prächtigen untern Talböden von Vasön hinauf nach Vindels, Vättnerberg, Vättner- älpli (Ladils) und Gelbberg zu gelangen. Von dort aus war es für den Hochwildjäger eine Freude, zum sichern Höhlenhorte aufzusteigen, der ihm so verheissungsvoll von der Höhe herniederblinkte.
Hier in diesem wildreichen Gebiete wählt er sich seinen Wirkungskreis. Die Jagd auf den Höhlenbären, insbesondere auf die jüngern Tiere, ist ihm durch lange Uebung zur zweiten Natur geworden. Mit scharfen Sinnen bewaffnet, muss er durch List ersetzen, was ihm an körperlicher Kraft und weittragender, sicherer Pfeil-, Metall- und Feuerwaffe abgeht. Das Gelände mit seinem weiten Legföhrendickicht und natürlichen Felsgruben ist zum Eintreiben und zum Fange des Wildes in verkappten Fallgruben wie geschaffen.132 Dann und wann gilt es den Kampf auf Leben und Tod mit dem grimmigen, furchtbar starken Gegner. Doch, wenn der Sieg errungen, das Wild erlegt, da nimmt er es mit starken Armen und trägt’s den Hang hinauf zum sichern Unterschlupfe. Oft wird die Beute schon unten zerteilt und nur das Beste, die mächtigen Bärentatzen, die Schenkel, ein Stück vom „hohen Rücken“ und das Fell (als Kleidung) mitgenommen. Der Kopf wird als Trophäe aufgeladen und dem Schutzgotte der Jagd, dem guten Geiste der Erhaltung und Ernährung des Menschen, geopfert. Die dunkeln Nächte und die düstern Tage, die er in seiner Felsbehausung zubringen muss, erleuchtet des Herdes prasselndes und bald wieder sanft glimmendes Feuer, das ihm zugleich ein Abwehrmittel gegen gefährliche Raubtiere ist. — Wie lange mochte er hier oben sein Jagdhandwerk betrieben haben? — — —
Einst aber kündigten ihm die im hintern Tale langsam wachsenden und zur Höhe steigenden Gletschermassen den Tag an, da auch er von seinem herrlichen Hochsitze Abschied nehmen musste, dem Gletscher und der Kälte weichend, die mählich auch seine Jagdtiere nach dem Lande draussen vertrieben. Wohin er sich gewendet hat, dieser älteste Besiedler unseres Hochgebirges? Kein Mensch weiss es! — Jahrtausende ist’s wieder still geworden vom Jagdgeschrei am Drachenberge oben. — — —
Keines Urmenschen flüchtiger Fuss hat während der noch folgenden Gletscherzeit (Würmeiszeit) und der Rückzugsstadien des letzten Gletschereises Tal und Höhen dieses Gebietes mehr betreten. Der dem Altsteinzeitmenschen folgende Pfahlbauer (Neolithiker) entwickelte sich friedlich in seiner auf Pfählen in den Seëgrund aufgebauten Hütte zum sesshaften Menschen fort. Ackerbau, Viehzucht, Weberei und Töpferei enthoben ihn der mühsam-gefährlichen Jagd auf Wildtiere in Bergeshöhen und des primitiven Lebens in Höhlen. Eine weite Spanne Zeit trennt den Hochwildjäger vom Drachenloch von jenem Menschen, der in der reichen Verwertung der Metalle (Bronze und Eisen) einen bewunderungswürdigen Grad der materiellen Kultur erstieg.
Jahrtausende sind über die Menschheit dahingerauscht. Menschen und Völker sind gekommen und gegangen. Vom Aufgang und Niedersinken von Kulturen, von Menschenwohl und Menschenwehe berichtet uns die Spatenarbeit desürgeschichtsforschers wie der Griffel des Historikers.
Neben der rein materiellen Bearbeitung vorgeschichtlicher Fundstätten bewegen uns aber immerfort Fragen menschlich-geistiger Art:
Welches ist Herkunft, Ziel und Bestimmung, Aufgabe und Verantwortung des Menschen? Lässt sich bei ihm, wie in der äussern Lebensgestaltung, in der Herstellung von Werkzeug, Kleidung, Wohnung usw. auch auf geistigem, sittlich-moralischem Gebiete ein kontinuierlicher oder sprunghafter Fortschritt auf dem Wege der Entwicklung, der Evolution zum Höheren, erkennen? Sind Kulturen Kreise, die in sich selbst zurückgehen und darum gänzlich untergehen? Oder ist Entwicklung an die Wellenlinie (wie alle Bewegung, alles kosmische Geschehen) gebunden, die Höhen- und Tiefstände von Kulturen (letztere infolge von Rückfällen in roh-materielles Leben) haben, deren Höhepunkte aber mit fortschreitender Entwicklung letzten Endes doch ein „Höher“ bedeuten? Wird das allgemein-menschliche Sein, das ewig zwischen der Erhaltung der Art und des Individuums pendelt, stets das nämliche sein, oder gibt es darüber ein Reich, in das bis heute nur Auserlesene der Menschheit eingetreten sind?
Dürfen wir eine Zeit erhoffen — wenn wir sie selbst auch nicht mehr erleben — wo wahres Menschsein und Menschenglück gleichbedeutend sind mit dem „harmonischen Ausleben der Individualität, der freien, steten Vervollkommnung der Persönlichkeit,“ in der Wertschätzung des eigenen Lebens und dem unseres Nächsten, in gegenseitiger Förderung und Hilfe, wo der Glaube an das Gute die Erlösung des Menschengeschlechtes bedeutet? - An die Entwicklung des Menschen glauben, das ist Vermenschlichung auf dem Wege zum Vollmenschentum, zur „Civitas humana“.
Schlusswort
Das Wildkirchli im Säntisgebirge, sowie die prähistorische Niederlassung in der Höhle von Cotencher im Kanton Neuenburg waren bis zum Jahre 1917 die beiden einzigen urgeschichtlichen Kulturstätten aus dem ältern Abschnitte der Altsteinzeit (Altpaläolithikum) des Schweizerlandes. Dem geologischen Alter nach gehören sie in die Zeit jener gewaltigen Erscheinung der Vereisung Europas, d. h. in eine zwischen zwei Eiszeiten gelegene, klimatisch günstige Zwischeneiszeit. Kesslerloch und Schweizersbild und andere längst bekannte Fundstätten (siehe Seite 2 und 3) sind spätere, an den Ausgang der letzten Eiszeit gehörende vorgeschichtliche Niederlassungen.
Mit der Entdeckung der Drachenlochfunde (1917) ist nun die dritte älteste Besiedelungsstätte in der Schweiz bekannt geworden, die sich dem Alter nach an das Wildkirchli und an Cotencher anschliesst. Damit ist auch der Kanton St. Gallen in die Reihe der ältern altsteinzeitlichen Niederlassungen vorgerückt und zwar mit einer Fundstätte, die wohl auf längere Zeit hinaus als die höchstgelegene auf unserm Kontinente gelten wird.
Bisher waren im Kanton St. Gallen aus der ganzen langen Periode der Steinzeit nur zwei kleine neusteinzeitliche (neolithische) Landansiedelungen bekannt, nämlich in der Felsenkluse des Hirschensprunges (zwischen Oberriet und Rüti) und auf dem dem Dorfe Heerbrugg westlich vorgelagerten Molassehöhenzuge.
Würdig und in seiner Art einzig reiht sich das neuentdeckte st. gallische Drachenloch dem appenzellisch-innerrhodischen Wildkirchli an, dessen Bedeutung allgemein anerkannt ist, das nun aber hinsichtlich der Höhenlage um 1000 m tibertroffen wird. — In überraschender Weise hat sich durch die Forschungen im Drachenloch die üebereinstimmung der beiden Niederlassungen hinsichtlich ihrer Kulturstufe und ihres geologischen Alters erwiesen. Die Ergebnisse aus der einen und der andern Stätte sind gegenseitige Bestätigungen und Ergänzungen, wie sie kaum besser gedacht werden könnten.
Wildkirchli und Drachenloch deuten aber mit Bestimmtheit darauf hin, dass zwischen und neben ihnen noch weitere älteste menschliche Siedelungen vorhanden sein müssen. — Aufgabe der kommenden systematischen Forschungen innerhalb des alpinen und des übrigen Gebietes der Ostschweiz ist es, den Spuren derselben nachzugehen und die Einzelbilder zu einem geschlossenen vorgeschichtlichen Kulturkreise zu vereinigen.
Der Stand der Forschungen im Drachenloch, die bereits ein einheitliches Tatsachenbild aufweisen, rechtfertigt heute eine erste grössere Veröffentlichung über dieselben. Sie ist der Vorläufer der rein wissenschaftlichen Abhandlung, die sich mehr mit der Einzelbeschreibung der Funde und mit den diluvialgeologischen Altersfragen beschäftigen wird. Immerhin sind auch die in der vorliegenden Schrift aufgeführten Fundtatsachen bereits für den Fachmann der Prähistorie von grosser Bedeutung und für eine allgemeine Orientierung hinreichend.
Die Drachenlochforschung fällt in die allerschwerste Zeitlage, die die Menschheit je erlebt hat. Mit um so grösserem Danke dürfen wir der kraftvollen Förderung gedenken, die unsere Forschung von Seite des ortsbürgerlichen Verwaltungsrates der Stadt St. Gallen und einiger Privaten erfahren hat. Sie ist ein beredtes Zeugnis dafür, dass der Sinn für Wissenschaft, der in der Erforschung der heimatlichen Natur und Geschichte wohl seinen schönsten Ausdruck findet, bei uns noch nicht verloren gegangen ist.
Die vorliegende Schrift verdankt ihre Drucklegung vorab dem regen Interesse, das die St. Gallische Naturwissenschaftliche Gesellschaft und besonders ihr Präsident, Herr Dr. H. Rehsteiner, der Drachenlochforschung von Anfang an zugewendet haben. Dem finanziellen Beistand des städtischen Ortsverwaltungsrates und jenem von Herrn Arnold Mettler-Specker in St. Gallen ist es zuzuschreiben, wenn der Schrift die feine Ausstattung mit zahlreichen Bildern zugedacht werden konnte.
Ausser den schon auf Seite 10 dieser Schrift genannten Behörden verdanke ich hier das freundliche Entgegenkommen des kantonal- st. gallischen Militärdepartementes (Chef: Herr Landammann Dr. A. Maechler) für die leihweise Ueberlassung einer Anzahl Militär-Wolldecken für unser sonst ziemlich primitives Nachtlager in der Gelb- bergalphütte.
Der herzlichste Dank gebührt vor allem meinem Freunde Dr. H. Rehsteiner für die rege Unterstützung in der Bereinigung des in verhältnismässig kurzer Zeit entstandenen Manuskriptes und für die gütige Mithilfe bei der Korrektur der Druckbogen.
Die der Schrift beigegebenen Bilder entstammen den photographischen Aufnahmen der Herren Fliegeroberlieutenant Walter Mittelholzer von der Ad-Astra-Aero-Gesellschaft in Zürich, Max Albert in St. Gallen und Fr. Schmidt in Ragaz. Die Clichés sind nach Anleitungen des Verfassers von der bestbekannten Zinkographiefirma M. John in St. Gallen mit besonderer Sorgfalt erstellt worden.
Es ist zu erwarten, dass die Ergebnisse aus der Drachenlochforschung in den Kreisen der Vorgeschichtsforscher zu reger Aussprache Veranlassung geben werden. Die grösste Genugtuung für den Verfasser dieser Schrift besteht aber darin, dass durch eine kräftige Inangriffnahme weiterer Höhlen in günstiger Lage unseres herrlichen Alpengebirges möglichst viele Belege herzugetragen werden zur gründlicheren Kenntnis der allerältesten Besiedelung unseres lieben Vaterlandes.
Erklärung zu den Abbildungen.
Abb. 1. Bergdorf Vättis mit Blick in das Calfeisental. Zu Seite 13. Im Vordergründe über dem Dorfe die prächtige alte Flussterrasse. Zur Linken der östliche Ausläufer der Ringelkette (Simel, Orgeln). Zur Rechten: Fuss und bewaldeter Südosthang des Gelbberg-Drachenberges. Vom eigentlichen Drachenberg sind nur die untersten Felsterrassen sichtbar. Links neben dem Drachenberg der gewaltige Felsbau des Gigerwaldspitz (mit kleiner Spitze). Im Hintergründe des Calfeisentales (bei völlig klarem Wetter) : der Piz Sardona.
Abb. 2. Oestlicher Abhang des Gelbberg-Drachenberges gegen das Taminatal. Zu Seite 15 und 16. Unten der Talgrund (Strasse Pfäfers-Vättis), nahe dem Dorfe Vättis. Inmitten des bewaldeten Hanges das in der schwarzen Schlucht verborgene Kreuzbachtobel; zu seiner Linken, im Walde versteckt, der Aufstieg zur Gelbbergalp und zum Drachenberg. Zu oberst der Drachenberg, in seiner Felswand das Drachenloch (schwarzer Punkt). Zur Rechten ein Teil des Vättnerkopfes. Neuschneebedeckung Oktober 1917.
Abb. 3. Südosthang des Drachenberges gegen das Calfeisen- und Kunkelsertal. Zu Seite 15 und 16. Unten Wiesenterrasse Mattlina bei Vättis. Eingang ins Calfeisental. Zu oberst im Drachenköpfe d. Drachenloch (schwarzer Punkt). Rechts oben die Gelbbergalp. Neuschneebedeckung Oktober 1917.
Abb. 4. Gelbbergalp mit Hütten Gelbberg auf altem Karrenfeld. Zu Seite 18. Im Hintergrunde links die Panärahörner, rechts die Ringelspitze mit dem Ringelgletscher, rechts neben der neuen Alphütte der grasige Südosthang des Drachenberges.
Abb. 5. Gelbbergalp mit dem vordem (südlichen) und hintern (nördlichen) Drachenberg. In der Felswand des vordem Drachenbergs die Drachenlochhöhle. Unter dem hintern Drachenberg der untere Teil des sog. „Täli“. Zu Seite 18. An Abb. 5 schliesst sich panoramatisch an:
Abb. 6. Gelbbergalp mit den beiden Alphütten (alte und neue) und dem Vättnerkopf („Aelplikopf“). Zu Seite 18. Auf dem mächtigen, breit ausladenden Flyschmantel des Vättnerkopfes setzt sich der groteske JuraKreidestock der Drachenbergüberschiebung auf. Am Fusse der Jura-(Malm-) wand befinden sich zahlreiche höhlenartige Felsschutzdächer. Zur Linken des Vättnerkopfes der oberste Teil des sog. „Täli“ und Uebergang zum hintern Drachenberg Zwischen der Gelbbergterrasse und dem Vättnerkopf liegt der Anfang des Kreuzbachtobels.
Abb. 7. Gelbbergalphütten, östlicher Hang des Drachenberges und in der obersten Felswand die Höhle des Drachenloches. (D). Zu Seite 19 u. 20. Man vergleiche hiezu das geologische Profil (Abb. 14). Die neue Schäferhütte dient zu unserer Unterkunft. Auf dem Bilde ist der Aufstieg zum Drachenloch mit Punkten markiert.
Abb. 8. Westseite des Drachenberges, vom Gigerwaldspitz aufgenommen. Zu Seite 33 Fussnote 2 und Seite 56. Im Vordergrunde die Tersol- bachschlucht. Wundervoll hebt sich der Drachenkopf mit seinem Jura- (Malm-) Kreidegestein (Oehrlikalk, Valangien, Kieselkalk, Drusbergschichten, Schrattenkalk, Gault = schwarze, gebogene Linie, Seewerkalk) von dem mächtigen, flacher geböschten Flyschgestelle ab. — Rechts im Hintergründe der Calanda (höchster Gipfel).
Abb. 9. Drachenlochhöhle. Ansicht des Höhleneinganges. Zu Seite 19 u. 20. Die hellen Gesteinsschichten unter dem Höhleneingange sind Schrattenkalk, das breitere, dunklere Band neben und unter dem Eingangstor = Gault und die ganze Felswand neben und über der Höhle = Seewerkalk. Ueber dem Höhlenportal sieht man den leicht gebogenen Gesteinsriss, auf dessen Verlauf im Innern des Berges die Höhle liegt. Vorn am Eingang der Fund-Sortiertisch.
Abb. 10. Längsschnitt, Grundriss und Querschnitte der Drachenlochhöhle. Zu Seite 33 —38 und 72 u. ff. Maßstab 1 :300. Im Längsschnitte ist das Längsgrabungsprofil in Höhle II und III, sowie jenes in der Höhle I eingetragen. Im Grundriss sind die ausgegrabenen Flächen gestrichelt eingezeichnet (1921). Der Boden des Kuppelbaues (K) in Höhle I und die Höhlenteile IV, V und VI sind noch nicht ausgegraben.
Abb. 11. Innenansicht der Höhle I. Zu Seite 34 u. ff. Rechts im Vordergründe der hölzerne Trog, dessen Höhlentropfwasser zur Speisung der Acetylenlampen dient. Im Hintergründe rechts der Kuppelbau mit natürlicher Aushöhlung. Links, wo der weisse Pfeil eingezeichnet ist, befindet sich der zur Zeit der photographischen Aufnahme noch unausgegrabene Einschlupf in die hintern Höhlenteile (II—VI).
Abb. 12. Aussicht vom vordersten Teil der Drachenlochhöhle (gegen Osten). Zu Seite 34. Unten die Gelbbergalp mit den beiden Hütten. Noch tiefer das Taminatal. Die Mittelpartie ist ein Teil des nördlichen Ausläufers des Calanda. Im Hintergründe das Prätigau und das Silvrettamassiv. Links neben der Gelbbergalp das Kreuzbachtobel.
Abb. 13. Geologisches Profil durch das Calfeisental. Zu Seite 47 u.ff. Die linke Talseite ist nach den Kulissenprofilen von Dr. M. Blumental zusammengestellt. Um die ganze Schichtenfolge, neben der Panära- und Orgelnfalte, zu zeigen, ist der Talgrund von Vättis ebenfalls in das Profil eingezeichnet. Die Drachenbergüberschiebung schliesst in diesem Profil an die Panärafalte an. Dr. J. Oberholzer, Glarus, bringt nach seinen neuesten Untersuchungen die Drachenbergüberschiebung mit der tiefer liegenden Orgelnfalte in Verbindung. Zur Vervollständigung der ganzen geologischen Situation ist auch die höchstgelegene Glarner Verrucanodecke in zwei kleinen Teilstücken (Ringelspitz und Piz Sol) noch eingezeichnet, wobei die Piz Sol-Partie weiter nach Norden verschoben gedacht werden muss.
Abb. 14. Geologisches Profil durch den Drachenberg. Zu Seite 51 u. ff. Nach eigenen Erhebungen. Vergleiche dazu die Abb. 5 und 7. Die stark punktierte Linie (D.-Ue.) deutet die Drachenbergüberschiebung über dem autochthonen Gebirge an. Die stark ausgezogene schwarze Linie ist der Gault der autochthonen und der überschobenen Kreide.
Abb. 15. Zeichnerisches Grabungsprofil (Querschnitt) aus dem Durchlasse der Höhle II ZU III. Hiezu die Erklärung der Grabungsschichten I—VI auf Seite 77 —81. Der Kohlenherd (K) und die Schädelgrube (Sch) = Steinkiste sind absichtlich kräftig eingezeichnet. — Pl = künstlich, d. h. vom Höhlenmenschen gelegte Steinplatten.
Abb. 16. Photographische Aufnahme eines Grabungsprofiles aus der Höhle II. Schicht III und IV heben sich im Bilde scharf von einander ab. In der IV. Schicht kommt eben ein Höhlenbärenschädel zum Vorschein, dessen hinteres Ende noch in der Erde steckt. Zur Deutlichmachung ist der Schädelrand nachgezeichnet worden. Das ist der nachmals der Länge nach durchgesägte Höhlenbärenschädel, dessen Inneres noch so gut erhalten geblieben ist. Siehe Abb. 18 unten.
Abb. 17. Grösster Schädel eines Höhlenbären aus dem Drachenloch. Zu Seite 95. Siehe die Masse daselbst. Besterhaltenes Stück, das keiner Rekonstruktion bedarf. Maßstab: 1:3,4.133
Abb. 18. Längsschnitte durch die Schädel eines gemeinen braunen Bären (Ursus artos L.) aus Russland (1903) und eines Höhlenbären (Ursus spelaeus) aus dem Drachenloch. Zum Vergleiche einander gegenübergestellt. Text Seite 98. Man beachte die wunderbare Erhaltung der Innenteile des Höhlenbärenschädels (Grosshirn-, Kleinhirnhöhle, Cavum nasi, die Riechmuscheln (Conchae) und den Bulbus olfactorius, sowie die Stirnhöhlen. Vergleicht man die Grosshirnhöhle der beiden Bärenarten, so ergibt sich, dass das Grosshirn beim Höhlenbären verhältnismässig kleiner ist als jenes des gewöhnlichen braunen Bären. Maßstab: 1:3,2.
Abb. 19. Schädel von Ursus arctos subfossilis Midd. Vom Drachenloch. (Ohne Unterkiefer). Zu Seite 99. Erwachsenes Individuum. Flache Stirne. Schnauzenteil zum Schädelteil = 1:1. Die zwischen dem hintersten Backenzahn und dem Eckzahn liegenden Backenzähne sind teilweise abgebrochen. Maßstab: 1:2,6.
Abb. 20. Benützte Knochen = Knochenwerkzeuge des Drachenlochmenschen. Zu Seite 115. Alle Stücke von Höhlenbären. Bruchstücke von Gliedmassen- (Extremitäten-) knochen. Die Bruchränder sind sichtlich abgenutzt. Bei einzelnen Stücken ist die schwammige Knochenmasse (Spongiosa) noch gut erhalten, weil die Abnutzung daselbst nicht möglich war. Das oberste Stück ist vollständig geglättet. Es sind sogenannte Fellglätter. Maßstab: 1 :1,7.
Abb. 21. Knochenwerkzeuge des Drachenlochmenschen. Wadenbeinbruchstücke. Zu Seite 116. Das eine Gelenkende des Wadenbeins (Fibula) ist vollständig erhalten. Die Bruchenden zeigen den bekannten „Flötenschnabelbruch“ (schräger Querbruch). Sie sind abgebraucht, geglättet und poliert durch längern Gebrauch in Menschenhand. Sie dienten als Fellablöser. Maßstab: 1:1,45.
Abb. 22. Knochenbruchstücke u. a. des Höhlenbären. Zu Seite 117. Die Flötenschnabelbrüche sind z. T. noch scharfkantig und nicht abgenützt. Die Stücke lagen bei denjenigen von Abb. 21. Es sind zu Werkzeugen (Fellablöser) erst zubereitete Knochenbruchstücke. Der breite Knochen besitzt Schlagspuren, die vom Menschen herrühren. Das lange schmale Stück daneben ist ein Os penis des Höhlenbären, das gerne als Werkzeug benützt wurde. Maßstab: 1:1,6.
Abb. 23. Spitzenartige Knocheninstrumente des Drachenlochmenschen. Zu Seite 117. Von den Massen solcher benützter Knochensplitter sind hier nur einige wenige abgebildet. Ihr Gebrauch in Menschenhand ist leicht nachzuweisen. Ein ausgezeichnet poliertes und seitlich (links oben) abgeschliffenes Stück ist Nr. 5 in der obern Reihe. Maßstab: 1 :1,4.
Abb. 24. Gebrochene Hüftgelenkknochen des Höhlenbären mit abgebrauchtem Gelenkpfannenrand. Zu Seite 118. Von den mehreren hundert Funden dieser Art sind hier die auffälligsten im Bilde wiedergegeben. Man beachte den breiten Rand der Gelenkpfanne in dem nach links gerichteten Teile des Knochenbruchstückes. Maßstab: 1: 2,5.
Abb. 25. Gebrochene Unterkiefer des Höhlenbären, mit erhaltenem, abgebrochenem oder gänzlich fehlendem Eckzahn. Das unterste Kieferbruchstück in der ersten senkrechten Reihe stammt von einem alten Höhlenbären ; es zeigt deutliche Spuren der Abnützung. Zu Seite 120. Maßstab: 1:2,4.
Abb. 26. Steinwerkzeuge des Drachenlochmenschen. Zu Seite 124 u. ff. Alles Seewerkalkstücke in Spitzen- und Schaberform. Natürliche Grösse des mittleren grossen Stückes: 8.5 :4,8 cm. Eigentliche Randkerben durch Schlag oder Druck fehlen. Es sind nur Gebrauchsspuren vorhanden. Maßstab: 1: 1,8.
Abb. 27. Terrassenlandschaft im Taminatale. Zu Seite 135. Fliegeraufnahme von Oberlieutenant W. Mittelholzer. Das Flugzeug fährt von Pfäfers her ins Taminatal hinein. Im tiefsten Teile hinten das Dörfchen Vättis (Lupe!), links der Calanda (C), rechts Monte Luna (M), Vättnerkopf (V) und Drachenberg (D), unter denselben die schneebedeckten Felsterrassen Vindels, Vättnerberg, Vättnerälpli-Ladils und Gelbberg: dieeinstigen leichten Zugänge in vorhistorischer Zeit auf die Gelbbergterrasse und in das Drachenloch. Im Hintergründe die Ringelspitze (R).
Abb. 28. Vättnerkopf (Mitte) und Drachenkopf (↓) links vom Vättnerkopf. Fliegeraufnahme von Oberlieutenant W. Mittelholzer. (Oktober 1921). Unter den beiden Bergen die Felsterrassen von Ladils und Gelbberg. (X) Rechts vom Vättnerkopf die Alp Calvina mit dem Calvina-Radeinbach. Oben rechts der Gipfel des Piz Sol. In der Mitte des Hintergrundes das Satzmartinshorn, darunter das Tersoltal. Links im Hintergrund : Blick in das hintere Calfeisental mit dem Sardonagebirge.
Fußnoten
— — Die prähistorische Kulturstätte in der Wildkirchli-Ebenalphöhle. Verhandlungen der Schweiz. Naturforsch. Gesellschaft in St. Gallen. 1906.
Résumé zum Vortrag: Die prähistorische Kulturstätte in der Ebenalp-Wild- kirchlihöhle. Bericht über die Prähistoriker-Versammlung in Köln. 1907.
— — Die Wildkirchlihöhlen bei Schwendi (Appenzell I. Rh.). Originalbericht im ersten Jahresbericht der Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte (Société suisse de Préhistoire). 1909.
— — Das Wildkirchli, die älteste prähistorische Kulturstation der Schweiz und ihre Beziehungen zu den altsteinzeitlichen Niederlassungen des Menschen in Europa. Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Heft XLI. 1912.
— — Das Wildkirchli, eine allgemeinverständliche Monographie. (Umfasst alles Wissenswerte, was sich an diese Stätte knüpft). Im Manuskripte fix und fertig. Erscheint im Drucke, sobald die Druck- und Herstellungskosten günstigere Gestaltung angenommen haben.
Ueber das Wildkirchli vergleiche man auch: Penck u. Brückner: Die Alpen im Eiszeitalter. Bd. III. S. 1173—1176. Schenk: La Suisse préhistorique 1912, S. 96—101. H. Obermaier: Das geolog. Alter des Menschengeschlechtes. Mitt. d. Geolog. Gesellsch. Wien. III. 1898. S. 290—322. H. Obermaier: Les formations glaciaires des alpes et l’homme paléolithique. Paris. L’Anthropologie T. XX. 1909. S. 497—522. H. Obermaier: Der Mensch der Vorzeit. Bd. I. Der Mensch aller Zeiten. Allgemeine Verlagsgesellschaft München. 1912. S. 161 u. ff. R. Forrer: Reallexikon der prähistorischen, klassischen u. frühchristlichen Altertümer. Berlin. Spemann. 1907. S. 901. R. Forrer: Urgeschichte des Europäers. Stuttgart. Spemann. 1908. George Grant Mac Curdy: Recent Disco- veries Bearing on The Antiquity of Man in Europe. Washington. Smithsonian Institution Report for 1901. S. 543—547. Schmidt, Koken u. Schlitz: Die diluviale Vorzeit Deutschlands. Stuttgart. Schweizerbartscher Verlag. 1912. S. 171, 192—193, 261. F. Schwerz: Die Völkerschaften der Schweiz von der Urzeit bis zur Gegenwart. Stuttgart. 1915. S. 7 u. ff., S. 65. Berichte der Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte: Bd. I, IV, V, VI, VII, IX, X, XI. XII. F. Wiegers: Ueber das Alter des diluvialen Menschen in Deutschland. Zeitschrift der Deutschen geolog. Gesellsch. Bd. 65, 1913, Monatsbericht Nr. 11. S. 564 ff. und Bd. 64, Jhrg. 1912, Monatsbericht Nr. 12, S. 603 u. 605. (Die geolog. Grundlagen für die Chronologie des Diluvialmenschen). L. Pfeiffer: Die steinzeitliche Technik. Jena. Gustav Fischer. 1912. S. 3, 72, 132, 230, 329. L. Reinhardt: Der Mensch zur Eiszeit in Europa. München. E. Reinhardt. 1913. K. G. Volk: Geologisches Wanderbuch. II. Bd. Leipzig. Täubner. 1915 usw. Albert Heim: Geologie der Schweiz. I. Bd. S. 336 ff.
Aug. Dubois: Note sur les fouilles exécutées en 1916 dans la grotte de Cotencher. Mus. neuch. N.F. 3 (1916). p. 145—151. Aug. Dubois (Neuchâtel): Les Fouilles de la Grotte de Cotencher. Actes de la Société Helvétique des Sciences Naturelles, réunie à Neuchâtel (1920), 101e Session. Aarau. H.R.Sauerländer. 1920. Ferner: Jahresberichte der Schweiz. Gesellschaft f. Urgeschichte 1915. 1916, S. 36—38. 1917, S. 23—25. 1918 (H. G. Stehlin) S. 42 u. 43. In den obern Schichten der Höhle von Cotencher wurde auch Neolithicum gefunden (Pfriemen, Knöpfe, Steinäxte, Pfeilspitzen aus Knochen). S. G. U. 1918, S. 32.
Die geologische Literatur ist im Abschnitte IV dieser Schrift (S. 49/50) aufgeführt. Zur topographischen Karte 1:50,000 (Siegfriedatlas: Blätter Vättis und Elm) benütze man : Becker, Frid. Itinerar S. A. C. Graue Hörner-Calanda-Ringelspitz 1888.
Die Schreib- und Sprechweise „Kalfeusen“, „Calfeusen“, anstatt Calfeisen (in alten Urkunden = Calfeissen) sollte ein für allemal verschwinden, da sie mit den urkundlichen Uberlieferungen nichts zu tun hat. Die Eschmannkarte schreibt auch Calfeusen. Im Volksmunde wird „Calveis“ kaum gebraucht.
Johann Stumpff: Gemeiner loblicher Eydgenossenschaft Stetten, Landen vnd Völckern Chronik wirdiger thaaten Beschreybung (Zürich, Froschauer) 1548.
Conrad Gessner: Thierbuch 1606: Abteilung „De Serpentibus“ oder Schlangenbuch.
Johann Jacob Scheuchzer: Itinera per Helvetiae alpinas regiones, tomus tertius. 1723.
Weitere Walsersiedelungen neben den schon genannten sind bekannt im Prätigau, Davos, Langwies, Arosa, Valzeina, Stürvis, an den Berglehnen von Maienfeld bis Chur- walden, auf dem Heinzenberg, im Oberhalbstein, Avers, um den Calanda, Walserberg, Vorder- und Hinterpalfries (letztere drei nördlich vom Gonzen), am Triesener Berg, im kleinen und grossen Walsertal (Vorarlberg) und auch im Tirol.
Da die Streichrichtung der Drachenbergwestwand 348° NNW beträgt, also nicht genau parallel der Ostfelswand verläuft, die Länge der Südseite des Berges (bis zu dem isolierten Felskopfe) = 90 m misst, so ergibt sich bei einer wirklichen Höblenlänge des Drachenloches von 65—70 m eine Differenz von etwa 12 m. Um so viel müsste demnach die Drachenhöhle verlängert werden, um auf dem auf der Westfelswand wohl 30 m hoch über dem schmalen Rasenbande gelegenen schwärzlichen Gesteinsband (Gault) einen schauerlich-schönen Ausblick ins Tersoltal zu geniessen. (Blick aus hohem Felsenfenster.)
Albert Heim: Beobachtungen aus der Wurzelregion der Glarner Falten (helvetischen Decken). Beiträge zur Geolog. Karte d. Schweiz. Neue Folge. XXXI. Lfg. (1911).
Albert Heim: Der Bau der Schweizeralpen. Neujahrsblatt der Naturforsch. Gesellschaft Zürich 1908 (110. Stück), S. 9 u. ff.
Paul Arbenz: Die Fallenbogen der Zentral- u. Ostschweiz. Vierteljahrsschr. d. Zürch. Naturf. Ges. 58. Jhrg. (1913).
Als parautochthon bezeichnet man nach Arnold Heim (a. a. O., S. 33) „diejenigen deckenförmigen Falten und Schuppen, die nach Facies und Tektonik unmittelbar mit dem autochthonen Massivmantel verknüpft oder von dort durch höhere Decken abgerissen und passiv verschleppt worden sind, nicht aber erst von dessen Südseite stammen.“
Ueber den Deckenbau der Schweizeralpen, die Ueberschiebungs- und Faltungserscheinungen orientiert man sich am besten in den ersten Kapiteln von Bd. II der Geologie der Schweiz von Prof. Albert Heim, und in des gleichen Verfassers Schrift: Der Bau der Schweizeralpen (Neujahrsblatt der Zürcher. Nat. Ges. 1908).
Nach W. Manz (Beiträge zur Ethnographie des Sarganserlandes, S. 98—99) wurde am 23. November 1799 zufolge der Weisung eines landvögtlichen Schreibens nach einer dreimonatigen Hetzjagd ein 3 Zentner schwerer Bär durch Jakob Wildhaber von Sargans, den sog. Klosterjäger, durch einen einzigen Flintenschuss im Calfeisental erlegt und hierauf unter Trommelschlag und grossem Jubel aus demselben hinaustransportiert.
Nach den mündlichen Mitteilungen von David Kohler, Bergführer in Vättis (f), soll der letzte Bär auf der Alp Schraea im hintern Calfeisental ein Rind angefallen und gefressen haben. Nach D. Kohler heisst ein jetziger Weideplatz auf der Panäraalp „Bäre- fahd“ (Fahd = Pfad, Weg), ein Boden darüber „Bärefahdboden“. Eine Stelle an einem Felsen unter der Sardona hiess auch „Bi der Bärefalle“. — Der gleiche Gewährsmann erzählte mir auch, dass die Leute des Calfeisentales zur Zeit, als es dort noch Bären gab, eigentliche tiefe Bärengruben erstellten, die sie mit losen Aesten und Laub bedeckten und als Locktier eine Ziege an Ort und Stelle banden. Schon im Jahre 1742 treffen wir in der durch die Bewohner von Calfeisen aufgestellten Satzung (Pfäf. Regesten Nr. 670) folgenden Passus: „Item, wen man in Calfeysen Wolff oder Beren jnnen würt vnd man die Lüt jn demselben teyll wissen lat, So soll jederman louffen, es seyend jngesessen thallüt oder goyell (?) die den da alpend, vnd die thier Helffen Jagen vnd vertriben.“ 1529 wurde von den Bewohnern des Sarganserlandes ein Schussgeld von 5 Gulden an die Erlegung eines Bären oder Wolfes ausgesetzt. Noch am Ausgange des 18. Jahrhunderts war die Verfolgung wilder Tiere gemeinsame Sache. Die Kirchenglocken riefen die wehrfähige Mannschaft des ganzen Tales zur gemeinsamen Treib- und Hetzjagd auf. (Nach Manz, a. a. O. 96—98.) Auch der Luchs war damals noch vorhanden.
a ) Troglophylen, d. h. Tiere und Pflanzen, welche zwar auch ausserhalb der Höhlen vorkommen, die Höhlen aber als Wohnorte bevorzugen.
b) Troglobien oder echte Höhlenbewohner, das sind Tiere und Pflanzen, welche sich nur in Höhlen vorfinden (z. B. Höhlenfische, Grottenolm, Höhlenkrebse usw.).
c) Zeitweilige Höhlenbewohner, das sind Tiere, deren Lebensbedingungen ausserhalb der Höhlen liegen, die daher nur zu gewissen Zeiten die Höhlen als Wohnstätten aufsuchen (z. B. Raubtiere, Fledermäuse u. a.), auch der Mensch.
Ueber die Tierwelt der Höhlen orientiert in vorzüglicher Weise W. Kobelt, die Verbreitung der Tierwelt, 29. Kap.: Höhlentiere, S. 543—552 und 0. Hamann: Europäische Höhlenfauna. Jena 1896.
Die alpine Grossfauna finden wir immer noch am schönsten dargestellt in dem stets klassisch bleibenden „Thierleben der Alpenwelt“ von Fr. v. Tschudi. Für das Studium der alpinen Tierwelt seien liier noch folgende Schriften genannt: F. Zschokke: Die Tierwelt der Alpen einst und jetzt. Basel. 1920. — F, Zschokke: Die Tierwelt der Schweiz in ihren Beziehungen zur Eiszeit. Basel. Benno Schwabe. 1901. — E.A. Goeldi: Die Tierwelt der Schweiz in der Gegenwart und Vergangenheit. Bd. I. Bern. A. Francke. 1914. — W. Kobelt: Die Verbreitung der Tierwelt. Leipzig. Tauchnitz. 1902.— W. Haacke u. W. Kuhnert: Das Thierleben der Erde. Bd. I: Alpenthierleben, S. 559—588. — Conr. Keller: Im Hochgebirge. Naturwiss. Bibl. Leipzig. Quelle & Meyer. 1911. — Sehr wertvolle Monographien über alpine Tiere verdanken wir unserm st. gall. Naturforscher Dr. A. Girtanner (gest. 1907), so über den Steinbock, den Lämmergeier, Steinadler, Alpenmauerläufer, Alpensegler, die Alpendohle, das Murmeltier. Siehe das Verzeichnis der zahlreichen Schriften von Dr. A. Girtanner im Jahrbuch der St. Gall. Naturwiss. Ges. 1907, S. 130—133. (Dr. med. Georg Albert Girtanner. Lebensbild von Johannes Brassel.)
Eberhard Fraas: Die Höhlen der Schwäb. Alb.
Im klassischen Altertum ist die Jagd auf Bären selbst mit Fallgruben ein Sport und Hochgenuss, dem sich römische Kaiser und persische Sultane mit Leidenschaft hingaben. Römische Kaiser bevorzugten den Bär für die grässlichen Tierhetzen und Gladiatorenspiele im Amphitheater. Zu allen Zeiten wurde der Bär gezähmt und dressiert. Seine Versetzung an den Himmel als Sternbilder (= grosser und kleiner Bär, Ursus major und ürsus minor) stammt von Jägervölkern. Die Popularität des Bären ist also uralt; sie überträgt sich heute noch von Generation zu Generation in Wappen und Standbildern. Der Bär ist auch schon ein beliebtes Objekt für Höhlenzeichnungen (Totem?) in der jüngsten Periode der Altsteinzeit (Magdalénien).
a) Infolge Transportes in fliessendem Wasser, wobei der Knochen vom Schleifschlamm wohl am meisten angegriffen wird. Experimente, die die Wirkung dieser Rollung im Wasser und die wirklichen, untrüglichen Kennzeichen derselben vor Augen führen, sind bis jetzt aus der Literatur gänzlich unbekannt, da sich merkwürdigerweise niemand die Mühe gegeben hat, gerade dieser wichtigen Sache näher zu treten. Man spricht stetsfort ohne genauere Prüfung nur von „im Wasser gerollten Knochen“.
b) Infolge chemischer Auflösung der Knochensubstanz im kohlensäurehaltigen Wasser, namentlich wo dasselbe, wie auf lehmigem Untergründe, stagniert. Ich kenne diese Wirkung aus dem Wildkirchli und Drachenloch, die sich leicht unterscheiden lässt von der „Rollung im fliessenden Wasser“.
c) Infolge Verwitterung und chemischer Zersetzung. Solche Beispiele treffen wir vorzugsweise in den tiefern und tiefsten Fundschichten einer vorgeschichtlichen Ablagerung.
d) Infolge absichtlicher Abrundung (mittelst Steinwerkzeugen) oder durch wirklichen Gebrauch des Knochens zum Glätten durch Reibetätigkeit des Menschen. Die Wirkungen der vier verschiedenen Abrundungs-Faktoren sind aber mittelst Lupe und Mikroskop zu unterscheiden, worüber ich an anderem Orte berichten werde. Es lässt sich hier kurz bemerken, dass bei der durch den Menschen beabsichtigten (intentionellen) Arbeit mit dem Knochen immer bestimmte Teile eines Knochens diese Tätigkeit nachweisen, während andere Teile hievon unberührt geblieben sind. Dennoch gibt es auch total gerundete Knochenbruchstücke, die sicher nur von Menschenarbeit zeugen (absichtliche Entkantung und Rundung wegen der grössern Handlichkeit!). Finden wir solche gerundete Knochen in Vergesellschaftung mit Kohlenherden, Feuerstätten, absichtlichen Knochenanhäufungen und Steinwerkzeugen, dann ist — bei Ausschluss von fliessendem Wasser in der Höhle zur Zeit ihrer Bewohntheit und später — ihre intentionelle Natur kaum mehr fraglich. Besitzen die Knochenstücke endlich Politur oder selbst geschliffene Flächen, dann ist jeglicher Zweifel nicht mehr berechtigt.
2. Das Zerlegen der Jagdtiere in der Steinzeit. Korr.-Bl. d. Allg. ärztl. Vereins v. Thüringen. Weimar 1910.
3. Die steinzeitliche Technik Jena. G. Fischer. 1912. (Hauptwerke !)
4. Die Werkzeuge des Steinzeitmenschen. Jena. G. Fischer. 1920. (Hauptwerke !)
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Alb. Heim: Ueber einen neuen Fund aus der Rentierzeit in der Schweiz. Mitteil. d. Antiquar. Gesellschaft Zürich. 1874.
K. Merck: Der Höhlenfund im Kesslerloch bei Thayngen. Originalbericht des Entdeckers. Mitt. der Antiquar. Gesellschaft Zürich. 1875. XIX. Bd.
J. Nüesch: Das Kesslerloch, eine Höhle aus paläolithischer Zeit. Neue Grabungen und Funde. Neue Denkschriften der Schweiz. Naturforsch. Gesellschaft. Bd. XXXIX, 2. Hälfte. 1904.
-– Das Kesslerloch bei Thayngen. Vergleichende Studie (Neue Grabungen u. Funde, II. Mitt.). Anzeiger f. Schweiz. Altertumskunde Nr. 4 (1904/05).
J. Heierli: Das Kesslerloch bei Thayngen. Neue Denkschriften der Schweiz. Naturf. Ges. Bd. XLIII. 1907.
J. Nüesch: Die prähistorische Niederlassung am Schweizersbild bei Schaff hausen, die Schichten u. ihre Einschlüsse. Neue Denkschr.d. Schweiz. Naturf. Ges. 1896. ↩
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J. Nüesch: Das Schweizersbild, eine Niederlassung aus paläolithischer Zeit. Neue Denkschriften d. Schw. Naturf. Ges. Bd. XXXV. 2. Aufl. 1902.
Ueber Kesslerloch u. Schweizersbild vergl. auch die Jahresberichte I — IX der Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte. Ferner:
J. Meister: Neuere Beobachtungen aus den glacialen und postglacialen Bildungen um Schaffhausen. Beil. z. Jahresb. d. Gymnasiums Schaffhausen. 1897/98.
-– Die Eiszeit und ältere Steinzeit. Festschrift des Kts. Schaffhausen zur Bundesfeier 10. Aug. 1901. Ebenso J. Heierli: Urgeschichte der Schweiz (1901). A. Schenk: La Suisse prehistorique (1912). Penck u. Brückner: Die Alpen im Eiszeitalter (1909). ↩
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K. Classen: Die Völker Europas zur jüngern Steinzeit. Studien und Forschungen zur Menschen- u. Völkerkunde. X. Stuttgart. Strecker & Schröder. 1912.
F. Schwerz: Die Völkerschaften der Schweiz von der Urzeit bis zur Gegenwart. Gleiche Sammlung. Bd. XIII. Stuttgart. Strecker & Schröder. 1915. ↩
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J. Heierli: Urgeschichte der Schweiz. Zürich 1901.
A. Schenk: La Suisse préhistorique. Lausanne 1912.
O. Tschumi u. P. Vouga: Einführung in die Vorgeschichte der Schweiz. Bern, A. Francke. 1912.
Th. Ischer: Die Chronologie des Neolithikums der Pfahlbauten der Schweiz. Bern. E. Bircher. 1919. ↩
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Gabriel de Mortillet. Le Préhistorique. I. Aufl. 1883. II. Aufl. 1885. III. Aufl. 1900. Paris. Schleicher frères, éditeurs. ↩
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E. Bächler: Die Stellung der Geologie zur heutigen paläolithischen Höhlenforschung. Heim-Festschrift. Vierteljahrschrift d. Naturf. Gesellsch. Zürich. LXIV. (1919). ↩
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W. Soergel: Lösse, Eiszeiten u. paläolithische Kulturen. Jena. G. Fischer. 1919. ↩
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Fritz Sarasin, H. G. Stehlin u. Th. Studer: Die steinzeitlichen Stationen des Birstales zwischen Basel und Delsberg. Neue Denkschriften der Schweiz. Naturforsch. Ges. Bd. LIV. Abh. 2. 1918. ↩
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G. de Mortillet: Le préhistorique suisse, in Revue mensuelle de l’école d’Anthropologie de Paris, huitième année V, 15 Mai 1898, S. 137 u. ff. ↩
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M. Hoernes: Der diluviale Mensch in Europa, die Kulturstufen der ältern Steinzeit. Braunschweig. Vieweg & Sohn. 1903. ↩
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Ueber das Magdalénien vom Kesslerloch und Schweizersbild und sein Alter spricht sich Penck in Bd. II, S. 422 ff. aus, über die jüngere Stein- und Bronzezeit in Bd. II, S. 440, ebenso S. 638 über die Birstalstationen, das Neolithikum und die Bronzezeit. Seite 701—716 gibt er eine Zusammenstellung der Verbreitung der paläolithischen Funde, S. 743, Bd. III, eine solche über die paläolithischen Stationen im Bereiche des rhodanischen Gletschers und eine Zusammenfassung der Chronologie des Eiszeitalters und der prähistorischen Verhältnisse, sowie eines besondern Schlusskapitels üher das Wildkirchli auf S. 1169—1176. ↩
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Emil Bächler: Die prähistorische Kulturstätte in der Wildkirchli-Ebenalphöhle. Berichte über die öffentlichen Sammlungen der Stadt St. Gallen. 1905/06. ↩
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Wenn ich auch heute noch an der Bezeichnung Moustérien für das Wildkirchli festhalte, so geschieht es aus guten Gründen. Ich weiss es sehr wohl und habe es den Fachgenoasen gegenüber immer betont, dass die Steinartefakte v. Wildkirchli sich nicht völlig identifizieren lassen mit dem klassischen Moustérien Frankreichs. Das Gleiche gilt auch für Cotencher (Neuenburg). An eine Gleichstellung der beiden Fundorte mit dem Kösten-Micoque-Typus nach O. Hauser (La Micoque) ist vorläufig gar nicht zu denken. ↩
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H.-G. Stehlin et Äug. Dubois: Note préliminaire sur les Fouilles entreprises dans la grotte de Cotencher (canton de Neuchâtel). Eclogae geologicae Helvetiae. T. XIV. 1916. ↩
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Vgl. Äug. Dubois: La dernière glaciation dans la Gorge de l’Areuse et le Val de Travers. Neuchâtel. Attinger frères. 1910, und H. Schardt et Aug. Dubois: Description géologique de la région des Gorges de l’Areuse. (Mit geolog. Karte). Bulletin de la Société Neuchâteloise des sciences naturelles. Tome XXX, 1901—1902. ↩
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Neuere Ausgrabungen in der Nähe von Thayngen, d. h. in der „vordem Eichen“ und „in der Bsetze“ durch die Gebrüder Sulzberger in Schaffhausen haben nach den Darlegungen von Konservator K. Sulzberger den Beweis erbracht, dass äusser neolithischen Funden der Oberfläche auch solche des Magdalénien in den mittleren Schichten, ja sogar Artefakte in den untersten Schichten auftreten, die man dem Aurignacien zuzuweisen berechtigt ist. (Vgl. Jahresberichte d. Schweiz. Ges. f. Urgeschichte, VI (1913), VII (1914), VIII (1915), X (1917). ↩
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Die ersten kurzen Berichte über das Drachenloch habe ich in den Jahresberichten des Naturhist. Museums d. Stadt St. Gallen (1917/18, 1918/19) niedergelegt. Vgl. auch die Jahresberichte der Schweiz. Ges. für Urgeschichte. Redaktion Prof. Dr. E, Tatarinoff) X (1917), XI (1918) und besonders XII (1919/20), S. 40 ff. ↩
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Vergleiche auch Bericht III (1911) d. Schweiz. Ges. f. Urgeschichte, S. 12—15. ↩
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Die reiche Literatur über das Calfeisen-Taminatal finden wir aufgeführt im Jahrbuche 1913 (49. Jhrg.) des Schweiz. Alpenklubs bei F. W. Sprecher: „Ueber Ortsnamen des Taminatales“, sowie im Klubführer durch die Graubündneralpen, Abteil. I: Das Taminagebiet, vom gleichen Verfasser. In botanischer Hinsicht hat das Gebiet durch Theodor Schlatter (in Wartmann und Schlatter: „Kritische Uebersicht der Gefässpflanzen der Kantone St. Gallen und Appenzell“, Berichte der st. gallischen naturwiss. Gesellschaft) zum ersten Male eine eingehendere Durchforschung erfahren. Der Verfasser dieser Schrift hat in den Jahren 1899—1904 weitere umfangreiche botanische Studien gemacht. Ihre Veröffentlichung wird in einer besondern Monographie geschehen. ↩
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Den heutigen Stand unseres Wissens über die geologischen Verhältnisse der Pfaferser Quellen finden wir klar und scharf geschildert in Albert Heims klassischer „Geologie der Schweiz“ (Bd. II, S. 476). Nach Heim ist das Sammelgebiet des Thermalwassers am Südabhang der Grauen Hörner in der autochthonen Kreide von St. Martin- Vättnerberg, nicht aber in dem 2436 m hoch gelegenen Wildseeli am Piz Sol zu suchen. ↩
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„Die romanischen Namen werden von der ortsansässigen Bevölkerung von Vättis durchwegs mit dem romanischen anlautenden harten C gesprochen (wo ein solches vorkommt), das mit deutschen Schriftzeichen eigentlich nicht wiedergegeben werden kann, ausser mit zwei gg, die wir aber an den Anfang von Wörtern nicht wohl stellen können. Es ist daher durchaus unrichtig, die Wörter mit dem einleitenden C auf G verdeutschen zu wollen, wie Gungels, Galanda, Galveisen, Gruscha, Galvina, Galsaura usw.“ (Th. Nigg, dessen Ausführungen ich mich völlig anschliesse.) — Die Furcht vor dem romanischen C ist deshalb nicht zu verstehen. ↩
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Der Name ist in der Top. Karte nicht angegeben. Heute fehlt jegliche Spur einer einstigen hier gestandenen Hütte. ↩
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Der Aufstieg zum Gelbberg-Drachenloch muss, um der im Sommer auf dieser Seite fast unerträglichen Hitze am Berghange auszuweichen, entweder in früheste Morgenstunde oder dann auf den Abend, nach 4 Uhr, verlegt werden. ↩
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Ueber Alp- und Weidewirtschaft orientiert das vorzügliche Handbuch von Prof. Dr. F. G. Stebler, Zürich. (Berlin. Paul Parey. 1903.) ↩
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Johann Jakob Scheuchzer (1706—1708, 1716, 1746 u. 1752), Gruner (1760), Fäsi (1766) und andere, welche die Naturgeschichte des Schweizerlandes behandeln, kennen den Namen noch nicht. — Im Volksmunde des Taminatales hört man grösstenteils die Namen „Draggaberg“, dessen oberste jähe Felswand auch die „Gääl Wand“ (Gelbe Wand) und die unter ihr liegende Alp Gelbberg oder „Gelbaberg“ heisst, und „Dragga- loch“. Immerhin vernimmt man auch bei den Ortsbewohnern von Vättis die Namen Drachenberg und Drachenloch. ↩
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So z. B. Bamoze, Simel, Crisp (im Tersol), Brändlisberg (jetzt Satzmartinhorn) usw. Der heutige Vättnerkopf (in der top. Karte 1: 50,000 fälschlich Aelplikopf, 2619 m, genannt) heisst bei Eschmann: „Gelber Berg“. Richtig angegeben ist die Gelbbergalp. ↩
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Jahrbuch des Schweizer Alpenklubs. 49. Jhrg. (1913) u. 51. Jhrg. (1916). Nachtrag. ↩
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Nach Placidus a Spescha bedeutet das romanische dragun = Wildbach, Runse, dargun = Felsabbruch. Im übrigen mag auch hier auf J. J. Scheuchzer 1746, II. Band, S. 237 verwiesen werden, wo er sagt, „dass die wütenden Bergwasser bey den Aelplern oft mit dem Namen der Drachen benannt werden. Wenn nemlich ein Bach die Berge herunter rauscht und grosse Steine, Bäume und andere Dinge mit sich führt, so pflegen sie zu sagen : Es ist ein Drach ausgefahren ; zu welcher figürlichen Benennung vielleicht die Schädlichkeit der Drachen Anlass gegeben; und ich bin nicht in Abrede, dass nicht viele falsche Erzehlungen von Drachen auch daher ihren Ursprung haben mögen.“ Diese Bemerkungen knüpft Scheuchzer an den Drachen von Quinten am Walensee, wobei er auch meldet, dass die gemeine Sage der Aelpler bestätigt werde, dass insgemein schwere Ungewitter entstehen, nachdem sich ein Drache hätte sehen lassen. — Wie leicht könnte man versucht sein, bei unserm Drachenloch daran zu denken, dass im Volke auch dann der Gedanke an einen solchen Drachen gekommen sein möchte, wenn z. B. der vom Drachenberg-Vättnerkopf herkommende Kreuzbach als verheerendes Wildwasser herniederstürzte (Vgl. unsere Abb. 2). ↩
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Werner Manz hat eine sehr wertvolle Monographie über „Volksbrauch und Volksglaube des Sarganserlandes“ ausgearbeitet, die in Nr. 12 der Schriften der Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde (1916) erschienen ist. Von F. W. Sprecher besitzen wir im Schweiz. Archiv f. Volkskunde, VII. Jhrg., Heft 2 u. 3 (1903) zwei Arbeiten über „Volkskundliches aus dem Taminatal“. ↩
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Historia Naturalis Helvetiae curiosa 1680. S. 249. ↩
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Der „Rappe“ ist der Lämmergeier, „der Schrecken der Schaf- und Ziegenherden“, der aber heute im ganzen Schweizerlande ausgerottet ist. ↩
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Vgl. H. Szadrowsky: Die Musik und ihre tonerzeugenden Instrumente der Alpenbewohner. Jahrbuch des Schweizer Alpen-Club, 4. Band. Auf Seite 315—317 befindet sich der Alpsegen im Originaltext nebst schöner Vertonung. ↩
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Wer sich einen genauem Einblick in die mysteriösen Drachengeschichten im Schweizerlande verschaffen will, vertiefe sich in folgende alte Bücher: ↩
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Die wissenschaftliche Ausgrabung dieses Drachenloches hat Dr. P. Adelhelm Jaun in Stans vorgenommen (Bronze- und Eisenzeit). Jahresbericht d. Kollegiums in Stans. Vgl. auch Dr. P. Emanuel Scherrer, Sarnen : Ein Besuch im Drachenloche. Bruder Klausen Kalender. Sarnen. 1916. ↩
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Ich verweise hier auf die wertvolle Arbeit von Dr. Werner Manz: Beiträge zur Ethnographie des Sarganserlandes 1913, die in den Veröffentlichungen der „Geographisch- Ethnographischen Gesellschaft in Zürich“ erschienen ist. Daselbst finden wir auch ein Verzeichnis der Quellen-Literatur. Ich folge z. T. in meiner historischen Darstellung den Angaben aus diesem Buche. ↩
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Nicht mit Unrecht vermutet aber Lehrer Th. Nigg in Vättis, dass die von Manz erwähnten Spuren eines Römerweges wohl nur die Reste des früheren Klosterweges seien. ↩
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Bavier: Die Strassen der Schweiz. S. 19. ↩
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Wartmann: Das Kloster Pfävers. S. 4. ↩
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Kuoni: Der Kunkels. S. 4. ↩
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Die Fluppischlucht hat in der zoologischen Literatur eine gewisse Berühmtheit erlangt durch den einstigen Aufenthalt des aus der Pfäfersergegend längst verschollenen „Waldrapp“ oder Schopfibis (Geronticus eremita L.), den Conrad Gessner in seiner Historia avium (1555) erwähnt. Vgl. J. Strohl: Conrad Gessners „Waldrapp“ in Festschrift der Naturforsch. Gesellschaft Zürich 1917 (S. 501—538). ↩
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Die einstige Anwesenheit romanischer Bevölkerung im Taminatale bekunden eine Menge romanischer Namen; Ancapa, Asletschen, Asletten; Bracavall, Bovel, Bargis, Barweirsch, Piz Bargias; Calfeisen, Calanda, Calvinen, alle „C“ als „GG“ gesprochen; Piz Dolf; Ernus, Edris, Erdinoos; Feuscha, Flättache, Fojeri, Foppa, Föppli ; Gallsaura, Gams, Gangleraux, Gardatscha, Garminna, Gaschetta, Gaspus, Gauis, Glägg, Gonscheraus, Gonscherollen, Grassplon, Grebi, Grisp, Gruschla, Gschadella, Gwaggis; Lavaz, Ladils; Maguasch, Mapragg, Maton, Mattlina, Molinaris, Monteluna, Mursch; Panära oder Banära, Pardätsch, Parli, Permont, bei der Porta; Quadern; Radein, Ragol, Ramutz-Ramoza, Rofanetschli ; Sardona, Schräa, Schüela, Piz Segnes, Serren, Simel, Piz Sol, Piz da Sterls, Spina; Tamina-Tyminnen, Tschenner, Tschugg, Tersol; Vadura, Valens, Vasön, Vättis = Fettens etc., Vidameida, Vindels; Waldafan; Zina, Zanay = Zaney. ↩
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E. Branger: Rechtsgeschichte der freien Walser in der Ostschweiz. ↩
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R. Hoppeler: Untersuchungen zur Walserfrage. ↩
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O. Wettstein: Anthropogeographie des Safientales. S. 32—39. ↩
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Herr Lehrer Nigg, Vättis, teilt mir schriftlich mit: „Der Vättnerberg war zweifellos ein Walserhof. Dafür sprechen auch die bis heute noch bestehenden Besitzes- verhältnisse, sowie die Art der Bewirtschaftung. Die Güterbesitzer bilden heute noch eine Korporation, deren Mitglieder neben den eigenen ( ütern auch gemeinsames Korporationsgut, Allmeinde, Heugebirge und Wald besitzen und letzteres gemeinsam nutzen und bewirtschaften. Bis heute bestehen noch einzelne Stösse Alprecht von „Vättner- bergern“ in Calvina zu Recht. Früher gehörten zu jedem Berggut eine grössere oder kleinere Anzahl Stösse Alprecht in Calvina (1896 waren es 62¼ Stösse, wovon auf einen Gutsbesitzer im mindesten Fall 1½, im höchsten Fall 13¼ Stösse kamen). Heute sind fast sämtliche dieser Alprechte von der Gemeinde Vättis, der nunmehrigen alleinigen Besitzerin der Alp Calvina, angekauft worden.“ ↩
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Es ist uns gelungen, von diesen Fundamentresten eine sehr deutliche Photographie zu erstellen, die sich in unserem Besitze befindet. ↩
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Nach gütiger Mitteilung von Herrn Lehrer Th. Nigg erscheint aber schon vor 1367 „Pantaleon von Kalueiss, der Walliser, im Besitz von „drizehn stukken“ Acker- und Wi sland in dem „hof za Fussuns“ (Vasön) gelegen. (Urkunde von 1379 in der Sammlung von Th. Nigg.) ↩
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Die höchsten Alphütten finden sich heute im Calfeisentale bei 2047 u. 2070 m (Egg und Gelbberg). ↩
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Vgl. auch: G. Meyer v. Knonau: Aus der Geschichte der Landschaften des Klubgebietes. Jhrb. des S. A. C. 1888. ↩
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Die hier beigegebenen Höhlenpläne dürfen nur als Skizzen betrachtet werden. Die eigentliche topographische Vermessung steht noch aus. Deren Ergebnisse werden in der Hauptpublikation über das Drachenloch niedergelegt. ↩
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Der Verlauf der Ostfelswand des Drachenberges geht (mit der Magnetnadel gemessen) genau in der Richtung 20° NNO—200° SSW. Die Exposition des Höhlenportales ist 110° OSO. Daraus ergibt sich, dass die Richtung der Höhlenachse nahezu senkrecht auf der Kammrichtung, bzw. dem fast NS-Verlaufe des Drachenberges selbst liegt. — Jedem Drachenlochbesucher, der die pikante Umgehung des Drachenberges auf der Südseite zu der noch überraschenderen, jäh abfallenden Westfelswand dieses Berges gegen die Tersolschlucht (mit prachtvollem Ausblick auf die Sardonagruppe, das Satzmartinhorn das hintere Tersoltal, den Piz Sol und das einsame Crisptälchen) gemacht hat, liegt die Frage auf der Zunge: Wie viele Meter mögen noch fehlen, dass die Drachenlochhöhle einen Ausgang auf die Westseite besässe? Wir haben diese Frage einer messenden Prüfung unterworfen (14. Sept. 1921). ↩
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In Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften in Wien 1911, 1913, 1915. ↩
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J. Wiesner: Der Lichtgenuss der Pflanzen. Leipzig. W. Engelmann. 1907. ↩
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Die sorgfältig gesammelten blütenlosen Pflanzen (Moose, Flechten, Algen) harren noch der näheren Artenbestimmung. ↩
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An eine Aufstellung und Benützung selbstregistrierender meteorologischer Instrumente (Thermograph, Barograph), wie dies in der Wildkirchlihöhle geschehen ist, lässt sich leider im Drachenloch und namentlich zur Winterszeit nicht denken, da das Gehwerk dieser Apparate zu kurzfristig (8 Tage) und ein Aufstieg bei ungünstiger Witterung und im Winter ins Drachenloch wegen der Schneeverhältnisse nicht möglich ist. ↩
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Jul. Maurer, Hob. Billwiller jun. und Clem. Hess: Das Klima der Schweiz, in 2 Bänden. Es ist das klassische Klimawerk, das dem Naturforscher der Schweiz unentbehrlich ist. Ich verweise hier auf Band I, S. 65, 74 (Karte), 80, 151. 154 u. 167. ↩
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Das Klima von Vättis (Meteorol. Station, 951 m) hat, nach gütiger briefl. Mitteilung von Herrn Dir. Dr. J. Maurer, folgende Vorzüge: Vättis, nicht ferne vom Hintergrund eines föhnmilden Hochtales gelegen, besitzt milde Winter, ebenso günstig ist der Herbst. Durchschnittliche Jahrestemperatur = 6,4°. Jahreszeitliche Temperaturmittel: Winter = —1,5°, Frühling = 5,8°, Sommer = 14,2°, Herbst = 6,9° C. Im übrigen vgl. Klima der Schweiz, I, S. 151). Grosse Nebelarmut. Hauptwinde: NO (Gutwetterwind von St. Peter her) und SW (Regenwind) aus dem Calfeisental (das „Wetterloch“ der Vättner). Geschützt gegen Nord- u. Nordwestwinde. Mittlere Niederschlagsmenge mit 1133 Millimeter unter dem allgemeinen Mittel der Schweiz. ↩
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In meiner allgemein verständlichen Schrift: Das Wildkirchli habe ich die „Temperaturumkehr“ näher beschrieben. Ist doch derjenige, der dieses merkwürdige Problem und die auffällige Erscheinung zum ersten Male antönt, niemand anders als der Gründer und Stifter des „Wildkirchli“, Pfarrer Dr. Paulus Ulmann, der volle zwei Jahre, 1658—1660, als Eremit dort wohnte, und in seinem handschriftlichen Tagebuche, das noch erhalten ist, eine Anzahl interessante Witterungsnachrichten niederschrieb, die ich nach dem Originaltexte in meine oben erwähnte Schrift aüfgenommen habe. ↩
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Kraus Fr.: Höhlenkunde. Wien. 1894. ↩
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Fugger E.: Eishöhlen und Windröhren. Salzburg. 24.—26. Bericht der Oberrealschule. 1891—1893. ↩
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Lohmann Hans: Das Höhleneis. Jena. K. Bose. 1895. ↩
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Futterer K.: Beobachtungen am Eise des Feldberges. Karlsruhe. 1901. ↩
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Crammer Hans: Eishöhlen- und Windröhrenstudien. Abhandlung der Geogr. Ges. Wien. I. 1899. ↩
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Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz. XXV. Lfg. (1891). ↩
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Vierteljahrsschrift der Naturforsch. Gesellschaft Zürich. 55. Jhrg. (1910). ↩
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Beiträge z. Geolog. Karte der Schweiz. Neue Folge. XXXIII. Lfg. (1911). ↩
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Jahrbuch der Naturf. Ges. Graubündens 1854, ergänzt 1855/56. ↩
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Beiträge z. Geolog. Karte der Schweiz. N. F. VII. Lfg. (1897). ↩
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Beiträge z. Geolog. Karte der Schweiz. N. F. XXXIX. Lfg. (1912). ↩
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Geologische Karte der Alpen zwischen Linthgebiet und Rhein (Graue Hörner, Ringelspitz, Calanda). Aufgenommen von M. Blumenthal, j. Oberholzer u. K. Tolwinsky. Spezialkarte Nr. 63. Einen ersten Probeabdruck, der noch weiterer Korrekturen bedarf, verdanke ich der Güte von Herrn Prof. Dr. Albert Heim in Zürich. ↩
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Albert Heim: Die vermeintliche Gewölbeumbiegung des Nordflügels der „Glarner Doppelfalte“ südlich vom Klausenpass, eine Selbstkorrektur. Vierteljahrsschrift der Naturforsch. Gesellschaft Zürich. 51. Jahrg. (1906). ↩
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Arnold Heim: Zur Kenntnis der Glarner Ueberdeckungsfalten. Zeitschrift der Deutschen Geolog. Gesellschaft. Jhrg. 1905. ↩
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Paul Arbenz u. Walther Staub: Die Wurzelregion der helvetischen Decken im Hinterrheintal und die Ueberschiebung der Bündnerschiefer südlich Bonaduz. Viertel- jahrsschr. d. Zürch. Naturf. Ges. 55. Jhrg. (1910). ↩
-
Klubführer des Schweizer. Alpenklubs. ↩
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Man vgl. auch: Albert Heim: Einige Worte zur Geologie des Klubgebietes. Jahrbuch 8. A. C. 1888. ↩
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Vgl. die Geolog. Profiltafel XVIII in A. Heim, Geologie der Schweiz. II. Band. ↩
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Korrigenda: Satzmartinshorn ist Wildflysch nicht Verrucano. ↩
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Der Name Lochseitenkalk stammt von der schon von A. Escher v. d. Linth untersuchten Lokalität Lochseite bei Schwanden. Sie ist noch heute die klassische Stelle, wo schon in der Tiefe unten der Vorgang der Ueberfaltung und Ueberschiebung und die Tatsache der verkehrten Lagerung, sowie des Deckenschubes mit voller Klarheit erkannt werden können. — Die obere Begrenzung des Lochseitenkalkes ist meist eine glatte, wie poliert aussehende Rutschfläche. Die Unterseite dagegen ist uneben, zackig, verworren, oft mit dem untenliegenden, meist anders geschichteten, nach Südosten fallenden Flysch verknetet. — Nähere Angaben über dieses merkwürdige metamorpho- sierte Gestein finden wir in A. Heim: Mechanismus der Gebirgsbildung, ferner in A. Heim: Geologie der Schweiz, II. Band und in manchen andern Schriften des nämlichen Verfassers. ↩
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Als autochthon bezeichnet Alb. Heim (Geologie der Schweiz, II. Bd., S. 32) „dasjenige Gebirge, das an Ort und Stelle gefaltet, gestaut, gehoben ist ohne weite horizontale Verschiebung.“ ↩
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Als Zeichen des überaus günstigen Herbstes 1921 mag erwähnt werden, dass am 14. September auf dem Vättnerkopfe (2619 m) noch folgende Pflanzen blühend angetroffen wurden: Gentiana verna, Linaria alpina, Saxifraga oppositifolia, Campanula pusilla, Silene exscapa, Cerastium alpinum, Oxytropis montana. Den Gipfel umflog bei einer Temperatur von 13° C (11 Uhr vormittags, direkte Besonnung) ein munterer Schmetterling, ein kleiner Fuchs (Vanessa urticae). ↩
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Der Spaltenfrost äussert sich in der Weise, dass das im Gestein befindliche Wasser gefriert und das Eis nach einem bekannten Gesetze 1/11 grössern Raum beansprucht als das Wasser. Diese Raumvergrösserung wirkt nun als gesteinssprengende Kraft. So wird das Gestein noch weiter zerklüftet; in den Klüften bildet sich jeden Winter neues Eis. das mit immer grösserer Gewalt die Sprengarbeit vollzieht. Beim Auffrieren tritt jedesmal eine weitere Lockerung des Gesteins ein. ↩
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In meiner handschriftlichen „Methodologie der heutigen prähistorischen Höhlenforschung“ habe ich eine ausführliche Darstellung der praktisch erprobten Grabungsniethoden gegeben. ↩
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Schicht III und IV mit dem reichsten faunistischen Inventar, von dem natürlich ein grosser Teil völlig verwest ist, sind nach den Untersuchungen des Bergbau-Bureaus in Bern (Chemische Abteilung: Dr. Truniger) ziemlich reich an Phosphaterde. Versuche, die in Vättis mit diesen Erden gemacht wurden, erwiesen ihre vorzügliche Düngewirkung namentlich in Blumenkohl beeten durch ein höchst ausgiebiges Wachstum dieser Gemüsepflanze. Der Gedanke an eine grössere praktische Verwertung dieser rotbraunen Phosphaterde musste aber wegen zu kleiner Rendite (hohe Transportkosten !) fallen gelassen werden. ↩
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W. Soergel: Das Aussterben diluvialer Säugetiere und die Jagd des diluvialen Menschen. Festschrift zur 43. Allgem. Vers. d. deutschen Anthrop. Gesellschaft in Weimar 1912. Jena, Gust. Fischer, 1912. ↩
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Abhandlungen der K. Bayr. Akademie der Wiss. II. Kl. XXIV. Bd. II. Abt. München 1909. ↩
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Der letzte Bär im Calfeisentale (zugleich im Kanton St. Gallen) wurde im Jahre 1805 erlegt (s. Neujahrsheft 1890 des Histor. Vereins St. Gallen, S. 36). ↩
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Der letzte Lämmergeier in dieser Gegend, ein sehr altes Weibchen, wurde 1822 am Calanda lebend gefangen. Er steht im Naturhist. Museum der Stadt St. Gallen. ↩
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Vgl. E. Bächler: Die Wiedereinbürgerung des Steinwildes in den Schweizeralpen. Jahrbuch der St. Gall. Naturw. Ges. 55. Band, 1917/18. ↩
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Das erste Exemplar des Zwerg-Hermelins (Putorius ermineus minimus Cav.) au» dem Kanton St. Gallen hat mir Herr Lehrer Th. Nigg vom Dorfe Vättis für das Naturhist. Museum übersandt (1919). Vgl. Th. Studer: Ueber Putorius ermineus minimus Cavazza. Eine Zwergform des Hermelins. Mitt. d. Naturf. Ges. Bern 1913. ↩
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Die höhlenbewohnenden Tiere und Pflanzen lassen sich in folgende Gruppen einteilen (vgl. W. r. Knebel, Höhlenkunde, S. 196—197): ↩
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Vgl. F. Baumann: Ueber eine Schneemauskolonie am Stockhorngipfel und die Bedeutung eines solchen Vorkommens in systematischer und tiergeographischer Hinsicht. Mitteil. d. Naturf. Ges. in Bern 1918, S. 108—118. Ueber die Schneemaus finden wir Einzelbeschreibungen in F. v. Tschudi: Thierleben der Alpenwelt, 11. Aufl., S. 502—505 u. in V. Fatio: Fauna des Vertébrés de la Suisse, Vol. I, p. 231—234. — V. Fatio: Les campagnols du Bassin du Léman (Association zoologique du Léman, année 1867). — Börner u. Schinz: Naturgeschichte der in der Schweiz einheimischen Säugetiere, Zürich 1809, kennen die Schneemaus noch nicht. Sie wurde erst 1842 von Martius (Bevue de Zoologie) und ausführlicher in den Annales des sciences naturelles, Band XIX, als neue Art (nach Exemplaren vom Faulhorn) beschrieben. ↩
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Nachträglich ersehe ich aus Ed. Handschin: Beiträge zur Kenntnis der wirbellosen terrestrischen Nivalfauna der Schweiz. Hochgebirge (Dissert. aus d. Zoolog. Anstalt d. Universität Basel, 1919), dass E. Handschin Triphosa dubitata auch am Hühnertäli- gletscher auf 2800 m Höhe (29. VII. 1916) angetroffen hat. ↩
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Naumann: Naturgeschichte der europ. Vögel, Bd. IV, S. 40—47. — F. v. Tschudi: Thierleben der Alpenwelt, 11. Aufl., 1890, S. 499. — A, Girtanner: Die Alpendohle (Ornith. Monatsschrift der deutsch. Ver. z. Schutze der Vogelwelt, XXV., 1919, S. 346). ↩
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Pestunen oder „Kinderwärterinnen“ nennen die Russen die Jungen der beiden ersten Jahre, die noch bei der Bärenmutter bleiben, wobei dieselben ihre jüngern Geschwister warten (M. Schlosser: Die Tischoferhöhle, 419). ↩
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Ueber die Systematik der fossilen und lebenden Ursus-Arten, -Formen, -Varietäten usw. orientiert E. Trouessart: Catalogus Mammalium tam viventium quam fossilium. Tome II und Supplementum. Berlin. Friedländer (1898—1905). ↩
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Die Art Ursus arctos subfossilis kann trotz neueren Ergebnissen über Ursus spelaeus für das Drachenloch aufrecht erhalten werden. (Vgl. Theodor Kormos: Ueber die überzähligen Praemolare des Höhlenbären. Barlangkutatäs. II. Bd. 1914. S. 229. Budapest.) ↩
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Oskar Fraas: Der Hohlenstein und der Höhlenbär. Jahresber. d. Ver. f. Naturgeschichte in Württemberg. 17. Jahrg. 1861. 158—188. ↩
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G. Hagmann: Die diluviale Wirbeltierfauna von Vöklinshofen. Strassburg. 1899. ↩
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W. Soergel: Das Aussterben diluvialer Säugetiere etc. ↩
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G. Steinmann: Die zoologischen Grundlagen der Abstammungslehre. Leipzig. 1908. ↩
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Vgl. F. Baumann: Ueber eine Schneemauskolonie am Stockhorngipfel. Mitteil. der Naturf. Gesellschaft in Bern. 1918. S. 113 u. ff. ↩
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Bei der künstlichen Lostrennung des Bärenschädels (Dekapitation) ist es Erfahrungstatsache, dass stets die beiden ersten Halswirbel mit dem Schädel abgetrennt werden, diese also am Schädel haften bleiben. Auffallenderweise hat auch eine ganze Anzahl von zweiten Halswirbeln (Epistropheus) in übereinstimmender Weise Verletzungen, an der Stelle, wo die Abtrennung des Kopfes vom Körper stattfand. ↩
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Der Oberarmknochen (Humerus) ist beiläufig gesagt derjenige, der die grösste Markröhre besitzt. ↩
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Bei allen Steinkistenfunden ist ein genaues Verzeichnis der in der steinernen Umrahmung gelegenen Knochen aufgenommen worden. So bei dem Schädel mit durchgezogenem rechtem Oberschenkelknochen. Neben dem letzteren fanden sich noch vor: ein linker Oberarmknochen (Humerus), bei dem die untere Epiphyse fehlte, zwei andere Oberarmknochen, bei beiden die obere Epiphyse fehlend; ferner: 2 Schienbeine (1 links, 1 rechts), komplett, 1 fast vollständiges linkes Ellenbogenbein, 5 nicht zusammengehörige Lendenwirbel und einige kleinere Knochen. Genaue Messungen haben ergeben, dass nicht zwei der genannten Knochen zusammen gehören, also nicht von ein und demselben Skelette herrühren. ↩
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Ich erinnere von den vielen Beispielen nur an die heute noch bei Bergvölkern des Kaukasus geübten Jagdsitten, die uns E. Pfitzenmayer (Stuttgart) in seinen reizenden: „Erinnerungen an kaukasische Hochwildjagden“ („Wild und Hund“, XXV. Jhrg., Nr. 50 [1919], XXVI. Jhrg., Nr. 2, 3, 6, 8, 12, 19, 20 [1920]) schildert, wo er in Nr. 50 (1919), S. 663 schreibt: „Diese Passhöhe mit ihrem Ausblick auf das Jagdgebiet aus Chevsuretien kommender Jäger war ganz der Ort für ein rundliches Gemäuer in unserer Nähe, auf das sich unsere Aufmerksamkeit lenkte. Es war dies eine dem chevsurischen Jagdgott errichtete Opferstelle, bedeckt mit Hirschgeweihen und Tur- (Steinbock-) gebörnen, die teilweise schon sehr starke Verwitterung zeigten. Wenn die chevsurischen Jäger zur Jagd ausziehen, darf, um sich Erfolg zu sichern, nicht versäumt werden, dem Jagdgott an seiner Opferstelle von den Trophäen des Wildes, das die Jäger zu erbeuten hoffen, ein Stück zu geloben, das dann hier auf dem Rückweg deponiert wird usw.“ — Kollege E. Pfitzenmayer hat mir letzten Winter anlässlich seines Vortrages in St. Gallen über die von ihm begleiteten Expeditionen zur Hebung der im sibirischen Eise eingeschlossenen Mammute Photographien aus dem Kaukasus gezeigt, auf denen solche Opferaltäre kaukasischer Jagdvölker dargestellt waren. Unter denselben waren Altäre mit Hirschgeweihen, aber auch mit Bärenschädeln. Herr Konservator Pfitzenmayer, ein tüchtiger Jäger, hat die Identität dieser Opferaltäre im Kaukasus mit den Jagdkultstätten im Drachenloche in allen Teilen zugegeben. ↩
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Ueber Bärenfeste (nach erfolgreicher Jagd) bei den Ainos und bei sibirischen Völkern (berühmte Bärenjäger sind auch die Lappländer) lesen wir in L. Heilborn: Wilde Tiere (Bong, Berlin 1921, S. 141): „Während die Frauen weinen und klagen, wird der tote Bär festlich geschmückt, auf eine Matte gesetzt und mit Speise und Trank versehen. Man opfert ihm, hält ihm Reden, wird immer ausgelassener, und endlich wird das Tier zerlegt, das Blut getrunken und das Fleisch unter die Anwesenden verteilt. Den Schädel aber bewahrt man an heiliger Stätte auf.“ Es wären noch eine Reihe solcher ethnologischer Parallelen über Bärenschädelkultus bei heutigen Naturvölkern anzuführen, die die Bärenjagd auf primitivste Art (mittelst Tierfallen, Fallgruben, Speeren, Lassos, Selbstgeschossen) betreiben. Man vergleiche auch in Th. Zell (Riesen der Tierwelt, Berlin, Ullstein & Cie.) das 14. Kapitel: „Allerlei Zeremonien der Naturvölker nach der Erlegung gewaltiger Raubtiere“ (S. 164—171). In den beiden Hauptwerken von Otto Keller: „Tiere des klassischen Altertums in kulturgeschichtlicher Beziehung“ (Innsbruck, Wagnersche Universitätsbuchhandlung, 1887) und „Die antike Tierwelt“, I. Band (Leipzig, Wilh. Engelmann, 1909), finden wir reiche Belehrung über Bärenkultus in Sage, Mythos, Dichtung und Geschichte. Die Verehrung für den „König der europäischen Wälder“ brachte ihn in Beziehungen zu Gottheiten (Artemis, an deren Tempeln Bärenköpfe aufgehängt wurden, Zeus, Helena, Meleager usw.). Die religiös-dämonisch-mystische Bedeutung machte den Bären zum Typus für Münzen bei den gallischen und hispanischen Kelten. Im animistischen gallischen Kultus ist der schreitende Bär das Hauptattribut der Göttin Dea Artio, die ihren Namen von arctos = artos, keltisch-irisch „Art“ hat. Auch finden wir ihn vielfach als Totem und Seelenwanderungsgegenstand. ↩
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Vgl. E. Bächler: Die Stellung der Geologie zur heutigen paläolithischen Höhlenforschung, in „Heim-Festschrift“ (Vierteljahrsschrift d. Zürch. Naturf. Ges. LXIV. (1919). ↩
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Es ist bekannt, dass in manchen Bärenhöhlen ebenfalls kantenabgerundete Knochenteilstücke auftreten, deren Abrundung durch fliessendes Wasser, also durch „Rollung“ der Knochenstücke, entstanden ist. Im Wildkirchli ist aber eine derartige Knochenscheuerung völlig ausgeschlossen. Vgl. auch Ottokar Kadić: Ergebnisse der Erforschung der Szeletahöhle (Ungarn). Mitt. a. d. Jahrbuche der K. Ungar. Geologischen Reichsanstalt. Budapest 1916. Es ist durchaus klar, dass die Abrundung von Knochenbruchstücken an den Bruchkanten und Spitzen ganz verschiedenen Ursprunges sein kann : ↩
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Siehe die Abbildungen auf Tafel IV in E. Bächler: Das Wildkirchli. Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. 1912. ↩
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Aescherwirt Franz Dörig sei., ein eifriger Jäger, der mit O. Köberle mein getreuer Mitarbeiter bei den Wildkirchliausgrabungen war, hatte s. Z. den Zweck dieser Wadenbeinbruchstücke sofort erkannt, da er selber, wie auch andere Innerrhoder-Jäger, öfters kleinere Knochenstücke zum Abhäuten der erlegten Gemsen benützte. ↩
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L. Pfeiffer (Weimar): 1. Beitrag zur Kenntnis der steinzeitlichen Fellbearbeitung. Ztschr. f. Ethnologie. Berlin 1910. Heft 6. ↩
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Vgl. Arnold Heini: Zur Frage der exotischen Blöcke im Flysch. Eclogae geo- logicae Helvetiae. Vol. IX, Nr. 3, 1907. ↩
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Vgl. J. J. Früh: Beiträge zur Kenntnis der Nagelfluh der Schweiz. Gekrönte Preisschrift. Denkschriften d. Schweiz, naturforsch. Gesellschaft. Bd. XXX. 1888. ↩
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Abbildungen von Steinwerkzeugen aus dem Wildkirchli finden sich in meinen Seite 5, Fussnote 1) genannten Arbeiten über diese prähistorische Fundstätte. ↩
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Dem neuesten von 0. Hauser („Ueber eine neue Chronologie des mittleren Paläo- lithikums im Vézèretal“, Leipzig, Veit & Cie., 1916) gewagten Versuch, auch das Wildkirchli in seinen „neuentdeckten“ Micoque-Kösten-Typus einzureihen, kann ich niemals beistimmen, da dieser Typus unbedingt einer gründlichen Ueberprüfung bedarf. ↩
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K. Tolwinsky: Die Grauen Hörner. Vierteljahrsschrift d. Zürch. Nat. Gesellsch. Jhrg. 55 (1910). Sep.-Abdr. S. 30 u. ff. ↩
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Im Sommer 1903 traf ich auf der Gratkante Hinterer Drachenberg-Furkla-Zanay- hörner eine Menge grosser exotischer Blöcke in loco verwittert, die sich wie ein Bergsturz darbieten, dessen Herkunft man nicht kennt. ↩
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Auch diese Gaultkalksteine müssen durch den Menschen in die Höhle gebracht worden sein, da wir bei unsern Grabungen nie auf den unterm Seewerkalk der Höhlenwände gelegenen Gault vorgedrungen sind. Im Wildkirchli hatten wir die gleiche Erscheinung eingeschleppter Gaultstücke von der Ebenalp. ↩
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L. Pfeiffer (Weimar): 1. Beitrag zur Kenntnis der steinzeitlichen Fellbearbeitung. Ztschr. f. Ethnologie. Berlin 1910. Heft 6.
2. Das Zerlegen der Jagdtiere in der Steinzeit. Korr.-Bl. d. Allg. ärztl. Vereins v. Thüringen. Weimar 1910.
3. Die steinzeitliche Technik Jena. G. Fischer. 1912. (Hauptwerke !)
4. Die Werkzeuge des Steinzeitmenschen. Jena. G. Fischer. 1920. (Hauptwerke !) ↩ -
Wilhelm Wundt: Elemente der Völkerpsychologie. (Urformen des Zauber- und Dämonenglaubens.) Leipzig. Kröner. 1912. ↩
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Herm. Klaatsch u. L. Heilborn: Der Werdegang der Menschheit und die Entstehung der Kultur. Deutsches Verlagshaus Bong & Cie., Berlin usw. 1920. S. 239: Begräbnisbräuche. ↩
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Der Ausdruck Retardierung (Verzögerung oder Zurückbleiben) einer Kulturstufe wird gebraucht, wenn in abgelegenen Gegenden der Erde, die Jahrhunderte und noch länger von fremden Einflüssen unberührt geblieben sind, sich ältere Kulturen erhalten haben, während in andern Gegenden mit grösserer Beweglichkeit der Völker (Wanderungen!) längst schon jüngere, fortgeschrittenere Kulturen zur Herrschaft gelangten. — So gibt es heute noch Naturvölker, die in ihrer Kulturphase nicht weiter gekommen sind als der vorgeschichtliche Mensch der Neusteinzeit (Pfahlbauer), ja selbst noch weiter zurückstehen (Neu-Guinea, Tasmanien u. a. a. 0.). Man nimmt auch an, dass es für die Tierwelt Zufluchtsorte gegeben hat, wo sich gewisse Tierarten viel länger erhalten konnten als in Gegenden mit grösserer menschlicher Besiedelung (Retardierte Faunen). ↩
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Um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich hier betonen, dass ich nicht den Anspruch darauf erhebe, eine neue „Kulturstufe“ entdeckt zu haben, so wenig als ich je ein „neutrales schweizerisches Moustérien“ (vgl. O. Hauser in Zeitschrift f. Ethnologie 1916, 8. 300) postulierte. Dagegen muss es als eine ausgesprochene Selbsttäuschung bezeichnet werden, wenn 0. Hauser sowohl das Wildkirchli, wie auch die Funde von Cotencher zu seinem Micoque-Sondertypus zählt. Da ich die Micoqùe selbst gesehen habe, wie auch Funde von dort, darf ich mir ein Urteil erlauben, das ich übrigens einlässlich an anderem Orte begründen werde. ↩
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Die Stellung der Geologie zur heutigen paläolithischen Höhlenforschung. ↩
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Eine voreiszeitliche (präglaciale) Besiedelung des Drachenloches ist wie beim Wildkirchli als völlig ausgeschlossen zu betrachten. ↩
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Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz, 25. Lfg. S. 470 u. ff. ↩
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Der Calanda. Beiträge. Neue Folge, VII. Lfg. S. 45—55. ↩
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Das höchstgelegene erratische Gestein (ein kleines talkhaltiges Stück) befindet sich auf genau 1921 m. ↩
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Es ist die Vermutung aufgetaucht, dass für die Besiedelung des Drachenloches viel eher die mittlere Zwischeneiszeit (Mindel-Riss-Interglazial) in Betracht fallen dürfte, weil dieselbe sich einer viel längeren Dauer unter noch günstigeren Verhältnissen erfreut habe. — Obschon die Untersuchungen über das diluvialgeologische Alter des Drachenloches keineswegs beendigt sein dürften, so sind mir bis heute keine sichern Anhaltspunkte für ein noch höheres Alter desselben bekannt. — Es wäre auch noch verfrüht, aus den Schichtprofilen heraus genaue Zeitangaben zu machen. — Dagegen gibt es keinerlei Tatsachen die gegen das letztinterglaziale (Biss-Würm-) Alter des Drachenloches sprechen. — Ob dasselbe mehr an den Anfang, in die Mitte oder an das Ende der letzten Zwischeneiszeit zu stellen ist, kann jetzt noch nicht entschieden werden. ↩
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Vielfach wird die Frage aufgeworfen, ob der Drachenloch-Bewohner nicht schon den steilen Aufstieg von Vättis aus gekannt habe. Darauf haben wir natürlich keine Antwort. Möglich war es, so gut wie dem heutigen Berggänger, da wir übrigens sicher annehmen dürfen, dass die Erosion des Taminatales noch nicht so tief eingeschnitten hatte, wie heute, und deshalb der Aufstieg noch leichter war. Unter keinen Umständen aber dürfen wir an eine voreiszeitliche (präglaziale) Besiedelung des Drachenloches denken. ↩
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Es ist als sicher zu betrachten, dass die berühmte Taminaschlucht damals noch nicht bestand, da sie nacheiszeitlichen Alters ist. ↩
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Vgl. W. Soergel: Die Jagd des diluvialen Menschen (in: Das Aussterben diluvialer Säugetiere etc.). Jena. G. Fischer. 1912. Ueber den Bär, seine Lebensweise und die Jagd auf denselben vergleiche man: Brehm’s Tierleben, IV. Aufl., XII. Bd. Säugetiere, III. Bd. (1915). F.v.Tschudi: Thierleben der Alpenwelt, XI. Aufl. Oberförster Krementz: Der Bär (in den Rokitnosümpfen Russlands). Egon, Freiherr v. Kapherr: In russischer Wildnis (Berlin. Duncker. 1910). L. Heilborn: Wilde Tiere (Bong, Berlin. 1921). Th. Zell: Riesen der Tierwelt (Berlin. Ullstein & Cie. 1911). Haake u. Kuhnert: Tier- lebén der Erde, I. Bd., S. 590—607. ↩
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Sämtliche in den Abb. 17—26 dargestellten Funde sind hier im Bilde verkleinert. ↩
The Drachenloch above Vättis in the Tamina Valley, 2445 m above sea level and its significance as a paleontological site and prehistoric settlement from the Old Stone Age (Paleolithic) in Switzerland.
By
Dr. Emil Bächler.
With 28 illustrations.
St. Gallen
Printed by Zollikofer & Cie. Printing House
1921.
Self-published by the St. Gallen Natural History Society.
I. Introduction and History of the Discovery of the Prehistoric Finds in the Dragon Cave.
The discovery of the prehistoric settlements in the Kesslerloch1 near Thayngen (1874) and in the Schweizersbild2 near Schaffhausen (1891) were of far-reaching significance for both Swiss and European prehistory. They served as proof that a much earlier, i.e. older settlement of Swiss soil had taken place than that of the pile dweller or the man of the New Stone Age (Neolithic), namely by the man of the Old Stone Age or the Paleolithic, specifically of its youngest stage, the so-called Magdalenian, whose existence was already known through numerous finds from southern France (Dordogne). It is true that finds from earlier years from other Swiss locations were already available, such as from the vicinity of Veyrier at the foot of Salève (a few steps from the Swiss border) from 1833, furthermore from Villeneuve (Grotte de Scé), 1868, from Liesberg between Delémont and Laufen in the valley of the Birs (1874), at Bellerive as well as in the Freudental near Schaffhausen (1874). They all belong approximately to the same prehistoric time, but their significance was far surpassed by the finds from the Kesslerloch and Schweizersbild, because at these two locations a complete, clear, well-structured picture of fauna and flora, climatic and diluvial-geological conditions and especially also about the prehistoric-human cultural stage could be obtained.
As is well known, the New and Old Stone Ages form actual contrasts in the just-mentioned conditions, and as far as the cultural stages are concerned, it has not yet been possible today to bridge them without gaps. Anthropology also reckons with a more than merely partial renewal of the population at the beginning of the Neolithic period through immigration,3 without being able to give us complete information about where this immigration and the new arrivals came from.
The Neolithic man4 then encounters us in the pile dweller as a relatively already highly developed human being, who had taken quite significant steps on the path of mastering nature through his sedentariness and his own house construction, as inventor of the polished stone axe, the first long-range projectile weapon (bow and arrow), through the taming and breeding of domestic animals (dog, cattle, sheep, goat) = animal husbandry, through the utilization of cereal grains, barley and wheat for food = agriculture, as creator of earthen vessels = pottery, of textiles = weaving, of boats = navigation, etc.
How much poorer in material possessions stands the Paleolithic man, lacking all the mentioned cultural goods, the man of the cave period, as a roaming hunter, who was so completely dependent on nature and its whims; who sought shelter in natural caves, dwelling pits and primitive protective huts in the open, whose nutrition was conditioned by hunting luck and whose tools consisted of chipped raw stones and animal bones. While the climatic conditions in the Late Stone Age had become approximately equal to today’s, the youngest Paleolithic man stood under the dominion of the glacial, steppe and tundra climate. Advance and retreat of the great ice masses during the glacial period also resulted in migrations for humans. A Nordic and alpine animal world spread in the ice-free areas of the Central European plain. Reindeer, mammoth, wolverine, arctic fox and other northerners, but also ibex, chamois, marmot, mountain hare as well as steppe rodents formed the characteristic animals of this youngest period of the Old Stone Age. In the interglacial periods, massive shifts took place again. The entire Old Stone Age presents an extraordinarily changing natural picture, in which by no means all features have been deciphered. But today’s prehistoric research works unceasingly to shed light into the darkness with the help of new finds and find conditions.
The entire Old Stone Age is divided, according to the current state of science, into various stages or periods, some of which were already established by Gabriel de Mortillet5. They are named after French find sites (from oldest to youngest): Chellean, Acheulean, Mousterian, Aurignacian, Solutrean, Magdalenian. Several smaller stages are connected to the Magdalenian, which have been partially designated as transitions to the Neolithic, such as the Azilian-Tardenoisian and the Campignian. Preceding the oldest Paleolithic, the Chellean, one today also assumes a preparatory stage, the Pre-Chellean, which for some researchers represents the so-called Eolithic Period. The temporal division of these “cultural stages” of the Old Stone Age into the various phases of the Ice Age is still very fluctuating.6 It is partly guided by the existing chronologies of glaciation (Glacials and Interglacials), by their unity or multiplicity (diluvial-geological chronological systems by Penck, Geikie, Mühlberg, M. Boule, Deecke, Geinitz, Aigner, Holst) as well as by the phenomena of climatic oscillations, whereby the formation of clay and loess deposits also plays a role in age determination.7
Some further prehistoric stations, such as those of Grellingen in the Birs valley (1885), Büsserach in the Jura (1890), Winznau-Käsloch, Canton Solothurn (1908) form the proof for the further spread of the youngest Paleolithic also in the Basel and Solothurn Jura. Of particular significance are the newest investigations and excavations by Dr. Fritz Sarasin8 in the Birs valley, namely those at the castle rock of Birsegg (hermitage near Arlesheim-Basel), because here besides the Magdalenian, the stage of Azilian (painted pebbles) connected to it was found in an unambiguous way.
As far as the geological age question of the Magdalenian of all Swiss find sites is concerned, it is certain that it belongs to the post-glacial period (Postglacial) and specifically to the Achen and Bühl stage according to Prof. A. Penck. For the earlier and older cultural stages of the Old Stone Age, of which not a single one was proven in Switzerland until the year 1904, the chronological division into the Ice Age schema remains fluctuating, as already noted.
One simply did not dare to think of the existence of older cultural stages than that of the Magdalenian in Switzerland due to geological considerations. Mortillet and Hoernes have attempted to list the reasons for this alleged absence of older Stone Age stages, i.e. the Middle and Early Paleolithic. G. de Mortillet9 still says in 1898: “The Old Paleolithic period appears to be completely absent in Switzerland. This is understandable, as this country was almost entirely covered by ice during the great extension of the glaciers.” And M. Hoernes10 (1903): “One has often asked why no traces of interglacial human settlement would be encountered in the area glaciated during the Ice Ages. One knows the interglacial floras from the interior of Switzerland and Tyrol, and they testify to a climate that would also have been beneficial to humans. One has suspected that later Ice Ages had again erased the traces of human settlement. The correct answer to those questions is probably that humans did not penetrate into the alpine areas, even when they were accessible to them, as Paleolithic hunters, because they found abundantly sufficient game outside of them.” Also A. Penck says in the first volume of his classical work11 (p. 379): “Only very late did the settlement of the mountains by humans occur. No find speaks for the fact that the Paleolithic inhabitants of Central Europe took possession of the foreland of the mountains outside the Ice Age glaciation or penetrated eastward into its unglaciated valleys.”
If one had arrived at the view from purely geological considerations, but especially from the absence of any Middle and Early Paleolithic finds in the Alpine mountains, that Paleolithic settlements were not to be expected there at all, then the discovery of the prehistoric site in the Wildkirchli (1904) was all the more regarded as an event with which the specialized science has been most vigorously engaged for years.12
Here, for the first time, the traces of the primitive cultural work of the prehistoric man of the older Old Stone Age showed themselves in an unambiguous way in a legacy that suggested an even older stage than the Aurignacian and a time lying even further back than that of the dominion of the mammoth and reindeer. These finds belong, according to the stone and bone tools, to the Mousterian.13 The main and characteristic animal is the cave bear (Ursus spelaeus) in an enormous mass of bone remains (99.8%), which point to over 1000 specimens of this animal. Joined to them are remains of the cave lion (Felis leo var. spelaea), the cave panther (Felis pardus var. spelaea), the alpine wolf (Cuon alpinus fossilis), furthermore from wolf, badger, pine marten, ibex, chamois, red deer, marmot, alpine chough and rodents, thus a typical alpine forest fauna. The stone tool material consists of common quartzites, which were dragged up from the valley into the cave; the bone tools are the most primitive hide scrapers and hide removers.
The sensation which the discovery of the prehistoric settlement in the Wildkirchli aroused was all the more justified, as it is located at an altitude of 1477-1500 meters, while the highest such finds had previously barely exceeded the height of 600 meters. Then the Wildkirchli was the first securely authenticated Old Paleolithic site within the young moraines of the Alps and at the same time the highest in all of Europe. For the geological age position, moreover, its belonging to the last interglacial period (Riss-Würm-Interglacial) could be assumed. During the high glacial period, the habitability of the Wildkirchli was absolutely excluded; against the post-glacial age, a number of weighty reasons can be brought forward. For a more detailed presentation of further information about this hitherto highest and isolated oldest human settlement, there is no space here. I refer to the indicated literature. — The excavations in the Wildkirchli lasted during the winter months of the years 1904-1908. However, they are far from being completed. Further investigations should constitute a matter of honor for Swiss prehistoric science!
Until the year 1916, the Wildkirchli on the Säntis remained in lofty solitude the only such prehistoric site in the east of Switzerland. Then it got a sister station in the west, in the Neuchâtel Jura, in the likewise already known from earlier times Grotte de Cotencher near Chambrelien, in the Gorges de l’Areuse, at the entrance to the Travers valley at a height of 650 meters. Already in the year 1867, excavations took place there, whereby a quantity of Ursus spelaeus remains were found. Only in the year 1915 did the find site emerge from its oblivion. In the summer of 1916, the Neuchâtel geologist Professor Auguste Dubois in Neuchâtel, in association with Dr. H. G. Stehlin in Basel, began the systematic excavations that have since brought such excellent results to light.14
The animal world is very similar to that of the Wildkirchli. The deeper location of this site naturally corresponds to a significantly greater number of animal species. The cave bear also plays the main role (95%); lion and panther are also present, as well as the alpine ibex, chamois, marmot and wolf. Alongside these, wild horse, reindeer, wild cattle and other larger animals also appear. — The stone tools are of the character of those of the Wildkirchli, they are also quartzites of partly primitive form and not of local origin. In diluvial-chronological terms, Cotencher should provide highly valuable information,15 since the cave lies a full 400 meters below the highest level of the former Rhône glacier and the last glaciation, as well as more than a kilometer within the outermost boundary of its moraines, while the Wildkirchli was located about 300 meters above the highest glacier level during all glaciations, thus was always a nunatak, an isolated rocky peak or mountain that projects above the surface of a glacier or ice sheet.
If the proof had thus been provided by the two Paleolithic stations Wildkirchli and Cotencher that Switzerland also has a share in much older settlements than those of the Kesslerloch and Schweizersbild, the mammoth and reindeer period16 and thus the connection had been created to both the western (French) and the eastern (German and Austrian) older Old Stone Age cultural sites, then one could have rightfully designated the Wildkirchli as the uppermost, i.e. highest boundary with regard to the altitude distribution of the older Paleolithic man.
As in the everyday life of humans, so there are also in science and in the field of research surprises and completely unexpected things that lead to entirely different, new attitudes of our thinking. The discovery of the Wildkirchli (1904) or its ancient cultural site was the first proof of an unexpectedly early settlement of the area of the high Alpine mountains that was still long avoided by later humans. If one considers the relatively great proximity of the Appenzell hill country at the Wildkirchli, then the ascent of the Old Stone Age man from the valley to the not too distant Ebenalp, which is quite conspicuous from the north and east, was finally still easy to understand.
The conditions are quite different when we must think that even much higher areas located in the heart of the actual high mountains, far from the large, wide valley systems that are always so directionally determining for settlement by humans, had already been inhabited in the older Stone Age.
Through the discovery of the finds in the Dragon Cave located nearly 1000 meters higher than the Wildkirchli and in the middle of the mighty, world-remote rock maze of the Graue Hörner-Calanda-Ringel chain at an absolute height of 2445 meters above Vättis, in the Tamina-Calfeisen valley, the fact has now received powerful support that the man of the Old Stone Age and precisely the Old Paleolithic man had a certain preference for the settlement of the high-lying mountain parts of the country that are high today and were already high then, provided that there was an opportunity for inhabiting caves and sufficient game for his livelihood was available there.
At the time of the discovery of the first cave bear bones in the Dragon Cave (1917) and at the beginning of the first systematic excavations in this find site reaching 60 meters of Säntis height, we could not have suspected the results that today, after 5 times 6 summer weeks, lie before us and which now form the subject of our following considerations. In this case, it concerns in the general description of the find site, the surrounding mountain world and in the presentations of the topographical location and geological conditions a treatise that is also understandable for the layman and claims a certain completeness. The discussions about the results of the entire excavations, on the other hand, bear the character of a preliminary, if also somewhat more detailed communication, since the excavations that began in summer 1917 and were continued during the following summers 1918-1921, have today extended over only somewhat more than half of the existing find area.17
An actual scientific monograph of the prehistoric animal finds and the evidence for the former presence of Old Stone Age man will follow after completion of the research. (Authors: E. Bächler and Th. Nigg). The find material of Ursus spelaeus (cave bear) present in such rich measure provides us furthermore with sufficient opportunity for an osteological monograph about this characteristic animal of the caves during the glacial and interglacial period of our Alps.
Regarding the discovery of the prehistoric finds in the Dragon Cave above Vättis, the most important things should be said at the outset. As we learn later, the cave had long been known to the local alpine population and brief descriptions of it had been recorded here and there in the literature. Since my botanical studies in the Calfeisen-Tamina valley (1899-1904), I had also known of the existence of this cave, since I had already botanized in its vicinity (Gelbberg alp, Vättnerkopf) in 1899. In summer 1901, I visited it for the first time, at least in its foremost part, when Fridolin Kohler of Vättis, who was then serving as a shepherd on the Gelbberg alp, provided me with faithful guidance in the southern area of the Graue Hörner. Two years later, on July 3, 1903, I came with J. Graf, then teacher at the secondary school Vättis (now in Kappel, Toggenburg) and Fritz Iklé (St. Gallen) again to the Dragon Cave, this time also to inspect the rearmost cave parts and to take along a small collection of calcite groups and crystals from there. By means of cords, measuring stick and compass, a provisional survey of the cave was undertaken to create a ground plan and elevation of it. At the same time, Mr. Fritz Iklé took several flash photographs from the front cave part and at the entrance to the second cave chamber.
Already then the numerous tubular bones and jaws of animals scattered on the ground surface at the edge of the cave walls in the second and especially in the third section struck us, but we did not deem them worthy of special attention, since the time for the investigations was too short and the general judgment among the people was that these were dragged-in bones of grazing animals (cattle, sheep, goats) that had perished in the vicinity. At that time I was also not yet occupied with paleontological research and omitted further searches in the ground debris. Only when I began research in the Wildkirchli in 1904 did the thought of the surface bone finds in the Dragon Cave come back to me several times; however, I did not believe in the presence of Ursus spelaeus or even the legacy of prehistoric man. Nevertheless, in 1913 I noted the Dragon Cave above Vättis in the map of “Natural Monuments of the Cantons St. Gallen and Appenzell” (1:100,000) that I created and displayed at the Swiss National Exhibition in Bern in 1914, as a desideratum for future paleontological excavations. However, nothing further was done in the matter for the time being.
Then I was surprised on July 8, 1917, by a postal shipment with accompanying letter from Mr. Teacher Theophil Nigg at the secondary school in Vättis. He transmitted to me in a box a whole number of broken animal bones for evaluation, which he had taken on July 7, thus the day before, from the second cave part of the Dragon Cave at a depth of about 60 centimeters from the ground debris, which he had opened with a spade. — Among the fragment material was also an incisor tooth, which I immediately recognized as that of a cave bear (Ursus spelaeus). Already on July 10, I made Mr. Teacher Th. Nigg aware of the scientific importance of his discovery and requested him to keep it secret until the necessary steps had been taken with the competent cantonal and municipal authorities to elevate the Dragon Cave to a nature protection object in the sense of the cantonal ordinances and the federal civil code and to investigate it scientifically and professionally according to the existing regulations.
Both the honorable government council of the Canton St. Gallen, i.e. the education department (former head: Mr. Landammann H. Scherrer [†]), to which the natural monuments of the canton are subordinated, as well as the honorable municipal council of the political community of Pfäfers, and also the local administrative council of the local community of Vättis unanimously declared their consent to the scientific exploration of the Dragon Cave, with the condition that the finds from it should go to the Natural History Museum of the City of St. Gallen and a small part of duplicates should be handed over to the local school of Vättis, because the Dragon Cave as well as the Gelbberg alp is property of the local community of Vättis. With this decision, the provisions of the federal civil code Art. 702, 723 and 724 concerning natural monuments should be fully satisfied.18 As a precautionary measure, the municipal council issued a public prohibition of entering the Dragon Cave to prevent any possible theft of important finds. In the most accommodating way, the local administrative council of Vättis also made available to us free of charge the shepherd’s hut (2070 m) newly built on the Gelbberg alp shortly before the discovery of the Dragon Cave finds as accommodation during the night.
The not inconsiderable costs for the excavations in the Dragon Cave were taken over, as in the Wildkirchli, by the owner of the Natural History Museum of the City of St. Gallen, the citizens’ community, or the citizen administrative council (President: Mr. W. Gsell), which thereby acquired a right to the finds brought to light. — All the mentioned authorities and persons who have made themselves deserving of the realization of the Dragon Cave research deserve the warmest thanks at this point. We may express this all the more joyfully today because the hopes we attached to this unique find site have been fulfilled in the course of the excavations in a way that could not have been suspected, and the research still to follow at this highest-lying prehistoric station will substantially supplement and perfect the picture gained to date!
It was a given thing from the outset that the discoverer of the paleontological treasures in the Dragon Cave, Mr. Teacher Theophil Nigg in Vättis, was appointed as authorized collaborator in the entire exploration of the Dragon Cave, all the more so as he approached it with true fiery zeal and quickly adapted to the methodology of cave research. With joyful thanks, I may confess that the same owes its successes here primarily to Teacher Mr. Nigg and that it could never have been carried out so quickly and purposefully without him and his great loyalty to the cause. The Dragon Cave work requires a considerable expenditure of physical strength due to the extraordinarily high location of the find site alone, and we feel fortunate that we have found such reliable and work-loving promoters of our cause in the two assistants, Abraham Bonderer and Hermann Kressig, both from Vättis, who, alongside persistent physical performance, also show a proper understanding for the excavations.
The work in the Dragon Cave can only be carried out during the most favorable season, i.e. in the months of July, August and September, due to the significant altitude of this find site, during which time there are also school holidays in the mountain village of Vättis. However, the weather conditions usually do not allow constant work even in these months, since even at the height of Gelbberg, snowfall not infrequently occurs in bad weather, which makes the ascent from the Gelbberg hut (2070 m) to the Dragon Cave (2445 m) dangerous, indeed impossible. Thus we were forced to retreat to the valley several times even in the month of August. During persistent rainy weather, staying up here is also excluded, since we must undertake the ascent from the hut to the cave and the descent to the Gelbberg hut every day. On Saturday evening, the descent to Vättis always takes place, on Monday morning the research caravan (4 men strong) climbs back to the heights with provisions for a week. A daily ascent and descent would be too laborious and time-consuming. The ascent from Vättis to the Gelbberg hut requires 2½ to 3 hours, that from the hut to the cave 1 hour.
II. General Situation of the Drachenloch.
The description of the Drachenloch and its surroundings leads us into the legendary, wildly romantic Tamina and Calfeisen valleys,19 which have been opened up both touristically and scientifically only in recent decades. The outlet of the Tamina valley toward the great St. Gallen Rhine valley is formed by the spa and health resort of Ragaz, famous since ancient times, with the warm healing springs of Pfäfers located about an hour further south in the Tamina valley. There, the Tamina, which has become a foaming, often wildly rushing mountain stream and unites with the Rhine at Ragaz, has created through mighty post-glacial erosion the equally famous gorge “which is unsurpassed in grandeur by any other in the Swiss Alps” (Albert Heim). In its ever-deepening excavating activity, the Tamina has finally cut into those wonderful warm water arteries (at 37.5° C) bubbling from the interior of the earth, whose origin is today still as much the subject of strict scientific investigation as of fantastic interpretations, without the riddle being completely solved.20
The hike through the approximately 2½ hour long Tamina valley becomes one of the most varied valley tours in the alpine region. The first half of the valley can be traversed on two paths, one to the right, the other to the left high above the river. The right-side valley road starts from the village and former monastery of Pfäfers above Ragaz (835 m) via Vadura (960 m), along the former monastery path from Pfäfers to Kunkel Pass to Mapragg, where it joins with the left-bank path that leads from Bad Pfäfers to Valens (915 m), over the eerie Mühlebach gorge, the legend-shrouded hamlet of Tschenner and to Vasön (928 m). While the mentioned villages still lie on magnificent, pasture-green valley terraces high above the river, from the Mapragg power plant onward we enter the almost gorge-like narrowed Tamina valley, which is bounded by the ever-higher rising rock walls of the northern spur of the Calanda and the spurs of the Graue Hörner (Zanay horns and Monte Luna) and forms an apparently complete valley closure in the barely 25-meter-wide gorge of St. Peter (876 m). Once, that is, still at the beginning of the present geological epoch (Alluvium), there was a mighty rock barrier here, behind which lay a long reservoir lake whose outflow with its grinding force finally broke through the rock barrier.
The valley widens again, and in little more than half an hour, after we have crossed the Tamina over an old, covered wooden bridge (“Schüelenbrugg”), we arrive at the mountain village of Vättis (951 m), situated in overwhelming solitude and in a broad valley basin, which has recently become a much-visited health resort for change of air. From three sides we are here surrounded by mighty mountain ranges that approach close to the village and the Tamina river with their base. Above all, it is the enormous rock wall of the Calanda that, in mighty walls rising almost vertically to its peak (2808 m), closes off the eastern exit from the valley and forces the Tamina, coming from a westerly direction, into a northerly course.
From the Calanda side at Vättis, the eye opens to a surprisingly beautiful, stage-like view into the westward-opening source land of the Tamina, which from Vättis bears the still unexplained name Calfeisental21 (Fig. 1).
Once the still-connected mighty mountain range crossed the now open space in a wide, flat-arched bow and uniform superimposition. Into this arch the Tamina cut a valley that seeks its equal in grandeur and romantic beauty. The Calfeisen valley today separates the southern mountain range (left in the picture) rising to the highest elevations of the Ringel chain with the Orgeln and Simel located near the village of Vättis, and that of the Graue Hörner with the nearby Gelbberg-Drachenberg (right in the picture) and the Gigerwaldspitz emerging further back. At the very back, in clear weather, one can just see the western valley closure in the snow- and ice-crowned Piz Sardona or Saurenstock, from whose heart one of the three Tamina-forming glacier streams springs.
With overwhelming austerity and power of landscape expression, the two mountain structures of the Graue Hörner and the Ringel chain confront the wanderer in the front Calfeisen valley. A quite comfortable cart road leads into it today as far as the Sardona alp. From quarter-hour to quarter-hour, pictures and moods change. At the beginning of our hike, the light-flooded mountain forest, mostly of beech and little coniferous wood (larches), quickly takes us in. Then we enter the spruce forest, whose more serious mood is further intensified by the dull thunder of the Tamina in the depths. We feel almost lost between the narrow valley walls rising ever higher in bold steep walls. Upon vertical rock masses, new rock slopes and precipices build up on both sides, and above them throne sharp peaks, finely serrated ridges, dome-like structures. In the Gigerwald we enter, almost with a feeling of relief, a friendly meadow ground located under the wildly plunging Gigerwaldspitz, from which it goes right northward into the awesome steep gorge of the Tersol stream ravine.
Through a tunnel section built only recently (1904) under the sloping Gigerwald plate, we follow the valley inward, always along the roaring mountain stream, to the mountain hamlet of St. Martin, consisting of only a few alpine huts and an ancient gray chapel, situated on a green mountain slope. In its ossuary, the bleached bone remains of the former “giants” of the ancient Walser settlement in the Calfeisen valley speak a silent and at the same time serious language of former richer habitation (see historical section). Ever higher our foot carries us to the entrance into the now more expansive rear Calfeisen valley with its extensive alpine pastures, on which the sound of herds rings out from all sides during summer. Solitude surrounds the wanderer, and the background is closed by the “great radiance” of snow and ice of the Sardona mountains.
Let us return to Vättis! The strict isolation of the place is somewhat mitigated when we turn our gaze south to the almost flat-basin depression that leads up to the Kunkel Pass (1351 m), one and a half hours away from here, which suggests an ancient folk route. But before any human foot had ever trod this terrain, the Kunkel valley, from whose notch the little village of Vättis receives its only sunrays in winter, formed the broad bed of the former West Rhine. Later this was deprived of its northern course and then turned eastward toward Chur. The Kunkel valley became a torso, and the Görbs stream that flows through it today only collects the waters of the lateral mountain streams flowing down from the Calanda and the Ringel chain and leads them to the more water-rich Tamina at the village of Vättis.
And at another time, an arm of the mighty Rhine glacier pushed from the Grisons Rhine valley over the same Kunkel Pass to the Tamina and through its narrow valley from Vättis all the way to Ragaz. The traces of glacial activity clearly meet our eyes at various places, such as in the rock gorge of St. Peter. In the debris slopes on both sides of the Tamina we find the witnesses of the transport of non-local (Grisons) rocks (erratics), and the work of the transporting glacier water reveals to us the peculiar hill or “larch hill” that rises near the village of Vättis, whose fluvioglacial origin is beyond doubt. The river erosion of the valley terrain of Vättis is evidenced by the magnificent, extensive terrace formations clothed with lush pasture green and fields. Despite its occasional wildness, the Tamina has always kept to its predetermined bed, so that human settlements at this location could take place not on the terrace floor, but safely only a few meters above the level of the river.
Let us now turn our attention to our actual goal, the Drachenberg with its remarkable cave, the Drachenloch! We could have let the attentive wanderer survey the entire situation barely 5 minutes before entering the village of Vättis, from the country road to the right above. Our Figure 2, which we use again to describe the ascent to the Drachenloch, gives us better than many words a concept of the extreme altitude of the Drachenloch (2445 m), the significant height difference between this and the valley floor at only 930 m, as well as the steepness of the slope to be traversed, since the horizontal distance from the lower valley terrace to the cave measures barely 2 kilometers.
However, we gain the most powerful impression of the Drachenberg somewhat above Vättis toward Kunkels, on the meadow terrace of Mattlina. Our Figure 3 also spares us any lengthy description there. It is a giant massif of successive rock walls that form the broad foundation of the mountain, and at the very top, built in terraces, rests the dragon’s head, a majestic natural fortress. The traversal of the steep wall labyrinth is impossible from here in a vertical direction for ordinary mountain hikers; only the former chamois hunter (the area is now a state game preserve) might have forced access to the high terrace of the Gelbberg alp located to the right below the dragon’s head along the narrow terrace ledges and through eerie crevices.
Let us cast a quick glance from here at the vegetation conditions on the Drachenberg, insofar as they relate to the forest. Right at the village of Vättis, adjoining the pastureland of the Gamsboden terrace, the beech belt spreads mountain-ward, which as a closed formation extends to the absolute height of 1300 m and valley-inward into the Calfeisen valley only to the Gigerwald, while at the Kunkel Pass it still dominates in closed stands. Remarkably, the larch has established itself in magnificent stands on all sides of the lowest valley slopes near Vättis (Fig. 3). Although it is the highest-reaching pioneer of the alpine high forest in the area of the Calfeisen valley and on the Calanda (in the former alongside Swiss stone pine) and climbs far up onto all higher-lying ledges and terraces above the closed forest, it enjoys healthy and enduring growth here below in the valley floor. The question of whether the larch here owes its existence to natural seeding or to the cultivating hand of man has remained unsolved.
The next higher dominion in the area belongs to the red spruce or Norway spruce, namely from about 1300 to 1750 m altitude. On the east side of the Gelbberg-Drachenberg and Vättnerberg, it just reaches the lower edges of the high terraces of Gelbberg, Vättnerälpli (Ladils) and Vättnerberg. In our Figure 3 (upper right) we have the last spruces at 1760 m, associated with individual larches and two thick-trunked pines (Pinus silvestris). On the Gelbberg-Drachenberg, however, the larch does not achieve noteworthy extent. Right on the above-mentioned rocky head begins the dwarf pine belt, here as elsewhere badly thinned by pastoral farming, whose uppermost bushes reach to 1960 m, in the lower part here and there still interspersed to 1880 m by individual larches of the “battle zone.” From 1900 m onward, the sole dominion on the Drachenberg belongs to the alpine and lean pasture landscape. Its green mantle clothes the greatest part of the Drachenberg slope (covered with snow in Fig. 3, end of October 1917). An admittedly already much torn grass sward spreads in places even on the summit ridge of the dragon’s head, whose peak becomes snow-free every summer.
Having looked around in this attractive valley region in the foregoing, insofar as it was also necessary for later discussions, we now prepare ourselves to reach our main goal, the journey to the Drachenloch. Who would ever have believed that under its high-vaulted and far-visible cave roof, primeval life of humans and animals had played out! The magnificent pictures accompanying our writing spare us the trouble of lengthy description of the ascent to the Drachenberg. Let us consider Figure 2, which allows us to survey the entire situation somewhat below Vättis (toward Pfäfers).
In the middle of the steep slope that rises to the Drachenberg and Vättner head, erosion has cut out the sometimes completely impassable Kreuzbach gorge, an eerie ravine that reaches up to the Gelbberg terrace, that is, above the forest line. In its depths rushes the Kreuzbach, plunging over mighty rock barriers, which swells to dangerous flood water during heavy precipitation and has often carved deep wounds into the cultivated land spreading at the foot of the mountain before its partial containment. To the left side of the Kreuzbach gorge, our well-shod foot sets itself to the steep slope, which is now overcome in many zigzag windings and traverses first through magnificent beech forest, then through deeply serious spruce forest, here and there with charming rest and lookout spots, until we have reached the crest of the upper forest line, where we step out into the free landscape of the alpine pasture. Surprising pictures of the nearby mountains come before our eyes here. At the beginning of our excavations in the Drachenloch, the path to the forest meadow of Patina, located at 1500 m altitude, was extremely poor and very strenuous. Thanks to the financial support that the administrative authority of the municipality of St. Gallen also granted us for the considerable path improvement, this steepest part of the ascent can now be conquered without danger in two hours.
Right at the first grass hillock above the forest line, at the so-called “Brunnenhüttli” (1760 m),22 where beside free pasture areas a tangle of magnificent mountain pines and alpine rose bushes covers the flat hilltops, the Drachenberg with its uppermost rock wall brightly illuminated by the morning sun has moved within tangible reach.23 This accelerates our pace to the heights. In a narrow terrain channel between dwarf-pine-covered longitudinal ridges, then stepping onto the free pasture, we have arrived in a good half hour on the wonderful terrace surface of Gelbberg alp (2070 m) (Figs. 5 and 6) and find ourselves in the midst of a gripping mountain landscape. A few years ago, only one ancient shepherd’s hut stood on this alp, built of stone slabs, half-collapsed, barely protecting from wind and weather. A stroke of luck had it that in July 1917, just at the time of the discovery of the first Drachenloch finds, a new, though small but cheerful shelter for the shepherd was erected by the local community of Vättis, the owner of Gelbberg alp, who keeps up to 350 sheep here every year for summer grazing. This hut, since then warmly shingled, has now become our, the researchers’, high station for five summers, as protection and shelter in bad weather and our resting place at night (Fig. 7). Thanks to the munificence of our museum authority, we could make all arrangements in the hut to create a cozy nest here that naturally excludes all comfort but lets us sense all the more the “happiness” of primitive man. Without this new hut, it would have been completely impossible for us to have raised the scientific treasures of the Drachenloch in relatively such a short time, because the old hut would have been too uninhabitable for a stay of 4-5 men.
In earlier times, the Gelbberg alp, which despite its height (it is the highest used pasture in the Tamina-Calfeisen valley) still bears good grass sward, was also grazed with large cattle (young or dry cattle).24 Since the time when the alp path along the Kreuzbach gorge to the Gelbberg, but also that on the steep flysch slope of the Vättner head (Aelpli head) became impassable for large cattle due to constant weathering, only sheep and goats have divided the area on the Gelbberg alp up to the highest slopes. During their summer stay, they contribute very much to the friendly animation of the otherwise so magnificent solitude and world isolation.
Here on the wonderful plateau of the Gelbberg terrace, we are near the mountains of Vättner head (2619 m), which is incorrectly designated as Aelpli head in the topographic map (Fig. 6), and the Drachenberg (2635 m) to the left (Fig. 7). Mightily and impressively, the castle-like summit heads set themselves upon the broadly placed mantle of both mountains. From their “faces” speaks the never-resting activity of weathering in the mountains. The partly open, partly hidden under grass-green scree and rubble slopes between them are the eloquent witnesses to the processes of nature’s modeling in solid rock. Likewise the numerous rock columns eaten away by deep channels and the many cavities at the foot of the summit section of the Vättner head. Both mountains are separated only by a narrow, basin-like incision, a typical cirque, from which the Kreuzbach springs high above, which immediately at the Gelbberg alp, plunging over steep rock steps, disappears from our eye in the deep gorge of the same name. In heavy rainy weather, the numerous channels on the Vättner head are traversed by loudly thundering stream calls that all rush toward the Kreuzbach gorge. Between the Vättner head and the highest Drachenberg, the so-called rear or northern Drachenberg pushes in to the right of the latter, and only a narrow notch separates it from the front or southern Drachenberg, in whose mighty, vertical rock wall the Drachenloch is located.
From the Gelbberg hut, a brief overview of the mountain picture now unfolding in closest proximity is worthwhile. To the left of the Drachenberg, above the Calfeisen valley lying at dizzying depths, whose bottom the eye can reach only on the south side of the Gelbberg alp, rises as a majestic mountain structure magnificently stepped from the valley to the uppermost edges, the Ringel chain (Fig. 4). It is the highest elevation in the area, as well as in the St. Gallen-Appenzell mountains. Like a broad, roof-like ridge, the blindingly radiant Ringel glacier leans against the imposing double summit tower of the Ringel peak (3251 m) to its right. Only from the south slope of the Drachenberg is the view also granted to us of the western spurs of the Ringel chain, the Glaser horn, the Piz da Sterls, as well as the snow- and ice-covered Sardona mountains with the Trinser horn, the Piz Segnes, Piz Sardona or Saurenstock, the Sardona glacier, the large and small disk. In the east, the wonderfully finely stepped Panära horns (rear and front), the crenellated rock fortress of the “Orgeln,” the giant stock of the “Ofen,” and finally the Simel, green to its summit, whose ridge slowly descends toward the valley of Vättis and Kunkels, join the ruler in the circle.
Even up here, the mountain power of the Calanda with its two main peaks (Haldensteiner Calanda = 2808 m and Felsberger Calanda = 2689 m), between which lies the saddle of the so-called “Schaftäli” with the “Teufelskirchli” (a broad-pyramidal rocky head), is able to maintain the contrast of its grandiose western precipice and its flatter eastern side toward the Chur Rhine valley, clothed with pasture almost to the summit. Also, a large part of the further distant view to the east is cut off by it.
If we wanted to describe the entire magnificent panoramic view from here, we would have to name dozens of distinctive mountain shapes - all good acquaintances - by name. But even a few of them are enough to let us recognize what a high, scenic location we find ourselves in and what an extensive panorama already presented itself to the Paleolithic hunter’s eye up here.
Right over the ridge of Alp Salaz on the northern spur of the Calanda, between it and the nearby Vättner head, we have a full overview of the entire Grisons Rätikon from the high-throning Scesaplana over the Kirchli peaks, Schweizertor, Drusenfluh, Sulzfluh, Scheienfluh, Madrishorn and Schlappinerspitz. The mighty scree slopes of these dolomite shapes shine over in mysterious shimmer. The conclusion to the right is formed, in clear distant view, by the gleaming snow and ice fields of the magnificent Silvretta massif, high above the Prättigau valley region closer to us. As the last, we still recognize the snow-covered heads of the Seehorn, Gross-Litzner, Verstanklahorn and Piz Buin.
But now first the distant view toward the south, in the notch of the Kunkel Pass between Calanda and Ringel chain! It takes shape most impressively, however, from the height of the Drachenloch. “Who counts the heads, names the names…?” Like stage sets, chain ranks behind chain, one higher than the other. In the background from the elongated Domleschg with the house-studded Heinzenberg stand in the center the Piz Beverin, to its left the eternal snow fields of the Suretta horns and the Piz Grisch, to the right the Bruschg horn and Bären horn, and in the background the icy head of the Tambo horn and the Rheinwald horn. In the southeast, however, in clear föhn atmosphere emerges at the very back, bathed in pure light, the majestic Monte delle Disgrazia, and resting in sublime solemnity, the snow and ice garment of the Bernina (4052 m) shimmers through the almost incomprehensible space.
We can easily spare the reader a closer description of the ascent route from our Gelbberg hut, since we have drawn it in our Figure 7 and, moreover, a proper alpine path marking (red!) was established during the past summer. For hikers free from vertigo, this last ascent presents no difficulty, since here too a significant path improvement has taken place. In barely half an hour we have, mostly over pasture slope, completed half the way to the white rock wall visible high above the left hut roof and turn on a well-built, though somewhat steep path to the left onto the south slope of the Drachenberg, climb it until we find ourselves at the outermost rock corner of the Drachenberg wall, from where a few steps northward lead us to the mighty cave portal, the entrance to the underground chambers of the mountain. Outside under the overhanging rock roof we have erected our primitive lunch table along with resting benches, and right next to it stands, reminiscent of the primeval time of the big game hunter, our cooking hearth built of rough rock slabs.
III. The Name Drachenloch.
There is no doubt that the cave in the Drachenberg, the Drachenloch, must have been known to the oldest historical inhabitants of the Calfeisental, since not only the Drachenberg, but also the entrance portal to the cave were clearly visible at all times from the southern part of the village of Vättis and the valley basin of Kunkels. However, no older historical reports about the mountain and the cave are to be found. Only in the year 1836 is it first mentioned in the writing: “The Canton of St. Gallen, geographically and statistically described” under the name Drachenberg. Since then the name has also been found in later maps and in the literature.25
The oldest topographical map in which the Drachenberg first appears with this name is the Eschmann map of the Cantons of St. Gallen and Appenzell, at a scale of 1:25,000, published in the years 1840-1846, which remains “unsurpassed and exemplary in the manner of mountain representation” to this day. The hatching used in it with vertical lighting and isohypses at 100 m intervals comes to compelling expression in the distribution of light and shadow, especially in the southernmost part of the Canton of St. Gallen - that is, in the highest elevations and particularly in the Tamina-Calfeisental. The cave itself is not drawn in, however, and the name Drachenloch is also missing. Unfortunately, in this otherwise magnificent map, a number of names are not placed in the correct location.26
Prof. Dr. W. Gröbli, who opened up the tourist region of the Calfeisental, described a brief visit to the Drachenloch in the Yearbook XXV (1889-1890) of the S.A.C. (“New Wanderings in the Club Region”). The Drachenloch is also mentioned as worth visiting in the older editions of Iwan v. Tschudi’s “Tourist.” Gröbli estimates its height at around 2430 m (thus little below reality). He estimates the width of the cave at 3-4 m, the height at 5-6 m. According to his information, it should extend fairly horizontally 30 m (!) deep into the mountain.
F. W. Sprecher27 points out in his two works “On Place Names of the Tamina Region” that the names “Draggaberg” and “Dragga-loch” are not of German, but of Romance or even older origin and should therefore be left in this spelling. In the etymological derivation of the two words he relies on Carigiet, P. Basil, Romansh Dictionary, where the word dracca means strong, persistent rain, which when applied to our cave would mean something like a constant or strong dripping down, “Draggaloch” thus meaning a moist or wet hole.
We can, however, properly avoid the derivation from “dracca” attempted by F. W. Sprecher, since according to Prof. Dr. Pult (St. Gallen), a capable expert and master of Romance languages, the word “dracca” in the Romance language has nothing to do with dragons. In Romance (according to kind oral communication from Prof. Pult) the wooden dragon heads on house beams are still called today = dracs = draks = draggs. The concept dracs is, however, identical with drache = fabulous monster. It would furthermore be incorrect to apply the name “dracca” = strong, persistent rain, dripping down to our Drachenloch, since in reality precisely the inner cave parts (II and III) are by no means water-bearing cave spaces, but are rather characterized by dryness (except for air humidity). Otherwise one would have to give almost all caves the name “Drachenloch.”28
According to Fr. L. K. Weigand: German Dictionary (1909) the word Drache in Old High German = trahho also traccho, in Middle High German = trache also tracke, Dutch = draak, Anglo-Saxon = draca, Swedish = drake, New High German = drache (with d for original t), all borrowed from Greek-Latin draco (alongside dracco), which means fabulous great serpent. The word “Tracken” has thus been adopted into the German language for long periods. Etterlin and later Stumpff (1548) and Gessner (Animal Book, 1606) and others mention it. The Vättis resident, however, who does not know the “k” sound, simply says “dragge” or “tragga,” always with the hard c-sound for the “gg.” -– In doing so he himself thinks only of the dragons of legend, which indeed already play a prominent role in Holy Scripture, in Greek and all ancient history of the Orient.
In the appendix (1916) F. W. Sprecher mentions the absence of a local dragon legend, which should nevertheless be connected to this place if popular belief had brought the same into the well-known relationship with the dragon-like creatures of prehistoric times. Against this statement, however, it should be remembered that a legend of the Drachenloch near Vättis was known to the collector of legends of the Tamina valley, the recently deceased teacher Ludwig Jäger in Vättis. I heard it from his own mouth, and its wording corresponds with that which we find in No. 232 of the “Legends of the Canton of St. Gallen” by J. Kuoni (1903). L. Jäger had already published part of the legends earlier in the “Oberländer Anzeiger,” he handed over another part to teacher J. Kuoni for his legend collection, and the rest, among which are some very beautiful ones, the author handed over to me in writing. Under the title “The Dragon” we find in Kuoni (No. 232) alongside a brief description of the Drachenloch above Vättis the following legend:
“In this grotto there once lived a fierce dragon, from which the cave received the name Drachenloch. But after a long time the dragon became too bored in his castle, and he dared the bold flight across the Tamina to the Calanda. One can see from Vättis in a steep, high rock wall (on the Calanda) the hole where he flew in. But he found no ground and bottom in the interior of the mountain and then fell many thousand feet down and there perished miserably.”
The present population of Vättis also understands by the concept “dragon” a monstrous, fabulous living being. We possess, moreover, from the Sarganser region several more “lindworm legends,” such as that of Gamidaur (No. 197 in Kuoni). The legend also has the formerly thicket-covered north slope of the St. Georgenhügel located near Berschis inhabited by dragons. Down into the village itself the monsters are said to have ventured, as Manz says, spreading fear and terror everywhere. What jubilation when the knightly St. George freed the inhabitants from this plague!29 -– The mountain dragon at Wangserberg should also be mentioned, which the chronicler Joh. Jak. Wagner30 describes as a bodily, really seen monster, according to witness statements. Everywhere it is “honorable men” who have really seen the dragons.
Finally, special attention should be drawn to the well-known Alpsegen, the prayer call or “Ave Maria.” This Alpsegen is still called out every evening by the herdsman before going to bed outside the hut over his alp on several alps of the St. Gallen highlands, or rather sung, to implore the protection of God, the Virgin Mary and the saints upon man and cattle, upon hut and meadow, upon ground and ridge. -– Usually the prayer call is spoken at the same pitch, only at individual places, toward the end of the lines, does the caller let his voice sink by a third or fourth. On the alps that have a Catholic owner, the Alpsegen is considered a duty of the herdsman. In this prayer call the dragon also appears as “Wurm” [worm]. I include here the entire Alpsegen in the version by Manz (loc. cit. 90/91), since it, though known, can be reproduced in wording by very few.
“Ave Maria! Ave Maria! Ave Maria!
May God protect and our dear Lord Jesus Christ
Life, property and goods and all that is around here!
May God protect and the dear holy Saint George,
Who may well watch and listen here!
May God protect and the holy Saint Martin,
Who may well watch and guard here!
May God protect and the dear holy Saint Gall!
With all his holy saints!
May God protect and the dear holy Saint Peter
Saint Peter! Take thy keys well in thy right hand,
And lock well the bear’s path,
The wolf’s tooth,
The lynx’s claw,
The raven’s31 beak,
The worm’s tail,
The griffin’s flight,
The stone’s leap!
May God protect us from such evil hour!
That such little animals may neither scratch nor bite,
As little as the false Jews bit our dear Lord God!
May God protect all here in our ring,
And the dear Mother of God with her Child!
May God protect all here in our valley,
Here and everywhere!
May God protect and may God rule, and may the dear God do this!
Ave Maria! Ave Maria! Ave Maria!” - 32
That the dragons and lindworms also played a significant role in popular imagination in the other parts of the Canton of St. Gallen is proven by the many related legends in Kuoni’s collection.
Wherever we look in the literature and at the localities to which dragon legends are attached, we always find them at rocky places with caves. It is interesting to learn that popular belief by no means connects all caves with the fabulous animal races of prehistoric times, the dragons, griffins, lindworms and tatzelworms, which with glowing eyes and slavering jaws guard immense treasures (dragon gold), but rather that the dragon holes usually involve highly situated, large, spacious and widely visible caves in which these terrible forms also had room for flying in and out and for shelter.
Thus there exists, besides the Drachenloch near Vättis, one at Giswilerstock, further one near Burgdorf (J. J. Scheuchzer), and the best known until now is that at the Drachenfluh (Municipality of Ennetmoos, Canton Nidwalden, 862 m above sea level) at the uppermost precipice of the eastern slope of the Muttenschwanderberg. In this Drachenloch, a large, spacious cave, according to legend a dragon making the area unsafe lived in the 13th century, which the hero Struthahn von Winkelried killed at the price of his own life.33
O. Abel rightly says in his classic Paleobiology (p. 5): “We should not be surprised that in a time that still believed in fabulous beings and dragons, skeletal finds of fossil mammals (mammoths, rhinoceroses, cave bears), saurians, etc. repeatedly provided new nourishment for dragon legends.” And thus it has been proven in numerous cases that precisely there, where the name and legend of a dragon clings to certain caves, bone remains of prehistoric animals have been found, even superficially (as a result of “treasure digging”), and these were assigned to dragon beings because of their unusual size, since they could not be compared with animals still living today, including domestic animals. It is also a quite general phenomenon, and I have encountered it hundreds of times, that people like to exaggerate the size of found bones into the fabulous, quite similar to statements about the depth or length of caves. The unusual generally undergoes rapid fantastic enlargement. Then the knowledge of animal bones among the people is generally poor.
It is, incidentally, interesting to learn from J. J. Scheuchzer (loc. cit. II. Vol. p. 232) or already from J. J. Wagner (Hist. Nat. Helv., p. 213) “that in the year 1689, on July 9th at the Pilatus mountain, on the Unterwalden side, the bone framework of a dragon was dug out from a hole,” of which the individual bones found are named. Wagner then writes: “I surmise that these remains are not from a dragon, but from a bear. An observation from the year 1718 confirms me in this surmise, in which some bones were found in a cave of a very high mountain, called the Ober-Urner-Schwendi, and given out as remains of a dragon, which however in my judgment are nothing other than the remains of a bear, which perhaps had its winter quarters in this cave and had to die of hunger because of a collapsed entrance.”
The Wildkirchli cave owes its origin to a dragon according to one legend. There, bones were also found partly lying on the surface, and indeed at a time when dragon legends were also flourishing most in the Innerrhoden region (The dragon at Kamor. Cf. Wagner, Hist. Nat. Helv., p. 250).
In the Drachenloch above Vättis too, such exposed bones had lain around since ancient times, including those of respectable size (e.g. humerus of the cave bear), which were probably lifted by “treasure diggers.”
Very often such bone caves also form the find sites for the remains (tools, weapons, jewelry, coal hearths) of prehistoric man, the cave dweller. Here only incidentally should reference be made to the cave finds numbering in the thousands, as well as to the cave of the dragon in the Wildkirchli, the dragon in the Hirschensprung in the Rhine valley (Neolithic), to the Drachenloch at Muttenschwanderberg in Unterwalden.34
After these explanations about the dragon creatures in Switzerland -– which we can regard with certainty as products of popular imagination from ancient traditions and to which large bone finds from caves repeatedly provided new nourishment -– the name and significance of our highest situated alpine Drachenloch above Vättis can probably be derived in the most natural way.
IV. Brief Historical Overview of the Tamina-Calfeisental.
The most important information about the known human settlement history in the Tamina-Calfeisental up to now should precede our prehistoric presentations from the earliest times. The literature on this subject has already reached a considerable scope. It consists partly of printed sources and works, partly of handwritten documents that are found in the most diverse archives. Teacher Mr. Theophil Nigg in Vättis, the discoverer of the first Drachenloch finds, has been occupied for years with the compilation of all the material existing in handwritten documents about the Pfäfers monastery and the Tamina valley; the collection has already grown to several substantial folio volumes. These historical works and the search for the very oldest witnesses of settlement in this region formed the occasion for the discovery of the Drachenloch finds.
The oldest settlement of the Tamina-Calfeisental has remained shrouded in deep darkness to this day. Finds from the diluvial or glacial period have been absent so far. The Neolithic period (New Stone Age) could also not be proven, and find objects from the Bronze Age are likewise lacking, which came to light at individual localities at least in the Canton of Graubünden and in the Sarganser region. If witnesses of pre-Roman settlement in this valley have thus remained absent until now, this does not mean that prehistoric peoples such as the Vennonetes or Sarunetes could not have reached the Tamina valley from the Graubünden Rhine valley via the Kunkels pass. A first bronze find would at least authenticate humans as such, if not in permanent larger settlement, then at least as travelers passing through.
Since Roman finds came to light everywhere at Pfäfers, Ragaz, Vilters, Mels, Sargans, Heiligkreuz, Ragnatsch, Bärschis, Flums, Wallenstadt, one would have to wonder if individual settlement waves had not penetrated into the Tamina valley.35 Yet any secure evidence for this is lacking. It is not excluded, however, as W. Manz also emphasizes, that the route Reichenau-Kunkels-Pfäfers might have served now and then as an emergency route during Roman times because of Rhine flooding on the Chur-Ragaz line. W. Manz (p. 21) also speaks of traces of a “Roman road” between Pfäfers and Vättis that should come to light at some locations,36 and old road traces between Vättis and the Kunkels heights are also addressed as remains of this road. How far these assumptions correspond to the facts cannot be decided to this hour; so much is certain that the Kunkels route later, in the Middle Ages, played a significant role, as emerges from various documents. W. Manz (p. 21) rightly says: “Why should traffic not have taken possession of this line already in Roman times, and would the Pfäfers monastery have been founded around the years 712-731 precisely at that location if it could not have controlled from there both the Zurich-Chur and Bregenz-Chur lines, as well as the Kunkels route, and if it had not had the significance of a hospice for wanderers traveling the way?” Bavier,37 H. Wartmann,38 Kuoni39 and others assume an old trade route through the Walensee valley to Ragaz and over the Kunkels to Reichenau, which there joined the old Rhaetian Alpine roads.
Still today a “Roman road” leads about a quarter hour southeast of Ragaz to the Chur road, where it suddenly turns at a rock corner to lead in rather steep ascent through the Fluppischlucht40 upward in a westerly direction, bordered on both sides by walls, as a barely 3 m wide, bumpy and in places exposed to the rock substratum hollow way to the “Porta Romana.” Here, judging by few remains, a Roman military installation should have been located as defense against enemies penetrating from the north. Up above the Wartenstein ruin, near the tourist restaurant of the same name, this Roman road still unites today with the carriage road Ragaz-Pfäfers-Vättis. From the topographical standpoint, no objections can be raised against the passability of the route Pfäfers, Vadura, Vättis, since the conditions in Roman times were hardly different from today. The rock narrows at St. Peter were also already broken through nearly to the present level of the Tamina river and formed no traffic obstacle.
The historical darkness in the Tamina valley gradually clears when we move into the post-Roman period. With the incorporation of the “Roman province of Rhaetia” into the Frankish realm, the entire Sarganser region was assigned to the Currätien district (Raetia Curiensis). Around 916 it was then united with the Gaster region, the Upper Rhine valley and Vorarlberg as the county of Lower Rhaetia with the Duchy of Swabia. The most important secular and ecclesiastical offices of Currätien were increasingly filled with German influence, and German influence also made itself felt among the people. Yet the Romance population and culture retained their ancestral character. Still in the 8th century the nobility was Romance, and according to Campell (1509-1582) in the Pfäfers monastery at the beginning of the 10th century Romance was still current alongside the German language, indeed still around 1530 older people in Malans used the Rhaetian idiom. But Romance maintained itself much longer in the secluded valleys, such as precisely in the Tamina valley. Thus Ebel (1810) reports in his “Guide to Traveling Switzerland” (p. 25): “Vättis inhabitants still greeted the inhabitants of Tamins in Graubünden in Rhaetian a generation ago, and understood this very well.”
If we now also possess no closer historical data about the settlements of the Rhaetian element in the Tamina valley, we nevertheless encounter it today still in a larger number of place and field names. In this connection the fact also emerges that these Romance settlements held preferentially to the lower locations of the valley, and especially to the magnificent terraces, the remnants of the old West Rhine bottom, since there larger areas were available for cultivation and grass farming (Pfäfers, Valens, Vasön), while the village of Vättis shows a typical “nest location,” similar to Ragaz, Mels, Plons, Berschis and Flums. Here and there the stepped broken fall of the left Tamina bank was also used for settlement, as at Vasön, even if only for a stable building. It is therefore in the almost north-south running Tamina valley (as in the Weisstannen valley) not the sunnier eastern exposure that drew the settlements to the left riverside, but solely the topographical location (terrace landscape).
I have already compiled the majority of the Romance place and field names on an earlier occasion, partly also according to information from teacher Ludwig Jäger (†) and reproduce them below in footnote.41
Around the middle or toward the end of the 14th century, a secondary colonization phase made itself felt in a part of Currätien, that is, an immigration of foreign elements, which only in recent times has enjoyed a very thorough investigation by historians, ethnographers and anthropologists. This is the immigration and settlement by the so-called free Walser. We cannot here, for reasons of space, engage in the lively discussion of the origin of this remarkable people, and refer to the newest works by Branger,42 Hoppeler43 and Wettstein.44 So much seems correct today, “that it concerns daughter colonies of the mother colonies Davos, Rheinwald, Obersaxen founded in the last quarter of the 13th century by Germans of Alemannic stock who immigrated from the Upper Valais.” A descent from Rhaetian blood is increasingly disputed today.
Already in 1398 we encounter in the register of the county of Sargans the designation “Walseler,” “Walleser,” “Walser,” who in contrast to the subject resident population were considered as “herkommen lütt,” “frömbde, herkommen lütt, die da fry oder Walser sind” [foreign people who are free or Walser]. The same Sargans register knows their dwelling places: Matug (in the Gonzen area), Swendi (Schwendi-Weisstannen), Wisstann (Weisstannen), Fölteserberg (Vilterserberg), then around the middle of the 14th century in Calfeisen, in the Gigerwald, on the estates Vasön, Bläs, Pradon, on Sampans (St. Margretenberg). In the Calfeisental the following settlements are named: the rear and front Sardona, Hensli Tönis front Sardona, Cläwi Tonis farmstead called the Riet, Bertschis farmstead called Riet, the Zumppen farmstead, the barren Büel, Bandligen farmstead and the Egg. Perhaps the estates and alps: Wympsers Berg, Ebni, Sannt Marti (St. Martin), Kugadenstat also belonged to them. Later we encounter the names Sardonen, Rathausboden, rear and front Ebene, Ammannsboden, Brennhütte, Wiesli, Wetterstoffel, Stegensässli, St. Martin, Gigerwald. Older Walser family names are also: “Cüni Tontli, Willi ab dem Berg, Peter Arnolz, Jäcli von Sardon, Pantlion, Niclaus, Peter, Johannes and Johannes the widow’s sons of Kalueys,” “Michel in Gigerwald, Pantli and Marti Nufer and Cunraden Nufer, the latter’s nephew,” “Walliser usser Galues” (Calfeisen). It is very probable that the alpine settlement “Vättnerberg,” still inhabited in summer until around New Year’s at about 1600 m elevation, was once a Walser settlement, as it still forms today as the Vättnerberg cooperative an actual mountain village in group and individual houses along with stables.45
The actual reasons why the free Walser settled for the first time around the middle of the 14th century precisely on the then probably almost impenetrable wilderness in the rearmost Calfeisental will probably remain hidden from us for all times. Today only conjectures can be made. As a result of the increasingly widespread feudal rule, the class of small free landowners slowly disappeared; the number of serfs and rent-paying people constantly increased. — The wilderness of the Calfeisen valley, which was probably only hunting grounds of the counts and abbots, formed unproductive territory that was not profitable for the landlords. The freedom-loving Walser turned there, and the landlords, the counts and the Pfäfers monastery, were wise enough to let them be, since the territory gained value through cultivation, especially as the Walser, who were granted and documented personal freedoms and rights (“Walser rights”) and received the territory wrested from the wilderness as eternal, freely transferable hereditary lease, could at least be obligated to pay annual payments in kind to the Pfäfers monastery as well as military service. — Although the Walser in Calfeisen had no independent court, since “Twing und Bann” [coercion and ban] as well as the high courts were assigned to Freudenberg. But they could take care of community affairs themselves under the chairmanship of an Ammann [bailiff]. Still today a locality behind St. Martin is called “Ammannsboden,” and on the western Sardona alp side lies on a terrace the “Rathausboden,” where the foundation remains of the former Walser settlement can still be seen.46 A cemetery was also located on “Ammannsboden.”
The free Walser of the Calfeisental are described as a strong, strong-willed little people whose individual representatives in body size should have significantly exceeded other mortals and especially the Rhaeto-Romans. Hence so much is spoken of the giants in the Calfeisental, whose remains can still be seen partly in the small charnel house at the chapel of St. Martin. Already in 1900 I examined and anthropologically measured the largest part of the then still existing human skeletal bones, especially skulls and extremities. It turned out that the still existing parts by no means belonged to giant figures of humans, but that the extremities (humeri and femora) suggest individuals of medium body size (up to 168 centimeters). It is claimed, however, that the largest bones were long stolen before 1900 by “Englishmen” and other “curiosity lovers” and disappeared forever in their backpacks! — On the occipital bones of the skulls I noticed even then the strong roughness for the attachment of the neck muscles. They are proof of the presence of strong neck muscles that these people possessed, since they certainly had to carry heavy loads (hay bundles etc.).
Although the free Walser were spared from oppressive taxes and levies and thus were not “under the yoke of pursuing bailiffs,” a slow emigration and depopulation of the Calfeisental nevertheless occurred over time, which began already in 1385, and is documented by records from 1477 and 1488, as well as from 1511 and 1513 and also later until 1600.47 In this process the properties were sold to outsiders (from the March, from the Gaster and from Weesen). At the beginning of the 17th century the valley might have been virtually quite depopulated. The last inhabitant, Joh. Suter, died there on July 15, 1709, 84 years old (according to Ebel, handwritten estate in the Zurich State Archive), while L. Jäger names 1615 as the year of death of the last Walser woman to die and be buried in Calfeisen, Catharina Sutter. A number of Walser did not move far away, but remained in the Tamina valley, in Vättis, Valens, Vasön, acquired property there and mixed with the resident manorial and monastery people. A multitude of legends (giants) point to this mixing. (The people in Tschenner near Vasön.) Descendants of these Walser still live today in the families Jäger, Kohler, Bonderer, Nigg, Riederer etc. Others, such as Bandlin, Törii, Locher, Bertsch, Lenz, Giger, Suter are also still represented in the Sarganser region today.
People have often argued about the discussion of the causes of this emigration and made great efforts to create clarity in this matter. It has often been connected with a deterioration of climatic conditions (legends!) then with the Reformation or with a plague period (1349). But it may well have been primarily economic and purely commercial reasons that drew the free Walser to more favorable and comfortable living conditions down in the valley and allowed them to exchange their rougher soil without pain and too great concerns for greater security of existence. Thus it became quiet back in the valley, and although today in summertime herd bells ring out from the alps there from all sides, which again gladly stimulates the lonely wanderer, it whispers mysteriously in the echoing of the legends around the “Walser cottage” in the front plain of former life and activity, of happiness and sorrow of a primal people.
Thus it also happens that, as the Rhaeto-Romance landmarks in village and field names continue to live down in the valley today, up in the heights48 the German Walser name maintains its rule almost everywhere (with the exception of the highest peaks, whose names are of older origin). I once investigated all the alp and individual locality names of the alps with the herdsmen, and in my written compilations I find hardly 1/100 Romance names recorded.
According to settlement, we thus see the Romans establish themselves in groups of houses on the lower mountain slope; the Walser follow them with individual farmsteads in the heights. If, as W. Manz says, “the interaction of the nature of the land and folk tradition is reflected in today’s house form,” then in this respect the Rhaeto-Romance influence can still be traced, for example in Vättis, even though the most diverse gradations and transitions to the eastern Swiss country house come to expression in a predominant way. Here the folk mixing has indeed entered a stage where it also had to make itself essentially noticeable in the manner of house construction.
For centuries the valley region of Calfeisen and the Tamina stood under the sovereignty of the Pfäfers monastery. With the abolition of the Sargans bailiffship in 1798 and the abolition of the named monastery (1838), the inhabitants of this region also entered into the free rights of the other Swiss cantons.49
V. Topography of the Cave.
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The various illustrations (cf. 6 and 8) show us the Dragon Cave with its high-vaulted rock portal at the foot of the over 80 m high eastern rock wall of the Dragon’s Head, the uppermost part of the Dragon Mountain. The absolute sea level height of the cave entrance is not indicated in the topographical map (Vättis sheet). The curve passing by there points to the figure 2340. I have determined the actual height in ten measurements taken at completely different times using an excellent aneroid barometer (0-2500 m) taking into account all corrections at exactly 2445 m at the level of the entrance to the foremost cave. The height of the narrow rock path that runs along the foot of the rock wall amounts to 2440 m, so that one has to climb 5 m from here up to under the actual cave portal (Fig. 10).
The entire formation and topography of the Dragon Cave is relatively very simple. It does not form, like many other caves, a richly branched system of passages, shafts, tubes, tunnels, chimneys, floors etc. lying beside, behind and above one another. Rather, as the accompanying ground plan, elevation and cross-section sketches50 show, it is on the whole a tunnel-like, underground passage with a single front opening, a rock window and a blind termination at a rock wall at the back. The Dragon Cave is therefore not a through-cave, but a so-called blind cave (according to A. Penck, Morphology of the Earth’s Surface, II, 448). With the exception of the entrance and the rear termination, the base of the floor surface forms nearly a horizontal plane. Also in the longitudinal direction the cave keeps to almost one and the same axis, which runs in an almost exactly west-easterly direction (280° WNW—ESE 100° geographical). Only the entrance and former crawl-through from the large front cave to the second smaller section as well as the rearmost rooms show a small deviation from the indicated direction.51
Let us now turn to the brief description of the cave. If we have divided it for the purpose of our excavations and for the designation of the find material into three larger caves (I, II, III) and three smaller ones (IV, V, VI), this also corresponds entirely to the topographical conditions. Naturally, these undergo a change through our excavations insofar as we transport the entire searched cave floor debris after processing out of the cave and down over the rock slope lying before the Dragon Cave. The cave is thereby enlarged in volume capacity. We thereby obtain at the same time a vivid picture of the former spatial conditions in the individual cave sections at the time of their original settlement by humans. It shows thereby that particularly the access to sections II and III and the stay in them must have been entirely unhindered and, because of the pronounced protection from air currents, water inflow, moisture and cold, quite pleasant for the people of that time. The location of the cave itself in its majestic height and seclusion offered, besides the rapid overview into the depths of the alpine terrace lying before it, also full protection from attack by wild animals.
A first glance at the high-vaulted rock portal of the Dragon Cave (Fig. 9) elicits from almost every visitor the question whether this entrance portal was not created by human hands. He gets the same impression again when he has overcome the few foot-steps that we have dug into the debris we have brought out and now finds himself in the middle of a natural room that is almost reminiscent of the side aisle of a Gothic church, vaulted above in a pointed arch, whose rearmost part is shrouded in mysterious darkness and leads as if to a hidden crypt (Fig. 11). But if he turns his gaze around toward the cave exit, which is at the same time the entrance, one of those pictures confronts him as only caves possess in the sharp contrasts of light and dark, day and night (Fig. 12). Between the finely serrated cave wall edges floods a wall of light inward. The eye reaches down to the bottom of the valley, where a silver stripe of the young Tamina still flashes brightly. Directly before it blinks up the bright green of the high-lying Gelbberg terrace, and over the Calanda foothills disappearing in the bluish daytime veil spreads far in the distance in the east the magnificent snow and glacier field of the Silvretta. Over 7 m high builds up the strongly weathered rock portal, pointed at the top into a rock fissure. Our geological observation will show that here, as in the formation of the front large cave, nature alone with its restlessly active helpers, weathering and frost splitting, has been at work. It remained for humans merely to protect themselves from the larger ceiling collapses that occurred here from time to time by knocking down the loosely hanging parts with a long branch or a young larch trunk, as we still do before our cave excavations for our own safety.
Under gradual enlargement of the cross-section, about 4 m wide in the middle, the first cave widens to the right, turning somewhat northward, to a proper dome structure of nearly the same height (about 5½ m) as in the middle part. The floor area also increases toward the back up to 8.5 m in the dome structure. The total length of this first front cave section amounts to around 27 m. The dome structure, slowly rising toward the back in its floor surface, contains in its southern and northern side and ceiling sections several basin-like concavities that look like vortex-like hollow forms in reverse position. But if one seeks here the place of the once outflowing water, it turns out each time to be a blindly ending roundish cleft through which no larger quantity of water could ever have moved. On the western rear wall we perceive a niche more than 2 m deep and about 1 m high that almost gives the impression as if it were hewn out of the rock by human hands (Fig. 11 in the middle at the back).
A wonderful sight under certain lighting conditions is afforded by the cave walls, especially on the south side, as they are densely covered in places by the luminous green of cave mosses and lichens. Even in the pale twilight of the dome structure, a vivid green gleams on the terminal wall touched lightly by the rays of outside light. As hardly anywhere else in a cave, it shows here in the Dragon Cave most beautifully that chlorophyll in its formation depends on the presence of light and that, as L. Lämmermayr says in his significant treatises “The Green Plant World of Caves”52, “proportional to the progressive weakening of light, a change also takes place in the composition of the plant species colonizing the cave walls.” The light measurement methods of the Viennese botanist J. Wiesner53 have been applied by Lämmermayr with the best success, particularly in the Dragon Cave in Styria, using Wiesner’s hand isolator. The striking contrast of the external flora (before the cave portal) with the flowerless plants exploiting the weakest light rays in the cave parts still accessible to light also makes itself noticeable in our Dragon Cave.
Outside on the slope of Dragon Mountain, barely a few meters from the cave entrance, bloom the color-joyful children of the alpine flora (Dryas octopetala, Gentiana verna, Soldanella alpina, Aster alpinus, Ranunculus alpestris, Saxifraga Aizoon and S. oppositifolia, Thlaspi rotundifolium, Viola calcarata, Hutchinsia alpina, Alchemilla alpina, Parnassia palustris etc.). On the vertical rock walls of the Dragon’s Head lying nearest to the cave, a typical rock flora has settled (Primula Auricula, Silene acaulis, Saxifraga Aizoon, S. bryoides, S. muscoides and S. caesia, Campanula pusilla, Cerastium alpinum and Arenaria ciliata, Draba aizoides, Gaya simplex and others). Yes, even the magnificently green cushion plant with the white flowers scattered around the debris-covered ascent to the cave was until recently clothed by a veritable tall herb forest of monkshood (Aconitum Napellus) as well as the evergreen saxifrage (Saxifraga aizoides) mixed with alpine bluegrass (Poa alpina and P. alpina var. vivipara). Sharp as a razor under the cave portal, this partly ruderal light flora cuts off, and only the alpine rockcress (Arabis alpina) and Robert’s cranesbill (Geranium Robertianum) dare to venture still shyly at the debris foot of the beginning cave wall a few meters inward. Then the reign of the flowering plants is over. In their place step only, deeply anchored in rock crevices, as luminously green tufts the northern maidenhair spleenwort (Asplenium trichomanes) and the brittle bladder fern (Cystopteris fragilis). Already after a few meters these are replaced by densely cushioned mosses and finely lobed lichens in all colors.54 The gradual light requirements and the individual adaptability of the individual species can be followed very nicely in the change of light selection from front to back in the first cave room. At the very back, where only traces of scattered (diffuse) daylight manage to steal in, there still lies on the cave walls a light green or white down of fine mosses or lichens, probably also associated with algae. But this mysterious life cuts off razor-sharp where the dark shadow of the front cave wall strikes the farthest back places of the cave termination. Only when one looks closer does the eye perceive on the lusterless rock still dull green, fine threads that overspinne the projections on the surface like with a web, the prothalli of luminous mosses. The golden green gleam that rests on the delicate sheet-like moss formations comes from the sparse light rays reflected back from the background of the chlorophyll bodies. Thus the gradual fading of organic life, which links itself to the living conditions with the precision of the finest mechanism, belongs to the wonders of the “world below ground.” — There are still many of them, and the exploration of the “light-deprived” also requires a thorough study.
To the left of the dome structure we perceive in the background of the large cave near the floor (in Fig. 11) the dark crawl-through into the innermost cave chambers, formerly passable only in a crawling position. It measured at the foremost narrowest part before the excavation little more than one meter in width and about half a meter in height with a length of 5 meters. Today it is completely excavated, so that one can now enter comfortably in an upright position into the rapidly widening cave II. It represents a dome-like vaulted room with several shafts up to 5 meters high, and is intersected by various gaping cracks in the ceiling. Its total length amounts to likewise 5 meters, the greatest width in the middle of the longitudinal axis almost 5½ meters. On the walls we encounter already sheet-like, whitish-yellow sinter deposits, also the finer rock furrows are interspersed with such, and only the deepest cracks contain larger quantities of hardened lime sinter. Actual larger stalactite formations, also stalagmites are completely absent and were also not found in the now likewise completely cleared cave floor debris. A peculiar and striking phenomenon encounters us on the rock ceiling of the crawl-through to the second underground chamber, there where it formerly approached to within half a meter of the surface of the former cave floor existing before the excavation. This ceiling section is completely level and looks perfectly smoothed, so that one involuntarily asks oneself whether man did not have his hand in the game in the smoothing of the rock ceiling, which he certainly approached closely with his head when entering and exiting due to the height. Also found on this ceiling right at the smoothest places are quite peculiar pit-like scratches of very regular shape, which are partly lined with fine yellowish lime sinter. In places it seems, however, as if one were dealing with fine linear etchings (corrosion) of the carbonic acid-containing sinter water. The matter is striking in any case, because until today nowhere in the entire cave system of the Dragon Cave could a similar rock surface be found. — To the left, southern side of this room the rock wall runs deep obliquely downward, so that it always gives the appearance as if larger cavities were located further down. — We will provide the necessary information about the nature of the floor debris accumulation later.
Just as in the front larger cave section, so the western rock wall of the second cave sinks toward the back to the ground, indeed leaves free again a crawl-through over 2 meters wide, but also only half a meter high, which measures about 2 meters in its length. In a crawling position we now reach a room again larger in surface area, cave III. Its ceiling forms a flatly spanned arch of 2.9 meters height at the highest point. The length of the room amounts to somewhat over 17 meters, the width in the rear third somewhat over 5 meters. Its main axis runs parallel with that of cave I (280° WNW—OSO 100°). The walls are likewise partly covered with sinter deposits in small quantities. In quite striking fashion, especially the ceiling rock of this cave possesses a multitude of karstic furrows, which have developed to great beauty even on horizontal sections. A large number of smaller and larger concavities in the cave rock points to a former stronger percolation of the rock by the chemically corroding water. These hollow forms, however, nowhere assume the extent as is the case in the dome structure of cave I. Once again this section also closes toward the back and leaves free only a very narrow crawl-through into the two following small, only sack-like widenings and finally into the terminal cave. This last one, only 5 meters long, 2½ meters wide and 3.6 meters high section VI lies like the two small caverns preceding it somewhat deeper than the three foremost caves, and its longitudinal axis turns toward NW—SO. Its walls are lined with spherical lime sinter formations, small stalactites and pointed scalenohedral calcite crystals. On its ceiling is located a peculiar, sharply ribbed, skeleton-like weathered rock formation that has quite the shape of a boy’s kite. Of a further continuation of this small terminal room, which barely allows proper movement, one can observe nothing, so that we have before us here the visible termination of the Dragon Cave. The total length of all 6 caves can be given as around 65-70 meters.
If we earlier thought of the interesting cave flora, it can be added at the conclusion of the general description of the spatial conditions that cave sections II, III and those up to the terminal room lack any chlorophyll-containing organisms, since the light reduction, already increased at the entrance to the second cave, finally passes into complete darkness. How far perhaps such lichens and algae (blue-green algae and others) known from the newest research of Lämmermayr have also settled in our Dragon Cave, our further investigations will show. — We will come to speak of the present animal world in the Dragon Cave and its surroundings only later in our preliminary treatise.
VI. Meteorological and Climatic Conditions.
These are generally determined by the absolute altitude, the exposure of the cave and its internal structure. Although it has not been possible to date to obtain complete observation series from the Dragon Cave over a longer period of time, at least some general information about the meteorological conditions may follow here.55
According to its absolute altitude, the Dragon Cave at 2445 m belongs, like the Säntis summit which it reaches to within 60 m, to the level of the high-altitude climate of the Alpine mountains. — For Dragon Mountain therefore all the conditions also appear that are characteristic of the climate of the heights in general. (Decrease in air pressure and air temperature, increase in the intensity of solar radiation and heat radiation, greater effect of insolation, relatively high ground temperature and air dryness, increase in annual precipitation in general, etc. [according to J. Hann, Handbook of Climatology, I, High-altitude Climate, pp. 194-313]).
The elevation of the Dragon Cave (2445 m) places it in the climate of the summit stations of our Swiss meteorological observation network, primarily that of the Säntis station (2504 m), whose height corresponds exactly to that of the upper edge of the eastern Dragon Mountain wall. According to this, we may in general, according to the judgment of Director Dr. J. Maurer (kind written communication), without great deviation from the truth, apply at least the general data as we find them in the table on the “average annual temperature in the various altitude levels of the northern slope of the Swiss Alps” (Climate of Switzerland,56 Vol. I, p. 154) to the Dragon Cave as well. According to J. Maurer (written communication), this yields for the altitude of 2400 m an average annual temperature of about -1.3 degrees C, in winter on average -8.4, in spring -3.1, in summer +6.4, in autumn 0.0 degrees. Thus the laws of general temperature decrease with increasing altitude levels apply to the Dragon Cave altitude as they do for the Alpine climate in general. It must be taken into account that Dragon Mountain, as one of the southern foothills of the Graue Hörner and particularly of their culmination point, Piz Sol, is in a very exposed position, especially toward the south, west and east, as is the Alp Gelbberg [Alp Yellow Mountain] located below Dragon Mountain toward the east and south. Although winter throws heavy loads of snow, so that the Gelbberg hut becomes almost completely snowed in, here and on the south slope of Dragon Mountain a relatively earlier snow melting takes place than in other places of the neighboring mountains. Due to the steepness of the slopes, the Calfeisen and Tamina valleys are known to be extraordinarily rich in avalanches.
We encounter a peculiar meteorological phenomenon in the rock gorge St. Peter (876 m) mentioned several times already, located a short hour below Vättis at the northern valley exit, where the Vättner valley closes itself hermetically toward the north and where only a narrow passage still leaves room for the Tamina and the country road located somewhat above it. — This rock gorge is characterized year in, year out by constant air currents and by a much lower temperature than the village of Vättis. At this location we find particularly on the southeast side the lowest point of the mountain pine, which otherwise gains its dominion only at 1600 m and even higher. A whole number of genuine alpine plants also colonize the nearby rocks there (e.g. Primula Auricula, Potentilla caulescens, Saxifraga Aizoon, S. caesia, Globularia cordifolia). Without doubt this involves a rock barrier with constant accumulation of cold air (a “cold” or “frost pocket”). The location would be worth a more precise investigation of temperatures (by means of thermograph).
Just as the valley region of Vättis57 enjoys relatively little cloud cover in winter, this applies especially also to the surrounding heights, where the cloud cover is significantly less than in summer. According to my observations, Dragon Mountain and the neighboring Vättnerkopf are also in summer the least shrouded in clouds compared to the other peaks. Often it is only thin fog caps that sit on the uppermost parts of the two mountains, while e.g. the Dragon Cave is completely free of clouds.
In addition to all this, these heights, like at times also the valley of Vättis, are subject to the peculiar anomaly of vertical temperature distribution in mountains and mountain regions, which is called “temperature inversion.” It is the phenomenon “that during clear nights, then in winter during calm weather the valleys are colder than the slopes and peaks of the enclosing mountains up to a certain height” (J. Hann, Handbook of Climatology I, p. 221). This “temperature inversion” was, as Hann says, “formerly little known, also mostly only briefly mentioned as a meteorological curiosity, but now this climatic favoring of high-altitude locations is familiar to almost everyone and becomes annually for many thousands of city dwellers a source of high natural enjoyment and a true strengthening of health damaged by lack of air and poor city air.” — We know the “temperature inversion” very well from St. Gallen. Dark fogs often spread in and over the city for weeks. If we then climb in November, December and also still in January to the neighboring Appenzell heights, there reigns above “a sunny, wondrous splendor; we step into a brilliant landscape, surrounded by a mild but dry, wonderfully stimulating atmosphere and enjoy to the full a warmer heavenly air, in comparison with that which is to be found in the Alpine heights over 2000 m on clear, calm summer days.” (J. Maurer, Climate of Switzerland, I, p. 163.)58.
The cause of the abnormal vertical temperature distribution, whereby the cold air layers lie below in the valley, the warm ones above on the heights, is according to Hann to be sought in the nocturnal heat radiation of the ground. “The resulting cooling of the ground also communicates itself to the air layers lying on and over it, and since cold air is heavier than warm, the coldest air layers come to lie next to the ground during calm weather. The higher layers cool little, since the heat radiation of the air is much less than that of the ground and the vegetation that may cover it” (Hann).
It has long been known to the inhabitants of Vättis that besides the often weeks-long brightness of the mountains lying above the valley in wintertime, the phenomenon of inverted temperatures also prevails on the large upper terraces and old valley floors of Gelbberg (2076 m), the Alp Ladils — Vättnerälpli (1896 m), Vättnerberg (1691 m) and Vindels (1650 m), which are situated in front of Dragon Mountain, Vättner- or Aelplikopf and Monteluna. Hence it comes that in former times the communal alp Vättnerberg was also inhabited in winter. Still today the departure from the alp or “from the mountain” takes place relatively very late. (Before Christmas.)
Like Dragon Mountain itself, so the cave, as already a glance at our illustration shows, is also located near its culmination point in a very exposed position. Since the cave portal is directed exactly toward the east, it is illuminated by the sun from sunrise until its culmination at midday, yes in the morning the sun’s rays can still reach a part of the front cave in its interior. At midday from 12 o’clock to 12:15 they just graze the last parts of the east rock wall of the Dragon’s Head. According to our observations during the excavations in the months of July, August and September, in fine weather the rock wall of the Dragon’s Head is also very strongly warmed on the east side during the morning and the stay in the front part of the first cave is extremely pleasant, especially since the air dryness is considerable, which is particularly evident in the dusty weathering of the cave wall rock.
According to the topographical description, the Dragon Cave is a passage cave, a kind of tube with only one opening. Furthermore, the floor surface of the cave lies nearly horizontal with the exception of the entrance from outside into the first cave as well as the terminal sections (IV-VI). According to this formation, the meteorological conditions of the entire cave system are also oriented.
Due to the absence of a double opening in the sense of a through-cave, we do not encounter strong ventilation of the individual caves and their parts. The air movements are accordingly extraordinarily weak and detectable only by means of finer arrangements (fine threads, paper scraps, candle flame), yes even only through tobacco smoke or fire smoke. These weaker air movements in the Dragon Cave are caused only by the exchange of outside and inside warmth or = cold. In cave I the differences between outside and inside air are therefore consistently greater than among the individual cave parts themselves. At times it happens that the temperatures of the outside air and that of cave I approach each other very closely.
Due to the unhindered connection of the two air spaces, the winter cold can therefore become complete master of the first cave. Thus the seepage water present in it and in its rock can freeze. We could therefore under given conditions, i.e. insofar as water still seeps through the rock in winter, particularly in the period of snow melting on the Dragon’s Head, encounter larger ice formations in the first cave. Until now these have admittedly not been proven, since the ascent and access to the cave in wintertime has not yet been undertaken. But we know with certainty that the floor accumulation freezes during winter.
At the beginning of our earliest excavations (early July 1918) and even in the month of August we found during the floor excavations in the passage from the first to the second cave and still somewhat in the second cave itself at about 1.6 m depth typical frozen layer parts with granular ice formations. This ice naturally still came from the preceding year or from a series of years. While the penetrating summer warmth is able to thaw ice and ground to a certain depth each time, the deeper floor debris parts remain in a frozen state throughout the entire year. With the ice still present in July and August in the debris floor it is therefore very probably a matter, as in genuine ice caves, of permanent ice that never came to melting. Already at the end of cave II (entrance II to III) we encountered no more ice down to the white clay floor, so that it is certain that frost cannot penetrate so far at all. The deeper layers of the first and those of the entrance to the second cave are generally characterized by greater moisture of the sinter and earth material, because here in the summer months the melting process of the floor debris ice has just come to an end. The upper layers, on the other hand, have then already become dry.
At the end of the second and in the entire cave III we already encounter an approach to the so-called constant cave temperature. This moves according to general experience and also according to my precise measurements in a series of caves in the Säntis area (e.g. in the large Furgglen cave under the “Houses” in the Säntis mountains (1580 m)) around 3.0-3.5 degrees Celsius. In the inner chambers furthest from the entrance, the temperature thus remains the same throughout the entire year with very small fluctuations of only 0.2-0.5° C. The fluctuations themselves can only be determined reliably by means of centesimal thermometers and with elimination of the smallest sources of error. — With greater depth extension of caves that are not through-caves, the rearmost parts of them thus correspond to localities with a “milder local climate” (Lämmermayr).
On July 3, 1903 I noted the following temperature conditions (2 o’clock midday, all shade temperatures, weather completely bright and warm, calm):
| At the rock before the ascent to the cave | 13.4° C |
|---|---|
| At the entrance to cave I | 7.1° C |
| In the dome structure (21 m behind the entrance) | 6.0° C |
| In cave II (middle) | 4.1° C |
| In cave III | 3.8° C |
| In cave IV | 3.5° C |
| In cave VI (rearmost) | 3.1° C |
Later measurements yielded from caves III-VI only the mentioned small fluctuations of 0.2-0.5 degrees.
For comparison I add here the temperature measurements from August 20, 1920 (11 o’clock morning, fog, rain, then hail):
| Temperature at the rock wall before the ascent | 3.2° C |
|---|---|
| Temperature under the cave entrance | 4.9° C |
| Temperature middle of cave I | 4.5° C |
| Temperature in the rear part of the dome | 4.7° C |
| Temperature entrance from cave I to II | 4.2° C |
| Temperature middle of cave II | 3.8° C |
| Temperature entrance to cave III | 3.6° C |
| Temperature in cave III | 3.5° C |
From the just completed excavation campaign of 1921 may the following temperatures noted each time in finest weather (calm föhn conditions) find acceptance here (in degrees Celsius):
| August 9, 1921 | August 17, 1921 | August 19, 1921 | |
|---|---|---|---|
| 1. Rock wall before the ascent: | 1:30 PM | 9:15 AM | 9:15 AM |
| direct insolation | 23.2 | 15.5 | 26.4 |
| shade | 19.8 | 11.2 | 19.9 |
| 2. Entrance to cave I | 13.5 | 12.2 | 15.2 |
| 3. Middle cave I | 9.1 | 6.0 | 7.0 |
| 4. Dome structure cave I (rear above) | 9.8 | 6.7 | 7.6 |
| 5. In cave II | 5.5 | 4.4 | 4.5 |
| 6. In cave III | 4.0 | 3.8 | 3.6 |
| 7. In cave III (rearmost) | 3.2 | 3.0 | 2.8 |
What temperature conditions the well-tempered west side of Dragon Mountain enjoys may be proven by the indication that the thermometer on September 14, 1921, at 5½ o’clock evening, showed 20.2° in full sunshine, 11.7° C in shade.
From this we see how the fluctuations in the front cave parts are greater, those of the rear parts only still small. The constancy of the temperatures of the inner cave parts II-VI is easily explained by the fact that they, as long as no excavations took place, possessed through the ceiling-wall barriers of their rear closures relatively narrow, or little high crawl-throughs, which strongly isolated the individual parts and thereby prevented the penetration of outside temperatures. In the shafts or chimneys of sections II-VI the temperatures are always 1.5-3.2 degrees C higher than on the floor, because the warmer air collects in them and finds no outlet.
From what has been said it emerges with certainty that the rear cave parts of the Dragon Cave cannot possess ice formations in the form of ice stalactites and stalagmites or sheet ice, even not in the severest winters. Even in the rearmost, sack-like sinking parts, due to the constantly remaining temperature of 3.0° C, no ice can form, as is otherwise the case in sack caves. The Dragon Cave therefore, despite its significant sea level elevation, does not belong to the ice caves in the sense of Kraus59, Fugger60, Lohmann61, Futterer62, Crammer63 and others. On the other hand, there is no doubt that ice formations occur in colder winters, despite the influence of temperature inversion, in cave I in the form of hanging and standing ice. By analogy with the “ice palace” in the Wildkirchli, floor or standing ice formations should also be found in the dome structure of the Dragon Cave, while hanging ice (stalactites) cannot develop on the ceiling of the dome, since the temperature in the dome vault remains above freezing point.
The most rapid air exchange in the Dragon Cave thus takes place in the front-opening cave I. On cooler days one easily notices a partial outflow of the warmer cave air in the upper part of cave I, while colder air streams in from outside at the floor, which can easily be proven through smoke experiments. Peculiar phenomena occur particularly when strong west, southwest and south winds rush down over the Dragon’s Head outside in front of the cave, causing a veritable sucking out of the air from the front large cave. During persistent stronger föhn wind one can very clearly observe under the cave portal this sudden falling down of the wind over the east rock wall of Dragon Mountain, whereby then the air current turns toward the opening of the cave, thus in the opposite direction from the original, so that it appears as if a strong east wind were blowing into the cave. (Cf. also: O. Grashey, Practical Handbook for Hunters, 3rd ed., page 45, illustration and text page 46.) Very interesting is furthermore the significant acoustic amplification of this wind fall, which is still perceived in the rear cave parts as a mighty roaring and “thrusting” that can intensify to thunder-like sound.
During longer fine weather the Dragon Cave in its front larger parts is characterized by relative dryness, also the floor debris then contains nowhere great moisture. Quite different, however, when strong and persistent atmospheric precipitation or thunderstorms occur. They then make themselves noticeable after a short time in the front cave (I), since there due to the fragmentation of the rock its water permeability is greatest. The new wooden water trough set up by us in this room, which catches the drip water necessary for feeding the acetylene lamps and whose content amounts to about 1/3 m³, has filled completely several times during the considerable precipitation in the months of July and August 1920. During the dry periods we had to have water carried up every day from Gelbberg to the Dragon Cave. — Since the floor debris of the first cave is rich in rock fragments and these are very water-permeable, the water flows relatively quickly through them and along the rocky cave floor outward. This also explains the relatively low content of this floor accumulation in solid sinter residues.
The conditions are completely different in the inner cave parts. In caves II and III, the next largest in content and extent, we could observe virtually no seepage water inflow during our excavations from 1917-1920 even during longer rainy weather; we could get to know these cave parts as thoroughly dry rooms. The cave moisture that became noticeable as a result of penetration of the fog still completely filling cave I was each time only of short duration. A part of slight air humidity also comes from the evaporation taking place in every cave. More precise descriptions of these peculiar conditions will be given in the main work on the Dragon Cave.
The same striking dryness also makes itself felt — which is of essential significance — in the floor debris layers of caves II and III. The upper ones of these up to about the second lowest show great friability and softness, which justify the conclusion that also at the time of their deposition in prehistoric times great air dryness must have prevailed up there. Only the base layer in II and III, the mighty white clay deposit (see section Floor Accumulation) testifies to a longer duration of strong chemical corrosion and water supply in the somewhat deeper lying inner cave parts, where the water and clay formations accumulated in a kind of smaller reservoir basin, because the water could not or only very scantily flow away.
In wintertime the entire west, south and east slope of Dragon Mountain is wrapped in a mantle of deep snow. Mighty cornices extend along the steep slope to the Dragon’s Head. The latter is covered with a gigantic snow cap, only its steep walls also cast their bright yellow gleam into the light-flooded high mountain landscape in wintertime. Into the cave itself the snow can barely penetrate a few meters deep, perhaps from the drift wind that chases the snow masses from the west over the Dragon’s Head, which then settle as fine dust veils on the east side before the cave entrance and are able to build up a snow wall in front of it, or the snow driven by east wind, which however never becomes of great significance. — The snow cover of the Dragon’s Head soon causes from the beginning of winter a relative cave dryness, because the atmospheric precipitation can then no longer seep through the rock of the cave covering. For the rest these heights of 2400-2500 m are characterized in winter, as already indicated, by greater brightness and relatively stronger and more persistent sunshine (insolation) than the lower-lying regions.
If we use these meteorological explanations to answer the question of how the living conditions in former times for humans and animals may have shaped themselves with regard to climatic conditions, the answer is favorable. Setting aside all finer demands of a culture-human living today, one could quite well vegetate in the Dragon Cave during the summer months of July, August and September from the climatic standpoint. We know with certainty that e.g. the snow mouse (Arvicola nivalis) has been a permanent inhabitant of the Dragon Cave, and that it preferably colonizes cave parts II and III, where it finds sufficient warmth.
Habitability of the Dragon Cave in wintertime under present conditions is naturally not to be thought of, even if one possessed good provisioning. Even to the most world-weary and misanthropic of the species Homo sapiens a permanent winter stay up there would hardly be advantageous despite the at times most magnificent natural phenomena. — How we are to think of things at the primeval time of man, we will later in this writing make somewhat comprehensible to the reader.
VII. On the Geology of the Graue Hörner-Ringelspitz-Calanda Area.
A. General geological conditions.
The Drachenlochhöhle owes its extraordinarily high elevation solely to the peculiar geological conditions prevailing in the area of the Calfeisen-Taminatal, that is, the mountain masses of the Graue Hörner-Ringelspitze and the Calanda. Understanding the formation of the cave, as well as the later elucidation of the age question of the prehistoric finds in this cave, is therefore bound to a description of the geology of the Drachenberg and its surroundings. We provide here only the most important and necessary data.
The entire area of the Graue Hörner, the Ringelspitz chain and the Calanda form part of the so-called Glarner Verrucano nappes (according to Albert Heim, Geology of Switzerland, Vol. II, pp. 387-395). Hardly anywhere else in the Alps do the facts of “nappe overthrusting” lie so clearly and distinctly before the eyes of the unprejudiced observer as in this partial nappe of the Helvetic nappes. Already 120 years ago, the peculiar inverted stratification of rock formations in the area of the Glarner Alps, where the youngest lie at the bottom and the older and very old at the top of the mountain, were discovered by Hans Conrad Escher v. d. Linth and later pursued more precisely by his son, the geologist Professor Arnold Escher v. d. Linth, and interpreted as overfolding and overthrusting. The most thorough study of this “Glarner Double Fold,” as it was then called, was subsequently carried out by Prof. Albert Heim in his classic work: “Mechanism of Mountain Building,” Vol. II (1879), as well as in the same researcher’s “High Alps between Reuss and Rhine”64 Later appeared the specialized works by K. Tolwinsky65 on the Graue Hörner, by M. Blumenthal66 on the Ringel-Segnes Group. The Calanda was first investigated by Prof. G. Theobald67, then by Chr. Piperoff68 and most recently by M. Blumenthal69. The special geological map 1:50,000 of this area is in press.70
Albert Heim and J. Oberholzer have devoted themselves to the western continuation of the Calanda-Graue Hörner-Ringelspitz area in the Weisstannen, Murgtal and Glarner areas as well as the revision of various manuscript maps. From them also comes the Geological Map of the Glarner Alps 1:50,000 (Special Map No. 50). The entire area has been covered until now by the already older Sheet XIV of the Geological Map of Switzerland (1:100,000).
The gradual transformation of the “Glarner Double Fold” (Arnold Escher v. d. Linth and Albert Heim) into the Glarner overfolding nappe or Glarner Verrucano nappe and its partial nappes has been described to us by Albert Heim71 himself, as well as by Arnold Heim72. The publications by Paul Arbenz and Walther Staub73 also belong to the realm of discussion about this area. A concise summary of the entire conditions and the newly recognized facts has been given by Albert Heim in his “Geology of Switzerland,” Vol. II (pp. 383-395), and J. Weber74 also provides in his “Geological Wanderings through Switzerland” (Vol. II) a vivid picture of the theories about the formation of the Glarner and St. Galler Oberland Alps for the non-geologist.75
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Fig. 13. Geological profile through the Calfeisental.
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Fig. 14. Geological profile through the Drachenberg.
Arnold Escher v. d. Linth and Albert Heim recognized that above the normally deposited, locally formed (autochthonous) basement of the Graue Hörner and Ringelspitz area, which are orographically separated from each other by the deeply incised Calfeisental, there once lay a massive mass of older rock — Verrucano — between Linth, Walensee and Rhine over younger and youngest rock formations. Through weathering and erosion, a large part of this overlying, double-fold-forming older Verrucano was then removed in the highest elevations of the Graue Hörner and the Ringelspitz chain, so that today’s culmination points of the northern fold (Piz Sol, Foostock), as well as those of the southern fold (Ringelspitze, Piz da Sterls, Trinserhorn, Piz Sardona, Piz Segnes, Vorab, Hausstock etc.) represent only remnants and ruins. Today one sees the mentioned Verrucano peaks, separated from each other like islands, rising as richly serrated, mighty impressive formations in razor-sharp overthrust surfaces above the younger mountain masses located beneath them. This impresses itself most beautifully on the eye when it roams from the height of the Sardona Glacier in a wide panoramic view. There we stand amidst this most magnificent phenomenon in the evolution of a splendid, multi-membered mountain landscape.76 What was formerly regarded, when one did not yet dare to think of certain movements in the superficial earth’s crust extended over large spaces, as a massive recumbent double fold with bilateral fronts (northern and southern fold), i.e., as “Glarner Double Fold,” has revealed itself through the recognition of even much greater movements, the nappe overthrusts (Bertrand-Schardt-Lugeon), as one unified nappe overthrust from south to north, which is today briefly termed the Glarner Nappe. Like a mighty saddle or a shield slightly arched in the middle, the 25-30 kilometer wide Verrucano nappe extends from its root in the Graubünden Rhine valley at a 20-25 degree incline northward up to Piz Segnes, Piz Sardona, Trinserhorn, Ringelspitze (3205 m), where its lower surface nearly reaches the height of 3000 m. Then it is suddenly interrupted by the Calfeisental lying at frightful depth. On its opposite northern side, the Verrucano nappe77 continues again in the Satzmartinshorn and Piz Sol (2835 m) of the Graue Hörner, and turns with 10-15 degrees dip northward to the Walensee and toward Mels, where between the Sernftal and the Walensee it already again possesses a full tectonic thickness of 1000-1800 m. Toward Ragaz in the northeast and in the Rhine valley (near Reichenau), however, the Verrucano is partly weathered away, partly it wedges out stratigraphically. There it is already covered by younger rock formations — Triassic and Liassic.
Already the first geological investigations, especially in the Glarner area, had yielded the recognition that the relatively much older Verrucano rock rests on the mighty framework of Eocene flysch masses that dominates the valleys everywhere up to great heights, i.e., on the youngest mountain formation of the region (Tertiary). This flysch characterizes itself in the landscape forms partly through gentle mountain shapes, partly through extraordinarily deep incisions, the result of productive erosion and weathering in the relatively much softer rock, which moreover distinguishes itself through more intensive folding and crenulation, often to indecipherable confusion.
At the nearly rectilinear, far-extending, sharply defined overthrust surface beneath the Verrucano peaks, i.e., at the contact surface of the youngest and oldest mountain rock formations, a peculiar intermediate rock formation had already been recognized at that time, the so-called Lochseitenkalk, which belonged neither to the Verrucano (above) nor to the flysch (below). As a mostly light, often almost white band of 0-10 m and even more thickness, one sees the Lochseitenkalk ascending to the highest elevations in the area between the dark, green and red Verrucano and the gray flysch shales often strongly lustrous at the surface. It is nothing other than a fibrous kneaded and rolled product transformed by mechanical forces (pressure and thrust), i.e., a marmorized, mylonitized upper Jurassic limestone (Malm).78
The Glarner nappe dips under the valley floor at the Walensee as a result of its eastern axial plunge. Westward it visibly wedges out near Linthtal (Heim, Geology, II., 264). We also obtain brief and sufficient information about the other nappes such as Säntis-Drusberg nappe, Räderten, Mürtschen, Axen, Wallenstadter intermediate nappe in Heim, Geology of Switzerland, Volume II (pp. 264-267) and in the table on p. 266, likewise about Permian (Verrucano) p. 268 ff.
As a result of the nappe overthrust theory, the newer investigations in the area of the Graue Hörner, the Ringel group and the Calanda by Tolwinsky, Blumenthal and J. Oberholzer have yielded various new results that point to an even more complicated structure of the mentioned mountain parts.
Besides the large Glarner overfolding nappe occupying the highest elevations, which claims the Verrucano as the oldest sediment of the so-called Helvetic nappes, there are found between the Verrucano and the actual flysch base not only the Lochseitenkalk still regarded as “inverted middle limb of the Glarner overthrust” (Heim), but there are, especially in the mountain parts bounding the Calfeisental to the south and north, special smaller overthrust fold nappes present as thrust parts. They consist for the most part of Cretaceous and upper Jurassic (Malm) and are assigned by Blumenthal and Tolwinsky to the area of parautochthonous folds79. We know them today as Tschepp-Panära-Orgel folds in the Ringel area and as Drachen overthrust (better Drachenberg overthrust!) in the Graue Hörner area. The Calanda too, this highly interesting but quite intricately constructed and not yet completely unraveled mountain chain, which in its autochthonous base stock forms the eastern end of the Aar massif, also belongs in its upper parts to the nappe-like overthrust mantle folds that extend through the mountain down to the Rhine. — Lower and upper Kaminspitz fold at the Calanda. — We cannot concern ourselves further here with the Glarner overfolding nappe as well as with the individual parautochthonous folds (except the Drachenberg overthrust) and refer to the study of the literature mentioned at the beginning, especially that of Tolwinsky and Blumenthal.
Let us now turn to the geological consideration of the Drachenberg and its immediate surroundings! We premise that already Arnold Escher v. d. Linth established the surprising fact that the Drachenberg known as the southeastern spur of Piz Sol toward the Calanda (Vättis) as well as the Aelplikopf adjoining it to the northeast (in the topographic map, Sheet Vättis) or the Vättnerkopf, as it is correctly called in popular usage, two sharply marked, peculiar mountain forms, likewise do not belong to the youngest earth-historical formations, the Tertiary flysch, like the Monte Luna located still further northeast. Rather, the two aforementioned mountains consist in their uppermost parts of Cretaceous limestone and some youngest Jurassic (Malm), which float on the autochthonous flysch of the region. Already Escher and then especially Heim (Mechanism of Mountain Building) assumed an isolated overfolding here, without determining more closely the process of the same and the origin of this limestone, which was also not possible at that time. — Only Tolwinsky and Blumenthal were able to lift the veil that had lain over these peculiar mountains on the basis of the most thorough exploration of the area. It emerged that not only the Drachenberg and Aelplikopf (Vättnerkopf) but also the upper part of the magnificent Gigerwaldspitz, which lies west of the Drachenberg and above the deeply incised gruesome Tersol gorge, represent special overthrust masses of Jurassic and Cretaceous that stand in no direct connection with the Glarner nappe (Verrucano). Indeed, it proved that the opposite massive steep escarpment of the Ringel chain, as well as that of the Calanda in the upper half, are traversed by such Jurassic-Cretaceous overthrusts, whose names we have already mentioned. — The conditions lie most clearly in the Drachenberg overthrust.
Before we pursue this more precisely, our gaze may turn here to the framework, the autochthonous mountain section of the Drachenberg and Vättner-kopf, which also corresponds to that of the Ringel chain and the Calanda. We do this best from the village of Vättis or from an elevated point near it on the Calanda side. There we see the autochthonous mountain in massive steep walls on the flanks of the Calanda, the eastern spurs of the Ringel chain (Orgeln, Simel) and the Graue Hörner (Drachenberg, Gigerwaldspitz, Vättnerkopf and Monte Luna) up to well over half the height. It is uniformly composed of crystalline formations and of sedimentary rocks of the Triassic, Jurassic, Cretaceous and Tertiary. With the exception of the deepest-lying central massif (pre-Triassic) crystalline shales and Verrucano-like rocks exposed right at the village of Vättis, the basal sedimentary mountain forms a mighty vault that can be clearly observed when looking into the Calfeisental. The strike direction of the vault runs northeast toward the Calanda, continues in this to the opposite Rhine valley (Ragaz-Chur). It also inclines somewhat toward the northwest. By the Tamina eroding out the vault crest that once spanned between the present valley sides down to the central massif, the structure of the vault itself was extraordinarily clearly displayed on today’s valley flanks. We have in the so-called autochthonous vault of Vättis the only place in Canton St. Gallen where erosion has gripped so deep that under the sedimentary deposits the uppermost part of the central massif, thus the oldest rocks, were drilled and exposed.
For reasons of space, we can give here only a very brief overview of the stratigraphy of the individual rock formations of the basal, autochthonous mountain and refer to the works by Tolwinsky and Blumenthal listed on page 47. We proceed from bottom to top:
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The crystalline, pre-Triassic base consists of typical gneisses and Verrucano-like shales (not genuine Verrucano rocks, as was formerly assumed) in steep-standing position, thus discordant to everything overlying, as well as of coarse quartz sandstones above, in the position of the overlying sediments. Their assignment to Permian Verrucano or to lower Triassic (Buntsandstein) cannot yet be decided.
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The Triassic divides into Röti dolomite and Quarten shale. The Röti dolomite (45-50 m thickness) forms the characteristic yellowish-reddish rock bands and heads above the village of Vättis on the Gelbberg-Vättnerkopf slope, at the Simel and at the Calanda (e.g., at the Gnapperkopf, an old ore deposit). It is a strongly marmorized, fine crystalline-granular, light gray or delicately pink-rose (Kreuzbach gorge, path to Ladils) magnesian limestone. At its lower boundary surface one often observes green sericite shales, at the upper coarse conglomerates. The Quarten shale (up to 10 m thickness) is a red, marly, rough shale with peculiar dolomite concretions.
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The alpine Jurassic with its threefold division:
a. Lias (ca. 2 m), formerly stated as missing, first proven by Tolwinsky in 1908 in the Kreuzbach gorge: greenish, compact shales and echinoderm breccia.
b. Dogger, namely black, lustrous, soft Opalinus clays with finest crenulations (25 m), ferruginous sandstone (12 m), massive light echinoderm breccia (5 m) and iron oolite (2 m).
c. Malm, in rich articulation as Schilt limestone, Quintner limestone (500 m), coralline limestone (140 m), cement stone layers (20 m), forms in its total thickness of 650-700 m a quite outstanding portion of the total structure of the autochthonous vault of Vättis. It forms the grandiose steep walls on both sides of the Calfeisental up to near St. Martin (Simel, under the Orgeln, Panära horns, in the framework of the Gigerwaldspitz, Drachenberg, Vättnerkopf) and on both sides of the Tamina valley below Vättis (Gelbberg, Vättnerberg, Findels, St. Peter gorge (coral limestone quarry)); the lower and middle sections of the Calanda are also built up of massive Malm limestone walls.
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The Cretaceous, which in our area can only be distinguished by comparison with other alpine Cretaceous stages, is likewise represented in all its stages: Öhrli limestone = Berriasian (40-50 m), Valanginian limestone with echinoderm breccia (15-20 m), Kiesel limestone = Hauterivian (20-23 m), Drusberg layers = Barremian (16 m), Schrattenkalk = Upper Barremian (18-20 m), Gault + Turrilites layers (2-10 m), Seewen layers = Cenomanian-Turonian = Seewen limestone and Seewen shale (30-40 m).
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The Tertiary, with the Bürgen layers (Assilina greensand), mighty glauconite sandstone layers with many nummulites and especially Globigerina shales, with the flysch group (Globigerina and roof shales) and the Wildflysch, forms in the autochthonous a well-developed member that develops ever more mightily toward the rear Calfeisental, Weisstannental and up to the Linth, especially in the fossil-poor Wildflysch. This occurs in mighty quartzite bands, clay shales, mica sandstones, breccias, polygenic conglomerates in stratigraphically confused positions, the result of great dynamic processes and tectonic disturbances. In the Wildflysch we also encounter the peculiar exotic blocks embedded in it (quartz porphyries, acid granites, mica schists, Eocene oil quartzites etc.), whose origin (whether southern?) is not yet clarified.
Viewed from the village of Vättis, the pre-Triassic crystalline rocks on the slope of Gelb- and Vättnerberg near the valley rise scarcely 100 m above the valley floor, while the Triassic and especially the Jurassic extend right up to the lower edge of the magnificent terraces of Gelbberg, Ladils and Vättnerberg and, at least at Gelbberg, reach a maximum height of 2000 m. Just somewhat below the shepherd’s hut Gelbberg (2070 m) the lowest Cretaceous stage, the Öhrli limestone, already begins, while the Valanginian (Valanginian limestone) with magnificent rounded karren formations forms the small plateau on which the Gelbberg hut stands. These karren, lacking any roughness and sharp edges, make a very ancient impression, and their formation definitely does not belong to the most recent times.
For the beginner in geological matters, the entire surface of the Gelbberg alp terrace up to the slope of the Drachenberg would contain various puzzles, since the dip of the autochthonous layers of the uppermost Jurassic (Malm and cement stone layers) together with the entire Cretaceous complex amounts to 18-20°, so that on the terrace ridge successively the Kiesel limestone, the Drusberg layers, the light Schrattenkalk and the dark Gault protrude tolerably from the turf and, given the small thickness of the layers, rapidly follow one another like collar-like formations. Much more understandable to him, however, becomes the stratification when he studies the clearly exposed Cretaceous profiles somewhat south of the Gelbberg hut at the escarpment toward the Calfeisental or in the eastward-lying gorge of the Kreuzbach gorge at the foot of the Vättnerkopf, where the mighty, retreating erosion of the Kreuzbach has exposed the Malm and Cretaceous layers in vertical profile so wonderfully that one can determine their sequence and thickness from a distance exactly. Taking into account the dip angle of the layers, we quickly become accustomed to their constant ascent from the Kreuzbach gorge up the southern and southeastern slope of the Drachenberg.
Thus we see the autochthonous Seewen limestone exposed on the eastern slope of the Drachenberg at the first light rocky head (above the left-side hut roof in Fig. 7) in typical stratification (at 2105 m). There it reaches a thickness of over 60 m and extends diagonally upward to the left up to about 2170 m. In the following higher-lying two kar-like rock niches (above the right hut roof in Fig. 7) we can follow the entire complex of Tertiary formations (the Bürgen layers, with Assilina greensand at the bottom, then the actual flysch group with the Globigerina shales, the roof shales and Taveyannaz sandstones). In contrast, both the Drachenberg and the Vättnerkopf lack the Wildflysch so mightily developed in the area of the rear Calfeisental and in the Graue Hörner (from the Tersol alp nearly to Piz Sol), with the quartzite bands (in which oil quartzites are often included), as well as the exotic blocks: a fact that requires special discussion in the prehistoric chapter of our treatise. As at Monte Luna and at the Vättnerkopf, we find in the uppermost layers toward the parautochthonous overthrust mass of the Drachenberg (uppermost Jurassic and Cretaceous) still a second nummulite horizon (with Assilina mammillata), which Tolwinsky already mentioned. The entire Eocene layer group is otherwise almost completely hidden under the green pasture mantle. Where it is exposed, as on the mentioned eastern side, the nummulite horizons characterize themselves, as also in the debris material on the Drachenberg slope, through entire banks and blocks completely studded with the characteristic fossils (Assilinas).
Here in the Tertiary mantle of the Drachenberg, the mighty tectonic disturbances come to light in an often confused stratification that for the most part makes more precise stratigraphy almost impossible. At about 2300 m the flysch reaches its uppermost end on the eastern side (further south at 2390 m). Almost equally high it extends in its completely exposed and nearly vegetation-free mighty mantle on the southern side of the Vättnerkopf toward the Kreuzbach gorge. After rainy weather this flysch mantle gleams light grayish to silver-colored and indicates here even more conspicuously than at the Drachenberg the sharply visible termination of the youngest sedimentary rock and thus of the entire autochthonous vault normally built up from the valley of Vättis. Up to here, i.e., up to the height of 2300 m, the front Drachenberg must therefore normally have reached in its original culmination, before the peculiar summit ridges of the Drachenberg and Vättnerkopf (the Drachenberg overthrust) were placed here above. North of both, the flysch mantle reached admittedly still higher up, since the connecting ridge running between the rear Drachenberg and Vättnerkopf also still belongs to the flysch.
The Drachenberg overthrust.
Better than many words, the panoramic view from the Gelbberg terrace (Figs. 5 and 6) shows us the striking conditions of this Drachenberg overthrust. — Above the widely projecting gentler slopes of the Vättnerkopf and Drachenberg rise like mighty castle ruins the bizarrely shaped summit sections of the two mentioned mountains, which reveal to the geologist the foreign “klippe” character. For at the upper edge of the Tertiary, the autochthonous basement should lawfully have reached its uppermost boundary, since younger formations than the flysch (together with the Wildflysch) nowhere occur in the entire area of the Graue Hörner, the Ringel chain and the Calanda.
Already during the ascent over the flysch and nummulite mantle of the Gelbberg we encounter in the turf hundreds of fallen rock fragments of a light, whitish limestone that immediately reveals itself as coral limestone and cement stone limestone of the uppermost Jurassic or Malm. The nearest light rock wall (under the isolated rock block standing in Fig. 7 from the Drachen head) proves to be the bedrock of the fallen fragments. In a thickness of about 45 m the Malm extends here as an older rock cover over the Tertiary. We can follow its continuation at exactly the same height over at the Vättnerkopf, in the first steeply rising rock bank honeycombed with numerous caves at the uppermost edge of the flysch.
Above the Malm, which must thus already be regarded as the lowest member of the overthrust Drachenberg nappe, now follows from 2360 m on the entire series of individual Cretaceous members in normal sequence as well-characterized rock bands alternating with gentler slopes: the Valanginian (up to 2400 m), the Kiesel limestone (from 2400-2420 m), the Drusberg layers (up to 2428 m), then the Schrattenkalk up to close to the foot of the now vertically precipitously rising uppermost rock wall of the Drachenberg at 2440 m. Here at the upper edge of the almost horizontally running Schrattenkalk, which forms a partly still grassed slope, we already stand at the foot of the 8 m high sloping ascent to the entrance gate of the Drachenloch. The foot of the mighty, at individual places almost overhanging uppermost rock wall of the Drachenberg is formed by the scarcely 5 m thick dark, far-visible rock band of Gault like a kind of blackish collar on the mountain. Above this build up in bold sweep the Seewen limestone and as roof of the mountain the Seewen shales in a total thickness of about 190 m up to the culmination point of the front Drachenberg dome (2635 m).
Seen from a distance from the east (about from the Gelbberg), we perceive under the dark Gault band the serrated band of Schrattenkalk, sharply contrasting with it and looking like a white collar, on the front southern and rear northern Drachenberg.
The wonderfully stepped layer profile of the front Drachenberg (with the cave entrance) can be most beautifully and clearly surveyed when we climb the Vättnerkopf from the already mentioned “Täli” ridge and proceed to its foremost, somewhat lower-lying rocky head, which can be executed without danger for those free from dizziness. There we also see how the layers toward the rear Drachenberg have suffered increasingly under the overthrusting and folding. Most violently, however, the rear (northern) Drachenberg seems to have been affected by these tectonic processes above all. Thus there the dark Gault band is nearly rolled out at some places and often scarcely recognizable, especially at the northern end. It also appears as if the rear Drachenberg had literally slid off the flysch mantle. On the whole, the tectonic conditions here are somewhat confused and unclear. One may compare there under the rear Drachenberg towers, which consist of Seewen limestone, the peculiar, pancake-like broadening of the light Schrattenkalk.80
Also on the southern side of the Drachenberg wall and especially on the western side of the Drachenberg toward the Tersol, both rock bands of Gault and Schrattenkalk are sharply defined. Here on the western side, which one easily reaches by going around the mountain, one sees the entire section of the overthrust mass of the Drachenberg from the Seewen shale dome through the other Cretaceous members and the Malm resting in a single vertical rock wall on the flysch (Fig. 8), which falls in steep slope, traversed by many erosion furrows, to the gruesome gorge of the Tersol brook. This foreign mass sitting on the flysch can be observed particularly beautifully from the opposite Gigerwaldspitz. From here it also reveals itself most clearly as a layer packet thrust against the more northerly situated flysch, in that the otherwise nearly horizontally situated Cretaceous-Jurassic layers are strongly bent backward at the northern boundary surface.
According to Tolwinsky (loc. cit., p. 41) we would have here “a vault bending, with the front of the overthrust fold, and also Vättnerkopf (Aelplikopf), Drachenberg and Gigerwaldspitz indicate the course of the vault front of this fold.”
If we turn our gaze from the Drachenlochhöhle toward the opposite Vättnerkopf, we see in it the faithful geological image of the Drachenberg. Like the towers and gates and other prominent members of a mighty pagoda, the entire superstructure of the Vättnerkopf rests on the widely projecting side mantle of gleaming flysch. In vertically rising wall the Malm (cement stone layers) perforated with wonderful rock gates rises from the flatter slope. The upper stories are formed successively by steep wall sections and more flatly sloped terraces of the Cretaceous stages: Öhrli limestone, Valanginian limestone, Kiesel limestone, Drusberg layers, Schrattenkalk, Gault, Turrilites layers, Seewen limestone, up to the Seewen shale of the dome-like rounded summit. Like the Drachenberg, the Vättnerkopf is also pressed against the flysch masses building up even higher behind it, and one clearly perceives on the western side of this mountain the Cretaceous layers, especially the two bands of Schrattenkalk (light) and Gault (dark), bent around and back at the contact with the flysch masses, whereby it has even come to fracturing of the Cretaceous bands.
These drag conditions can be observed very beautifully when we climb through the elongated depression strewn with weathering debris, the “Täli” between Vättnerkopf and Drachenberg to the connecting ridge (2550 m) of the two mentioned mountains. The upper slope of this “Täli” is a true treasure trove of tormented flysch shales of all kinds, which here through the enormous pressure received a completely sericitized, velvet-like lustrous surface. Here first we perceive how the Vättnerkopf and also the rear Drachenberg are actually only Jurassic and Cretaceous packet remnants glued to the flysch. With a south dip of their layers of 31-34°, one involuntarily gets the uncanny thought of the possibility of sliding off the steep flysch ridge. — Now we also understand the peculiar impression that the grotesque Vättnerkopf with its many “mountain faces” makes on us, whether we view it from the Gelbberg or from the height of the Drachenloch. The pressing on and up against the steep autochthonous flysch mantle may also have caused the strong crenulation of the Cretaceous layer bands, which expresses itself so visibly in the Valanginian and in the Schrattenkalk stage.
A peculiar repetition of all Cretaceous layers in a smaller packet at the western end of the Vättnerkopf, leaning against the Malm, the Öhrli and Valanginian limestone (below the large “Balm” on the western side), does not in my opinion hang together with the otherwise present vault bending here, i.e., the front of the overthrust fold, but seems much more to be in causal connection with the drag of the rear Drachenberg, which was also severely affected by the folding.
Already a brief glance at the position of the indigenous (autochthonous) basement of Vättnerkopf and Drachenberg and that of the overthrust (parautochthonous) masses in the summit sections of both mountains shows their different dip and strike. At the front Drachenberg admittedly the difference is not very considerable, although the autochthonous Jurassic and Cretaceous layers immediately distinguish themselves through a stronger inclination, while the overthrust Jurassic and Cretaceous layers on the so clearly exposed southern side of the Drachenberg approach more the horizontal position (up to 20-23° N dipping). The differences become greater toward the rear Drachenberg and completely at the Vättnerkopf, where strike and dip of the overthrust masses become completely contradictory compared to the autochthonous framework.
Thus we recognize in the Drachenkopf and Vättnerkopf two peculiar klippe-like older rock caps of upper Jurassic and the entire Cretaceous layer series placed on the younger, autochthonous Eocene. The pyramid of the Gigerwaldspitz, visible from the village of Vättis to the right in the Calfeisental and lying west opposite the Drachenberg, also joins them. Its uppermost third, in which the wonderfully curved Gault band is also far visible, belongs to the same parautochthonous nappe fold as that of the Drachenberg and Vättnerkopf.
Since the same phenomenon of thrust and overthrust mountain parts also occurs at the northern escarpment of the Ringel chain in the Orgeln and the Panärahörner, as well as on Tschepp, south of the Ringelspitze (Orgel fold, Panära fold, Tschepp fold), which are all located under the highest-situated Glarner Verrucano nappe and also at the Calanda two such thrust folds (lower and upper Kaminspitz fold) can be followed, it is evident that the newer geological workers of these areas have pursued the former connection of these present partial pieces. Tolwinsky and Blumenthal therefore assume that the Vättnerkopf-Drachenberg-Gigerwaldspitz folds are formed by the front of the upper Malm plate of the Calanda. J. Oberholzer, who has devoted himself to the revision of the geological conditions in this area, connects the three smaller nappe folds with the lower Kaminspitz fold at the Calanda, which continues southeast in the Orgeln, therefore belongs to the Orgel fold, while the Panära fold (Panärahörner) overlies this as a higher fold. South of the Ringelspitz lies above the Panära fold the likewise Malm and Cretaceous consisting Tschepp fold. Above this finally rests at 3000-3100 m the Verrucano of the great Helvetic thrust masses (Glarner Verrucano nappe). — (Heim, Geology of Switzerland, Vol. II, p. 385).
As parautochthonous overthrust folds, as we have become acquainted with the Drachenberg, Vättnerkopf and others in our area (cf. the definition in footnote to page 50), the thrust masses of the mentioned mountains do not originate from greater distance, “thus from the southern side of the Aar massif envelope, but from nearest proximity, from the northern side or the back of the same in the area itself (Ringel group) and have been scraped off from there by the higher thrust nappes and transported northward” (cf. Alb. Heim, Geology of Switzerland, Vol. II, p. 263 ff.). Tolwinsky (loc. cit., p. 55 ff.) summarizes his recognition of the genetic connection of these tectonic
phenomena in the sentence, “that the Drachenberg overthrust formed under the enormous load of the higher-situated Glarner and perhaps even higher nappes, in other words, these Jurassic-Cretaceous overthrusts arose after the Glarner nappe (with its present remnants in the Ringelspitz, Trinserhorn, Piz Segnes, Saurenstock, Piz Sol etc.) was already present above.” Tolwinsky gives the reasons for this view in the further text and I would like to refer to it here (p. 56).
Drachenberg and Vättnerkopf are today the isolated remaining partial pieces of one of the many parautochthonous overthrust folds in the Helvetic area. All around, their former connecting bridges with the Ringel group (Panärahörner, Orgeln), the Calanda, as well as the Gigerwaldspitz have been broken off by the deep incisions of the Calfeisen-Tamina and Tersol valleys, indeed also those between the two mountains themselves by the Kreuzbach gorge and the “Täli”.
As proud rock ruins with foreign “faces” they stand before us today and will, as once for the Paleolithic man, still captivate the eye of the researching human for thousands of years.
The Drachenlochhöhle is located, as we have heard, close to the boundary of the two uppermost Cretaceous members Gault and Seewen limestone of the Drachenberg overthrust. The cave itself lies completely in the lowest layers of the Seewen limestone. Even during our excavations in the three front cave parts we have nowhere encountered the surface of the Gault layers as native floor, nowhere have we also found any naturally deposited fragments of this rock in the debris masses of the floor filling of the cave.
After these general geological discussions, we can concern ourselves with the question of the formation of the Drachenloch cave.
B. Formation of the Drachenloch Cave.
It has been indicated at the beginning that it owes its extraordinary height in this region solely and exclusively to the peculiar superposition of older rocks on younger ones. For without the Drachenberg overthrust, the autochthonous mountain would reach only to 2300 m at this location. But even the uppermost member of the same, flysch and nummulite limestone, is not suitable here for cave formation. The autochthonous Cretaceous also comprises in its entire thickness only about 160 m (2000-2160 m); the Seewen limestone reaches to 2160 m, so that we could expect actual cave formation only up to this height. In reality, actual caves in the indigenous basement have not become known to date in the Calfeisen-Tamina area. On the other hand, we find a multitude of smaller and larger rock shelters and “Balmen,” such as the “Krummbalm” in the Tersol (on the western side of the Drachenberg, at about 1900 m), the “Mieseggbalm” in the Miesegg gorge at the Calanda (above Vättis at ca. 1250 m). — It is always the harder members of the limestone rock, the Cretaceous and the Jurassic (Malm), which favor the formation of such “Balmen.”
The Drachenloch therefore belongs completely to the horizon of the lower Seewen limestone. — Its position here can be described as nearly horizontal. Already a glance at the outer wall of the Drachenberg shows the actual character of the Seewen limestone as thin-layered, platy limestone rock of dense structure and light gray color in fracture, which during folding demonstrated great yielding to pressure and compression and therefore has a strongly bent, tormented and dragged appearance in places, which often represents a not easily unraveled chaos of small folds and crenulations. Most conspicuously this phenomenon confronts us in the foremost cave parts on walls and ceilings, where it is often difficult to distinguish what belongs together, so that it immediately gives the impression that significant mechanical processes must have taken place here, which made themselves felt in particularly pronounced manner in the cave and caused a complete crenulation of the thin rock plates into wildly bent shells.
Right upon viewing the cave portal from outside, our eye encounters above its weathered vault arch a fairly strong, if also completely joined, somewhat obliquely upward running crack in the rock in the Drachenkopf rock wall, which corresponds to a fracture cleft present here and traversing the entire first cave section. There are now a whole number of such cracks in the Drachenberg and in the entire cave system of the Drachenloch, which irregularly, often not lengthwise but obliquely to the longitudinal axis of the individual chambers, traverse the wall and ceiling rock.
Then it becomes clear to us that the entire Drachenloch does not represent the result of artificial interventions by human hand, however much the uninitiated, especially when viewing the magnificent pointed vault at the cave portal and in the first large cave chamber, might hardly grant nature such formations. That it can only be a matter of her work alone becomes clear to him first in the rearmost parts of the tube-like smaller cave chambers, where the working activity of creating nature can be easily followed.
The fracturing and crenulation of the Seewen limestone is naturally the consequence of the tectonic processes that took place here, i.e., mountain pressure and rock folding. How strongly the layers were affected during the formation of the thrust Drachenberg fold is shown somewhat north of the cave even in the course of the strongly bent and crenulated Schrattenkalk, which extends as a light, wave-like curved band along the eastern wall of the Drachenberg and there rapidly descends northward. The fracturing of the Seewen limestone is therefore also the first cause of the entire cave formation in general. The Drachenloch is therefore not a so-called primary cave, i.e., one formed with the formation of the rock, as we encounter such in crystalline and volcanic rocks (vesicular spaces, lava caves, crystal cellars etc.), but a later-formed, natural cave, which initially consisted only of splits and clefts, but was then expanded to an actual cave through the work of water. According to newer investigations on cave genesis, it is, in general according to its original layout, a fracturing or tectonic cave. The larger and smaller cracks and clefts produced by the mechanical processes served the atmospheric seepage water primarily as drainage channels through the rock.
The living force of water manifests itself in two ways, namely mechanically eroding (scouring) and chemically dissolving (corroding). Erosion works through the more or less violent impact of water on the rock; much stronger is the effect of rock particles carried by the water, which perform an abrasive activity on the firm contact points. The stronger the force of the water, the softer the substrate of the bed, the more incisive the scouring becomes on it and on the side walls. At certain places of the water bed, erosion channels and basins can form through the involvement and cooperation of solid substances in motion. Water digs out river beds and widens them solely through its mechanical force. Rock fragments are transported further and abraded at edges and corners and reduced in entire circumference, often to complete wearing away. But flowing water has in its specifically mechanical force much too small an effect to form actual large cavities; rather, destruction of existing caves and reduction of spaces takes place through the accumulation of solid components carried by flowing water. At times expansion and alteration of the cavities in the rock may well occur through scouring into so-called river water caves.
Knebel (Cave Science) rightly points out that until now the mechanical activity of water in cave formation has been attributed much too decisive a role, while the chemical dissolution of rock, the corrosion, which has the main share in cave formation, has been much too underestimated. For quite differently the corrosion force of water is able to come into activity for the underground removal of mountains, thus for actual cave formation and the expansion of cavity systems, by being able to permeate even apparently impermeable rocks and being capable of chemically dissolving and removing them. Among these rocks, limestone and dolomite are most easily attackable.
No wonder that therefore limestone mountains contain the greatest number of all caves, since they possess the greatest water permeability. This shows itself probably most conspicuously in the karst landscapes of Carniola, where the cave phenomenon is most widespread.
If we examine the Drachenloch in its evolution, it emerges with certainty that it does not belong to the so-called river water caves that arose perhaps through a horizontally flowing watercourse, through a cave river, although its entire direction keeps more to the straight line and the rear cave parts possess fairly tunnel form. The direction corresponds rather to that largest fracture cleft that generally runs transversely east-west through the head of the Drachenberg. Also the various basin- and dome-like deepened parts in the cave walls and ceiling are, however much one might declare them so at first glance, no products of strongly and rapidly flowing water. The entire Drachenloch cave system is the product of the downward trickling, chemically dissolving seepage water; it is a typical seepage water cave. This is already indicated by its entire position inside the Drachenberg, near its summit point. Even with the help of geological considerations it would be absolutely unthinkable where in this extraordinary, isolated position of the cave a river groundwater could have flowed from. Further proof that the Drachenloch owes its expansion to cave to the chemical erosion of carbonic acid-containing water, we find especially also in the absence of any horizontal erosion grooves, channels, basins, as we encounter such in river gorges, for example in the Tamina gorge or then again in the glacial erosion groove of the Hirschensprung near Oberriet in the Rhine valley. — The native rock floor of the Drachenloch, as far as it was exposed by our excavations in the larger part of cave I and in the second, contains no traces of rolled, water-scoured rock fragments (pebbles) that would still have to be present if any stronger transport of the weathering products of the cave rock had taken place. — Eloquent testimony to the character of a seepage water cave, which nowhere bears traces of collapse phenomena, is now given by the entire floor filling mass, which became the special point of attack of our excavation activity. It lies throughout on primary foundation, thus has also suffered no subsequent change of the original position from place. We want to use the opportunity right here to become more closely acquainted with the floor filling.
C. The cave floor filling.
By floor filling we understand the entire mass of stones, earth, sinter, clay, animal remains (bones, snail shells), plant remains (roots, fruits, woods), animal droppings (feces), as well as products and legacies of humans (hunting animal remains, stone and bone tools, ornamental objects, charcoal remains from former fireplaces, sacrificial sites etc.), which fill the space from the present floor surface down to the actual rock floor of the cave (native floor). This floor filling carries the history of its formation, its entire becoming within itself. If this filling is expressed in the form of layers with respectively different character (stony, earthy, clayey, sandy, humic), with changing colors and various animal remains and cultural contents of humans, then these layers are at the same time the “history pages” of the former events that played out here through nature, animal and human.
The material of the floor filling in the Drachenloch is thus of various composition and origin. In general, one can distinguish:
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Products of purely natural inorganic and organic processes in the cave, namely
a. those of the weathering process: rock parts that were split off from the ceiling and wall rock by frost splitting81, gradually crumbled and fell to the ground. Since the Seewen limestone of the cave had already suffered severely during the folding and overthrusting of the rock masses, was loosened, splintered and torn in numerous places, its cohesive strength had been substantially weakened. The crumbling also proceeded all the more easily since the Seewen limestone rock is not of large-bank nature but more of a scaly-thin-platy nature and the plates of the ceiling lie partly in horizontal position. As a result of the gradually ever-increasing span of the cave ceiling, the equilibrium of tension also suffered temporarily. Thus larger ceiling collapses could occur; mostly, however, they are only smaller shards that gradually formed a considerable part of the floor filling in the form of rock fragments.
The excavation of the first foremost cave (H 1) has shown that probably two-thirds of the entire floor debris consists of nothing but rock fragments, often entire broad plates. Here weathering could attack most vigorously as a result of easily penetrating frost splitting. The insight into the debris profiles has shown that at times strong collapses occurred, at other times only light crumbling took place. — This cave part would have been dangerous for permanent human habitation at all times as a result of this rock brittleness. We must therefore not wonder if cave I, despite its best lighting, provided only very little material in both animal finds and remains of human activity.
The conditions are substantially different in the inner cave parts. As emerges from the meteorological data, winter cold can penetrate here only to a small degree; indeed, in the innermost parts the constant “mild” temperature of 3-4° C prevails. Here weathering is much slower, the debris pieces are of much smaller dimensions, and large ceiling pieces rarely came to collapse (cave III). At one place in cave II a number of larger rock shells were found in the floor debris, whose position suggested that they were detached by rock movements (dislocations) of the cave layers as a result of mountain pressure or perhaps by earthquakes. — One may assume with certainty that rock in caves, which has already experienced significant relief since the time of cave formation, has yet not passed into stable equilibrium, so that even now relaxations can still occur during earthquakes. During my visit to the Drachenloch on July 3, 1903, I heard in the rearmost part of the cave (VI) in absolute quiet (I was making notes in my “cave notebook”) suddenly a thunder-like crack with longer reverberation that literally startled me. I immediately noted minute and second. According to the statement of unimpeachable witnesses who were in the vicinity of the Drachenberg, no crack whatsoever was heard outside the cave there. I suspect that it was the phenomenon of a smaller earthquake, since the Tamina Calfeisental, but especially Vättis, is a small shaking area where during seven summers I could establish stronger earth shocks several times.
The position of the many small, shard-like ceiling collapse pieces in the inner cave parts is almost throughout horizontal because of their only slightly high fall, in contrast to that mostly sloping position of larger ceiling plates in the more than 5 m high front cave. As we will learn later, phenomena came to light in cave II during our excavations that provided sure proof that prehistoric humans had their hand in the piling up of ceiling collapse pieces, and that rearrangements and relocations of rock plates undertaken by them took place here. — Compared to the mighty predominance of crumbling in the front cave, the weathering material in the inner cave parts amounts to scarcely more than one-fifth of the entire floor filling.
b. Precipitates from the seepage water of the cave. Mixed with the rock fragments fallen to the ground through weathering, often also alternating with them in layers, we find carbonate of lime as a precipitate from the cave seepage water in virtually every cave filling.
In the Drachenloch this precipitate can unconditionally be regarded as of primary origin, i.e., originating from the cave rock itself and its immediate surroundings in the Drachenberg itself. In relation to the carbonate of lime dissolved by the carbonic acid-containing water and partly carried away with it from the cave, the residues remaining in the cave form only a relatively smaller fraction, especially in the front large cave where water drainage was favorable. It stands differently in the inner cave parts already from cave II on. There namely the native rock floor lay nearly 1 2/3 m deeper than in front, so that there immediately during cave corrosion a kind of retention basin formed, in which significant masses of clay were deposited.
The precipitates from the carbonate of lime-containing water occur in the Drachenloch in various formations.
i. Earthy sinter, in soft, mouldy, often almost sandy dry consistency. Only in the deeper layers is it moist, where a damming of seepage water above the clay layer is present and the drainage of water proceeds only slowly, or at the surface of the floor filling as a result of temporarily strong moisture content of the cave air. The color of this earthy sinter is very different, sometimes dark-blackish, insofar as lower plant organisms (lichens, mosses) or animal feces have mixed with the sinter, sometimes reddish to brown, where a mixing with decayed animal bones has taken place or where actual red earth (terra rossa) formation has occurred. In fresh condition we find the sinter also grayish to snow-white or yellowish-white, especially in the uppermost layer parts and particularly along the contact surface of the floor debris filling with the cave walls, often as a result of the looseness prevailing there down to great depth.
ii. Actual solid lime sinter formations in surface-like spread on the cave walls, in rock clefts, cave chimneys and on the ceiling, mostly of grayish or whitish coloration. As a result of the evaporation prevailing in the cave, fine lime films deposit from the hanging water drops onto the ceiling rock, which even grow into bulge-like formations. Significant stalactite formations, as such are predominant in caves with strong evaporation, have not occurred in the Drachenloch. Only the rearmost cave part (VI) shows stronger hump-like deposits, as well as the formation of calcite crystals into actual mineral groups.
iii. Clay formations. Various layers and layer parts of the floor filling in the individual cave parts take on the character of actual clay formation, especially in the deeper layers, while in the upper layers these dissolution residues occur only in very small measure and in weak spread. — In quite conspicuous manner we encounter in the II. cave section and also extending through the III. cave, lying directly on the cave rock floor, an extraordinarily strong up to 1.8 m thick, almost pure white clay layer, in which virtually no weathering products in the form of Seewen limestone fragments of the cave rock occur, but in which also any traces of animal remains are completely absent. This white clay, which is only occasionally somewhat tinted reddish by iron oxide hydrate, shows great homogeneity and fineness of structure and feels almost soapy, kaolin-like. In dried condition it colors intensely white, and the surface finally weathers dusty.
At first glance one might conclude from the enormous thickness of this white clay layer that it has secondary position, i.e., regard it as alluvial. Closer examination shows with certainty, however, that this is a primary deposit — in loco — indeed, it reveals itself as a residual mass deposited in complete rest in a deepened rock floor basin, since the native rock floor of the first large cave lies nearly 2 meters higher than that of the second and third cave part. Already after the first centimeter-thick clay deposits on the native rock floor, the water could no longer permeate them; it dammed up into a basin from which the water dried out solely through cave evaporation. This white clay is admittedly still in moist condition at least above, while in deeper layers it is completely dry and flaky. A more precise chemical investigation of this peculiar white clay layer will still take place. In all my cave researches I have never encountered such a layer formation.
c. Humus formations. The humic deposits arise as is known from the decay and decomposition of dead remains of plant and animal bodies. We find them accordingly also in caves, but only as far as organisms of plant and animal nature are able to reach. In the Drachenloch only the three foremost cave sections come into consideration for humus formations, most of all the foremost and specifically at the entrance and along the cave walls, where phanerogams and cryptogams colonize the floor. Much more sparse and only originating from the decay of animals that died here is the humus in caves II and III, whereby the prehistoric animal world, which is present here in massive bone remains, can hardly have played a larger role in humus formation, because it was brought in by humans (see the section on prehistoric animal finds) and skin, hair and flesh of the hunting animals of prehistoric humans were used by them themselves, therefore provided no or only little decay substances.
From the found animal bone remains of bats, voles (snow mouse = Arvicola nivalis), as well as of birds (alpine accentor, alpine choughs) it can be concluded that these animals found their death here in the cave and therefore contributed to humus formation. Likewise the soft parts of snails (Helix arbustorum var. alpicola), which are found in significant quantities in the three front cave parts, may have participated in this. Without doubt, part of these snails were also carried into the cave by birds (alpine choughs).
A not small portion of the floor filling is provided by the excretory matter (feces) of owls, alpine choughs, mice. Along the cave rock walls, regular accumulations in smaller ramparts are found in places; they also distribute themselves over the remaining floor surface.
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Products of filling by animals and humans. Very many caves form the welcome shelter for various animal species. The number of these naturally also varies according to absolute height and the type of animal district. In the higher alpine locations we have to record a visible decrease in the number of species and individuals. The larger mammals step back completely in the present time; only bats, voles and shrews, marmots and snow hares are still able to describe their life circles up here. Remains of animals that died in the Drachenlochhöhle are found accordingly in considerable number. Much larger, however, is the quantity of larger animals brought in by the Stone Age human who lived here as hunting prey.
Thus certain parts of caves II and III are actual magazines and certain layers pronounced storage places of animal bones. Their quantity has contributed something essential to the cave filling; indeed, we know layers that are composed in their entire thickness of almost nothing but bone remains, especially of bear species. In these layers are found the unmistakable proofs of the presence of the Paleolithic hunter, partly in smashed, splintered bones, in ash and charcoal heaps with built-up fireplaces, in bone and stone tools. We therefore call such floor fillings cultural layers. They are what draw the prehistorian’s greatest attention and whose thorough investigation occupies him most. — The description of the layers in the Drachenloch is the subject of the following section.
Already in the foregoing we have indicated that among the products of purely inorganic nature in the Drachenloch no materials washed in from farther away are found, but that they are all of purely local nature, i.e., they originate from the cave itself and from the Drachenberg. It should therefore already be noted at this point that we encounter no traces of glacial relicts (erratic rocks, fluvioglacial gravels, moraine formations, glacial clay etc.) in the Drachenloch itself. We will learn elsewhere that this could never have been possible, since the ice age glaciations in the Calfeisen-Tamina valley stood much lower, and they nowhere essentially exceeded the heights of over 1900 m above sea level there. Already the Gelbberg terrace remained completely unaffected by larger glacial formations. The Drachenberg was at all times of high glaciation together with the cave a cliff projecting high above the glacier in the ice, a nunatak, as was also the case with the Wildkirchli and the Ebenalp.
Repeatedly the attempt has been made to make calculations from the thickness of cave debris fillings about what time would have been necessary for their deposition, in order to gain thereby reference points about the age of prehistoric sites in thousands and hundreds of years. — I have already demonstrated in my generally understandable monograph on the Wildkirchli the absolute worthlessness of such calculations, since we do not obtain even approximate values through them, and it is a vain effort to carry out calculations with extremely variable factors that change very strongly even in one and the same cave. — Certainty leaves us first of all when we establish certain approaches about time durations in so-called cultural layers, whose greater or lesser thickness is conditioned by the presence or absence of humans and animals. For this reason we renounce here any attempt at age determination of the cave filling in the Drachenloch.
VIII. The Find Layers and the Excavations. (Excavation Method and Excavation Profiles.)
The well-known “treasure hunting” was content to churn up the ground aimlessly and indiscriminately in search of finds of all kinds. In doing so, no consideration was given to the stratification of the finds and to all other circumstances of discovery, which play one of the most important roles in today’s prehistoric research for the precise determination of objects and prehistoric settlements. Countless finds reached private and museum collections as “antiquities” or “curiosities” without more precise location data (according to the topographical map, for example). Their value is therefore only slight today.
Entirely different requirements are placed by modern prehistoric science on the processing of prehistoric sites. It has recognized that the ground in which the ancient finds are preserved does not form a random jumble, but is composed of layers. They are something that has become. Layer upon layer has been deposited over the course of long periods of time, partly in a natural way (weathering, deposition of carbonate of lime from cave drip water, etc.), partly by animals (bones) and humans (bones of hunted animals, tools made of stone, bone, metals, jewelry, charcoal hearths, etc.). The oldest layers lie, if no later disturbances (excavations) have taken place, at the bottom, the younger and youngest ones above. Accordingly, the finds contained in the layers also have different, older or younger ages.
Thus the layers and layer parts in their superposition become so-called “prehistoric pages” for the researcher, from which he must read the history in the prehistory of the animal and human world, indeed even the climatic conditions of past geological periods. The find layers, but also the find-free deposits are the witnesses for the process of becoming and development in inorganic and organic nature. The tools of man and his other remains at prehistoric sites, i.e., the prehistoric content of the individual layers, likewise prove a succession of human cultural stages.
Often the finds from the various superimposed soil layers belong to several ages and stages of human prehistory (Old and New Stone Age, Metal Ages up to and including the historical period). On the other hand, find sites can contain only the remains of human presence from one and the same epoch. From the superposition of temporally and developmentally different cultural layers, the prehistoric chronologies and systems have also been established, on whose further and finer development research is continuously engaged.
If, according to what has been said, the stratification conditions in the soil filling of a prehistoric settlement are of fundamental importance for excavations, then a main task of exact research consists in determining the structure, stratification, nature, course, thickness and delimitation of the individual layers with the greatest accuracy. This work, which usually must first be learned through manifold practice and through several years of experience, yields the best results where a whole series of narrow and wider cultural stages are present at one find site.
Of great importance is obtaining full certainty about whether the find layers are really in undisturbed stratification, or whether subsequent disturbances (through excavations, churning up) have taken place in the soil debris, perhaps even only in historical times. A correct interpretation of the find conditions is only possible in undisturbed, intact layers. Disturbed profiles have no scientific value, and their content may at most only be compared with that from intact layers.
When establishing and determining the layers, their horizontal course, their thickness and their possible wedging out and disappearance must be carefully followed and graphically entered into the profile notebook that is indispensably necessary for every excavation. The following points must always be kept in mind: With more massive and extensive find layers, find-free ones of often only a few centimeters of vertical extent and lesser horizontal spread can alternate. However, the find-free layers are sometimes of essential significance. They can namely be the separating layers between two different cultural stages, an older lower and a younger upper one. Or they indicate the temporary absence of man during one and the same prehistoric period. As we have already mentioned, the individual soil layers differ, apart from the occurrence or absence of finds, usually very clearly through the color of the earthy, sintery, loamy, stony components or the uniform coloring of the individual layers, as well as through their hardness, looseness, dryness and moisture. -– According to these and many other viewpoints, the excavation methods of prehistoric researchers must be oriented.82 They thus differ essentially from the ordinary excavation work in the creation of ditches, canals, shafts, tunnels and cellars.
After these few introductory discussions, we now turn to the excavations in the Drachenloch! For the same we have made use of the precautions and methods customary today, as they have also been applied in the Wildkirchli. Before the beginning of any systematic excavations, a survey and precise division of the cave space to be tackled, or its ground surface, must take place first. In caves that consist of several sections, one is content with the initial division of the partial area just being worked on. After establishing the main longitudinal axis, which is usually assumed in the middle of the space and on which stretches of 1 m length each are marked off, the space is now divided left and right up to the cave walls into numbered square meters. Tightly drawn cords, whose endpoints on both sides are marked with red paint on the rock walls, serve best as transverse axes. This surface division, which is also graphically entered into the profile notebook, is of special value since it is used to designate the horizontal distribution of the finds.
Now one begins with the removal of the surface debris, the earth and the fallen stones. This can still be done with pickaxe and shovel, because the uppermost layer usually contains no prehistoric finds. Nevertheless, one will already here direct attention to bone finds, etc., which belong to the most recent time and which give us various information when we compare them with the animal world of the present time. In the now following work in the deeper layers, these coarser tools may only serve for the removal of larger rock blocks, which often must also be broken up with the heavy iron hammer. Explosives (powder, cheddite, dynamite) are to be used only with the greatest caution. In the actual find layers, finer tools (drawing and scraping irons, scrapers made of iron, as well as wooden instruments) come into use, so that the finds are spared as much as possible.
The first examination of the layers always takes place on the spot. In the darker cave parts this is possible with sufficient artificial lighting. As in the Wildkirchli, we also used acetylene light in the Drachenloch, i.e., the Kaiser storm torch, here with 150 candle light intensity. It renders excellent service, since it provides so much light that one can gain, besides the recognition of the finds, a clear insight into the nature of the layers and into the find facts. The finer examination of all layer material, however, takes place in the foremost part of the fully lit large cave, near the entrance gate, on a 2 m long and about 1 m wide sorting table. The debris material is conveyed to daylight by means of wheelbarrows. All finds get into larger and smaller wooden boxes, cloth and paper sacks, and are marked by means of labels (information: date, cave part, profile number, layer, depth position, etc.). Important and easily breakable objects (skulls, etc.) are already well packed up in the cave. The transport to the Gelbberg hut and to Vättis happens by means of “Räf”. In order not to increase the transport costs too much, the incomplete and heavily splintered bone material is left up in the cave. Only a few specimens of the same from the individual layers also reach the valley. Because there every find object is inscribed with India ink after cleaning has taken place, its exact origin from the cave debris can be determined for all times and its former position in the excavation profiles can be reconstructed.
Excavation Methods.
The same must always be adapted to the local conditions and circumstances. There are no generally binding regulations. However, the practical cave researcher must direct the method in each case so that he comes as close as possible to solving the questions posed. -– One generally distinguishes two types of excavations. One turns toward the depth (vertical method), i.e., one digs downward through the individual layers down to the native ground or some other conspicuous depth horizon. Thus we obtain an insight into the vertical configuration, the course, the thickness of the individual layers, into the separation from one another and the ordered superposition of the same. The other excavation method goes in horizontal direction (horizontal method), i.e., layer by layer is removed on predetermined horizontal surfaces. We thereby learn the nature of each individual layer in greater horizontal extension, the stratification of the finds in one and the same layer and their local distribution.
Naturally one does well to apply the two main methods alternately in the excavations. One also creates stepped excavation cross-sections or profiles of 1 m length each in the direction of the longitudinal axis of the cave at the bottom. In this way, with sufficient width extension of the cave, several persons can work in the layers assigned to them. One must always pay strict attention that find material from different layers is not mixed with one another, since errors of this kind can no longer be corrected.
From meter to meter of the longitudinal axis, often even at smaller intervals and according to the find conditions, one now also creates the graphic cross profiles and longitudinal profiles, which are compiled in the profile book. The textual information laid down in the diary, as well as the designations of the individual find objects, refer to these cross and longitudinal sections. After completion of the excavations and also later, we are able to reproduce all find circumstances exactly. From the stringing together of the profiles in all worked cave parts, we finally gain an overview of the entire find conditions.
Find Area in the Drachenloch.
Since the first paleontological objects (bones of cave bears) were uncovered in the second cave part, the beginning of the systematically arranged excavations was given at this place. Simple consideration forbids cutting into arbitrary parts of the cave debris floor at random, before one possesses sufficient clues for a “fruitful” excavation. For the initial success is judged precisely according to finds. A longer absence of the same discourages workers and leaders of excavations. The leaders themselves also have to assume a certain responsibility for wise utilization of the financial means approved by authorities and scientific institutions for the excavations.
A bad surprise would have awaited us if we had begun the excavations, as is otherwise custom and regulation, in the foremost cave part of the Drachenloch; for the same proved to be very poor in finds contrary to all preliminary assumptions. Only so-called “scattered finds” came to light when in the third excavation year we created in this first cave (I) an approximately 20 m long and 1½—2 m wide longitudinal trench down to the native cave floor. This cave part also yielded no secure clues for the habitation of the Drachenloch by prehistoric man due to lack of any stratigraphic horizons in the soil filling. Any sharp separation of individual layers was missing, which for the greatest part consisted of weathering debris of the standing cave rock (especially originating from the ceiling of the cave) and of earthy sinter.
The reasons for the absence of larger finds in the seemingly so favorable first large cave part hit by full daylight, or respectively the non-consideration of the same as dwelling place of primitive man, we have already at least indicated in the sections on the meteorological conditions and the general situation. They are, briefly repeated: strong weathering phenomena in this part, temporary significant ceiling collapses with endangering of man, greater water conductivity as a result of stronger fissuring of the cave rock, more noticeable temperature fluctuations and air draft conditions.
The excavations in this first cave have moreover proven that the cave space under the soil debris covering, as a result of its closing together downward, whereby a narrow longitudinal channel arose toward the native ground, would not have been a suitable dwelling place for prehistoric man at all, since he would have found too little lateral freedom of movement in this natural channel. -– We understand that already the Paleolithic man knew certain precautionary measures and conveniences in the sense of protection against ceiling collapse, wetness, cold and stronger air draft and therefore in the majority of cases -– also in the Wildkirchli -– always selected the most favorable spots in a cave as resting and working place. Thus we come to the conclusion that the first cave served man mainly as passageway to the inner cave chambers.
For a settlement of cave I, only the dome structure mentioned in the general situation in the rearmost right part of the same would come into consideration, since its lateral floor surface extension is greater than that of the front and middle parts of this cave. Nothing definite can be said about this today, because we have only made superficial excavations there, but in the same no finds have come to light until today.
The conditions are now essentially different right at the transition of the first cave through the former crawlway into cave II, in this itself and in the following cave III. Here we have more balanced temperatures, which, even if they are low (cf. the meteorological section), are not felt as unpleasant, which we also sensed during our work. There we also encounter greater relative dryness and air calm. Those were the naturally predetermined resting, working and other dwelling places for the primitive hunter, as the excavations undertaken there have surely proven. -– The lack of natural lighting was then compensated by the artificial light source of the cave or hearth fire. During our deeper excavations in the second cave it has moreover been shown that in earliest times, when the soil filling had stood significantly deeper, a good part of daylight was still able to penetrate into this cave space as well. Thus the then lighting conditions were more favorable than today.
Where now through first trial excavations the proof of finds was provided, there it is not difficult to begin systematic further research, because from there usually find follows find. Otherwise the search for “fruitful” (fertile) ground happens by means of considerations and “idea associations”, which only establish themselves through manifold practice in prehistoric research. I have described the same more precisely in my “Methodology”. The researcher must, to put it briefly, be able to feel his way into the dwelling and existence conditions of prehistoric man in order to guess the favorable find places, as it were. However, even the best-trained practitioner can be subject to surprises.
Let us now proceed to the brief description of the excavation profiles and the individual find layers in cave parts II and III, which represent the actual find area, since presumably the rear cave sections (IV—VI) will hardly allow more important finds to come to light due to the all too narrow spatial conditions.
The Excavation Profiles and the Find Layers.
The large number of excavation profiles created in caves II and III of the Drachenloch, partly longitudinal, partly cross and diagonal profiles, has yielded with certainty a consistent agreement in the structure of the soil filling layers, since the individual layers characterize themselves very sharply with regard to their nature, their components, their color and the finds contained in them. -– At this place we remind once more that during our excavations we have repeatedly encountered layer disturbances by the “treasure-hunting” human. However, they nowhere reach a greater extent and in no case extend to greater depths of the profiles. From these layer disturbances surely comes a larger part of the animal bones that lay scattered about on the ground surface earlier and still at the beginning of our excavations.
If in general the stratification in the individual excavation profiles was found to correspond to the horizontal plane, the stratification of the layers nevertheless deviates noticeably from it in places. They “rise and fall”, increase or decrease in thickness and can even disappear (“wedge out”), in order to reappear at other places. There are various causes that condition this change: unevenness of the ground on which further deposits took place, larger ceiling collapse blocks, natural or artificial accumulation of animal bones, charcoal hearths, compression of the ground by overlying rock debris or by the tread of man, churning up of the ground, etc.
As a common characteristic of all cross and longitudinal profiles results the consistent presence of 6 different layers in the cave filling ground over a stretch of the longitudinal axes of about 25 m. Their separation from one another can be sharply demonstrated almost everywhere, yet there are places with slow transitions from one layer to the other. The delimitation is most indistinct in each case at the two lateral cave walls. There the layers are mostly very loose, which during the excavations often makes itself known through a sudden collapse of the earth and sinter masses. During the “settling” of the layers, gaping distances have now and then arisen at the cave walls between these and the cave debris floor, through which material from upper layers, indeed even from the present surface (snail shells) has penetrated to the depths. From the paleontological part of this treatise we also learn that along the rock walls of the cave mass accumulations of the bone remains of hunted animals have taken place by prehistoric man. Through the same the layer and profile picture was somewhat unclear during our initial excavation work; it then emerged ever more clearly and sharply through the continued investigations in the full, uniformly built profiles.
The stratigraphic picture experiences a change with regard to the thickness of the entire layer complex through a decrease in the depth of the soil filling setting in from the second to the third cave and toward the middle of the latter and through the gradual rise of the layers toward the rear. Here, as in the second cave, one gets the impression that man of prehistoric times used the two spaces as shelter precisely as long as he could still move upright in them according to their height.
The deepest profile we could establish so far in the passage from the first to the second cave section, where a total thickness of all six layers of about 3½ meters and a depth of the actual find layers of approximately 2 meters resulted.
A striking phenomenon, which I have never yet encountered in cave research, is the relatively great looseness of the find layers and their pronounced relative dryness. In this respect the Drachenloch stands in complete contrast to the Wildkirchli. Here we encountered layers and layer parts, especially toward the native rock floor, that were so hard pressed that one could only work them together with the bear remains cemented into actual bone breccias with pickaxe and blasting iron. Also much more layers with high moisture content were found in the Wildkirchli. In the Drachenloch, on the other hand, we encountered moister layer parts only toward the lowest sedimentary white clay layer.
If we consider more closely the still so great looseness today and the pronounced relative dryness of the find layers in the Drachenloch, we come to the thought that at the time of the formation of the layers, i.e., after the deposition of the lowest white clay layer, a drier climate than today must have prevailed up here in any case. This assumption is especially supported by the fact of the strikingly good preservation of the animal bones, especially in the middle layers. In high moisture they could never have maintained this hardness. Admittedly, the water conductivity in cave chambers II and III is only quite minimal even today; but it is hardly to be assumed that the desiccation and friability of the layers only originates from younger and most recent times.
A consequence of the loose and dry nature of the middle and upper soil layers and their subsequent sinking (“settling”) was probably also that at various places, especially along the cave walls, a part of the bones from the second layer was literally pushed up to the surface, and they even protruded from the ground with their ends.
Without doubt we have already reached the actual or native cave rock floor through the white lower clay layer during our first excavations in the Drachenloch. We did not cut it deeper later than down to its surface, in order to fill our time with more useful work than always penetrating to the bottom of the lowest soil layer that proved to be find-free. It is not to be foreseen that under it any research of significance is still to be carried out, so that we can maintain the number of six superimposed cave floor layers.
It may be added here that the individual layers from the Drachenloch, especially as regards their sinter and earth material, are to be subjected to an even more precise examination regarding their chemical nature, as was done at the time with the layers from the Wildkirchli. (Chemical soil analyses.)
Let us now subject the individual soil layers of the Drachenloch in the chronological sequence of their deposition, i.e., in reverse order from how we have numbered them in our graphic cross profile from the passage of the second to the third cave (Fig. 15), to a brief description. It should still be noted that in all profiles of the Drachenloch excavations we may only designate layers II, III, IV and V as so-called cultural layers, since only in them can the presence and activity of prehistoric man be proven. Layer VI is find-free; layer I no longer belongs to prehistoric times.
VI. White to whitish-gray cave clay layer.
The same has already been treated more thoroughly in the description of the cave filling. It lies hard against the native rock floor, spreads out, as far as has been established so far, only in cave parts II and III and indeed consistently from cave wall to cave wall and nestles against them, filling every finest crack, very firmly. Because it contains no coarser debris components in itself, but consists only of finest, pure, whitish cave clay, it is not an ordinary deposit composed of weathering components. But it also does not consist of non-local material washed into the cave from farther away. It is therefore also not of fluvial origin, but arose from the deposits of the seepage water of the cave itself. This happened at a time when the greatest part of the cave was already fully formed, but before its habitation by primitive man, who soon afterward lived on its surface.
The depth (thickness) of this white clay layer has been measured at one place up to 1.8 m; it may under circumstances be up to 2 m thick. The lowest parts are consistently dry, in places flaky, but at other places hard pressed, often with inclusion of stone-hard, cubic or prismatic separations. Despite the content of iron oxide hydrate, this clay is not an actual “Terra rossa” of the karst.
V. Light brown to slightly reddish-brown layer.
Sharp as a knife and without any indication of a gradual transition, the white clay layer separates from the now overlying colored layer, which quickly reveals its nature as a cultural layer. For right on its lowest surface bones of the cave bear (Ursus spelaeus Blum.) immediately appear in considerable number, which are now spread everywhere through the whole layer, so that one can designate the same as the first paleontological horizon in the Drachenloch cave. But we also have the proofs for the former presence of man in this layer, since numerous bone tools of the same were found here in accumulative stratification and intentional mass accumulations of cave bear bones.
Since the layer in its lowest parts is in places moist, loamy and quite compact, it is understandable if the bone material here is for the greatest part heavily moistened and very easily breakable. Of various cave bear skulls lying in it, not a single one could be saved as a whole. Also the large limb bones are brittle and fall apart at the slightest touch into pieces that can hardly or only with difficulty be put back together. The conditions become somewhat more favorable the further we get into the upper parts of this layer. There it is looser, often falls apart into fine flakes and becomes sandy in places, originating from nothing but decomposed limestone pieces. A phenomenon surprising to the uninitiated is the enormous change that the rock debris pieces, which fell from the cave walls to the floor, have suffered in greater depths of the profiles and especially in this layer. They look like white beveled chalk stones, which, when they have become somewhat dry, rub off strongly, later weathering away dustily with complete desiccation. If one breaks through such debris pieces, one perceives in the innermost part hardly the small still limestone-like core, while it is enveloped by a thick, crusty, white mantle layer.
We know these same phenomena also from the deeper find layers of the Wildkirchli, where they at the time led to the completely incorrect assumption that it was a matter of interglacial tuff rocks, similar to those of Flurlingen in canton Schaffhausen. A simple investigation, however, brought the proof that these debris rocks had undergone a decomposition “under the earth” that was also designated as “subterranean weathering”. The deeper they lie, the thicker is the white decomposition rind. That one may assign them an interglacial age has been unambiguously proven in the Wildkirchli, in that there they can be securely separated in one and the same horizon from the weathering products of the cave rock that suddenly appear as sharp-edged debris pieces in the next upper layer. -– For the Wildkirchli these decomposition products have attained high significance. In our later publication we will prove that the same also form an important piece of evidence for the age determination of the Drachenloch. The thickness of layer V varies from 25—40 cm, it possesses a fairly sharply drawn horizon upward.
IV. Light reddish to red-brown earth layer.
In its already loose nature and in the color it stands out fairly sharply from the layer lying under it and resembles more the layer lying over it. On the other hand, it possesses in its lower parts still moist and loamy parts, but is essentially lighter in color. In agreement with this, the rich bone material contained in it also possesses a paler, more yellowish color, so that it can be recognized very quickly as belonging to this layer. At the entrance to the second cave and still reaching into this, we found in the depth of this layer actual granular ice still in the months of July and August. The same originated from the previous winter and had not yet been able to thaw.
A sharp distinction of this fourth layer from the layer lying under and over it consists partly in a peculiar accumulation of smaller rock slabs, which are stratified horizontally one above the other. In one of the excavation profiles we encountered a superposition of such small slabs up to 50 cm thickness. Nowhere could proof be found that this was a work of nature, rather it gained more and more the appearance as if here, precisely over a constantly moist ground spot of layer V, an intentional regular accumulation of slab layers had taken place in order to avoid the moisture of the subground. In cross profile II of cave III the underlays even consisted entirely of yellowish, pure calcite pieces, whose origin can only be from the rearmost parts of cave III, because at the place itself such calcites are not standing in the ceiling rock. Human activity could be concluded here with certainty. The complete solution of the riddle then brought the discovery of a bone deposit (especially cave bear skulls) in a stone structure placed on these calcite chunks. (See section X.)
The rock material of this fourth layer is likewise still provided with a friable decomposition rind; not a single sharp-edged piece is to be found here. The bone material is already significantly better preserved than in the preceding fifth layer, but especially that which was stored in hermetically sealed stone masonry (see prehistoric section).
According to its thickness (60—98 cm) this layer represents a main horizon in which significant deposits, especially in faunistic respect, have taken place. Here we encounter the first proofs for the former presence of man, immediately striking even to the uninitiated, who operated a regular magazining of the most beautiful hunting trophies here. The animal world is entirely dominated by the cave bear in its heyday.
III. Red-brown to dark reddish earthy layer.
The same stands out extraordinarily sharply and clearly in the whole layer profile, especially through its intensive coloring and the extraordinary looseness. In places we encounter parts soft as mold, easily crumbled with the bare hand, which are distinguished by great dryness. The sintery-earthy material far outweighs the inclusions of weathered rock. Still here the latter is provided with a considerable decomposition rind, therefore strongly rounded at the edges. We encounter this condition of the stony debris exactly up to the uppermost boundary of this characteristic deposit.
Despite the slight thickness (35—55 cm) it contains a quite significant quantity of remains of the diluvial fauna, with the main regent, the cave bear. Its skeletal parts are here present in the best state of preservation, but still always make the impression of regular subfossil finds. With the upper boundary of this layer the cave bear concludes its existence in the Drachenloch, i.e., viewed from above, we always first encounter it in this III layer during the excavations. Here too we find intentional accumulations of animal bones that testify to the presence of man.83
Fig. 15. Excavation profile from passage II—III.
II. Grayish and whitish-gray sinter earth.
This layer too is clearly characterized by the contrast it forms with the layer underlying it. Often we encounter in it over greater stretches 0.5—1.5 dm wide almost snow-white to whitish-yellowish calcite sinter deposits in crumbly form. The whole layer is consistently very soft, dry dusty toward the cave walls. In places it also appears pressed, but nowhere takes on loamy character. The rock material contained in it shows virtually no or only very slight edge decomposition; it looks relatively fresh and stands in strong contrast to the decomposed rind parts of the debris pieces lying in the deeper layers.
All bones lying in this second-uppermost layer are preserved flawlessly fresh and often covered with snow-white calcite sinter. The most important result is the complete absence of the cave bear both in its high-browed form of the male sex as well as in the typical female forms with the flatter forehead slope. In the paleontological section of our treatise we will learn that we are dealing with a special Ursus species in the bear finds of the II layer. -– The thickness of this layer is very variable. Its fine flour has often penetrated deep down toward the cave walls. It does not exceed 40 cm in its vertical extension, mostly it remains between 15—25 cm. It may still be regarded as a prehistoric deposit.
I. Blackish mold layer of the surface.
Where the ground was not trodden firm through walking on it by humans, this layer with the slightest thickness (20—25 cm) is of very loose, moldy nature. Besides the never absent sinter deposit, the same contains much feces of birds (alpine choughs), also of snow mice, furthermore remains of mosses and plant fibers that were brought in by these rodents. Masses of bleached snail shells, rodent bones and those of birds cover the ground surface and are also stuck in this mold layer.
The investigations during the summers of 1920 and 1921 have shown that between layers I and II a narrow, measuring only a few centimeters, more grayish, loamy layer still interposes itself, which contains virtually no finds of an older animal world, but certainly not such of Ursus spelaeus. -– A similar, likewise loamy and only slightly extended intermediate layer, which however is lost in places, we have also been able to establish between the IV and V layer. But it cannot be decided whether the same may be used as a temporal horizon, or whether it is only a matter here of a local deposit of secondary character. A comparative parallel with the layer series in the Wildkirchli will bring our scientific treatise on the Drachenloch. In Figure 15 (excavation profile) I have drawn in these two intermediate layers.
I could not suppress this information about the presence of two intermediate layers in the Drachenloch, even if they are still so weakly developed, because we have encountered the same phenomenon in the Wildkirchli. There the upper separating layer represents a sharp horizon that has led to a separation of the lower interglacial and the upper postglacial layers. The narrow separating clay layer itself represents the time of the last glaciation (Würm glacial). Further determinations will probably lead to being able to use the layer sequence for temporal-geological delimitations in the Drachenloch as well.
IX. The Paleontological Finds in the Drachenloch.
The massive occurrence of bone remains of the cave bear (Ursus spelaeus Blum.) in the prehistoric site of Wildkirchli had suddenly shifted the previously known altitudinal limit of this mighty giant predator, which characterized an entire prehistoric epoch, upward by nearly a thousand meters. In the Wildkirchli, it was a matter of unambiguous proof that a whole number of aged cave bears had laid themselves down for their final sleep without any interference from Paleolithic man, at times when cave man was not present. Alongside this, i.e. in other cave sections of the Wildkirchli, remains of cave bears were found that could not have come from animals that had died a natural death here, but must be interpreted as prey remains of the Paleolithic hunter through their enormous scattering and splintering, especially of the large tubular bones. The simultaneous presence of unambiguous tools (of stone and bone) of the Wildkirchli primitive man, who had worked and used them here, formed the definitive proof of the former presence of cave man in this naturally so excellently suited refuge for humans and animals.
According to our knowledge of the altitudinal distribution of the common brown bear still living today (Ursus arctos L.), of which it is known that it is able to substantially exceed the upper tree line (it even wanders over snow and ice!), it is entirely comprehensible that its mighty ancestor Ursus spelaeus once chose the same living areas. Its occurrence at the height of the Wildkirchli and the Ebenalp is therefore no special event. In fact, we have finds of the fossil Ursus arctos in the cave Alpeel in the Furgglenfirst - Hohe Häuser-Hohen Kastenkette in the Säntis mountains at a height of exactly 1800 m.
A real surprise, however, was prepared for me by the first cave bear finds that came to my attention, which Mr. Teacher Theophil Nigg in Vättis sent to me from the Drachenloch in July 1917 for evaluation. The first systematic excavations undertaken at this site in August of the same year contained all indications of an extraordinarily rich find site of the diluvial cave bear and an accompanying fauna that proved to be identical with that of the Wildkirchli. The excavations continued in the years 1918-1921 have confirmed the results obtained in 1917 and completed the picture of the Drachenloch fauna to such an extent that it should no longer undergo any essential changes through the final excavations still to come in the rearmost cave sections of the Drachenloch, especially since the excavations last carried out in cave III may have reached the peak of abundance in finds.
As was already emphasized in the introduction, according to our initial assumptions we could hardly assess the Drachenloch cave other than as a purely paleontological find site, i.e. thus only with remains of animals from the diluvial epoch (the glacial period) or from an interglacial period, namely the last one (Riss-Würm Interglacial). The thought of any habitation by man living simultaneously with the cave bear in the lowlands and hill country or in the Wildkirchli remained entirely foreign to us because of the extremely high location of the Drachenloch. Already toward the end of the first excavation campaign of 1917, however, the suspicion gained more and more ground that the bone remains of cave bears in the Drachenloch must have been the remnants of the hunting activities of the former cave man.
Four facts pressed themselves more and more into the foreground of our considerations during the excavations from day to day:
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An enormous scattering of the bone remains and a splintering of the same, whose cause could be attributed neither to creative nature in the cave nor to any animals possibly present in it (dragging away of bones). It was, in a word, the exact find picture of the conditions as we had encountered them at the time in the Wildkirchli in those cave sections where demonstrably the cave man of the Paleolithic chose his dwelling place (stone and bone tools in the Altar, Cellar and Brotherhood caves).
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The complete absence of coherent skeletal parts belonging to the same individuals or even complete skeletons of the cave bear. A confused jumble of bone finds is evident everywhere in the Drachenloch.
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The constant occurrence of bone remains belonging only to younger individuals, the remarkable absence of older and very old cave bears.
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A very peculiar mass accumulation of bone remains, especially skulls and large extremity bones along the cave walls, while the central passages showed almost only splinter material, only very rarely completely preserved bones (hand and foot members, etc.). All these were pictures as we knew them well enough in part from the Wildkirchli.
Suddenly our suspicions, accompanied by all caution, became certainty when, at the entrance to the second, left-side cave section (II) in completely undisturbed stratification and in the undoubted layer of the cave bear, an extensive charcoal hearth of characteristic shape and arrangement came to light. Its more detailed description will occupy us later.
Complete clarity was then brought by the work in the years 1918-1921. According to these, proof can be provided in an unambiguous way that we are dealing in the Drachenloch with a real settlement of the Paleolithic cave man. We provide the evidence partly in this section on the paleontological finds, but especially in the actual prehistoric chapter. As concerns the total mass of cave bear bone finds, we can today establish in advance the fact that these animal bone remains stem entirely and solely from the hunting prey of the Paleolithic cave bear hunter.
Under this important aspect, we must consider the entire animal world of the Drachenloch, especially insofar as it concerns larger species and the deeper stratigraphic horizons. We can name no single place in this cave today where we find secure evidence for the dwelling, refuge and death place of an older cave bear. Thus the Drachenloch stands partly in contrast to the Wildkirchli, which, alongside cave sections in which the bear appears as hunting prey of man, also possessed other find sites where the old cave bears laid themselves down for their final sleep. From these places stem the more or less completely preserved skeletons of the cave bear, the largest of which today adorns the Wildkirchli collection in the Regional Museum of the city of St. Gallen, as the first and to this day only evidence of this giant predator form from Swiss lands. The find site of this skeleton formed a veritable grave of cave bears that had died naturally (bear grave). Admittedly, as I have explained in another place, we may not assume simultaneous habitation of the cave by bear and man even in the Wildkirchli, since these two already stood on quite strained footing at that time and knew no friendship-symbiosis. Rather, it is a matter of a temporal succession of cave settlement by the two. Whenever one came, the other wisely yielded to him and left him dominion over the cave. -– In the Drachenloch this double occupation of the cave by bear and man is lacking. This makes the find picture from the Drachenloch much simpler and clearer.
A surprisingly uniform result has emerged in both caves, however, in that where man had his resting places, work and prey dismemberment sites, consistently only the bone remains of younger age stages of the cave bear were found. W. Soergel84 rightly emphasizes in the comparison of a number of “bear caves” the contrast that caves with exclusive habitation by the cave bear form with those where the bear was the hunting prey of the primitive hunter. He names as a special criterion of Old Paleolithic hunting the presence of a predominant percentage of younger individuals and considers this as certain proof of the presence of the primitive hunter. For comparison, Soergel draws upon, for example, the bear remains from Mosbach and Mauer, which belong exclusively to old (70-80%), indeed partly very old individuals. There no traces of human remains were found at all. Quite different in the famous old prehistoric settlement of Taubach near Weimar, where at least 60% of younger animals came to light, which could be proven to be hunting prey remains of simultaneously living man by the nature of the bone material and the simultaneous presence of human tools (from the Acheulean-Mousterian). Similar conditions are known from the cave Certo vadira (Moravia), in Krapina (Croatia) and especially in the Schipka cave as well as from the Primitive Mousterian from Sirgenstein (R. R. Schmidt, Tübingen). At the latter place, all bear remains are “culinary refuse of the Paleolithic man, whose pursuit the cave bear fell victim to in the semi-illuminated dead end of this cave.”
True, there are also caves in which the higher percentage of younger animals cannot be explained by human hunting, but must be attributed to the raids of cave hyenas, which lived there in large numbers and dragged away the young cave bears (according to Soergel loc. cit., p. 52 and Eberhard Fraas: Die Höhlen der schwäbischen Alb, 1901). So also in the Irpfel cave. But neither in the Wildkirchli nor in the Drachenloch do we have to reckon with such dragging away, because at both places no traces of the cave hyena could be proven.
Now the number of caves in which bones of cave bears occur, but where evidence of simultaneous presence of man is lacking, is much greater than those in which the cave bear appears as hunting animal of man. According to Soergel, the ratio should not be too high at 10:90. Particularly productive bear caves were the Charlottenhöhle near Hürben, Hohlenstein in the Lohnetal, Libellenloch at the Teck, then the Tischoferhöhle near Kufstein and the extensive cave system of Sloup in Moravia, from which so many finds with skeletons exist in European museums.
These, however, are consistently composed of a larger number of individual specimens. At all these places, no human tools were found in the cave bear layers, even if in the upper younger layers neolithic finds came to light here and there.
In pure bear caves (without prehistoric content), therefore, a clear picture usually emerges quite soon through the presence of entire skeletons and coherent skeletal parts. Understandably, scatterings can also be established that were caused by animals that later penetrated into the cave (bears, wolves, hyenas, etc.) that gnawed the bones. -– Max Schlosser (Die Bären- oder Tischoferhöhle im Kaisertal bei Kufstein85 says: “During excavation, one could at least in the middle part of the cave almost always be certain of finding a number of coherent bones as soon as one had encountered a skull or a pelvis. Now and then one also finds broken bones here, especially tubular bones of the extremities, skulls, etc., whose destruction can be traced back to impact by falling cave rock.”
The virtually exclusive occurrence of young age stages of the cave bear in the Drachenloch (we have found so far a single canine tooth and a quite suspicious fragment from the right lower jaw of an old Ursus spelaeus) is thus a certain indication of the presence of the primitive hunter. Here, as elsewhere (Wildkirchli), the younger cave bear was the preferred hunting object of man. This is very understandable. The hunt for old individuals of this giant-strong predator was simply connected with too great dangers for man, especially when one considers the miserable armament of the hunter of that time. Despite the fine senses that he had for observation and tracking of the bear, the hunt for it remained, like that for today’s bear (despite high perfection of firearms), a terribly dangerous pursuit. Much easier, however, was the capture of the young, not yet cunning bears, especially in skillfully laid pitfall traps, as they are still used today by primitive peoples.
The research in the Drachenloch has now yielded an interesting picture in various respects that coincides neither with that of pure bear caves nor completely with those where the bone material is found in a very heavily splintered condition. True, we have find sites with destruction of bones going down to the smallest detail, as in the central sections of caves II and III, but on the other hand we encounter at certain places large mass accumulations of bones, especially skulls and extremity bones in the best state of preservation, particularly along the cave walls and under the individual cave passages from I to II and from II to III.
With all desirable clarity and certainty, proof could be provided that we are dealing here with artificial accumulations of mostly completely preserved animal bones undertaken by man. Instead of removing the bones from the cave, the Paleolithic hunter intentionally stored them in it, as the positioning of the bones and their external framing sufficiently shows. It is interesting to note how mostly non-coherent skeletal parts were stacked on these bone heaps. We will learn more in the prehistoric section.
While the foremost cave section proved to be a relatively very find-poor area (for the reasons already cited), not a single square meter of floor was found in the two cave sections following it that did not contain individual to very many bone finds and such in accumulative positioning. All main layers, with the exception of the lowest white clay layer, are carriers of partly diluvial, partly recent fauna. -– The latter is confined entirely to the uppermost, blackish humus layer, while the ice age animal world occupies the entire thickness of layers II to V. Let us now briefly let the series of animal species found so far and securely determined pass before our eyes.
The Animal Species of the Drachenloch and its Surroundings.
In this more comprehensive preliminary work on the results of Drachenloch research, it cannot naturally be a matter of an osteological detailed description. That is the task of the purely scientifically designed main work, which can only be taken up for processing when the entire find material from the Drachenloch is available and the same is studied down to all details. The main part in both faunistic and prehistoric respects has been delivered precisely by the excavations of the summer just past (1921). This material still awaits thorough registration and precise description. -– We therefore limit ourselves to the presentation of the most essential for a general orientation.
I. The Current Animal World in the Drachenloch and its Surroundings.
Before we enter upon the list of animal species found in the Drachenloch, we mention for comparison quickly those larger animal species that still animate the surroundings of the Drachenloch and the cave itself today. Naturally it is a matter of a distinctly alpine fauna.
Of the larger mammals that once also settled the Tamina-Calfeisen valley, the brown bear (Ursus arctos)86, the wolf, the wild boar, the lynx, the wildcat, the ibex, and of the larger birds the bearded vulture87 have been extinct for more than a century thanks to persecution by man. The same also applies to the red deer, which however has recently through its reintroduction in the canton of Graubünden now and then, even in recent years, strayed into the valley of Kunkels and into the Calfeisen valley. In 1911, in the Weisstannen valley (Lavtina-Marchstein-Hühnerspitz) located west of the Calfeisen valley, the introduction of pure-blooded ibex from the Peter and Paul wildlife park near St. Gallen took place. This colony has since increased naturally to a number of about 40 head and is thriving excellently.88 One of the ibex went in 1915 to the Alp Calvina located on the northern side of the Vättnerkopf, but returned to the release area in the same autumn.
Among the large animals still living in the area today belong first and foremost the chamois protected by state game preserve in the Graue Hörner, whose increase from year to year is growing in a gratifying way, then the roe deer, which belongs more to the valley floor. Fox, badger, pine marten, beech marten, polecat, squirrel and brown hare are still well distributed. Ermine, stoat,89 dormouse represent the small mammal world.
Marmot and mountain hare keep exclusively to the alpine region, likewise the snow vole and the alpine shrew.
Of the alpine birds, the magnificent golden eagle still maintains its realm undisputedly, whose closer acquaintance we had the opportunity to make almost every day during our mountain journeys, since it is still a nesting bird near Vättis and keeps its sharp eye directed at the sheep herds of the Gelbberg. In the realm of alpine mountain air we encounter: alpine chough (the alpine crow is extinct), wallcreeper, alpine accentor, snow finch, ptarmigan, which are our constant visitors on the Drachenberg. Raven, hooded crow, goshawk, peregrine and merlin, sparrowhawk and northern goshawk as well as the common buzzard also rise to the height of the Drachenberg. In the nearby alpine forest dwell black grouse, hazel grouse, wood pigeon and deeper down the capercaillie.
As a four-footed cave dweller90 of our time, only the snow vole (Arvicola = Microtus nivalis Mart.)91 comes into consideration. At the beginning of our excavations, it was present in a whole number in the inner cave sections, behaved very trustingly at first, gnawed and dragged away newspaper, paper bags, etc., but then found it safer to disappear from the range of Homo sapiens, appeared now and then again, like this summer, but only for a short time. I wondered for a long time what this cute little creature, which we otherwise regarded as a good friend in our work, actually had to do in the cave. One day the mystery was cleared up, as it turned out that this rodent had a specific preference for our prehistoric bones. The clever creature sought by means of deep tunnels that it dug in the floor debris to find the mass accumulations of bones in the cave bear layers and gnawed them extensively. Thus we have a bear lower jaw whose right articular process is completely gnawed away by this little creature, and the zygomatic arch of a cave bear skull shows unmistakable traces of chiseling activity by rodent teeth. -– Yes, this snow vole has even become our compass in searching for mass bone deposits in the depths, which it always let us guess through the burrows visible in the profile, which we then simply had to dig after. -– The snow vole -– a faithful helper and guide of the prehistoric researchers!
As can hardly be expected otherwise, bats (Chiroptera) also stay in this cave. This is evident especially from the deposits of their “droppings” on hidden rock ledges. According to specimens that I saw fluttering, it is probably only one species, the alpine bat (Vesperugo maurus L.). I always clearly observed the golden-gleaming hairs of their body surface.
That alpine accentors or snow birds, as well as alpine choughs like to use the caves as nesting and dwelling places in bad weather or at night is a known fact. Yes, for the latter it was downright a great insult that we took possession of their dwelling place during the day. Often they appeared with loud clamor before the cave entrance to make us aware of our insubordination. Plucked feathers and feces of these animals taught us each time that they had made use again overnight of their ancestral right to inhabit the cave. -– Often we heard at night from the Gelbberg hut the spectacle of the alpine choughs in the cave, who quarreled over the resting places. -– What a magnificent sight it offered us, however, when during the midday rests outside on the sunny little grass patches in front of the cave the wonderfully feathered wallcreeper, appearing almost like a colorful fairy tale, unfolded its butterfly-like flight play on the yellowish-reddish Drachenberg rock wall and always busily let its long fine beak glide into all cracks for insects and larvae. -– With it in flight always competed three pairs of a butterfly species, the Small Tortoiseshell (Vanessa urticae). The complete list of the small animals living in the Drachen cave will be brought by our monograph. Of butterflies I name only because of the high distribution altitude the also present in the Wildkirchli dark-colored but brilliantly bronze-colored August Thorn (Triphosa dubitata L.). When catching this animal resting on the somewhat moist rock wall of cave III, its wings were covered with finest water pearls and glittered most wonderfully in the acetylene light. According to J. Müller-Rutz (in K. Vorbrodt and J. Müller-Rutz, Butterflies of Switzerland, II., 47) this moth like its closest relative Triphosa sabaudiata occurs up to heights of 1800 m. Both species are temporary cave dwellers, especially for overwintering. Here T. dubitata exceeds the previously known upper limit by nearly 700 m. The animal was caught on August 14, 1921.92
A great surprise was prepared for me this summer by the discovery of the rhizopod colonies first proven by me in alpine caves (Wildkirchli), which belong mainly to the genera Difflugia and Arcella. On the somewhat moist north rock wall of cave III are found, as in the cellar cave of the Wildkirchli, masses of those strange, hemispherical, gray to dark brown, 1-1.5 cm large, soft spots that look like warts on the rock and can be easily crushed with the finger. -– With sufficient moisture, these tiny microscopic creatures unite into the hemispherical giant colonies, into a social union of the greatest style in a small space. When the cave rock becomes dry, the hemispherical formations change. They become crescent-shaped, worm-like, meandering, branched, because the little creatures go out in search of moisture. They can endure for a longer time in a half-dried state, but quickly unite again when the rock wall becomes moist. In building up the hemispherical shape of their colonies, they use the carbonate of lime of the cave wall rock, which they probably are able to dissolve chemically.
Let us now turn to the animal species brought to light by our excavations in the Drachenloch, insofar as these have been determined so far.
II. The Cave Fauna of the Uppermost Blackish Humus Layer.
Since this layer does not belong to the series of actual paleontological find layers and therefore appears as a carrier of recent animal life, it may be treated here separately. -– As already mentioned, it has been disturbed several times in historical times by upheavals, so that remains of prehistoric times also lie on and in it. Besides the masses of feces of the alpine choughs, introduced moss and other plant remains, we find bones of bats, alpine choughs, accentors, snow voles scattered everywhere and especially along the cave walls in confused disorder. Particularly striking are the empty snail shells accumulated in masses at the cave wall edges of Helix (Arianta) arbustorum L. var. alpicola, a species related to our familiar yellow and brown-banded garden snail. However, I have not encountered a single living specimen of it in the cave to this day, so that it is certainly a matter of introduction by birds. In fact, we do not have to look far for the originator of the same. For the chatty alpine chough betrays itself. It is known of it93 that alongside insects, worms, berries of all kinds, indeed even small birds (whose brains it pecks), it has a special preference for smaller snail species, shelled and unshelled. With its beak it understands how to get the soft animals out of the shell, often swallowing the shell itself as well. A large part of these snail shells occurring in the Drachenloch are also perforated. -– Alongside this helix snail we find furthermore representatives of the pupa snails (Pupa), of Balea and Clausilia, whose species still remain to be determined. They are certainly inhabitants of the cave, since living individuals are also to be encountered. Living was also found a barely 3 cm long pale slug (Limax arborum?).
Strangely, virtually no worms (Lumbricidae) occur in the cave debris of the uppermost as well as the other layers; so far only a single piece has been encountered. -– On the surface of the first layer in the second cave lay several lower jaws of the domestic goat and the domestic sheep. These must have been introduced by humans (visitors to the Drachenloch), since a penetration of these animals through the former narrow passage from cave I to II can hardly be assumed.
As a very striking fact, the complete absence of bear and wolf and other animals still living in the area today is to be recorded, proof that the Drachenloch cave did not serve larger animals, such as especially the brown bear, for their final sleep in historical times.
III. The Cave Fauna of the Prehistoric Find Layers.
Since this will receive a thorough scientific description only after completion of the excavations in the Drachenloch, we limit ourselves here to the brief enumeration of the animal species securely determined so far, along with the most important find data, as well as some general considerations.
1. The Cave Bear (Ursus spelaeus Blum).
It retains the main dominion within all prehistoric horizons from layer III to and including layer V, for 99.5% of all bone finds, except in layer II, stem from it. It is the same picture as the Wildkirchli presents. But the Drachenloch surpasses the mentioned prehistoric site with regard to the richness of complete and very well preserved find objects. The reason for this lies on the one hand in the mass accumulation intentionally undertaken by cave man at well-protected cave locations and within specially erected walls and enclosures built from stone slabs (hunting prey cult!), on the other hand in the relative dryness and looseness of the floor fill layers, which nevertheless formed a hermetic seal of the bone material from the outside air.
As already mentioned, except for two single finds (dragging in!), consistently only skeletal parts of younger age stages of the cave bear were found; not a single skull or jaw parts and extremity bones of very old individuals have come to light so far; strongly worn-down molars or “sucked-off” canine teeth, as so many are known from the Wildkirchli, are also lacking. -– Everywhere on skulls, jaws and individual pieces of teeth of various kinds, the chewing surfaces of the molars are still provided with the familiar cusps.
What makes the entire yield of cave bear remains particularly valuable is the circumstance that we have in the Drachenloch virtually a complete series of the developmental stages and growth stages of the cave bear, from the newborn to the two-year-old “pestun”94 and up to the fully grown, about 7-8 year old “full bear” that was already capable of reproduction. Some finds point to unborn, embryonic animals that came into the cave with the captured mother. The youthful age emerges, besides in a series of over 100 jaw pieces with complete dentition, especially also from the extremity bones, whose epiphyses are not yet fused and during excavations always separate, as well as from the vertebrae of the spine, in which the individual, later fusing components always fall apart. The large find series of jaws, especially lower jaws, allows a precise insight into the entire development of the cave bear dentition. The skulls of the youngest age stages are characterized especially by their strong rounding and the mighty predominance of the actual skull part over the facial section; they are extraordinarily graceful forms. In comparing the skull forms of the somewhat older and partly adult cave bears, a great variational ability of this skeletal part confronts us, as it appears so pronounced in hardly any other animal. In my special osteological treatment of the Drachenloch animal finds, this phenomenon will occupy us numerically.
Besides the familiar differences in the nature and form of the skull, especially of the frontal part in the male and female sex (the male with highly vaulted, the female with flatter forehead), we observe a whole number of the most various “physiognomies”, especially also those with deeply sunken forehead (middle). This extremely rich variation of skull forms, but also of the other skeletal bones of the cave bear, has notoriously led some researchers to establish a whole number of Ursus spelaeus races and varieties, indeed even different species. Max Schlosser (Die Tischoferhöhle) has rightly pointed to the inadmissibility of this too extreme species division and shown within what large dimensions the variation limits of Ursus spelaeus move. According to Schlosser, the difference in a reduction of the maximum of sizes in one and the same dimension in one and the same species can amount to more than a quarter. -– It would therefore make no sense to further split our Drachenloch cave bears, since almost every skull possesses its own “expression”. This variational ability is, incidentally, also known to zoologists from Ursus arctos, the common brown bear, which has led many to “construct” many subspecies in this species as well.95
A statistical enumeration of the individual pieces of all bone types found from the cave bear in the Drachenloch may be dispensed with here, since this is the matter of the special publication. It should only be pointed out that the number of skulls exceeds 50 to date, of which about 10 are in perfect condition and provide excellent measurement material for the special investigations. We have reproduced one of the skulls in Figure 17. It virtually fell into our hands from a very loose mass grave of bears that cave man had created. It required no special preparation, but was simply briefly washed with cold water and then dried in the shade. Its main measurements are as follows:
| Total length of skull (measured in straight line) | = 45.3 cm |
|---|---|
| Greatest width of skull (measured in straight line) | = 27.5 cm |
| Highest height of skull (including lower jaw) | = 29.0 cm |
| Length of lower jaw | = 32.8 cm |
Since this skull is the largest of all found in the Drachenloch, when compared with the largest from the Wildkirchli (a very old individual with totally worn-down molars), whose total length = 53, the skull width (outer zygomatic arch distance) = 30 cm, a significant difference emerges. The skull from the Drachenloch belongs to a just mature cave bear; its molars still possess the complete cusps and uneven chewing surfaces. It has an extremely beautiful, graceful form and bears the unmistakable characteristic of the male. (High vaulted forehead, “front bombé”.) Compared to the Ursus spelaeus skulls from the Wildkirchli, a characteristic short-snouted character of those from the Drachenloch immediately catches the eye (local variation?, as this is also known from the ibex).
Besides the completely preserved Drachenloch cave bear skulls, there are a whole number of those that have partly fallen victim to decomposition in the debris fill of the cave, especially in the deeper layers (V). Still others have damaged skull bones, holes, lifted-off upper parts, etc., whose causation must be attributed not or only partly to nature, but rather to the hand of man.
Among the rarities of our finds we may count the nearly complete skeleton of a perhaps only several months old small cave bear that came to light in cave III in layer III and indeed in wonderful preservation of the individual bones. This is the only more or less connected skeletal find, since, as already mentioned, the remaining material only very rarely shows pieces from the same individuals. How this little bear got in there and came to lie there naturally remains an eternal riddle. The skeleton shows no signs of injury; everything lay in proper order together. Whether it is a matter of prey of the cave bear hunter that he dragged in and then forgot to consume? A natural death of this young one can hardly be assumed.
Besides the large series of jaw pieces, among which are many that also allow the tooth change to be followed and show the milk dentition in its completion, the enormous number of extremity bones, which are also present in all age stages, from the youngest to the fully grown bear, is of high value for the variation statistics of Ursus spelaeus. The largest part of these limb bones shows everywhere the beginning fusion of the joint ends (epiphyses) or their still present separation.
Despite the lack of coherent skeletal parts and entire skeletons, all individual parts belonging to the bear bone framework are found in the Drachenloch, thus also ribs, vertebrae, foot and finger bones, hip bones, shoulder blades, kneecaps, shin bones. Especially the latter occur in striking numbers. Besides the completely preserved bones, there are also many broken ones, but again for the most part not nature or animals caused their breakage or splintering, but the man of the cave period. We have a large number especially of thigh and upper arm bones on which artificial breakage is demonstrable. Likewise on shin bones. An entire collection of broken lower jaw pieces, where only the front part remained, as well as broken hip bones, on which only the part receiving the articular socket for the head of the thigh bone was found, provides proof of human activity.
We had also directed our special attention to evidence of bone gnawing by animals, i.e. postmortem gnawing of bones by predators that later reached the cave. While the Wildkirchli yielded a multitude of such evidence, we know in the Drachenloch to this day not a single bone that shows bite marks from bears. Only those from rodents, thus the snow vole, whose bone-destroying activity we came to know.
According to counts made on the cave bear bone material excavated to date in the Drachenloch, which besides the skulls already fills more than 100 drawers of 60X60 cm and 20 cm height, the number of Ursus spelaeus individuals proven so far can be set at a good 600 pieces. It will increase substantially after completion of the excavations.
We have already touched on the state of preservation of the bones in the description of the find profiles and find layers. The deeper we go into the lower layers, the more brittle and rotten the material becomes. Completely sintered or pressed into hard breccias bones have not yet been encountered, as was the case in the Wildkirchli. Nevertheless, the bones of the lower layers have taken up carbonate of lime in places or are covered with a light sinter layer, which has a preserving effect on the bones as a whole. In places, however, the bone material is so soft and brittle that it falls apart in itself at the slightest touch. In the higher horizons (layers III and II), on the other hand, it is in such excellent condition that one can lift it out by hand without difficulty and danger to the finds, even large tubular bones. They are often of such great freshness that one could believe they were deposited here only a few years ago.
Actual treasure troves of the cave bear are now the already repeatedly mentioned intentional mass accumulations of bones by prehistoric man, whose significance we will learn in the next section. However, it is not a matter of deposition of entire bone frameworks, but consistently only of individual skeletal parts specially preferred and selected by man, which for the most part belong to different bears. Precisely at these storage places are found, as a result of the good sealing of the bones through special stone constructions by man, the unexpectedly well-preserved remains of the cave bear. For this fact we can probably provide no more beautiful and striking proof than through the presentation of a cave bear skull that was found in such a position and which we, tempted by the perfect condition of its bone substance, have sawed through the middle (sagittal section) to learn the structure of the skull interior. The length of the skull measures 44.3, the width 25.8, the height (without lower jaw) 17.5 cm. -– There a downright surprisingly beautiful and instructive picture offered itself to us, which has since aroused the general admiration of zoologists. In our Figure 18 we have represented two such sagittally sawed-through skulls, the one, smaller from the common brown bear (Ursus arctos L.) recent from Russia, the other from the just mentioned find in the Drachenloch. Although these pieces lie thousands of years apart in time, we see no difference in the preservation even of the smallest structural parts; indeed it seems as if the details of the same emerge even much more clearly and distinctly in the cave bear skull. It is a magnificent piece for a more precise brain-anatomical investigation of Ursus spelaeus. The entire mighty olfactory apparatus of this animal confronts us in wonderful state of preservation. Our amazement is aroused especially by the nasal turbinates (Conchae), whose structure is still recognizable down to the finest details. -– Better than in long descriptions we understand there that the cave bear, like incidentally its relative, the common bear, was a pronounced “nose animal”, equipped with the finest sense of smell (“scent”). -– A comparison of the two species with regard to cerebrum and cerebellum extent and shape can perhaps provide us with further clues about their psychological nature.
As in the artificially stacked bone deposits of Ursus spelaeus, so also at the other find sites the fact emerges that in overwhelming numbers consistently only partial pieces of bear skeletons occur. Thus it quite gives the appearance that, as in other bear caves where man dragged in the prey, he also here seldom carried the entire bear prey up to the highly situated cave, but dismembered it at the capture site or at a deeper-lying secure place and only brought selected pieces into his rock dwelling.
Attention must be drawn to a special circumstance at this point. Very many bear caves, especially the Württemberg ones, possess an outstanding characteristic in the occurrence of very many pathological skeletal parts of the cave bear. They are interpreted as a consequence of cave moisture, which produced the familiar “cave gout” in the cave animals and thus the pathological formation of bones (arthritis deformans, exostoses, etc.). In the Wildkirchli we have found only very few pieces of evidence of such bone diseases and malformations as a result of “cave gout” (about 10 pieces among the enormous bone material). Among the even richer bone treasures of the Drachenloch, we have been able to establish to date a single pathological bone (metacarpal bone).
2. Ursus arctos subfossilis Midd.
The zoologist Goldfuss (1821) separated from Ursus spelaeus (cave bear) a form that he named Ursus priscus G. Cuv. because of the formation of the dentition and skull and the presence of a gap tooth behind the canine. Owen then first drew attention to the relationship of this Ursus priscus with the common brown bear (Ursus arctos L.), and Middendorf declared Ursus priscus to be identical with Ursus arctos and named it Ursus arctos subfossilis, to distinguish it from Ursus arctos fossilis, which was found in the uppermost layers of bear caves in some places.96
The Swabian nature and cave researchers Oskar and Eberhard Fraas97 also list this special species Ursus arctos subfossilis, distinct from the cave bear, from the bear caves they researched: Hohlenstein, Hohlenfels, Beilsteinhöhle, Sibyllenhöhle, etc. G. Hagmann98 mentions the same for Vöklinshofen in Alsace, naming as the main characteristic compared to the cave bear the low height of the lower jaw branch.
Having learned in the lower and middle layers (V-III) of the Drachenloch the great formal diversity and the most various frontal gradations of the cave bear and thereby obtained a charming and changing picture of its form, it was surprising to encounter in the uppermost parts of layer III and in the entire layer II a bear form that reminded one quite of that of the common bear (Ursus arctos L.). At first moment one could have easily confused it with the latter. Precise investigation has now shown that it is a matter here of the species mentioned at the beginning: Ursus arctos subfossilis Midd., thus not a juvenile form of the cave bear or even a dwarf form of the same. The find of a complete skull belonging to an adult individual (with worn-down molars!) (skull length = 34.5, width = 18.7, height (without lower jaw) = 13.2 cm), which we reproduce in Figure 19, assigns it to this special bear species. -– The find circumstances also prove that Ursus arctos subfossilis must have lived in find layer III still simultaneously with the cave bear, but that after Ursus spelaeus had already become extinct, Ursus arctos subfossilis dominated the entire layer II, then likewise disappeared before the deposition of the uppermost layer (I).
With other researchers I hold that Ursus spelaeus represents its own species, which however is not the ancestor of Ursus arctos subfossilis in the descent line, but that the latter must be regarded as direct predecessor and ancestor of the common brown bear (Ursus arctos). -– About the cause of the extinction of the cave bear, the files are notoriously not closed. Some authors, like Soergel,99 assume that the cave bear became extinct solely and only as a result of too high specialization and maximum development of the species, while Steinmann100 attributes the disappearance of this animal rather to a reduction and deterioration of the living area and an increasing reduction of living conditions and additionally makes man and his hunt for these animals liable for the decline and extinction of the larger post-ice age mammals. Based on my experiences in the Wildkirchli and in the Drachenloch, I side with Steinmann. A mass deposit of hunting animals captured only by man, as precisely in the Drachenloch, points with all clarity to an incisive intervention of man in the living animal world, a violent reduction of the same through human hunting. And this already at a time when man still possessed the most primitive weapons and even only the hunting method of wildlife traps.
The complete absence of remains of the common or brown bear (Ursus arctos fossilis) in the Drachenloch coincides with the results in the Wildkirchli. This animal probably did not yet live during the time of formation of layers V-II in the Drachenloch or at least certainly did not come into this cave. But also from even later times and those of actual human history, no evidence for the common bear has become known to us from either the Wildkirchli or the Drachenloch.
3. The Common Wolf (Canis lupus L.).
Of this predator species, a single smaller jaw fragment has appeared so far, which however, securely recognizable, corresponds to the wolf. Alongside this several vertebrae and extremity bones as well as individual hand and foot bones. The finds lay in layers III and IV.
4. The Common Fox (Canis vulpes L.).
Here too only several lower jaw fragments from adult animals, likewise provided with teeth. Located in layer III.
5. Chamois (Antilope rupicapra L.).
Of this ruminant, already found in the Wildkirchli before our excavations there and living high in both areas today, we possess from the Drachenloch a whole number of bone remains of various kinds [lower jaws, pieces of upper jaws, extremity bones: thigh bone (femur), shin bone (tibia), ulna (ulna), radius (radius), upper arm bone (humerus), vertebrae, hand and foot bones, ribs, etc.]. Besides the cave bear and its relative, Ursus arctos subfossilis, the chamois is the most frequently occurring mammal in the Drachenloch. The complete absence of entire skeletons and coherent parts likewise indicates that the mountain antelope was already then also a hunting animal of man. Present in layers V-II.
6. Ibex (Capra ibex L.).
Its occurrence in the Drachenloch has hardly surprised us, after it was already known in undoubted remains also from the Wildkirchli. These are, however, much sparser in the Drachenloch; nevertheless we possess well-preserved jaw pieces, vertebrae (epistropheus) and extremity bones, likewise in disconnected finds from layers V-II. The proud-horned animal must therefore have disappeared from the area long ago, despite the fact that it was created for dwelling in it, as the experiences with the ibex settled today not far from the Drachenloch in the Graue Hörner clearly prove. Finds of horn sheaths were not made in the cave; probably these would not have been able to preserve themselves in consideration of the age of this find station.
7. Pine Marten (Mustela martes L.).
A magnificent, complete skull with the two lower jaws from layer II, as well as individual extremity bones. The undoubted occurrence of this small predator has particularly pleased us because its current altitudinal distribution in the Swiss mountains is given only up to 1800 m.
8. Ermine (Mustela = Ictis = Putorius erminea) = Large Weasel.
Present in a single complete jaw (right lower jaw) and few extremity bones, and indeed in layer II, thus like the pine marten relatively young and superficial. Both predators certainly came into the cave without human intervention. Given the known altitudinal distribution up to 3000 m that the ermine is able to maintain, its occurrence here above is well understandable.
9. Marmot (Arctomys marmotta L.).
Found only in some few isolated incisors and in a broken left lower jaw. Skeletal bones that are still undetermined probably also belong to this. In layers IV, III and II.
10. Mountain Hare (Lepus timidus L. = variabilis Pall.).
Also of this rodent several incisors and jaw pieces, as well as body bones. Found lying in layers III and II.
11. Snow Vole (Arvicola nivalis L.).
Here are present entire series of finest little bones from formerly completely deposited skeletons including little skulls. Very interesting is the occurrence of this rodent species not only perhaps in the uppermost and second uppermost layer, but even down into the fourth. The snow vole is accordingly a very old and constant inhabitant of the Drachenloch, who very probably survived the ice ages up here in isolation (summit fauna of the glacial period?), without being forced to migrate during the high glaciations into the deeper-lying, unglaciated areas.101
A whole multitude of small rodent bones from the Drachenloch still awaits expert determination. However, I hardly believe that it will be a matter of another species of vole than the snow vole.
12. Alpine Chough (Pyrrhocorax alpinus L.) and 13. Alpine Accentor (Accentor alpinus L.).
In a multitude of small and smallest little bones, these two bird species are represented in the Drachenloch and indeed from the surface down into the upper parts of layer IV.
If we survey the animal list given here from the prehistoric horizons of the Drachenloch, we obtain the exact image of a typical alpine fauna, as was to be expected given the so extraordinary altitude of the find site. In the number of species it stands approximately equal to that of the Wildkirchli. With the exception of the two bear species, the wolf and the ibex, the animal world of the Drachenloch consists of the same species as today’s alpine fauna. This naturally does not speak for a younger age of this highest-situated prehistoric find site.
Since we are at the uppermost limits of the altitudinal distribution of the animal world in general, it is evident that the otherwise so important huge ungulates and pachyderms for age determinations of prehistoric stations: mammoths (Elephas meridionalis, E. antiquus, E. primigenius), rhinoceroses (Rhinozeros antiquitatis and Rh. Merckii), hippos (Hippopotamus spez.), then also the horses (Equidae), the cattle (Bovidae), indeed even the reindeer and the large deer (giant deer and elk) are completely absent here above. This is because the distribution area of these animals was bound at all times to deeper-lying regions.
In the Wildkirchli, to the great surprise of researchers, evidence for the presence of the cave lion and the cave panther has also been irrefutably provided, whose remains as rarest finds of these species still arouse amazement in the Regional Museum St. Gallen today. I have pointed out on a previous occasion that these two large cats, which indeed are also able to endure colder temperatures, simply followed their prey animals into the Wildkirchli as predators and that therefore their occurrence up to heights of 1500-1600 m above sea level is still completely comprehensible. -– That the mentioned two felids were able to climb the heights of the Drachenloch or even just the Gelbberg (up to 2100 m), we held from the outset to be impossible. In fact, any traces of their presence in the Drachenloch are also lacking.
Even if we assume the tree line for the prehistoric time of the Drachenloch to be substantially higher, the prehistoric fauna of the same always remains an alpine forest fauna, in which the absence of a large number of animal species is the faithful image of the natural species poverty in the high mountains, even if the climatic conditions had been much more favorable than today.
As in the Wildkirchli, so in the Drachenloch animal world the pronounced cave bear period (“l’époque de l’ours de caverne” according to Lartet) confronts us in its full development. True, cave finds never present the entire animal world (fauna) that at any times had settled the surroundings of a cave, since some animals came into it neither as hunting prey of man nor as inhabitants. What we know today from the Drachenloch, however, indicates that at the time of its settlement by man, an animal world rich in individuals dwelt in the area. In this alpine fauna, the cave bear and its younger relative, the predecessor of the common brown bear, maintained dominion. Precisely for this reason they also became the most sought hunting game of prehistoric man, in whose capture and killing he showed great skill. Only thus can we explain the mass finds that were made up here.
X. The Prehistoric Finds in the Drachenloch as Evidence for the Cave’s Habitation by Paleolithic Man.
In various sections of this work on the Drachenloch, indications have been made that this cave and its surroundings have entered the ranks of the oldest prehistoric settlements of Switzerland. Considering prehistoric conditions, indeed even those that existed in the alpine animal world just a few centuries ago in the area of the Drachenloch, it was comprehensible to representatives of zoological science that even this so highly situated cave, already because of its access and the easy passability for animals, especially cave-loving species, could have been a suitable refuge even before the appearance of historical man in the Calfeisentale. Although the cave had been known for a long time, no one seriously thought of approaching its systematic exploration with scientific curiosity. Only the intuitive manner in which teacher Theophil Nigg in Vättis came to discover the cave bear bones gave the impetus to the investigations whose results today, after 4 years, harbor such unimagined consequences for Swiss and general prehistory.
If the proof that Paleolithic man had taken possession of the alpine territory of our fatherland in the Wildkirchli long before the settlement of Kesslerloch and Schweizersbild during an interglacial period was already a complete new discovery for this field, then the fact of simultaneous habitation of even much higher and more remote areas situated in alpine solitude had to call for an even greater transformation of our previous concepts about the very oldest settlements of our country. -– Fundamentally considered and viewed in the light of the facts, however, the discovery of the Drachenloch represents only a leap-like expansion of the results from the Wildkirchli. Just as with the earlier concepts about former mountain movements, so too in prehistory we must begin to reckon with greater distances and movements. The Drachenloch will provide the impetus for greater attention to be paid to our alpine caves in the future, since it is now proven that the primitive wild hunter did not shrink from any distances in the mountains either, when nature provided him with the conditions for life.
It may be said here with all frankness that the author of this work, as leader of the excavations, approached the interpretation of the find facts in the Drachenloch with the same caution demanded by science as was practiced in the Wildkirchli research. For the reasons already cited, the thought that soon imposed itself more and more after the beginning of the work, of possibly still encountering the indubitable legacy of cave man under certain circumstances, was suppressed, despite the fact that it is an empirical fact that the cave bear, where it appears as a find in caves, often provides a kind of guidance for the discovery of human traces. -– Against all negative presuppositions, specific “precautions” and “caution postulates” that were also recorded in our diaries, the evidence for a human settlement of this area contemporaneous with the cave bear became ever stronger and more compelling. We finally had to submit to recognizing the facts.
It is now our task to mention in the following the finds and find circumstances that constitute the proof for the prehistoric settlement of the Drachenloch. In this case, it is not a matter today of the detailed descriptions of the find objects of a scientific nature that belong to the special publication, but solely of a shorter presentation of the general findings within the framework of general comprehensibility.
Evidence for the Prehistoric Settlement of the Drachenloch.
We have already named individual pieces of evidence in the section on the find layers and the paleontological finds.
1. Nature of the Animal Finds.
All bone finds of larger mammals, especially of bears in the prehistoric layers II—V, belong to the youngest, younger, and those up to just mature and reproductively capable age stages of these animals. Their presence points with certainty to the presence of the diluvial hunter, who carried the animals as hunting prey, but in part also only selected pieces of them, into his cave. -– A natural death of such younger bear animals through a continuous two-meter thick find profile could not be proven by any arguments. -– Old individuals that had fled here for their final sleep are completely absent in the Drachenloch. We stand here before the same phenomenon as presented by all those caves in which prehistoric man has been proven through his own legacy (tools, ornaments, etc.).
2. Distribution of the Bone Finds.
The distribution of the bone finds is such that it can only be explained by human intention and arrangement. If only animals had inhabited the cave, then remains of their food or also bones of their prey animals would have to be present here in much greater numbers and especially would have to be found on the same traces of tooth activity. Such bones would under all circumstances also have to fill the largest cave space I, since it offered the bear enough room for the dismemberment of his prey. As we know, this cave space was almost devoid of finds, while in contrast a striking concentration of bones prevailed in the two following, inner caves II and III, which can only and solely be explained by the fact that these were the most favorable places for human habitation in the entire cave system, i.e., the safest and most conducive to health.
3. Mass Accumulations and Intentional Storage of Cave Bear Bones
In cave parts II and III, and almost exclusively along the cave rock walls, while the middle passage in cave II contained only splinter material, very many foot and hand carpal bones. The most certain proof for intentional accumulation resulted, however, from the fact that along the cave walls at a distance of 40—60 cm from them, actual stone walls up to 80 cm high were built up. These consisted of Seewer limestone slabs from the cave itself and were laid almost completely horizontally on top of each other for the purpose of rough masonry construction. Even our workers immediately recognized the intentional construction of these little walls, which was as primitive as that of the oldest stone slab alpine huts on Alp Gelbberg and in the Tersoltale. Any thought of a ceiling collapse in cave II, whose individual slabs would have come into this horizontal position, was out of the question in view of the absence at the cave ceiling of any break corresponding to the collapse (negative). The explanation of the whole thing became complete, however, when each time in the space between the artificial wall and the cave rock wall there were proper stores of skeletal parts of the cave bear, which likewise showed the image of the intentionally gathered and stacked. But where such stone walls were missing, the bone accumulations also remained absent.
If one examined the material present in the “magazines” more closely, a very peculiar sight presented itself. There were for the most part skulls of the cave bear, partly complete, partly shattered and provided with holes, often 3—4 and even more pieces on top of and next to each other, even in the same orientation of skull position. As a continuation of these skulls, particularly the completely preserved ones, the two first cervical vertebrae (atlas and epistropheus) belonging to the same head pieces could usually be found, while the remaining cervical, thoracic, and lumbar vertebrae were practically never present as a whole, not even in the neighboring profile parts.102
Associated with these skulls were found mainly large limb bones (femur, tibia, humerus, ulna, and radius), whereby it was shown that very rarely did even two or three belong to the same skeleton, but rather different ages and sexes were represented. Such a mixing of the most diverse components would never have been possible even through the strongest rooting around among bones by animals (younger and older bears). The great number of these limb long bones is complete, yet there were also such, quite particularly humeri,103 that were demonstrably broken by human hand. Skulls or long bones struck by falling ceiling rock, as well as bones deformed or compressed by layer pressure, were found nowhere, whereas there is a bear skull whose entire upper half up to the rearmost part of the bone ridge (crista) is completely removed. Since no fragments could be found far and wide, it can only have been man who performed this “decapitation” of the bear in a horizontal direction. No less probative are skulls that possess lateral impacts that are of very old origin. Likewise, we have two skulls with a smaller hole each on the left and right on the forehead. These are all skulls that had not suffered under stone pressure. The form of the perforation points to an angular striking instrument as the cause.
Absolutely valid proofs for the remarkable bone accumulation by man were brought by the find conditions at the entrance to the third cave and in the front part of it. Instead of the bone stores along the cave walls, a kind of stone cists surprised here, rectangular masonry made of rough, flat stone slabs that originated from the weathering debris of the cave, built up, more or less closed on all sides and covered with a large cover slab. About six such stone cists were found in total. Whenever a flat-lying larger stone slab came to light in the excavation profile, one could be sure that one was dealing with an intentional construction. The actual surprise followed only when two of our strong men lifted the mentioned slab. There lay in the stone cists, mostly well oriented, skulls of cave bears on top of each other and beside them a number of large limb bones, exactly the same as in cave II behind the stone walls. Here too always again unrelated skeletal parts, whose position could never be explained without human intervention. These were the purest osteological museums: sometimes 2—3, sometimes 5 and more skulls, along with other limb bones. All pieces in the most wonderful preservation (cf. the two illustrations of Ursus spelaeus skulls that originate from one of these bone magazines). From one of them a cave bear skull was removed through whose left zygomatic arch (opening between skull and zygomatic arch) a large femur was drawn, which could only be freed from its position when it was rotated a good quarter around its longitudinal axis. We repeated the experiment dozens of times after lifting this treasure with always the same result. Only man could have done this! Even if one wanted to acknowledge not a single one of the facts listed so far for prehistoric man in the Drachenloch: this one just mentioned is accessible to no other interpretation than the single one that speaks for man, who could achieve such a position of the femur through the zygomatic arch opening. All other bones given to this skull in addition belong entirely to different individuals.104 Characteristic for all skull magazines is that always some large long bones, intact and broken at the ends, are added.
There is no doubt whatsoever that we are dealing here with an intentional storage of hunting trophies by prehistoric man, which belongs entirely within the framework of primitive hunting and sacrificial cult, as we encounter it in prehistoric periods, indeed even still among today’s primitive natural peoples105 who engage in hunting.
This assumption is justified above all by the intentional framing through the altar-like stone construction with cover slab conclusion, the selection of the most important skeletal parts, skulls and the largest limb bones, while the less conspicuous bones, which otherwise play such a dominating role in the remains of the cave bear in other layer parts, are practically almost absent. It is also significant that on such cult sites always the largest, most beautiful skulls and limb bones occur, thus the most valuable of the entire hunting prey. This corresponds to a kind of primitive sacrificial cult, where the most valuable object was still the sacrificial object (no substitutive or symbolic sacrifice, no sacrificial meal). “Cult,” says Schürtz in his Prehistory of Culture, we call all attempts to influence the gods and spirits through specific actions; they should establish the equilibrium of the mind and create a confident mood in man.106
Should we think of the Drachenloch hunter that he pursued the accumulation of his hunting prey bones without sense and purpose? How much simpler it would have been to throw them out of the cave and thus keep the space for himself! -– Without going into the further significance of these cult sites here -– the matter of a more thorough treatment -— it can be said that in the Drachenloch for the first time proof can be provided for such an oldest cultural site of primitive cult of man and thus also the fact is secured of the already awakened higher soul life of man, which already belongs to the realm of spiritual culture.
The comparison of bone storage in the two cave parts II and III, i.e., the presence of certain differences in arrangement, makes the assumption of the cave’s habitation by different and temporally separated (i.e., earlier and later) hunting hordes appear justified. Both, however, knew the hunting trophy cult; in cave III (later settled) it points to higher development.
4. Prehistoric Coal Hearths.
The presence of fireplaces, remains of burned wood, ash, burned earth and stones forms, insofar as they occur in undisturbed find layers with representatives of an old animal world, with human tools made of stone, bone, etc., generally with prehistoric remains, always one of the surest proofs for the former presence of man. Since the oldest prehistoric times, fire has played the role of “man’s most faithful companion and only man’s companion.” “The history of artificially produced and tended fire is that of human culture. Fire was hunting assistant, field hand (in clearing and fertilizing new land) and kitchen slave; it served for hardening and hollowing wood and for overcoming metals, as well as for cremation. Above all, however, fire warms the stiffened or tired limbs; it illuminates the night of the cave and the forest; it scares away hostile beasts from the resting places in the thicket.” (M. Hoernes, “Natural and Prehistoric History of Man”, Vol. II, p. 4: Fire). No wonder that fire already enjoyed high veneration in prehistoric mankind as well as in historical periods (sacred fires, eternal fires, etc.), like no other achievement of human discovery.
One can empathize with the surprise and joy that befell us one day (on August 20, 1917) when we suddenly encountered in one of the cross profiles under the entrance from the first to the second cave of the Drachenloch at the bottom of layer IV (1.5 m depth) a typical fire layer of coal-black color, which consisted of ash and totally burned wood remains. It possessed an extension of 1.4 m in the width of the cross profile, a length (along the cave axis) of 85—95 cm and was spread out in beautiful horizontal position. The extremely carefully conducted removal and examination of this coal layer revealed that it rested in thoroughly undisturbed position in relation to the other find layers, thus on a primary basis and belonged to the fourth layer with the typical remains of the cave bear. All doubts were excluded that it might be a subsequently dug-in, perhaps still reaching into historical time wood firing. It lay there like a kind of mighty black cake with arched center, in a thickness of 12—15 cm dimension, which everywhere flattened toward its outer edges, and each time narrowed to 2—3 cm and finally wedged out completely. A quantity of smaller bones (from hand and foot carpals, metacarpal and metatarsal joints) and splintered long bones lay in the middle of the coal hearth and were, like a large number of smaller rock fragments (Seewer limestones), partly completely burned, partly only superficially roasted. The earth lying under the hearth fire also showed typical fire and drying traces, indeed it had become literally red and powdery like the dusty ash of the actual fire layer through the heat prevailing over it. Given the rather strong extension of this coal hearth (open fire!), one can designate it as a fireplace layer or fire layer. The exact examination of the charcoal remains, some still very well preserved and showing the wood structure perfectly, revealed that they are those of mountain pines. Naturally, traces of this fire layer that had been scattered from the hearth could be found everywhere nearby in the red-brown layer. If one could establish a so-called open fire hearth in this undoubtedly artificial deposit, the excavations under the entrance portal from cave II to cave III yielded an even more convincing factual picture. There, likewise in layer IV, which again showed no signs whatsoever of layer disturbances, a proper fire pit came to light. It was completely framed by a double layer of Seewer limestone pieces, and over it spread an approximately ½ m² large, flat cover slab. The lateral stones were partly burned, the cover slab strongly blackened on the lower side. Within the fire pit, at its bottom, lay a pile of typical ash, charcoal remains with mountain pine structure in small chunks, burned bones, especially the bone joints of “cave bear paws” (!).
These were so far the two largest hearth fireplaces; other smaller installations of this kind showed themselves at several places, under circumstances they are also displaced remains of the two main fires. -– Quite striking is their position each time under the entrances. Very probably this was connected with the smoke exhaust conditions, since the smoke from the narrow cave passages drew up more rapidly into the cave chimneys (shafts) and from there flowed out along the ceiling to the outside. Experiments with our now and then also “sooting” acetylene machine revealed that the smoke always withdrew from the two inner cave parts to the outside in a short time. If the first large cave did not allow a coal hearth to be discovered, this is explicable because it contains much moisture during the rainy season, whereas in the inner parts relative dryness prevailed and the fire could be much better “tended.” For the constant maintenance of the glowing fire was a highly important matter and a constant concern for the prehistoric hunter and cave man.
It is now hardly surprising if we also mention the fact that hard next to and somewhat under the mentioned fire pit was located the likewise already mentioned bone altar on which lay the cave bear skull with the femur drawn through its zygomatic arch opening. Without doubt these two things are most closely connected with each other, since they also belong to the same find layer: the fire pit to the left, the sacrificial site to the right! (Fig. 15).
5. Finds of Used Bones and Bone Tools.
Among the evidence for the presence of a prehistoric settlement, the tools of man (made of stone, bone, wood, metals) brought to light at the find site have always played the decisive role in prehistoric research. Their shaping, particularly that of stone tools, has led, alongside other finds and find facts (also of the fauna accompanying them), to the foundation of chronological systems, of prehistoric time periods, of which we named at least those of the Paleolithic in the first section. -– While it is true that only a plurality of human tool finds in typical form-giving provides the justification for building a typology of prehistoric industrial documents and this in turn provides essential services for a kind of cultural stage determination according to the succession of find layers, it should not be overlooked that in the classification of tools we are dealing rather with a technical system that represents only a part of the cultural picture of a prehistoric time period or various periods. Today’s systems also still possess gaping gaps that require filling. Every schematization, however, is harmful to the progress of the still young prehistoric science. Every prehistoric individual research represents a complex of conditions107 in which geological-petrographic, geographical-ethnographic, anatomical-anthropological, zoological-botanical-paleontological, meteorological-climatic questions await answering. -– From this recognition we have to view precisely the research results from the Wildkirchli and to an even greater extent those of the Drachenloch, since they cannot be subordinated to today’s conventional systems with absolute agreement.
Already at the beginning of the excavations in the Drachenloch, a fact presented itself to us that was very reminiscent of the Wildkirchli, namely those places in the layers where non-local, i.e., cave-foreign rocks (quartzites) were found as certainly determined tools (scrapers, gravers, points) of the primitive hunter. In company with these typical stone tools, which were always bound to important work places of prehistoric man, there always lay masses of broken bones whose fracture edges, despite their prehistoric age, had still remained completely sharp-edged. The destruction of these bones, which for the most part belonged to the strongest limb bones, was the work of man. -– Now, however, next to these sharp-edged bone pieces, individual and in small numbers, bone fragments with completely rounded fracture edges were also found. Shape and rounding indicated indisputably as the most primitive bone tools, as they had been recognized from the Wildkirchli man. When assembling the individual forms, important series of types resulted, whose hand-suitability and usability can only be attributed to man.108 Above all, the polish peculiar to them can only have arisen through use.
Admittedly, these artificial bone pieces and the bone tools checked for their serviceability, which have since found their authentication as such also through comparison with the simplest bone instruments of today’s natural peoples, stand at the most primitive level of bone technology.109 The bone instruments recognized everywhere in the Paleolithic stage of the Aurignacian already possess a high degree of perfection (pointe à base fendue); the partly already artfully worked points, needles, etc. of the Solutrean are significantly more advanced, but especially the highly developed bone instrumentarium of the Magdalenian. In the Wildkirchli we stand at the lowest boundary of the first use of bone as a tool, where it is often difficult to distinguish sharply the forms of creating nature from those intentionally (intentionally) wanted by man. A simple consideration, however, leads us to the certain conclusion that the bone tool could never have first appeared in the form, for example, as in the Aurignacian, which stage has always been considered the lowest and first horizon for typical bone tools until now. Naturally there had to be even more primitive forms that are the precursors of both well-formed stone and bone tools.
If one takes all these facts into consideration and compares the finds testifying to man in the Drachenloch so far, it will hardly be surprising if, given the great agreement with the prehistoric site of the Wildkirchli, the intentional use of bone by man could also be proven beyond doubt in the Drachenloch, and indeed in a series of forms that completely agrees with that in the Wildkirchli (Wildkirchli type). Here too it is a matter of the simplest kind of use of bone, which however is the faithful image of the work activity then necessary for man, namely the skinning of hunting animals (bears), the preparation and smoothing of animal hides that served man as clothing, underlayment and cover on the sleeping place.
Without losing ourselves in details, which again remain reserved for monographic description, the most important types of bone instruments shall be briefly presented here and displayed in figures 20—25. From the significant find material we select:
a) Rounded, worn and polished bone fragments,
particularly of larger long bones, which could serve partly as hide removers, partly as hide smoothers (Fig. 20). It is striking that with these pieces, of which over 80 are present, the spongy part of the inner bone wall is usually still perfectly sharp, while only the bone fracture edges show typical wear through use. Only in Fig. 1 on this plate do we see a totally rounded piece in which the substantia spongiosa is also leveled, or has almost disappeared through much use of the instrument or through intentional removal. Numerous bone fragments show only the beginnings of use, still others, which were found associated with completely rounded ones, are in the stage of the instrument prepared for use.
b) Fragments of fibulae of the cave bear.
In completely consistent manner with the bone tool types of the Wildkirchli, a very striking quantity of fibula fragments was found in the Drachenloch, which, if they were all merely natural pieces, would in no way correspond in their number to the other skeletal bones, e.g., the tibia closest to the fibula. It is significant that the number of completely preserved fibulae uncovered in all excavation profiles is extremely limited, since the ratio to the broken fibulae is not too high at 1:10. The fibula (along with ribs and some other bones) is now the most easily breakable bone on the bear skeleton. By means of a simple precaution it can be artificially broken through the middle so that the fracture surfaces on both sides form an oblique plane, and the partial pieces form regular blunt points at the fracture ends. This is the “flute beak fracture” on thin bones, as surgery also knows it in the broken human fibula. As is well known, the fibula possesses two thick-knobbed joint ends (epiphyses) which, when the bone is broken into two parts, are distinguished by their great hand-suitability. If one takes the knobbed end in the hand, one or the other partial piece of the fibula proves to be a very useful instrument. No wonder that the primitive wild hunter already knew and used it, since we know that there are still hunting tribes today that use it for removing the hide from hunting prey animals, so as not to injure skin and hair, which are used as a whole for clothing the human body.
We may regard these fibula pieces all the more unhesitatingly as hide removers, generally as tools, since the certain signs of wear are found on their fracture surfaces, which is often so far advanced that the fracture surface looks completely polished and shiny, which never occurs with natural fractures. With many pieces one has the impression that the fracture surface, initially still angular and rough after the fracture, was leveled and scraped by means of a stone instrument to make the bone instrument as smooth as possible at the working surface.
If one compares these hide removers made from fibula fragments with the same instruments from the Wildkirchli, complete agreement results regarding their size, the shape of the fracture, the wear surface and the angle that it forms with the shaft of the bone (32—36° = “working angle”).110 At both find sites, moreover, the proximal joint end with a part of the bone shaft was used as a tool, since this possesses the more suitable handle. Figure 21 shows such bone instruments, while the following plate 22 reproduces a number of fibula fragments that were probably already intentionally broken but remained unused, which can be proven by the still sharp fracture edges and surfaces.
The most certain information about the relationship of the used to the still unused fibula fragments is given to us especially by the find circumstances of both. It has been established with surprising certainty that both types appear stored together. Among other things, at one and the same find site, over a larger stone slab near the southern cave rock wall in the second section, 31 pieces of such broken fibulae were found, partly with rounded, worn fracture surface, partly but also with fracture edges that had remained sharp. The most convincing thing was their position in the same orientation next to and on top of each other, whereby the same (proximal) joint end was directed toward one side, the fracture ends toward the opposite side. But the end complementing the fragments was nowhere present at the site. A more unambiguous proof for intentional arrangement possible only through man can hardly be provided, for how could such an orientation of many similar bone pieces be conceived, say through the assistance of the bear or other animals? -– We always encountered such accumulations of fibulae again, whose appearance in this manner could not be explained by any natural influence.
c) Bone fragments in typical point form.
United with the edge-rounded bone fragments and the fibula fragments, among the large number of broken bones there were also bone splinters whose intentional pointing and subsequent use can be proven beyond doubt, particularly through the wear and polish on the bone edges and at the point. Our figure 23 shows us a series of such bone points. Among them are also lamellar splitterings of canine teeth of the cave bear, whose wear can be quickly recognized (Fig. 2 in the lower row). By no means are these tooth splinters natural fragments or are the leveled tooth surfaces the known flat wear facets that are frequently found on canine teeth of the cave bear, where the enamel substance is worn away by the mutual friction of the two canine teeth in the upper and lower jaw. These grinding surfaces very often simulate artificial grinding, as one also finds on tooth points.
A splendid piece of evidence for human work that withstands the strictest criticism is the bone splinter shown in our figure 23 in the middle of the upper row. This is ground three times on the left edge toward the top. Upon exact examination with a sharp magnifying glass, one clearly perceives the parallel fine scratches created by work (friction) on the object.
Naturally there are among the bone points a number of such that only show traces of work begun with them. With many splinters it cannot be decided whether nature or man has been active in their shaping. Decisive are always only the working surfaces.
If we have dealt with the bone fragments named under a—c with undoubtedly used bones (Os utilisés) and bone tools, then mention shall be made below of a number of bone finds that one must unhesitatingly count among the objects touched by human hand. These are:
d) Hip joint sockets,
Hip joint sockets whose connections with the hip bone (os coxae), namely the processes to the ilium (os ilium), ischium (os ischii) and pubis (os pubis) are missing, i.e., have been knocked off. It is well known to the practical cave researcher that the hip bone of very young cave bears immediately disintegrates into its above-named individual parts when removed from the ground debris, but that hip bones of 1—3 year old and even older animals of this type also break very easily under the pressure of the earth layers and rock blocks lying over them or through human treading. Therefore it is usually difficult to obtain completely preserved hip bones for the assembly of a whole skeleton. They must always be united from the fragments present on site to form the whole bone.
Among the hip bones of the cave bear found in the Drachenloch, only four pieces were completely preserved. All others, however, even those of adult individuals, were smashed, but always in such a way that the hip joint sockets remained intact, while the processes are only present in stump form, so that the socket (the acetabulum) can be grasped on two of the processes with both hands. We had already found a sufficient explanation for this phenomenon in the Wildkirchli. In the Drachenloch it came to light even more convincingly, since there were proper accumulations of such hip joint sockets, mostly in isolated position. And indeed likewise at those places where the already described “bone magazines” were located.
Of over 200 such joint socket pieces, there are a number whose upper rim of the socket shows visible traces of shorter or longer wear through rubbing, often to the complete flattening of the socket rim. The position of the named objects in the find profiles, which here again speaks a decisive word for explanation, has proven in all cases that no natural influence (weathering or chemical decomposition of the socket rim, friction through overlying stones, etc.) could have caused this condition (see figure 24).
Dr. med. L. Pfeiffer in Weimar,111 who has occupied himself for years with the study of stone and bone tools, accompanied by practical experiments on their manufacture and use, calls such hip joint sockets of the most diverse wild animals that have come to light in other prehistoric sites bell scrapers. He counts them without further ado among the human bone tools, since their circular cup rim is flattened as a result of use. After comparison with the same tools among primitive natural peoples, they could have served as hide scrapers like among Indian and Eskimo tribes. Often one also finds them as drinking cups, blood bowls and lamp (oil) bowls, for which purposes they were excellently suited. -– As with primitive stone and bone tools, individual finds may only exceptionally be regarded as full proof, so here too only a large number of similar objects decides in favor of their intentional use by human hand. Of powerful evidential force in the Drachenloch, however, are the accumulations of 25—30 pieces of such joint sockets at one and the same place, apart from the processes of the same and from the femurs that belonged to them.
e) Broken bear lower jaws.
Alongside the super-abundant quantity of completely preserved bear mandibular halves (over 300 pieces), which partly also came to light in heaps, we encountered a number of mandibles broken almost in the middle, in which the entire rear part with the joint processes was missing, while only the front part with the often splintered canine tooth was present. Often this was also missing, as well as a part or all molars. Since not a single one of the jaw fragments was demonstrably lying under fallen cover slabs, where the associated part would have had to be located, but the jaw itself is a very hard bone that does not break easily, especially in the fresh state, only the explanation also given by Dr. L. Pfeiffer can be applied, that these jaws were broken in the hand of man. Bite marks from larger predators are completely absent on these jaw pieces. Whether they were used as striking weapons or as chopping instruments can naturally no longer be determined today. It is peculiar how some mandibles have the fracture site far forward toward the canine tooth, peculiar also how never two related, i.e., stemming from the same mandible pieces (left and right) have been found. -– In figure 25 some of these jaw fragments (including also the old, introduced jaw) are presented.
f) Skull bone pieces of younger bears.
The same phenomenon as in the Wildkirchli surprised us also in the Drachenloch. Here as there, mostly in accumulative position but always isolated, individual skull pieces of cave bears were found that did not yet possess complete fusion of the bone edges with the other skull bones. They therefore always belonged to young individuals. Their exact comparison has shown that of the several hundred pieces almost throughout only the parietal bones (os parietale) are present and of these not two pieces belong together, thus originate from entirely different skulls. Their intentional storage stands beyond doubt according to the find circumstances. These bone shells were also partly literally “nest-like” together and laid on top of each other. Very striking is the partly shiny, worn-looking convex outer surface of the skull shells, but especially in individual pieces the visible rounding of the shell edges. One gains the impression that these bone shells must have been much in human hands (drinking bowls? blood bowls?).
A main characteristic of all the finds of rounded and used by man bone fragments and other bone parts listed here is their position in direct proximity to the bone hearths, the mass accumulations of bones (skulls, etc.). In very many cases it could also be established that these used bones were located hard on the surface of larger stone slabs and on stone benches along the cave walls, only very rarely in the midst of earthy layer parts.
A natural rolling (rounding, grinding) alongside the sharp-edged old bone fragments occurring in the cave to 99% has been completely excluded in the Drachenloch at all times due to the lack of any considerable water flow. It would also be thoroughly inexplicable how only relatively so few broken bone pieces would have experienced rounding, while the majority of all other fragments even from the oldest find layers of the Drachenloch have retained their sharp edges. The circumstance that angular and rounded pieces lie together in the same layers also deserves special attention. Equally important is the fact that the front large cave (I), which is still water-bearing in the ground debris today, contains no rounded bone fragments, but only sharp-edged ones.
6. Finds of Stone Tools.
The proof of the presence of stone tools in the cave of Wildkirchli formed the final and most unassailable evidence for its former habitation by prehistoric man. All the more so since it turned out that the rock material from which the tools were created was not of the same nature as the standing cave rock (Schrattenkalk) or like any other stage of the Säntis-Cretaceous limestone. The raw stones for the tools therefore do not originate from the cave, they are all of “non-local” nature and were carried up into the cave by man and here knocked into tools, formed, sharpened and after stronger use again sharpened (“retouched”). With the exception of three pieces, all Wildkirchli tools consist of quartzite rock, which, like the flint from other prehistoric sites, was best suited for cutting tools because of its hardness. Admittedly, not such fine forms could be struck from the raw quartzites as is the case with genuine flint, which is why we encounter many pieces in the Wildkirchli that represent quite rough, unformed tools, but nevertheless did their service.
A precise examination of the Wildkirchli stone tool material has revealed that these quartzites originate from the nearest northern foreland of the Säntis mountains. Primarily these are so-called oil quartzites, as they are still found today in the Eocene flysch of the Weissbachtal and at the Fähnern as exotic blocks in the flysch.112 They are mostly of olive-greenish coloration. These oil quartzites provided the most readily usable material for stone tools because it could be struck into thin, disk-like and sharp-edged pieces. The other part of the quartzites was collected in the Nagelfluh113 of the Tertiary in the Weissbachtal and at the Kronberg and consists of various colored radiolarian hornstones [black phtanites, lydites, red and green radiolarian hornstones, of which latter the actual origin (Rhätikon nappe?) is not yet certainly determined].
The Wildkirchli stone tools, which consist of such quartzites, possess for the most part the certain traces of edge working (retouching), which however is often rough, coarse and partly blurred due to the less favorable rock material. Besides the forms that generally conform to the triangle (point with thicker base) or rectangle (scraper, graver) and therefore count as “types,” there are a multitude of formless, so-called atypical pieces, as they are known from many prehistoric settlements. Then rough striking pieces, flakes, unfinished tools and core pieces (nuclei) are also not lacking. Precisely the last-mentioned are the proof that these raw or core pieces were dragged up into the cave as wholes and from them the tool splinters were then struck off.
Despite the most careful comparison of the Wildkirchli stone tools with a number of non-Swiss sites, it has not been possible to bring them into agreement with the horizon of the pronounced classical Mousterian of the Paleolithic, since the Wildkirchli finds behave divergently in form, striking and edge working to a large extent. On the other hand, the specialists are unanimous that it is a matter in the Wildkirchli of a substage of the Mousterian, the so-called Old Mousterian or Primitive Mousterian (Obermaier, Penck, Boule and others).114 I will express my own view at the end of this section. So much is certain that the Wildkirchli cannot be incorporated into any Paleolithic stage before or after the Mousterian.115
For the following discussions, the reference to the fact may be interesting that several thoroughly typical stone tools were also found in the Wildkirchli that were not made from quartzite, but from Cretaceous (Seewer limestone) rock of the Säntis. Two of them show no edge working, another however very regular edge working. We have here a certain reference point for the use of limestone when the quartzite material became scarce. It is interesting to know that these Seewer limestone pieces must originate from the uppermost part of the Ebenalp or then from the 300 m deeper Bommenalp, since they were only standing there as they still are today. The Seewer limestone of these two places is particularly distinguished by its easy splintering into thin-slabbed shards that yield very sharp-edged tools when broken.
Soon after we had encountered the first find evidence for the presence of primitive man in the Drachenloch cave (coal hearths, used bone fragments, mass accumulations of bones, etc.), we were actively occupied by the hope of also encountering here unambiguous stone tools that would so to speak complete the picture of the prehistoric station in the Drachenloch. -– On our “wish list” stood, as is easy to understand, non-local rocks, quartzites, which like in the Wildkirchli are not standing in the cave itself.
It was known to us that quartzitic rocks occur in the so-called wild flysch of the Gray Horns116 and indeed in the direct northern continuation of the Drachenberg over the Furggla to the Piz Sol, and eastward in the Zanayhörner, the Vogelegg and the Seeligrat. Besides mighty quartzite banks, mica sandstones, breccias, polygenic conglomerates, one also finds the foreign exotic blocks117 embedded in the wild flysch. In the wild flysch we also encounter Eocene oil quartzites, entirely of the nature of those at the Fähnern that the Wildkirchli man used as material for his tools. We could hardly familiarize ourselves with the thought in the Drachenloch that prehistoric man had already carried out the ridge wandering to procure his tool material there.
But already in the first summer of our excavations in the Drachenloch we discovered much nearer located occurrences of quartzitic rocks, indeed it even turned out that such material is standing in the Drachenberg wall itself, namely on the east and west sides of it, but quite especially at the southwest corner in the mighty isolated rock pillar. The up to one decimeter wide, whitish to yellow and even reddish calcite veins covered with iron oxide hydrate had long attracted our attention on the east rock wall, only a few meters to the left and right of the cave gate, which spread as filling veins in narrow vertically and obliquely positioned crevices through all Cretaceous stages of the Drachenkopf (from siliceous limestone to Seewer limestone). Only upon closer examination of these calcite veins did we perceive that the middle part of these veins does not consist of calcite, but of white quartzite. A better opportunity for the use of quartzitic rock for the manufacture of tools could hardly have presented itself to the Drachenloch inhabitant!
But already the first tests of this quartzite rock taught us otherwise. If one strikes it with an iron hammer or with limestones, it breaks into a thousand small, pointed splinters that, despite their rock hardness, prove so brittle that they can partly be literally pulverized by means of pressure from the hands. A real longer cutting edge, however, cannot be produced even with the greatest care in striking. So one can understand that in the entire cave debris excavated to date, with the exception of a few formless white quartzite chunks, which however were certainly introduced by man like a number of Gault limestone rocks from the outer rock wall,118 no actual tools from this white quartz of the calcite veins were found.
Should the Drachenloch inhabitant in the end have managed without the use of stone tools? Was it not proven that he had often carried only partial pieces of the cave bear up into the cave? Might the disemboweling and cutting up of the hunting prey not have already taken place outside his actual dwelling place?
One day the riddle’s solution was found! Around the fire hearth and near one of the mass bone stores, on a suspiciously positioned stone slab that adjoined the nearby cave rock wall, real accumulations of smaller rock shards of Seewer limestone showed themselves. One could not possibly explain them as mere ceiling weathering pieces or as remains of a rock slab that had splintered when falling down. Next to such with still completely sharp preserved edges also lay pieces whose edges were totally rounded and partly underground weathered or decomposed. But quite conspicuous were they in their form, which completely reminded of the stone artifacts of the Wildkirchli: partly regular points with broader base, partly splinters that possess a cutting edge and a blunt adaptation back located on the opposite side for the hand holding the tool (Figure 26). A single such occurrence could naturally not yet suffice as full proof for the use of these rock pieces as cutting tools. But the find picture repeated itself, always there where also larger accumulations of bone tools were present, where man was proven through the already named cult sites, there where fire hearth and fire pit stood nearby. Furthermore, these “tool shards” were found only in layers II—V, while the surface layer and also the large cave contained no such accumulations of rock fragments. Strangely enough, no real resharpening notches (retouches) can be proven on any of them on the cutting edges. Yet several of the Wildkirchli artifacts made of Seewer limestone likewise possess no edge notches.
Position, form and occurrence of the Seewer limestone shards allow, after a series of types have been found assembled, no other interpretation than that for real stone tools of the Drachenloch man.
We have carried out a series of experiments that should provide us with the certainty whether such Seewer limestone pieces in hand-suitable form are also suitable as cutting instruments for fresh meat and particularly for skin and leather of animals. It has been proven beyond doubt that freshly struck Seewer limestone primarily forms large, sharp cutting edges that are capable of cutting through soft, yielding meat as well as completely dried animal hides without great effort as desired. Only the circumstance comes into consideration that the first approach, the first pressure with the limestone knife happens as powerfully and quickly as possible. Otherwise one achieves only a not deeply reaching impression in meat and skin. -– I refer here particularly to the investigations and experiments of Dr. med. L. Pfeiffer in Weimar,119 who during his visit to our Wildkirchli collection in the Heimatmuseum St. Gallen expressed his particular joy over the Seewer limestone artifacts from the Wildkirchli.
Since the Drachenloch inhabitant of oldest times certainly did not know the oil quartzite from the wild flysch of the Gray Horns, since he also knew nothing to do with the fine-fractured white quartzite in the calcite veins of the Drachenkopf rock walls: what remained for him finally other than to select the excellently breaking, sharp fracture-edged Seewer limestone of the cave itself for cutting tools? For scraping and cleaning hides this rock was already excellently suited because of the large, uniformly directed fracture edges, as our experiments themselves have again proven in an unassailable manner.
Why did the Drachenloch hunter not resharpen (retouch) his stone tools, which the kind mother nature held ready for him right at the nearest cave wall, when the cutting edge became worn, worked off, blunted by the work? This fact can be well justified. Where the basic material for the cutting tools, the scrapers and gravers, lay so near and in such great quantity, any improvement of his tool would have had no sense and value for the primitive hunter, because the rock piece worn at the edge through work could immediately be replaced by a fresh sharp fracture piece from the cave wall.
We stand here in prehistory before a completely new fact! Where we have looked around until now in the Paleolithic settlements of Europe, there we have been accustomed to encountering in limestone caves, as irrefutable proof for the former presence of cave man, stone tools made of quartzitic material. Only such have also been fully recognized as tools of primitive man until now. All this is easily understood when we can also prove in the vicinity of prehistoric settlements those rock layers in which (even in limestone) deposits of flint nodules or other quartzitic rock, often as intermediate layers, occur. Things stand quite differently when the opportunity for obtaining useful tool material, like quartzite, is lacking, but man was nevertheless provided with all necessary conditions for successful hunting of wild animals, for his own shelter and protection from wind and weather, as in our Drachenloch! We know, besides the Wildkirchli, of other prehistoric sites where likewise the cave rock -– and there it is exclusively limestone -– was used by man as a tool alongside quartzitic material. On the other hand, I know of no single Paleolithic settlement in which only the cave rock alone provided the material for the creation of stone tools. I do not doubt at all that often in Paleolithic caves, where the presence of former man is certainly proven through other find evidence, products from human hand made of cave rock have been overlooked because they were not counted among the artifact inventory of man. With regard to what has been said, I would like not to let the suggestion escape me to recommend to all future researchers of alpine caves to cast a sharp eye during excavations on occurrences as we have encountered them in the Drachenloch. Only so will we arrive at the final clarification of important scientific questions!
One of the first questions that is always put to the cave researcher by the layman is that: “Have human bones also come to light?” In doing so, the questioner remembers the many grave finds from later and mostly historical times, especially in the open country, or else the few remains that the research of the last two decades has brought to light in really old Paleolithic and Neolithic settlements.
Regarding the number of oldest human skeletal finds, i.e., from the Paleolithic, it should be noted that in relation to the large number of known settlements from this period (more than 300) it is an extremely small one. Very often it has also been shown that finds of human bones in Paleolithic layers did not belong to them at all, because only much later a younger settler was buried here and came to lie in the excavated old cultural layers. Thus one also encountered in the Schweizersbild near Schaffhausen in the Paleolithic cultural layers Neolithic remains of humans (pygmies). In the scientifically exact lifting of human skeletons, therefore, the greatest caution must always be exercised and primarily the undisturbedness or disturbedness of the find layer must be established beyond doubt.
Of Paleolithic human finds in caves, under rock shelters, etc., as said, only little more than a dozen have become known so far. We recall the finds from Neandertal, from Spy (Belgium), Krapina (Croatia), Heidelberg, Le Moustier, La Chapelle-aux-Saints, La Ferrassie, La Quina (the latter four in the Dordogne in southwestern France), Gibraltar, Ehringsdorf near Weimar; Combe capelle (Dordogne), Galley-Hill (England), Brünn (Moravia), Chancelade, Cro Magnon (both in the Dordogne), Predmost (Moravia), Mentone. One has often wondered why the great majority of cave settlements harbor no human remains, since the bone material of man can preserve itself as well as that of hunting animals. But the matter can be easily explained.
When a cave was a human dwelling place for a long time, it could hardly have served as a burial place. Illness and death have belonged from time immemorial to the most mysterious puzzles for man. The fear of death, the dead and evil spirits we still find in pronounced form among today’s natural peoples.120 The so-called “crouched position” in buried dead has, as Richard Andrée rightly emphasizes, no other reason than to prevent the free movement and “return” of the dead. Many peculiar customs, like the ancient fettering of the body of the dead, the binding of the arms and legs of the deceased have been preserved even into the present time (Saxon Vogtland). The mounds and gravestones over the buried dead also belong to this old circle of ideas.121
Considerations for one’s own health and fear of the dead (which also still plays a mighty role among civilized peoples today) kept the cave dweller from burying the dead in his own dwelling. Rather, more distant places (burial caves!) were chosen for this purpose, or the dead were buried in the open country, where the decomposition of the body proceeded more rapidly. In some cave finds of Paleolithic humans one claims to have observed that over the find layer of the skeleton lay a layer empty of human tools (“sterile”). This would suggest that the cave was quickly abandoned for a long time after the burial of the tribal member. A later incoming human group, however, had no idea of what was hidden under the cave floor and settled there.
If we consider the two Paleolithic dwelling sites of the Wildkirchli and the Drachenloch with regard to the just said for their suitability as burial caves, the explanation for the fact that neither from the one nor from the other prehistoric settlement could any finds of human bones or skeletons be found so far results automatically. Both bear the character of pronounced dwelling caves in which the settlers, for good reasons, did not want to establish burial sites. Only an accident (ceiling collapse) or then immediate departure of living man after a burial performed on a tribal companion could under circumstances have preserved skeletal parts of man for us at both places. A conclusive judgment is not yet permitted today, since larger complexes of cave fillings have not yet been worked on. We content ourselves therefore for once with what the Paleolithic man has left us of other certain witnesses of his former activity in the Wildkirchli and in the Drachenloch!
If one finally poses the question of which older human race the settler of the Drachenloch might have belonged to, the answer, as in the Wildkirchli, by analogy of similar find sites, is that it can hardly have been a different type than the known primitive Neandertal race. There are no absolutely certain proofs for this, since any real bone finds of man are lacking to date. A single find of a skull -– the most ardent wish of my faithful collaborator in the Drachenloch -– would immediately answer the important question.
If we raise the question at the end of this section of which Paleolithic cultural stage we are justified in assigning the Drachenloch to, the agreement with the results from the Wildkirchli can be named first, with the single exception of the absence of quartzitic stone tool inventory. Yet the latter finds its replacement in the similar primitive forms of the Seewer limestone artifacts. Fauna and bone tools show clear parallels, even if in the Drachenloch alongside Ursus spelaeus his later cousin Ursus arctos subfossilis also appears and in the Wildkirchli the cave lion and cave panther appear instead. Characteristic for both caves is the absence of the common brown bear.
But we stand in the Drachenloch as in the Wildkirchli before the same fact of a primitive cultural stage that we cannot place with all effort into either a pre- or post-Mousterian time. -– Of a so-called classical Mousterian there can be no talk here. Even less will attempts succeed in assuming a retardation of fauna and cultural stages in the Drachenloch in order to give it as young an age as possible.122
That we are dealing in the Drachenloch with an evidently Paleolithic settlement of man will find no serious opponents.
According to the experiences made in the Wildkirchli as well as in the Drachenloch and after examination of a large find material, I would like to give expression at this place to a thought that comes to me again and again when I compare the two alpine prehistoric settlements with those of the lowlands. Are there, so I ask, not just as with the sediments of the mountains also facies in the cultural horizons of prehistory? Can we presuppose of a prehistoric population, a small hunting horde that perhaps lived for centuries in world-remote mountain solitude, that it remained true in strict conservatism to the conventional forms of tools and customs, or will it not much rather have adhered to the necessity that nature and life circumstances offered it? Cannot values of the same wear away with long duration of closed cultural circles, things fall into oblivion that were otherwise the property of an extensive epoch in human history? Weighty reasons lead me more and more to the conviction that we have to reckon in the Wildkirchli as in the Drachenloch with a peculiar cultural deviation (cultural facies) that stands in no relationships with the Aurignacian nor with the Micoque-Kösten special type, but which also does not want to be classified completely into the remaining Paleolithic system known to date. Do we come in the end to having to recognize a special alpine Paleolithic as a special stage (special culture) of the Paleolithic with the approach to the Mousterian period? By raising this question here publicly for the first time and bringing it into serious scientific discussion, I leave it to further research in alpine caves to gradually bring full light to this important matter as well.123
Or do we finally find the riddle’s solution in a thorough revision and reorganization of the so-called Mousterian stage of the Paleolithic? To go into the latter question more closely is the task of a special treatise that I will publish later. I content myself here with the reference that the Mousterian stage, as well as the Jung-Acheulean preceding it and the so-called Primitive Mousterian still show many open gaps, which however can never be filled with the Hauserian Micoquian.
So much results from the depicted facts that we encountered in the Drachenloch, that we are placed by them before completely new, previously unsuspected questions, and from them new, important insights are gained for the entire prehistoric science. They also relate to a significant widening of the prehistoric horizon, whose boundaries can never be staked out by schematic “systems.” Infinitely manifold are the effects of the human spirit when it comes to the preservation of life and success in the struggle for existence. Necessity and compulsion to persist in it are the eternally driving, creating factors that provide the impulse from cultural phase to cultural phase.
It may be granted to future research, especially that in alpine caves, to carry further building stones to the peculiar foundation of new insights from the Wildkirchli and the Drachenloch. It would be more than premature to erect imaginative buildings, as such have already arisen in the young science of prehistory. -– I repeat here what I have said elsewhere124: “For the prehistorian of the present moment, the main task consists in my opinion in working his find sites according to all rules of today’s excavation technique and methodology. In the sense that even a later time with advanced knowledge is able to recreate a completely clear picture of the former find facts. On the basis of a whole series of local works of such kind, it will be possible to weave the guiding threads into a consolidated whole. We work indeed ‘only for our time’; in a certain direction, however -– precisely in the exact description of facts -– our research should under all circumstances possess a certain maturity.”
One can, if one wants, today designate the Drachenloch like the Wildkirchli as “an unsolved riddle.” Let us rejoice in this, when more and more such riddles arise for the searching human spirit, since they always provide the mighty impulse to unstoppable, serious research guided by the spirit of truth!
XI. The Geological Age of the Drachenloch Settlement.
Far more difficult than the question of the affiliation of the Drachenloch cultural site to one of the various “classical” stages of the Paleolithic is that concerning its geological age. If already the Wildkirchli caused no small difficulties for precise classification into the Ice Age schema, then the conditions in the Drachenloch become even more complicated. Let us not forget that the battle over the number of ice ages still rages and therefore absolute certainty in the classification of an older Paleolithic settlement is not given. Even here, quite a lot of knowledge is still necessary. It will become all the more consolidated and clarified the more research facts are added. For science and research know no standstill.
According to fauna and primitive tool technology, we cannot possibly place the Drachenloch temporally in the Hallstatt or Bronze Age or in the younger or older Neolithic. As has already been emphasized, it also has no place in the younger Paleolithic stages, such as in the Magdalenian, Solutrean or Aurignacian. The Drachenloch belongs deeper down. Admittedly, it is also younger than the first Paleolithic stages, the Chellean and Acheulean. We have therefore assigned it the position where the Mousterian stands in the international schema, but reserve corrections here in the sense of what was said in the previous section.
Since according to this the Drachenloch (like the Wildkirchli) can only be connected with Ice Age phenomena, only three questions come into consideration: Is the Drachenloch, i.e. its settlement, post-glacial, glacial, i.e. falling into a high ice age, or interglacial?125
Let us first pursue the thought whether a settlement of this cave during one of the ice ages (most likely the last—the Würm ice age comes into consideration) would have been possible! During the Drachenloch research I paid as much attention to the Ice Age phenomena in the area as seemed necessary to me for a preliminary orientation. In particular, I sought to establish the altitude limits of the former high glaciations, which was possible during our ascents to the Gelbbergalp. There are mainly the traces of the former Rhine glacier, which moved in a side arm over the Kunkelspass through the valley of Kunkels-Vättis and the Taminatal to Pfäfers-Ragaz. Since the valley slopes of Vättis northward on both sides are very steep (Gelbberg, Vättnerälpli, Vättnerberg, Vindels down to the valley floor), the deposits of moraines and erratic blocks along the slopes are extremely sparse, because they slid into the depths when the glacier melted, to which also that from the Calfeisentale (Tamina glacier) joined.
Now we find on both sides of the mentioned valley slopes sometimes smaller, sometimes larger valley floors, which Albert Heim126 and Piperoff127 have already determined more precisely. I refer here explicitly to the presentations available there for the sake of brevity and limit myself to the observations I made during the ascent to the Gelbberg hut (south of the Kreuzbachtobel).
On the so-called Patina, a small forest meadow at 1500 m, we encounter a significant scattering of blocks of Grisons rocks, of which individual ones (especially Verrucano) measure over a cubic meter. We encounter the same phenomenon again on the so-called “Chrächerli,” also a light forest spot, somewhat below the closed forest line, at 1720 m and at the latter itself. At the “Brunnenhüttli,” where we step out into the open dwarf pine region, there are still quite a number, but mostly only smaller (up to 30 cm diameter) Grisons erratics to be found. The narrow terrain channel up to the Gelbberg hut now gives us the opportunity to establish the uppermost limit of the erratic phenomenon up to around 1900 m altitude,128 i.e. about 60 m lower than today’s upper dwarf pine limit, or 20 m higher than the last individual stems of the larch.—On the southerly located Kreuzboden (1940) all traces of foreign rocks disappear. From this it follows that the actual Gelbberg terrace (hut at 2070 m) remained untouched by glaciers during all glacier high stands.—The scattering of erratic rocks listed by Piperoff (loc. cit. p. 42) on the Alp Salaz (1790 m) at the Calanda thus remains a full 110 m below the erratics observed by me at the Gelbberg. According to the altitude positions of the terraces northeast of the Gelbberg terrace of the Vättnerälpli (at the outermost end 1800 m), the Vättnerberg (1614—1500 m) and Vindels (1650—1540 m), erratic glacier relics must therefore also be demonstrable there.
With a high glaciation in the area up to 1900 m, the Drachenberg with the Drachenloch, as well as the Vättnerkopf, lay high above the ice. Probably a smaller hanging glacier also extended from the “Täli” between the latter and the Drachenberg, which spread onto the Gelbberg terrace and probably produced the magnificent karren formations in the Valangian at the Gelbberg hut during slow melting.
According to the facts presented, habitation of the Drachenloch during any high ice age is not to be thought of—any more than in the Wildkirchli—since it would not be understandable how such a rich fauna could have maintained itself on this cliff in the ice (nunatak). It is furthermore to be assumed that during a high ice age the Drachenberg bore a proper firn cap and the cave itself was probably filled with ice.
Let us now try to consider a post-glacial age for the Drachenloch settlement. Here we encounter truly insurmountable difficulties. We know that the two Schaffhausen cultural sites Kesslerloch and Schweizersbild, like the entire Magdalenian, are under all circumstances of post-glacial age, i.e. belong to the Achen and Bühl stages (according to Prof. A. Penck). Thus the much older Drachenloch, which indeed has no echoes of the youngest stage of the Old Stone Age (Magdalenian) and knows no arctic-alpine fauna, cannot belong to these post-glacial stages of glaciation. But to make the Drachenloch even younger than the Paleolithic would overturn every framework of previous classifications.—For at the time of the Bühl stage, i.e. the last major glacier advance in the post-glacial period, which we have before us in the so-called “Bühl” near Vättis (970 m), the snow line according to A. Penck still lay at 1450—1500 m, thus almost down to the Patina. Above it the development of a flora and fauna as at the time of the Drachenloch settlement would have been quite impossible, likewise also in the Laufen oscillation placed by A. Penck before the Achen stage.
If we consider together all the find circumstances in the Drachenloch, as well as the Ice Age conditions in the Tamina-Calfeisentale, then no other interpretation remains possible for the geological age of the Drachenloch settlement than that it belongs to an interglacial period and specifically to the Riss-Würm interglacial,129 i.e. the ice-free section between the two last ice ages. During this interglacial period the ice retreat of the great Riss glacier in the Calfeisentale had taken place to its most remote corners. Indeed, according to A. Penck the ice masses might have retreated even considerably higher than at today’s snow line in the Sardona area (ca. 2400 m), at which the Drachenberg with 2635 m and its neighbors, indeed even the Piz Sol with 2847 m and the Calanda with 2808 m become snow-free in summer. We may therefore, without going far wrong, draw the conclusion that the snow line during the interglacial periods lay essentially higher than today, just as well as the tree line, which demonstrably at the Gelbberg itself still reached close to the height of the hut even in historical times. The finds of charcoal remains in the fireplaces of the Drachenloch inhabitant are incidentally also an indication of the former proximity of the timber line. According to everything said, we must also assume the climatic conditions of that time as at least such as they are today in the area. Very probably, however, they were still considerably more pleasant and favorable than the present ones.
So much emerges from the wealth of faunistic remains in the Drachenloch that the living and life conditions for humans must have been advantageous, indeed very favorable. From the find layers one can conclude a longer habitation of this site by humans, which admittedly was probably only a summer hunting station and also otherwise remained unvisited by humans at times. Indeed, according to all appearances even different hordes may have taken possession of it at wide temporal intervals, but their tool stage belongs to one and the same unified primitive cultural stage. The whole forms a picture to which no later cultural stages follow up here above.
XII. General Considerations.
If one surveys the present topographical situation of the area of Vättis and the Drachenberg, then for everyone the question comes to the foreground: How did the people of that time get up there at all and to the cave? Was not already for him, who was indeed a roaming hunter, and whom neither heights nor wide distances frightened, the ascent to the Drachenloch too arduous?—But let us consider for a moment from an airplane, as our Fig. 27 shows, the valley landscape of the Taminatal from north to south together with the terraces gleaming in fresh snow (Vindels, Vättnerberg at the foot of Monte Luna [right], Vättnerälpli [at the Vättnerkopf], Gelbberg [at the Drachenberg, of which above the ribbed ridge is still visible, directly behind the peak of the Vättnerkopf]). Let us transport ourselves for a moment back to the last interglacial period: The valley floor of the Tamina lying several hundred meters higher,130 the deep incisions on the mountain flanks of Monte Luna, at the Vättnerkopf and Drachenberg (Mühletobel, Radeintobel, Kreuzbachtobel), filled in, leveled and the mentioned terraces connected. Then it was easy to get from the village of Pfäfers131 or from Valens over the magnificent lower valley floors of Vasön up to Vindels, Vättnerberg, Vättnerälpli (Ladils) and Gelbberg. From there it was a joy for the big game hunter to ascend to the secure cave hoard, which winked at him so promisingly from the heights.
Here in this game-rich area he chooses his sphere of activity. The hunt for cave bears, especially for the younger animals, has become second nature to him through long practice. Armed with sharp senses, he must replace through cunning what he lacks in physical strength and far-reaching, reliable arrow, metal and fire weapons. The terrain with its wide dwarf pine thickets and natural rock pits is made for driving in and catching game in concealed pitfalls.132 Now and then it means the fight for life and death with the grim, terribly strong opponent. But when victory is won, the game killed, then he takes it with strong arms and carries it up the slope to the secure shelter. Often the prey is already divided below and only the best, the mighty bear paws, the thighs, a piece from the “high back” and the hide (as clothing) are taken along. The head is loaded as a trophy and sacrificed to the protective god of the hunt, the good spirit of preservation and nourishment of man. The dark nights and the gloomy days that he must spend in his rock dwelling are illuminated by the hearth’s crackling and soon again gently glowing fire, which is at the same time a defensive means against dangerous predators.—How long might he have practiced his hunting craft up here?———
But once the glacier masses slowly growing and rising to the heights in the rear valley announced to him the day when he too had to bid farewell to his magnificent elevated seat, yielding to the glacier and the cold, which gradually also drove his game animals to the land outside. Where he has turned, this oldest settler of our high mountains? No one knows!—For millennia it has become quiet again from the hunting cry at the Drachenberg above.———
No primeval man’s fleeting foot has during the still following glacier period (Würm ice age) and the retreat stages of the last glacier ice stepped on valley and heights of this area anymore. The lake dweller (Neolithic) following the Old Stone Age man developed peacefully in his hut built on piles in the lake bottom into a sedentary person. Agriculture, animal husbandry, weaving and pottery relieved him of the laboriously dangerous hunt for wild animals in mountain heights and of primitive life in caves. A wide span of time separates the big game hunter from the Drachenloch from that person who in the rich utilization of metals (bronze and iron) climbed to an admirable degree of material culture.
Millennia have rushed over mankind. Humans and peoples have come and gone. Of the rise and decline of cultures, of human welfare and human woe the spade work of the prehistorian reports to us like the stylus of the historian.
Alongside the purely material processing of prehistoric find sites, however, questions of human-spiritual nature constantly move us:
What is the origin, goal and destiny, task and responsibility of man? Can one recognize in him, as in external life formation, in the production of tools, clothing, dwelling etc. also in the spiritual, moral-ethical field a continuous or sudden progress on the path of development, of evolution to the higher? Are cultures circles that go back into themselves and therefore completely perish? Or is development bound to the wave line (like all movement, all cosmic happening), which have heights and depths of cultures (the latter as a result of relapses into raw-material life), whose height points however with progressing development ultimately still mean a “higher”? Will the general-human being, which eternally oscillates between the preservation of the species and the individual, always be the same, or is there above it a realm into which until today only chosen ones of mankind have entered?
May we hope for a time—even if we ourselves no longer experience it—where true humanity and human happiness are synonymous with the “harmonious living out of individuality, the free, constant perfection of personality,” in the appreciation of one’s own life and that of our neighbor, in mutual promotion and help, where faith in the good means the redemption of the human race?—To believe in the development of man, that is humanization on the way to full humanity, to the “Civitas humana.”
Concluding Word
The Wildkirchli in the Säntis mountains, as well as the prehistoric settlement in the cave of Cotencher in the canton of Neuchâtel were until the year 1917 the only two prehistoric cultural sites from the older section of the Old Stone Age (Old Paleolithic) of Switzerland. According to geological age they belong to the time of that mighty phenomenon of the glaciation of Europe, i.e. to a climatically favorable interglacial period located between two ice ages. Kesslerloch and Schweizersbild and other long-known find sites (see page 2 and 3) are later, prehistoric settlements belonging to the end of the last ice age.
With the discovery of the Drachenloch finds (1917) the third oldest settlement site in Switzerland has now become known, which according to age connects to the Wildkirchli and to Cotencher. With this the canton of St. Gallen has also advanced into the series of older Old Stone Age settlements and indeed with a find site that will probably be considered for a long time as the highest situated on our continent.
Previously in the canton of St. Gallen from the entire long period of the Stone Age only two small Neolithic land settlements were known, namely in the rock gorge of the Hirschensprung (between Oberriet and Rüti) and on the Molasse hill ridge situated west of the village of Heerbrugg.
The newly discovered St. Gallen Drachenloch worthily and uniquely in its kind joins the Appenzell Inner-Rhodes Wildkirchli, whose significance is generally recognized, but which is now surpassed with regard to altitude by 1000 m.—In a surprising way the agreement of the two settlements with regard to their cultural stage and their geological age has been proven through the research in the Drachenloch. The results from one and the other site are mutual confirmations and supplements, as they could hardly be thought better.
Wildkirchli and Drachenloch point with certainty to the fact that between and beside them still more oldest human settlements must be present.—The task of the coming systematic research within the alpine and the remaining area of eastern Switzerland is to follow the traces of the same and to unite the individual pictures into a closed prehistoric cultural circle.
The state of research in the Drachenloch, which already shows a unified factual picture, justifies today a first larger publication about the same. It is the forerunner of the purely scientific treatise, which will deal more with the individual description of the finds and with the diluvial geological age questions. Nevertheless, the find facts listed in the present writing are already of great significance for the specialist in prehistory and sufficient for a general orientation.
The Drachenloch research falls into the most difficult time situation that mankind has ever experienced. With all the greater thanks may we remember the vigorous promotion that our research has experienced from the side of the municipal administrative council of the city of St. Gallen and some private individuals. It is eloquent testimony that the sense for science, which probably finds its most beautiful expression in the exploration of native nature and history, has not yet been lost among us.
The present writing owes its printing primarily to the lively interest that the St. Gallen Natural Science Society and especially its president, Mr. Dr. H. Rehsteiner, have devoted to the Drachenloch research from the beginning. It is to be attributed to the financial support of the municipal administrative council and that of Mr. Arnold Mettler-Specker in St. Gallen that the writing could be provided with fine equipment with numerous pictures.
Besides the authorities already named on page 10 of this writing, I thank here for the friendly accommodation of the cantonal St. Gallen Military Department (Chief: Mr. Landammann Dr. A. Maechler) for the loan of a number of military wool blankets for our otherwise rather primitive night camp in the Gelbberg alpine hut.
The most heartfelt thanks belong above all to my friend Dr. H. Rehsteiner for the lively support in the settlement of the manuscript created in relatively short time and for the kind assistance in the correction of the printed sheets.
The pictures attached to the writing originate from the photographic recordings of Messrs. Flying Officer Lieutenant Walter Mittelholzer of the Ad-Astra-Aero-Society in Zurich, Max Albert in St. Gallen and Fr. Schmidt in Ragaz. The clichés were created with special care by the well-known zincography firm M. John in St. Gallen according to the author’s instructions.
It is to be expected that the results from the Drachenloch research will give occasion for lively discussion in the circles of prehistory researchers. The greatest satisfaction for the author of this writing consists, however, in the fact that through a vigorous tackling of further caves in favorable locations of our magnificent Alpine mountains, as many documents as possible will be brought together for more thorough knowledge of the very oldest settlement of our dear fatherland.
Explanation of the Illustrations.
Fig. 1. Mountain village Vättis with view into the Calfeisentale. To page 13. In the foreground above the village the magnificent old river terrace. To the left the eastern extension of the Ringelkette (Simel, Orgeln). To the right: foot and wooded southeastern slope of the Gelbberg-Drachenberg. Of the actual Drachenberg only the lowest rock terraces are visible. Left next to the Drachenberg the mighty rock structure of the Gigerwaldspitz (with small peak). In the background of the Calfeisentale (in completely clear weather): the Piz Sardona.
Fig. 2. Eastern slope of the Gelbberg-Drachenberg toward the Taminatal. To pages 15 and 16. Below the valley floor (road Pfäfers-Vättis), near the village Vättis. In the middle of the wooded slope the Kreuzbachtobel hidden in the black gorge; to its left, hidden in the forest, the ascent to the Gelbbergalp and to the Drachenberg. At the top the Drachenberg, in its rock wall the Drachenloch (black point). To the right a part of the Vättnerkopf. Fresh snow cover October 1917.
Fig. 3. Southeastern slope of the Drachenberg toward the Calfeisen- and Kunkelsertal. To pages 15 and 16. Below meadow terrace Mattlina near Vättis. Entrance to the Calfeisentale. At the top in the dragon heads the Drachenloch (black point). Right above the Gelbbergalp. Fresh snow cover October 1917.
Fig. 4. Gelbbergalp with Gelbberg huts on old karren field. To page 18. In the background left the Panärahörner, right the Ringelspitze with the Ringelgletscher, right next to the new alpine hut the grassy southeastern slope of the Drachenberg.
Fig. 5. Gelbbergalp with the front (southern) and rear (northern) Drachenberg. In the rock wall of the front Drachenberg the Drachenloch cave. Under the rear Drachenberg the lower part of the so-called “Täli.” To page 18. Fig. 5 is connected panoramically to:
Fig. 6. Gelbbergalp with the two alpine huts (old and new) and the Vättnerkopf (“Aelplikopf”). To page 18. On the mighty, broadly spreading flysch mantle of the Vättnerkopf sits the grotesque Jurassic-Cretaceous block of the Drachenberg overthrust. At the foot of the Jurassic (Malm) wall there are numerous cave-like rock shelters. To the left of the Vättnerkopf the uppermost part of the so-called “Täli” and transition to the rear Drachenberg. Between the Gelbberg terrace and the Vättnerkopf lies the beginning of the Kreuzbachtobel.
Fig. 7. Gelbbergalp huts, eastern slope of the Drachenberg and in the uppermost rock wall the cave of the Drachenloch. (D). To pages 19 and 20. One should compare to this the geological profile (Fig. 14). The new shepherd’s hut serves for our accommodation. On the picture the ascent to the Drachenloch is marked with dots.
Fig. 8. West side of the Drachenberg, taken from the Gigerwaldspitz. To page 33 footnote 2 and page 56. In the foreground the Tersol gorge. Wonderfully the dragon head with its Jurassic (Malm) Cretaceous rock (Oehrlikalk, Valangian, Kieselkalk, Drusbergschichten, Schrattenkalk, Gault = black, curved line, Seewerkalk) stands out from the mighty, more gently sloped flysch pedestal.—Right in the background the Calanda (highest peak).
Fig. 9. Drachenloch cave. View of the cave entrance. To pages 19 and 20. The light rock layers under the cave entrance are Schrattenkalk, the broader, darker band next to and under the entrance gate = Gault and the entire rock wall next to and above the cave = Seewerkalk. Above the cave portal one sees the slightly curved rock fissure, on whose course inside the mountain the cave lies. In front at the entrance the find-sorting table.
Fig. 10. Longitudinal section, floor plan and cross-sections of the Drachenloch cave. To pages 33—38 and 72 ff. Scale 1:300. In the longitudinal section the longitudinal excavation profile in caves II and III, as well as that in cave I is entered. In the floor plan the excavated areas are marked with dashes (1921). The floor of the cupola structure (K) in cave I and the cave parts IV, V and VI are not yet excavated.
Fig. 11. Interior view of cave I. To pages 34 ff. Right in the foreground the wooden trough, whose cave drip water serves to feed the acetylene lamps. In the background right the cupola structure with natural hollowing. Left, where the white arrow is drawn, is located the entrance to the rear cave parts (II—VI) that was still unexcavated at the time of the photographic recording.
Fig. 12. View from the foremost part of the Drachenloch cave (toward the east). To page 34. Below the Gelbbergalp with the two huts. Still deeper the Taminatal. The middle section is a part of the northern extension of the Calanda. In the background the Prätigau and the Silvretta massif. Left next to the Gelbbergalp the Kreuzbachtobel.
Fig. 13. Geological profile through the Calfeisentale. To pages 47 ff. The left valley side is compiled according to the backdrop profiles of Dr. M. Blumental. To show the entire layer sequence, next to the Panära and Orgeln fold, the valley floor of Vättis is also drawn into the profile. The Drachenberg overthrust connects in this profile to the Panära fold. Dr. J. Oberholzer, Glarus, brings according to his newest investigations the Drachenberg overthrust in connection with the deeper lying Orgeln fold. To complete the entire geological situation also the highest situated Glarus Verrucano cover is still drawn in two small partial pieces (Ringelspitz and Piz Sol), whereby the Piz Sol section must be thought shifted further north.
Fig. 14. Geological profile through the Drachenberg. To pages 51 ff. According to own surveys. Compare to this Figs. 5 and 7. The heavily dotted line (D.-Ue.) indicates the Drachenberg overthrust over the autochthonous mountain. The heavily drawn black line is the Gault of the autochthonous and the overthrust Cretaceous.
Fig. 15. Drawn excavation profile (cross-section) from the passage of cave II to III. To this the explanation of the excavation layers I—VI on pages 77—81. The coal hearth (K) and the skull pit (Sch) = stone cist are intentionally drawn strongly.—Pl = artificially, i.e. stone slabs laid by the cave man.
Fig. 16. Photographic recording of an excavation profile from cave II. Layers III and IV stand out sharply from each other in the picture. In the IV layer a cave bear skull just comes to light, whose rear end still sticks in the earth. For clarity the skull edge has been drawn in. This is the cave bear skull later sawed lengthwise, whose interior remained so well preserved. See Fig. 18 below.
Fig. 17. Largest skull of a cave bear from the Drachenloch. To page 95. See the measurements there. Best preserved piece that needs no reconstruction. Scale: 1:3.4.133
Fig. 18. Longitudinal sections through the skulls of a common brown bear (Ursus arctos L.) from Russia (1903) and a cave bear (Ursus spelaeus) from the Drachenloch. Placed opposite each other for comparison. Text page 98. Note the wonderful preservation of the interior parts of the cave bear skull (cerebrum, cerebellum cavity, cavum nasi, the olfactory conchae and the olfactory bulb, as well as the frontal sinuses. If one compares the cerebrum cavity of the two bear species, it results that the cerebrum in the cave bear is relatively smaller than that of the ordinary brown bear. Scale: 1:3.2.
Fig. 19. Skull of Ursus arctos subfossilis Midd. From the Drachenloch. (Without lower jaw). To page 99. Adult individual. Flat forehead. Snout part to skull part = 1:1. The molars lying between the rearmost molar and the canine are partially broken off. Scale: 1:2.6.
Fig. 20. Used bones = bone tools of the Drachenloch man. To page 115. All pieces from cave bears. Fragments of limb (extremity) bones. The fracture edges are visibly worn. In individual pieces the spongy bone mass (spongiosa) is still well preserved because wear was not possible there. The uppermost piece is completely smoothed. They are so-called hide smoothers. Scale: 1:1.7.
Fig. 21. Bone tools of the Drachenloch man. Fibula fragments. To page 116. One joint end of the fibula is completely preserved. The fracture ends show the familiar “flute beak fracture” (oblique transverse fracture). They are worn, smoothed and polished through longer use in human hands. They served as hide removers. Scale: 1:1.45.
Fig. 22. Bone fragments etc. of the cave bear. To page 117. The flute beak fractures are partly still sharp-edged and not worn. The pieces lay with those of Fig. 21. They are bone fragments first prepared for tools (hide removers). The broad bone has impact traces that originate from humans. The long narrow piece next to it is an os penis of the cave bear, which was gladly used as a tool. Scale: 1:1.6.
Fig. 23. Point-like bone instruments of the Drachenloch man. To page 117. Of the masses of such used bone splinters only a few are depicted here. Their use in human hands is easily demonstrable. An excellently polished and laterally (upper left) ground piece is No. 5 in the upper row. Scale: 1:1.4.
Fig. 24. Broken hip joint bones of the cave bear with worn joint socket rim. To page 118. Of the several hundred finds of this type the most conspicuous are reproduced here in the picture. Note the broad rim of the joint socket in the part of the bone fragment directed to the left. Scale: 1:2.5.
Fig. 25. Broken lower jaws of the cave bear, with preserved, broken off or completely missing canine. The lowest jaw fragment in the first vertical row stems from an old cave bear; it shows clear traces of wear. To page 120. Scale: 1:2.4.
Fig. 26. Stone tools of the Drachenloch man. To pages 124 ff. All Seewerkalk pieces in point and scraper form. Natural size of the middle large piece: 8.5:4.8 cm. Actual edge notches through blow or pressure are missing. Only use traces are present. Scale: 1:1.8.
Fig. 27. Terrace landscape in the Taminatal. To page 135. Aerial photograph by First Lieutenant W. Mittelholzer. The airplane flies from Pfäfers into the Taminatal. In the deepest part behind the little village Vättis (magnifying glass!), left the Calanda (C), right Monte Luna (M), Vättnerkopf (V) and Drachenberg (D), under the same the snow-covered rock terraces Vindels, Vättnerberg, Vättnerälpli-Ladils and Gelbberg: the former easy approaches in prehistoric times to the Gelbberg terrace and into the Drachenloch. In the background the Ringelspitze (R).
Fig. 28. Vättnerkopf (center) and dragon head (↓) left of the Vättnerkopf. Aerial photograph by First Lieutenant W. Mittelholzer. (October 1921). Under the two mountains the rock terraces of Ladils and Gelbberg. (X) Right of the Vättnerkopf the Alp Calvina with the Calvina-Radeinbach. Upper right the peak of Piz Sol. In the center of the background the Satzmartinshorn, below it the Tersoltal. Left in the background: view into the rear Calfeisentale with the Sardona mountains.
Footnotes
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Alb. Heim: Ueber einen neuen Fund aus der Rentierzeit in der Schweiz. Mitteil. d. Antiquar. Gesellschaft Zürich. 1874.
K. Merck: Der Höhlenfund im Kesslerloch bei Thayngen. Originalbericht des Entdeckers. Mitt. der Antiquar. Gesellschaft Zürich. 1875. XIX. Bd.
J. Nüesch: Das Kesslerloch, eine Höhle aus paläolithischer Zeit. Neue Grabungen und Funde. Neue Denkschriften der Schweiz. Naturforsch. Gesellschaft. Bd. XXXIX, 2. Hälfte. 1904.
-– -– Das Kesslerloch bei Thayngen. Vergleichende Studie (Neue Grabungen u. Funde, II. Mitt.). Anzeiger f. Schweiz. Altertumskunde Nr. 4 (1904/05). ↩
-
J. Nüesch: Das Schweizersbild, eine Niederlassung aus paläolithischer Zeit. Neue Denkschriften d. Schw. Naturf. Ges. Bd. XXXV. 2. Aufl. 1902.
Concerning Kesslerloch and Schweizersbild compare also the annual reports I-IX of the Swiss Society for Prehistory. Furthermore:
J. Meister: Neuere Beobachtungen aus den glacialen und postglacialen Bildungen um Schaffhausen. Beil. z. Jahresb. d. Gymnasiums Schaffhausen. 1897/98.
Die Eiszeit und ältere Steinzeit. Festschrift des Kts. Schaffhausen zur Bundesfeier 10. Aug. 1901. Likewise J. Heierli: Urgeschichte der Schweiz (1901). A. Schenk: La Suisse préhistorique (1912). Penck u. Brückner: Die Alpen im Eiszeitalter (1909). ↩
-
K. Classen: Die Völker Europas zur jüngern Steinzeit. Studien und Forschungen zur Menschen- u. Völkerkunde. X. Stuttgart. Strecker & Schröder. 1912.
F. Schwerz: Die Völkerschaften der Schweiz von der Urzeit bis zur Gegenwart. Gleiche Sammlung. Bd. XIII. Stuttgart. Strecker & Schröder. 1915. ↩
-
J. Heierli: Urgeschichte der Schweiz. Zürich 1901.
A. Schenk: La Suisse préhistorique. Lausanne 1912.
O. Tschumi u. P. Vouga: Einführung in die Vorgeschichte der Schweiz. Bern, A. Francke. 1912.
Th. Ischer: Die Chronologie des Neolithikums der Pfahlbauten der Schweiz. Bern. E. Bircher. 1919. ↩
-
Gabriel de Mortillet. Le Préhistorique. I. Aufl. 1883. II. Aufl. 1885. III. Aufl. 1900. Paris. Schleicher frères, éditeurs. ↩
-
E. Bächler: Die Stellung der Geologie zur heutigen paläolithischen Höhlenforschung. Heim-Festschrift. Vierteljahrschrift d. Naturf. Gesellsch. Zürich. LXIV. (1919). ↩
-
W. Soergel: Lösse, Eiszeiten u. paläolithische Kulturen. Jena. G. Fischer. 1919. ↩
-
Fritz Sarasin, H. G. Stehlin u. Th. Studer: Die steinzeitlichen Stationen des Birstales zwischen Basel und Delsberg. Neue Denkschriften der Schweiz. Naturforsch. Ges. Bd. LIV. Abh. 2. 1918. ↩
-
G. de Mortillet: Le préhistorique suisse, in Revue mensuelle de l’école d’Anthropologie de Paris, huitième année V, 15 Mai 1898, S. 137 u. ff. ↩
-
M. Hoernes: Der diluviale Mensch in Europa, die Kulturstufen der ältern Steinzeit. Braunschweig. Vieweg & Sohn. 1903. ↩
-
Concerning the Magdalenian from Kesslerloch and Schweizersbild and its age, Penck speaks in Vol. II, p. 422 ff., about the younger Stone and Bronze Age in Vol. II, p. 440, likewise p. 638 about the Birs valley stations, the Neolithic and the Bronze Age. Page 701-716 he gives a compilation of the distribution of Paleolithic finds, p. 743, Vol. III, one about the Paleolithic stations in the area of the Rhodanic glacier and a summary of the chronology of the Ice Age and prehistoric conditions, as well as a special concluding chapter about the Wildkirchli on p. 1169-1176. ↩
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Emil Bächler: Die prähistorische Kulturstätte in der Wildkirchli-Ebenalphöhle. Berichte über die öffentlichen Sammlungen der Stadt St. Gallen. 1905/06. -– -– Die prähistorische Kulturstätte in der Wildkirchli-Ebenalphöhle. Verhandlungen der Schweiz. Naturforsch. Gesellschaft in St. Gallen. 1906. Résumé zum Vortrag: Die prähistorische Kulturstätte in der Ebenalp-Wildkirchlihöhle. Bericht über die Prähistoriker-Versammlung in Köln. 1907. -– -– Die Wildkirchlihöhlen bei Schwendi (Appenzell I. Rh.). Originalbericht im ersten Jahresbericht der Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte (Société suisse de Préhistoire). 1909. -– -– Das Wildkirchli, die älteste prähistorische Kulturstation der Schweiz und ihre Beziehungen zu den altsteinzeitlichen Niederlassungen des Menschen in Europa. Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Heft XLI. 1912. -– -– Das Wildkirchli, eine allgemeinverständliche Monographie. (Encompasses everything worth knowing that relates to this site). In manuscript finished and ready. Will appear in print as soon as printing and production costs take on a more favorable form. Concerning the Wildkirchli compare also: Penck u. Brückner: Die Alpen im Eiszeitalter. Vol. III. p. 1173-1176. Schenk: La Suisse préhistorique 1912, p. 96-101. H. Obermaier: Das geolog. Alter des Menschengeschlechtes. Mitt. d. Geolog. Gesellsch. Wien. III. 1898. p. 290-322. H. Obermaier: Les formations glaciaires des alpes et l’homme paléolithique. Paris. L’Anthropologie T. XX. 1909. p. 497-522. H. Obermaier: Der Mensch der Vorzeit. Vol. I. Der Mensch aller Zeiten. Allgemeine Verlagsgesellschaft München. 1912. p. 161 u. ff. R. Forrer: Reallexikon der prähistorischen, klassischen u. frühchristlichen Altertümer. Berlin. Spemann. 1907. p. 901. R. Forrer: Urgeschichte des Europäers. Stuttgart. Spemann. 1908. George Grant Mac Curdy: Recent Discoveries Bearing on The Antiquity of Man in Europe. Washington. Smithsonian Institution Report for 1901. p. 543-547. Schmidt, Koken u. Schlitz: Die diluviale Vorzeit Deutschlands. Stuttgart. Schweizerbartscher Verlag. 1912. p. 171, 192-193, 261. F. Schwerz: Die Völkerschaften der Schweiz von der Urzeit bis zur Gegenwart. Stuttgart. 1915. p. 7 u. ff., p. 65. Reports of the Swiss Society for Prehistory: Vol. I, IV, V, VI, VII, IX, X, XI. XII. F. Wiegers: Ueber das Alter des diluvialen Menschen in Deutschland. Zeitschrift der Deutschen geolog. Gesellsch. Vol. 65, 1913, Monatsbericht Nr. 11. p. 564 ff. and Vol. 64, Year 1912, Monatsbericht Nr. 12, p. 603 u. 605. (Die geolog. Grundlagen für die Chronologie des Diluvialmenschen). L. Pfeiffer: Die steinzeitliche Technik. Jena. Gustav Fischer. 1912. p. 3, 72, 132, 230, 329. L. Reinhardt: Der Mensch zur Eiszeit in Europa. München. E. Reinhardt. 1913. K. G. Volk: Geologisches Wanderbuch. II. Vol. Leipzig. Täubner. 1915 etc. Albert Heim: Geologie der Schweiz. I. Vol. p. 336 ff. ↩
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If I still adhere today to the designation Mousterian for the Wildkirchli, I do so for good reasons. I know very well and have always emphasized to my colleagues that the stone artifacts from Wildkirchli cannot be completely identified with the classical Mousterian of France. The same applies to Cotencher (Neuchâtel). An equation of the two sites with the Kösten-Micoque type according to O. Hauser (La Micoque) is not to be considered for the time being. ↩
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H.-G. Stehlin et Aug. Dubois: Note préliminaire sur les Fouilles entreprises dans la grotte de Cotencher (canton de Neuchâtel). Eclogae geologicae Helvetiae. T. XIV. 1916. Aug. Dubois: Note sur les fouilles exécutées en 1916 dans la grotte de Cotencher. Mus. neuch. N.F. 3 (1916). p. 145—151. Aug. Dubois (Neuchâtel): Les Fouilles de la Grotte de Cotencher. Actes de la Société Helvétique des Sciences Naturelles, réunie à Neuchâtel (1920), 101e Session. Aarau. H.R.Sauerländer. 1920. Furthermore: Annual reports of the Swiss Society for Prehistory 1915. 1916, p. 36—38. 1917, p. 23—25. 1918 (H. G. Stehlin) p. 42 and 43. In the upper layers of the cave of Cotencher, Neolithic material was also found (awls, buttons, stone axes, arrowheads made of bone). S. G. U. 1918, p. 32. ↩
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Cf. Aug. Dubois: La dernière glaciation dans la Gorge de l’Areuse et le Val de Travers. Neuchâtel. Attinger frères. 1910, and H. Schardt et Aug. Dubois: Description géologique de la région des Gorges de l’Areuse. (With geological map). Bulletin de la Société Neuchâteloise des sciences naturelles. Tome XXX, 1901—1902. ↩
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Recent excavations near Thayngen, i.e., in the “Vordere Eichen” and “in der Bsetze” by the brothers Sulzberger in Schaffhausen have, according to the presentations by curator K. Sulzberger, provided proof that besides neolithic finds from the surface, those of the Magdalenian also occur in the middle layers, and even artifacts in the lowest layers that one is justified in assigning to the Aurignacian. (Cf. Annual reports of the Swiss Society for Prehistory, VI (1913), VII (1914), VIII (1915), X (1917). ↩
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I have recorded the first brief reports on the Drachenloch in the annual reports of the Natural History Museum of the City of St. Gallen (1917/18, 1918/19). See also the annual reports of the Swiss Society for Prehistory. Editorial Prof. Dr. E. Tatarinoff) X (1917), XI (1918) and especially XII (1919/20), p. 40 ff. ↩
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Compare also Report III (1911) of the Swiss Society for Prehistory, p. 12—15. ↩
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The rich literature about the Calfeisen-Tamina valley can be found listed in the 1913 yearbook (49th year) of the Swiss Alpine Club by F. W. Sprecher: “About place names of the Tamina valley,” as well as in the club guide through the Graubünden Alps, section I: The Tamina region, by the same author. In botanical respect, the area has undergone its first thorough exploration by Theodor Schlatter (in Wartmann and Schlatter: “Critical overview of the vascular plants of the cantons of St. Gallen and Appenzell,” Reports of the St. Gallen scientific society). The author of this work has conducted further extensive botanical studies in the years 1899-1904. Their publication will occur in a separate monograph. The geological literature is listed in section IV of this work (pp. 49/50). For the topographic map 1:50,000 (Siegfried atlas: sheets Vättis and Elm) use: Becker, Frid. Itinerary S.A.C. Graue Hörner-Calanda-Ringelspitz 1888. ↩
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The current state of our knowledge about the geological conditions of the Pfäfers springs is clearly and sharply described in Albert Heim’s classic “Geology of Switzerland” (Vol. II, p. 476). According to Heim, the collection area of the thermal water is to be sought on the south slope of the Graue Hörner in the autochthonous chalk of St. Martin-Vättnerberg, but not in the 2436 m high Wildsee lake on Piz Sol. ↩
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“The Romansh names are spoken throughout by the local population of Vättis with the Romansh initial hard C (where such occurs), which cannot really be reproduced with German letters, except with two gg, which we cannot well place at the beginning of words. It is therefore completely incorrect to want to Germanize the words with the initial C to G, like Gungels, Galanda, Galveisen, Gruscha, Galvina, Galsaura, etc.” (Th. Nigg, whose explanations I completely agree with.) -– The fear of the Romansh C is therefore not to be understood. The spelling and pronunciation “Kalfeusen,” “Calfeusen,” instead of Calfeisen (in old documents = Calfeissen) should disappear once and for all, since it has nothing to do with documentary traditions. The Eschmann map also writes Calfeusen. In popular speech, “Calveis” is hardly used. ↩
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The name is not given in the topographic map. Today there is no trace of a hut that once stood here. ↩
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The ascent to Gelbberg-Drachenloch must be moved either to the earliest morning hours or to the evening, after 4 o’clock, to avoid the almost unbearable heat on the mountain slope on this side in summer. ↩
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About alpine and pasture economy, the excellent handbook by Prof. Dr. F. G. Stebler, Zurich is informative. (Berlin. Paul Parey. 1903.) ↩
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Johann Jakob Scheuchzer (1706-1708, 1716, 1746 and 1752), Gruner (1760), Fäsi (1766) and others who treat the natural history of Switzerland do not yet know the name. -– In the popular speech of the Tamina valley one hears mostly the names “Draggaberg,” whose uppermost steep rock wall is also called the “Gääl Wand” (Yellow Wall) and the alp lying beneath it Gelbberg or “Gelbaberg,” and “Dragga-loch.” Nevertheless one also hears among the local residents of Vättis the names Drachenberg and Drachenloch. ↩
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Such as Bamoze, Simel, Crisp (in the Tersol), Brändlisberg (now Satzmartinhorn), etc. The present Vättnerkopf (incorrectly called Aelplikopf in the topographical map 1:50,000, 2619 m) is called by Eschmann: “Gelber Berg.” The Gelbbergalp is correctly indicated. ↩
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Yearbook of the Swiss Alpine Club. 49th year (1913) and 51st year (1916). Supplement. ↩
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According to Placidus a Spescha the Romance dragun = wild stream, gully, dargun = rock fall. For the rest, reference may also be made here to J. J. Scheuchzer 1746, II. Volume, p. 237, where he says “that the raging mountain waters are often named with the name of dragons by the alpine people. Namely when a stream rushes down the mountains and carries large stones, trees and other things with it, they are accustomed to say: A dragon has gone out; to which figurative designation perhaps the harmfulness of dragons gave occasion; and I do not deny that many false tales of dragons may also have their origin from this.” These remarks Scheuchzer connects to the dragon of Quinten on Lake Walen, whereby he also reports that the common legend of the alpine people is confirmed that severe thunderstorms generally arise after a dragon has been seen. -– How easily one could be tempted, with our Drachenloch, to think that among the people the thought of such a dragon might also have come when, for example, the Kreuzbach coming from the Drachenberg-Vättnerkopf rushed down as a devastating torrent (Cf. our Fig. 2). ↩
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Werner Manz has worked out a very valuable monograph on “Folk customs and folk beliefs of the Sarganser region,” which appeared in No. 12 of the Writings of the Swiss Society for Folklore (1916). From F. W. Sprecher we possess in the Swiss Archive for Folklore, VII. year, issues 2 and 3 (1903) two works on “Folk customs from the Tamina valley.” ↩
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Historia Naturalis Helvetiae curiosa 1680. p. 249. ↩
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The “Rappe” is the bearded vulture, “the terror of sheep and goat herds,” which however is now extinct throughout all of Switzerland. ↩
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Cf. H. Szadrowsky: The music and its tone-producing instruments of the alpine inhabitants. Yearbook of the Swiss Alpine Club, 4th volume. On pages 315-317 is found the Alpsegen in original text along with beautiful musical setting. ↩
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Whoever wants to get a more precise insight into the mysterious dragon stories in Switzerland should delve into the following old books: Johann Stumpff: Common praiseworthy Confederation of Towns, Lands and Peoples Chronicle of worthy deeds Description (Zurich, Froschauer) 1548. Conrad Gessner: Animal Book 1606: Section “De Serpentibus” or Snake Book. Johann Jacob Scheuchzer: Itinera per Helvetiae alpinas regiones, tomus tertius. 1723. ! In this work we find 11 plates with pictures of Swiss dragons, which give us a good concept of the then fantastic views of the people about dragon creatures. -—— Natural history of Switzerland, including travels over the Swiss mountains. Zurich 1746, II. Part. pp. 219, 227 ff., 234, 237. J. J. Wagner: Historia naturalis Helvetiae curiosa. Tiguri 1680. Barth. Bisckoffberger: Appenzell Chronicle. St. Gallen 1682. Gabriel Walser: Briefly composed Swiss geography. 1770. A comprehensive work on the dragon creatures of popular imagination (with pictures) I will bring to publication at another place. ↩
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The scientific excavation of this Drachenloch was undertaken by Dr. P. Adelhelm Jaun in Stans (Bronze and Iron Age). Annual report of the college in Stans. Cf. also Dr. P. Emanuel Scherrer, Sarnen: A visit to the Drachenloch. Brother Klaus Calendar. Sarnen. 1916. ↩
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I refer here to the valuable work by Dr. Werner Manz: Contributions to the Ethnography of the Sarganser Region 1913, which appeared in the publications of the “Geographic-Ethnographic Society in Zurich.” There we also find a list of source literature. I partly follow the information from this book in my historical presentation. ↩
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Not without reason, however, teacher Th. Nigg in Vättis suspects that the traces of a Roman road mentioned by Manz are probably only the remains of the former monastery road. ↩
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Bavier: The Roads of Switzerland. p. 19. ↩
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Wartmann: The Pfävers Monastery. p. 4. ↩
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Kuoni: The Kunkels. p. 4. ↩
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The Fluppischlucht has achieved a certain fame in zoological literature through the former residence of the long-vanished “Waldrapp” or Northern Bald Ibis (Geronticus eremita L.) from the Pfäfers region, which Conrad Gessner mentions in his Historia avium (1555). Cf. J. Strohl: Conrad Gessner’s “Waldrapp” in Festschrift of the Natural Research Society Zurich 1917 (pp. 501-538). ↩
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The former presence of Romance population in the Tamina valley is evidenced by a multitude of Romance names; Ancapa, Asletschen, Asletten; Bracavall, Bovel, Bargis, Barweirsch, Piz Bargias; Calfeisen, Calanda, Calvinen, all “C” pronounced as “GG”; Piz Dolf; Ernus, Edris, Erdinoos; Feuscha, Flättache, Fojeri, Foppa, Föppli; Gallsaura, Gams, Gangleraux, Gardatscha, Garminna, Gaschetta, Gaspus, Gauis, Glägg, Gonscheraus, Gonscherollen, Grassplon, Grebi, Grisp, Gruschla, Gschadella, Gwaggis; Lavaz, Ladils; Maguasch, Mapragg, Maton, Mattlina, Molinaris, Monteluna, Mursch; Panära or Banära, Pardätsch, Parli, Permont, bei der Porta; Quadern; Radein, Ragol, Ramutz-Ramoza, Rofanetschli; Sardona, Schräa, Schüela, Piz Segnes, Serren, Simel, Piz Sol, Piz da Sterls, Spina; Tamina-Tyminnen, Tschenner, Tschugg, Tersol; Vadura, Valens, Vasön, Vättis = Fettens etc., Vidameida, Vindels; Waldafan; Zina, Zanay = Zaney. ↩
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E. Branger: Legal History of the Free Walser in Eastern Switzerland. ↩
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R. Hoppeler: Investigations on the Walser Question. ↩
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O. Wettstein: Anthropogeography of the Safien Valley. pp. 32-39. ↩
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Mr. Teacher Nigg, Vättis, informs me in writing: “The Vättnerberg was undoubtedly a Walser farmstead. The property relationships that still exist today speak for this, as well as the type of management. The property owners still form today a corporation whose members, besides their own goods, also possess common corporate property, common land, hay mountains and forest and use and manage the latter jointly. Until today individual loads of alpine rights from ‘Vättnerbergers’ in Calvina still exist by right. Formerly a larger or smaller number of loads of alpine rights in Calvina belonged to each mountain estate (in 1896 there were 62¼ loads, of which 1½ loads fell to a property owner in the minimum case, 13¼ loads in the maximum case). Today almost all of these alpine rights have been purchased by the community of Vättis, the now sole owner of the Alp Calvina.” Further Walser settlements besides those already named are known in the Prätigau, Davos, Langwies, Arosa, Valzeina, Stürvis, on the mountain slopes from Maienfeld to Churwalden, on the Heinzenberg, in the Oberhalbstein, Avers, around the Calanda, Walserberg, Vorder- and Hinterpalfries (the latter three north of the Gonzen), on the Triesen Berg, in the small and large Walser valley (Vorarlberg) and also in Tirol. ↩
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We have succeeded in creating a very clear photograph of these foundation remains, which is in our possession. ↩
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According to kind communication from Mr. Teacher Th. Nigg, however, already before 1367 “Pantaleon von Kalueiss, der Walliser, appears in possession of ‘drizehn stukken’ arable and meadow land situated in the ‘hof za Fussuns’ (Vasön). (Document from 1379 in the collection of Th. Nigg.) ↩
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The highest alpine huts are found today in the Calfeisental at 2047 and 2070 m (Egg and Gelbberg). ↩
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Cf. also: G. Meyer v. Knonau: From the History of the Landscapes of the Club Region. Yearbook of the S.A.C. 1888. ↩
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The cave plans included here may only be regarded as sketches. The actual topographical survey is still outstanding. Its results will be recorded in the main publication about the Dragon Cave. ↩
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The course of the eastern rock wall of Dragon Mountain goes (measured with the magnetic needle) exactly in the direction 20° NNE—200° SSW. The exposure of the cave portal is 110° ESE. From this it follows that the direction of the cave axis lies nearly perpendicular to the ridge direction, or the almost NS course of Dragon Mountain itself. — Every Dragon Cave visitor who has made the piquant circumnavigation of Dragon Mountain on the south side to the even more surprising, precipitously falling western rock wall of this mountain toward Tersol Gorge (with magnificent view of the Sardona group, the Satzmartinhorn, the rear Tersol valley, Piz Sol and the lonely Crisp valley) has the question on his tongue: How many meters might still be lacking for the Dragon Cave to have an exit on the west side? We have subjected this question to a measuring examination (14 Sept. 1921). Since the strike direction of the Dragon Mountain west wall amounts to 348° NNW, thus does not run exactly parallel to the eastern rock wall, the length of the south side of the mountain (up to the isolated rock head) = 90 m, so with an actual cave length of the Dragon Cave of 65-70 m a difference of about 12 m results. The Dragon Cave would accordingly have to be lengthened by this much in order to enjoy a gruesomely beautiful view into Tersol valley on the blackish rock band (Gault) lying probably 30 m high above the narrow grass band on the western rock wall. (View from high rock window.) ↩
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In Memoirs of the Imperial Academy of Sciences in Vienna 1911, 1913, 1915. ↩
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J. Wiesner: The Light Enjoyment of Plants. Leipzig. W. Engelmann. 1907. ↩
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The carefully collected flowerless plants (mosses, lichens, algae) still await closer species determination. ↩
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The installation and use of self-registering meteorological instruments (thermograph, barograph), as has been done in the Wildkirchli cave, unfortunately cannot be considered in the Dragon Cave and especially in wintertime, since the mechanism of these apparatus is too short-term (8 days) and an ascent in unfavorable weather and in winter to the Dragon Cave is not possible because of the snow conditions. ↩
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Jul. Maurer, Rob. Billwiller jun. and Clem. Hess: The Climate of Switzerland, in 2 volumes. It is the classic climate work that is indispensable to the natural scientist of Switzerland. I refer here to Volume I, pp. 65, 74 (map), 80, 151, 154 and 167. ↩
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The climate of Vättis (meteorological station, 951 m) has, according to kind written communication from Director Dr. J. Maurer, the following advantages: Vättis, not far from the background of a föhn-mild high valley, possesses mild winters, the autumn is equally favorable. Average annual temperature = 6.4°. Seasonal temperature averages: Winter = -1.5°, Spring = 5.8°, Summer = 14.2°, Autumn = 6.9° C. For the rest cf. Climate of Switzerland, I, p. 151). Great freedom from fog. Main winds: NE (good weather wind from St. Peter) and SW (rain wind) from the Calfeisen valley (the “weather hole” of the Vättner people). Protected against north and northwest winds. Average precipitation amount with 1133 millimeters below the general average of Switzerland. ↩
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In my generally comprehensible writing: The Wildkirchli I have described the “temperature inversion” more closely. For the one who first touched on this peculiar problem and striking phenomenon is none other than the founder and establisher of the “Wildkirchli,” Pastor Dr. Paulus Ulmann, who lived there as a hermit for full two years, 1658-1660, and in his handwritten diary, which is still preserved, wrote down a number of interesting weather reports, which I have included according to the original text in my above-mentioned writing. ↩
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Kraus Fr.: Cave Science. Vienna. 1894. ↩
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Fugger E.: Ice Caves and Wind Tubes. Salzburg. 24th-26th Report of the Higher Secondary School. 1891-1893. ↩
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Lohmann Hans: The Cave Ice. Jena. K. Bose. 1895. ↩
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Futterer K.: Observations on the Ice of the Feldberg. Karlsruhe. 1901. ↩
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Crammer Hans: Ice Cave and Wind Tube Studies. Treatise of the Geographical Society Vienna. I. 1899. ↩
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Contributions to the Geological Map of Switzerland. XXV. Issue (1891). ↩
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Quarterly Journal of the Natural Research Society Zurich. 55th Year (1910). ↩
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Contributions to the Geological Map of Switzerland. New Series. XXXIII. Issue (1911). ↩
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Yearbook of the Natural Society of Graubünden 1854, supplemented 1855/56. ↩
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Contributions to the Geological Map of Switzerland. N.S. VII. Issue (1897). ↩
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Contributions to the Geological Map of Switzerland. N.S. XXXIX. Issue (1912). ↩
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Geological Map of the Alps between Linth area and Rhine (Graue Hörner, Ringelspitz, Calanda). Surveyed by M. Blumenthal, J. Oberholzer and K. Tolwinsky. Special Map No. 63. I owe a first proof print, which still requires further corrections, to the kindness of Prof. Dr. Albert Heim in Zurich. ↩
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Albert Heim: The supposed vault bending of the northern limb of the “Glarner Double Fold” south of the Klausen Pass, a self-correction. Quarterly Journal of the Natural Research Society Zurich. 51st Year (1906). Albert Heim: Observations from the root region of the Glarner folds (Helvetic nappes). Contributions to the Geological Map of Switzerland. New Series. XXXI. Issue (1911). Albert Heim: The structure of the Swiss Alps. New Year’s Sheet of the Natural Research Society Zurich 1908 (110th piece), p. 9 ff. ↩
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Arnold Heim: On the knowledge of the Glarner overthrust folds. Journal of the German Geological Society. Year 1905. ↩
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Paul Arbenz and Walther Staub: The root region of the Helvetic nappes in the Hinterrhein valley and the overthrusting of the Bündner schists south of Bonaduz. Quarterly Journal of the Zurich Natural Society. 55th Year (1910). Paul Arbenz: The recumbent folds of central and eastern Switzerland. Quarterly Journal of the Zurich Natural Society. 58th Year (1913). ↩
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Club guide of the Swiss Alpine Club. ↩
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Compare also: Albert Heim: Some words on the geology of the club area. Yearbook S.A.C. 1888. ↩
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Cf. the geological profile table XVIII in A. Heim, Geology of Switzerland. Volume II. ↩
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Corrigenda: Satzmartinshorn is Wildflysch not Verrucano. ↩
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The name Lochseitenkalk comes from the locality Lochseite near Schwanden already investigated by A. Escher v. d. Linth. It is still today the classic place where already in the depth below the process of overfolding and overthrusting and the fact of inverted stratification, as well as of nappe thrust, can be recognized with full clarity. — The upper boundary of the Lochseitenkalk is mostly a smooth, polished-looking sliding surface. The underside, on the other hand, is uneven, jagged, confused, often kneaded with the underlying, mostly differently stratified, southeast-dipping flysch. — More detailed information about this peculiar metamorphosed rock we find in A. Heim: Mechanism of Mountain Building, furthermore in A. Heim: Geology of Switzerland, Volume II and in many other writings of the same author. ↩
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As autochthonous Alb. Heim (Geology of Switzerland, Vol. II, p. 32) designates “that mountain which is folded, compressed, raised in place without wide horizontal displacement.” As parautochthonous one designates according to Arnold Heim (loc. cit., p. 33) “those nappe-form folds and scales which according to facies and tectonics are immediately linked with the autochthonous massif mantle or have been torn off from there by higher nappes and passively transported, but do not originate from its southern side.” About the nappe structure of the Swiss Alps, the overthrusting and folding phenomena, one orients oneself best in the first chapters of Vol. II of the Geology of Switzerland by Prof. Albert Heim, and in the same author’s writing: The Structure of the Swiss Alps (New Year’s Sheet of the Zurich Natural Society 1908). ↩
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As a sign of the extremely favorable autumn of 1921 it may be mentioned that on September 14 on the Vättnerkopf (2619 m) the following plants were still found blooming: Gentiana verna, Linaria alpina, Saxifraga oppositifolia, Campanula pusilla, Silene exscapa, Cerastium alpinum, Oxytropis montana. A lively butterfly, a small tortoiseshell (Vanessa urticae), flew around the summit at a temperature of 13° C (11 o’clock morning, direct sunshine). ↩
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Frost splitting manifests itself in the way that the water present in the rock freezes and the ice according to a known law demands 1/11 greater space than the water. This space enlargement now works as a rock-splitting force. Thus the rock is further fractured; in the clefts new ice forms every winter that performs the blasting work with ever greater force. Upon thawing, a further loosening of the rock occurs each time. ↩
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In my handwritten “Methodology of today’s prehistoric cave research” I have given a detailed presentation of the practically tested excavation methods. ↩
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Layers III and IV with the richest faunistic inventory, of which naturally a large part is completely decomposed, are according to the investigations of the Mining Bureau in Bern (Chemical Department: Dr. Truniger) quite rich in phosphate earth. Experiments that were made in Vättis with these earths proved their excellent fertilizing effect, especially in cauliflower beds through a most abundant growth of this vegetable plant. The thought of a larger practical utilization of this red-brown phosphate earth had to be abandoned, however, because of too small yield (high transport costs!). ↩
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W. Soergel: Das Aussterben diluvialer Säugetiere und die Jagd des diluvialen Menschen. Festschrift zur 43. Allgem. Vers. d. deutschen Anthrop. Gesellschaft in Weimar 1912. Jena, Gust. Fischer, 1912. ↩
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Abhandlungen der K. Bayr. Akademie der Wiss. II. Kl. XXIV. Bd. II. Abt. München 1909. ↩
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The last bear in the Calfeisen valley (simultaneously in the canton of St. Gallen) was killed in 1805 (see New Year’s issue 1890 of the Historical Society St. Gallen, p. 36). According to W. Manz (Contributions to the Ethnography of the Sarganserland, pp. 98-99), on November 23, 1799, following the instruction of a bailiff’s letter after a three-month chase, a 3-centner heavy bear was killed by Jakob Wildhaber of Sargans, the so-called monastery hunter, by a single rifle shot in the Calfeisen valley and thereupon transported out of it under drumbeat and great jubilation. According to oral communications from David Kohler, mountain guide in Vättis (†), the last bear on the Alp Schraea in the rear Calfeisen valley is said to have attacked and eaten a cow. According to D. Kohler, a current pasture on the Panära alp is called “Bäre-fahd” (Fahd = path, way), a ground above it “Bärefahdboden”. A place on a rock under the Sardona was also called “Bi der Bärefalle”. -– The same informant also told me that the people of the Calfeisen valley at the time when there were still bears there, built actual deep bear pits, which they covered with loose branches and leaves and tied a goat as bait at the spot. Already in 1742 we find in the statute established by the inhabitants of Calfeisen (Pfäf. Regesten Nr. 670) the following passage: “Item, wen man in Calfeysen Wolff oder Beren jnnen würt vnd man die Lüt jn demselben teyll wissen lat, So soll jederman louffen, es seyend jngesessen thallüt oder goyell (?) die den da alpend, vnd die thier Helffen Jagen vnd vertriben.” In 1529 a shooting fee of 5 guilders was set by the inhabitants of the Sarganserland for killing a bear or wolf. Still at the end of the 18th century, the persecution of wild animals was a common cause. The church bells called the able-bodied men of the entire valley to common driving and chasing hunts. (According to Manz, loc. cit. 96-98.) The lynx was also still present then. ↩
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The last bearded vulture in this area, a very old female, was captured alive at Calanda in 1822. It stands in the Natural History Museum of the city of St. Gallen. ↩
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Cf. E. Bächler: Die Wiedereinbürgerung des Steinwildes in den Schweizeralpen. Jahrbuch der St. Gall. Naturw. Ges. 55. Band, 1917/18. ↩
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The first specimen of the dwarf ermine (Putorius ermineus minimus Cav.) from the canton of St. Gallen was sent to me by Mr. Teacher Th. Nigg from the village of Vättis for the Natural History Museum (1919). Cf. Th. Studer: Ueber Putorius ermineus minimus Cavazza. Eine Zwergform des Hermelins. Mitt. d. Naturf. Ges. Bern 1913. ↩
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The cave-dwelling animals and plants can be divided into the following groups (cf. W. v. Knebel, Höhlenkunde, pp. 196-197): a) Troglophiles, i.e. animals and plants that also occur outside caves but prefer caves as dwelling places. b) Troglobiotes or true cave dwellers, these are animals and plants that are found only in caves (e.g. cave fish, olm, cave crabs, etc.). c) Temporary cave dwellers, these are animals whose living conditions lie outside caves, who therefore only seek caves as dwellings at certain times (e.g. predators, bats, etc.), also humans. About the animal world of caves, W. Kobelt, die Verbreitung der Tierwelt, 29th chapter: Höhlentiere, pp. 543-552 and O. Hamann: Europäische Höhlenfauna. Jena 1896 provide excellent orientation. ↩
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Cf. F. Baumann: Ueber eine Schneemauskolonie am Stockhorngipfel und die Bedeutung eines solchen Vorkommens in systematischer und tiergeographischer Hinsicht. Mitteil. d. Naturf. Ges. in Bern 1918, pp. 108-118. About the snow vole we find individual descriptions in F. v. Tschudi: Thierleben der Alpenwelt, 11th ed., pp. 502-505 and in V. Fatio: Fauna des Vertébrés de la Suisse, Vol. I, p. 231-234. -– V. Fatio: Les campagnols du Bassin du Léman (Association zoologique du Léman, année 1867). -– Börner u. Schinz: Naturgeschichte der in der Schweiz einheimischen Säugetiere, Zürich 1809, do not yet know the snow vole. It was first described in 1842 by Martius (Revue de Zoologie) and more thoroughly in the Annales des sciences naturelles, Volume XIX, as a new species (from specimens from the Faulhorn). The alpine large fauna we still find most beautifully presented in the ever-classic “Thierleben der Alpenwelt” by Fr. v. Tschudi. For the study of alpine animal life, the following writings may still be mentioned here: F. Zschokke: Die Tierwelt der Alpen einst und jetzt. Basel. 1920. -– F. Zschokke: Die Tierwelt der Schweiz in ihren Beziehungen zur Eiszeit. Basel. Benno Schwabe. 1901. -– E.A. Goeldi: Die Tierwelt der Schweiz in der Gegenwart und Vergangenheit. Vol. I. Bern. A. Francke. 1914. -– W. Kobelt: Die Verbreitung der Tierwelt. Leipzig. Tauchnitz. 1902.— W. Haacke u. W. Kuhnert: Das Thierleben der Erde. Vol. I: Alpenthierleben, pp. 559-588. -– Conr. Keller: Im Hochgebirge. Naturwiss. Bibl. Leipzig. Quelle & Meyer. 1911. -– We owe very valuable monographs on alpine animals to our St. Gallen natural scientist *Dr. A. Girtanner (died 1907), such as on the ibex, the bearded vulture, golden eagle, wallcreeper, alpine swift, the alpine chough, the marmot. See the list of the numerous writings of Dr. A. Girtanner in the Jahrbuch der St. Gall. Naturwiss. Ges. 1907, pp. 130-133. (Dr. med. Georg Albert Girtanner. Biography by Johannes Brassel.) ↩
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Subsequently I see from Ed. Handschin: Beiträge zur Kenntnis der wirbellosen terrestrischen Nivalfauna der Schweiz. Hochgebirge (Dissertation from the Zoological Institute of the University of Basel, 1919), that E. Handschin also encountered Triphosa dubitata at the Hühnertäli glacier at 2800 m altitude (29. VII. 1916). ↩
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Naumann: Naturgeschichte der europ. Vögel, Vol. IV, pp. 40-47. -– F. v. Tschudi: Thierleben der Alpenwelt, 11th ed., 1890, p. 499. -– A. Girtanner: Die Alpendohle (Ornith. Monatsschrift der deutsch. Ver. z. Schutze der Vogelwelt, XXV., 1919, p. 346). ↩
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Pestuns or “child nurses” the Russians call the young of the first two years, who still remain with the bear mother, whereby they tend their younger siblings (M. Schlosser: Die Tischoferhöhle, 419). ↩
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About the systematics of fossil and living Ursus species, forms, varieties, etc., E. Trouessart provides orientation: Catalogus Mammalium tam viventium quam fossilium. Tome II and Supplementum. Berlin. Friedländer (1898-1905). ↩
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The species Ursus arctos subfossilis can be maintained for the Drachenloch despite newer results about Ursus spelaeus. (Cf. Theodor Kormos: Ueber die überzähligen Praemolare des Höhlenbären. Barlangkutatäs. II. Vol. 1914. p. 229. Budapest.) ↩
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Oskar Fraas: Der Hohlenstein und der Höhlenbär. Jahresber. d. Ver. f. Naturgeschichte in Württemberg. 17th year 1861. 158-188. Eberhard Fraas: Die Höhlen der Schwäb. Alb. ↩
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G. Hagmann: Die diluviale Wirbeltierfauna von Vöklinshofen. Strasbourg. 1899. ↩
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W. Soergel: Das Aussterben diluvialer Säugetiere etc. ↩
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G. Steinmann: Die zoologischen Grundlagen der Abstammungslehre. Leipzig. 1908. ↩
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Cf. F. Baumann: Ueber eine Schneemauskolonie am Stockhorngipfel. Mitteil. der Naturf. Gesellschaft in Bern. 1918. p. 113 et seq. ↩
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In the artificial separation of the bear skull (decapitation) it is an empirical fact that always the two first cervical vertebrae are separated with the skull, these thus remain attached to the skull. Strikingly, a whole number of second cervical vertebrae (epistropheus) also have injuries in a consistent manner at the place where the separation of the head from the body took place. ↩
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The humerus is incidentally the one that possesses the largest marrow cavity. ↩
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For all stone cist finds, an exact list of the bones located in the stone frame has been recorded. Thus for the skull with the right femur drawn through. Next to the latter were also found: a left humerus in which the lower epiphysis was missing, two other humeri, in both the upper epiphysis missing; furthermore: 2 tibiae (1 left, 1 right), complete, 1 almost complete left ulna, 5 unrelated lumbar vertebrae and some smaller bones. Exact measurements have shown that not two of the named bones belong together, thus do not originate from one and the same skeleton. ↩
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I recall from the many examples only the hunting customs still practiced today among mountain peoples of the Caucasus, which E. Pfitzenmayer (Stuttgart) describes to us in his charming: “Memories of Caucasian Big Game Hunts” (“Wild und Hund”, XXV year, No. 50 [1919], XXVI year, No. 2, 3, 6, 8, 12, 19, 20 [1920]) where he writes in No. 50 (1919), p. 663: “This pass height with its view of the hunting territory of hunters coming from Chevsuretia was quite the place for a roundish masonry near us, to which our attention was drawn. This was a sacrificial site erected to the Chevsuretic hunting god, covered with deer antlers and tur (ibex) horns, which partly already showed very strong weathering. When the Chevsuretic hunters go out hunting, in order to secure success, it must not be neglected to vow to the hunting god at his sacrificial site a piece of the trophies of the game that the hunters hope to bag, which is then deposited here on the return journey, etc.” -– Colleague E. Pfitzenmayer showed me last winter on the occasion of his lecture in St. Gallen about the expeditions he accompanied for the lifting of mammoths enclosed in Siberian ice, photographs from the Caucasus on which such sacrificial altars of Caucasian hunting peoples were depicted. Among them were altars with deer antlers, but also with bear skulls. Mr. Conservator Pfitzenmayer, a capable hunter, has admitted the identity of these sacrificial altars in the Caucasus with the hunting cult sites in the Drachenloch in all parts. ↩
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About bear festivals (after successful hunting) among the Ainos and Siberian peoples (famous bear hunters are also the Lapps) we read in L. Heilborn: Wild Animals (Bong, Berlin 1921, p. 141): “While the women weep and lament, the dead bear is festively decorated, placed on a mat and provided with food and drink. One sacrifices to it, holds speeches to it, becomes ever more exuberant, and finally the animal is dismembered, the blood drunk and the meat distributed among those present. But the skull is preserved in a sacred place.” A series of such ethnological parallels about bear skull cult among today’s natural peoples could still be cited, who pursue bear hunting in the most primitive way (by means of animal traps, pitfalls, spears, lassos, automatic guns). One may also compare in Th. Zell (Giants of the Animal World, Berlin, Ullstein & Co.) the 14th chapter: “Various ceremonies of natural peoples after the killing of mighty predators” (pp. 164—171). In the two main works by Otto Keller: “Animals of Classical Antiquity in Cultural-Historical Relation” (Innsbruck, Wagner University Bookstore, 1887) and “The Ancient Animal World”, Vol. I (Leipzig, Wilh. Engelmann, 1909), we find rich instruction about bear cult in saga, myth, poetry and history. The veneration for the “king of European forests” brought him into relationships with deities (Artemis, at whose temples bear heads were hung up, Zeus, Helena, Meleager etc.). The religious-demonic-mystical significance made the bear the type for coins among the Gallic and Hispanic Celts. In the animistic Gallic cult the striding bear is the main attribute of the goddess Dea Artio, who has her name from arctos = artos, Celtic-Irish “Art”. We also find him often as totem and soul-migration object. In classical antiquity, hunting bears even with pitfalls is a sport and high pleasure to which Roman emperors and Persian sultans devoted themselves with passion. Roman emperors favored the bear for the horrible animal baiting and gladiator games in the amphitheater. At all times the bear was tamed and trained. His placement in the sky as constellations (= great and little bear, Ursus major and Ursus minor) originates from hunting peoples. The popularity of the bear is thus ancient; it is transferred even today from generation to generation in coats of arms and statues. The bear is also already a popular object for cave drawings (totem?) in the youngest period of the Paleolithic (Magdalenian). ↩
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Cf. E. Bächler: The Position of Geology to Today’s Paleolithic Cave Research, in “Heim-Festschrift” (Quarterly Journal of the Zurich Natural Science Society LXIV. (1919). ↩
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It is known that in many bear caves likewise edge-rounded bone partial pieces occur whose rounding arose through flowing water, thus through “rolling” of the bone pieces. In the Wildkirchli, however, such bone scouring is completely excluded. Cf. also Ottokar Kadić: Results of the Exploration of the Szeleta Cave (Hungary). Communications from the Yearbook of the K. Hungarian Geological Imperial Institute. Budapest 1916. It is completely clear that the rounding of bone fragments at the fracture edges and points can be of quite different origin: a) As a result of transport in flowing water, whereby the bone is probably most attacked by the grinding sludge. Experiments that demonstrate the effect of this rolling in water and the real, unmistakable characteristics of the same are completely unknown from the literature so far, since strangely enough no one has taken the trouble to approach this important matter more closely. One speaks constantly without more precise examination only of “bones rolled in water”. b) As a result of chemical dissolution of the bone substance in carbonic acid-containing water, particularly where it stagnates, as on clayey ground. I know this effect from the Wildkirchli and Drachenloch, which can be easily distinguished from “rolling in flowing water”. c) As a result of weathering and chemical decomposition. Such examples we encounter preferentially in the deeper and deepest find layers of a prehistoric deposit. d) As a result of intentional rounding (by means of stone tools) or through actual use of the bone for smoothing through rubbing activity of man. The effects of the four different rounding factors can be distinguished by means of magnifying glass and microscope, about which I will report elsewhere. It can be briefly noted here that in the intentionally intended work with the bone by man, always certain parts of a bone show this activity, while other parts have remained untouched by it. Nevertheless there are also totally rounded bone fragments that certainly testify only to human work (intentional edging and rounding because of greater handiness!). If we find such rounded bones in association with coal hearths, fireplaces, intentional bone accumulations and stone tools, then -– with exclusion of flowing water in the cave at the time of its habitation and later -– their intentional nature is hardly questionable anymore. If the bone pieces finally possess polish or even ground surfaces, then any doubt is no longer justified. ↩
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See the illustrations on Plate IV in E. Bächler: The Wildkirchli. Writings of the Association for History of Lake Constance and its Surroundings. 1912. ↩
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Innkeeper Franz Dörig sen., an eager hunter, who was my faithful collaborator in the Wildkirchli excavations with O. Köberle, had immediately recognized the purpose of these fibula fragments at the time, since he himself, like other Innerrhoden hunters, often used smaller bone pieces for skinning the shot chamois. ↩
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L. Pfeiffer (Weimar): 1. Contribution to Knowledge of Stone Age Hide Processing. Journal of Ethnology. Berlin 1910. Issue 6. 2. The Dismemberment of Hunting Animals in the Stone Age. Correspondence Sheet of the General Medical Association of Thuringia. Weimar 1910. 3. Stone Age Technology. Jena. G. Fischer. 1912. (Main works!) 4. The Tools of Stone Age Man. Jena. G. Fischer. 1920. (Main works!) ↩
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Cf. Arnold Heim: On the Question of Exotic Blocks in the Flysch. Eclogae geologicae Helvetiae. Vol. IX, No. 3, 1907. ↩
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Cf. J. J. Früh: Contributions to Knowledge of the Nagelfluh of Switzerland. Prize-winning Essay. Memoirs of the Swiss Natural Science Society. Vol. XXX. 1888. ↩
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Illustrations of stone tools from the Wildkirchli are found in my works on this prehistoric find site named on page 5, footnote 1). ↩
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I can never agree with the newest attempt by O. Hauser (“On a New Chronology of the Middle Paleolithic in the Vézère Valley”, Leipzig, Veit & Co., 1916) to also classify the Wildkirchli into his “newly discovered” Micoque-Kösten type, since this type unconditionally requires thorough review. ↩
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K. Tolwinsky: The Gray Horns. Quarterly Journal of the Zurich Natural Science Society. Year 55 (1910). Separate print p. 30 ff. ↩
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In summer 1903 I encountered on the ridge edge Hinterer Drachenberg-Furkla-Zanayhörner a quantity of large exotic blocks weathered in loco, which present themselves like a mountain fall whose origin one does not know. ↩
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These Gault limestone stones must also have been brought into the cave by man, since we never reached the Gault lying under the Seewer limestone of the cave walls in our excavations. In the Wildkirchli we had the same phenomenon of introduced Gault pieces from the Ebenalp. ↩
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L. Pfeiffer (Weimar): 1. Contribution to Knowledge of Stone Age Hide Processing. Journal of Ethnology. Berlin 1910. Issue 6. 2. The Dismemberment of Hunting Animals in the Stone Age. Correspondence Sheet of the General Medical Association of Thuringia. Weimar 1910. 3. Stone Age Technology. Jena. G. Fischer. 1912. (Main works!) 4. The Tools of Stone Age Man. Jena. G. Fischer. 1920. (Main works!) ↩
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Wilhelm Wundt: Elements of Folk Psychology. (Primitive Forms of Magic and Demon Belief.) Leipzig. Kröner. 1912. ↩
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Herm. Klaatsch and L. Heilborn: The Development of Mankind and the Origin of Culture. German Publishing House Bong & Co., Berlin etc. 1920. P. 239: Burial customs. ↩
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The expression retardation (delay or lagging behind) of a cultural stage is used when in remote areas of the earth that have remained untouched by foreign influences for centuries and even longer, older cultures have been preserved, while in other areas with greater mobility of peoples (migrations!) much younger, more advanced cultures have long since come to dominance. -– Thus there are still natural peoples today who have not progressed further in their cultural phase than prehistoric man of the Neolithic (pile dwellers), indeed even stand further back (New Guinea, Tasmania and other places). One also assumes that there have been refuges for the animal world where certain animal species could maintain themselves much longer than in areas with greater human settlement (retarded faunas). ↩
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To prevent any misunderstandings, I would like to emphasize here that I do not claim to have discovered a new “cultural stage,” just as I never postulated a “neutral Swiss Mousterian” (cf. O. Hauser in Journal of Ethnology 1916, p. 300). On the other hand, it must be designated as a pronounced self-deception when O. Hauser counts both the Wildkirchli as well as the finds from Cotencher among his Micoque special type. Since I have seen the Micoque myself, as well as finds from there, I may allow myself a judgment, which I will incidentally justify thoroughly elsewhere. ↩
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The Position of Geology to Today’s Paleolithic Cave Research. ↩
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A pre-glacial settlement of the Drachenloch is to be regarded as completely excluded, as with the Wildkirchli. ↩
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Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz, 25th issue p. 470 ff. ↩
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Der Calanda. Beiträge. New series, VII. issue p. 45—55. ↩
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The highest situated erratic rock (a small talc-containing piece) is located at exactly 1921 m. ↩
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The supposition has arisen that for the settlement of the Drachenloch much rather the middle interglacial period (Mindel-Riss-Interglacial) might come into consideration, because it enjoyed a much longer duration under still more favorable conditions.—Although the investigations about the diluvial geological age of the Drachenloch may by no means be finished, no secure indications for an even higher age of the same are known to me until today.—It would also still be premature to make precise time indications from the layer profiles.—On the other hand there are no facts that speak against the last interglacial (Riss-Würm) age of the Drachenloch.—Whether the same is to be placed more at the beginning, in the middle or at the end of the last interglacial period cannot yet be decided. ↩
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The question is often raised whether the Drachenloch inhabitant had not already known the steep ascent from Vättis. To this we naturally have no answer. It was possible, just as well as for today’s mountain walker, since we may surely assume that the erosion of the Taminatal had not yet cut as deeply as today, and therefore the ascent was still easier. Under no circumstances, however, may we think of a pre-glacial settlement of the Drachenloch. ↩
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It is to be regarded as certain that the famous Tamina gorge did not yet exist at that time, since it is of post-glacial age. ↩
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Cf. W. Soergel: Die Jagd des diluvialen Menschen (in: Das Aussterben diluvialer Säugetiere etc.). Jena. G. Fischer. 1912. About the bear, its way of life and the hunt for it compare: Brehm’s Tierleben, 4th ed., XII. vol. Säugetiere, III. vol. (1915). F.v.Tschudi: Thierleben der Alpenwelt, XI. ed. Head Forester Krementz: Der Bär (in den Rokitnosümpfen Russlands). Egon, Baron v. Kapherr: In russischer Wildnis (Berlin. Duncker. 1910). L. Heilborn: Wilde Tiere (Bong, Berlin. 1921). Th. Zell: Riesen der Tierwelt (Berlin. Ullstein & Cie. 1911). Haake u. Kuhnert: Tierleben der Erde, I. vol., p. 590—607. ↩
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All finds depicted in Figs. 17—26 are reduced in size here in the picture. ↩